Wirtschaft: Lichtblick in der Industrie

In vielen Ländern steht die produzierende Industrie massiv unter Druck. Die grössten Güterexporteure der Welt, China und Deutschland, befinden sich gar in einer Rezession. Dabei handelt es sich u.a. um Nachwehen der COVID-19-Pandemie. Während dieser haben nämlich viele Menschen ihren Dienstleistungskonsum sowohl auf freiwilliger Basis als auch aufgrund staatlicher Einschränkungen reduziert und ihn mit Güterkonsum substituiert. Die dadurch verursachte Sättigung hat in den letzten Monaten wenig überraschend zu einem deutlichen Absinken der globalen Güternachfrage geführt. Im Januar haben sich nun aber erstmals die Stimmungsindikatoren in der Industrie breitflächig aufgehellt. Gleichzeitig scheinen sich die Güterpreise allmählich zu stabilisieren. Das sind zwar positive Nachrichten für die globale Konjunktur, dürfte aber einen weiteren Rückgang der Inflation erschweren.

  • Die Schweizer Wirtschaftsentwicklung bleibt kraftlos. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern und den USA hat sich das Stimmungsbild in der Industrie zuletzt nicht verbessert. Der Auftragsbestand und die Kapazitätsauslastung bleiben sehr tief und spiegeln den anhaltenden Abschwung im produzierenden Gewerbe wider. Ohne den wenig konjunktursensitiven Chemie- und Pharmabereich wäre die Lage in diesem Sektor gar noch schwächer. Positiv ist aus dieser Perspektive, dass sich der Schweizer Franken in den ersten Wochen des neuen Jahres nicht mehr weiter aufgewertet hat. Der stärker auf den inländischen Konsum ausgerichtete Dienstleistungssektor hält sich derweil standhaft. Dies, obwohl das Vertrauen der Schweizer Konsument:innen auf tiefem Niveau verharrt und die Inflation zu Jahresbeginn aufgrund der Anpassung vieler administrierter Preise – wie beispielsweise Strompreise, die Mehrwertsteuer oder Tarife im öffentlichen Verkehr – wieder etwas anziehen dürfte.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei ca. –1,0 Prozent liegen wird.
    Quelle: Bloomberg
  • Die amerikanische Wirtschaft ist im vierten Quartal des vergangenen Jahres erneut kräftig um 0,8 Prozent gewachsen. Die grösste Volkswirtschaft der Welt legte damit im zweiten Halbjahr 2023 so stark zu, wie sie dies gemäss ihrem langfristigen Schnitt normalerweise in einem ganzen Jahr tun würde. Das Wachstum war dabei über alle Nachfragekomponenten abgestützt. Vor allem der private Konsum ist erneut deutlich angestiegen. Das starke Lohnwachstum, das die derzeitige Inflationsrate übersteigt, dürfte die Nachfrage zudem auch in den kommenden Monaten stützen. Des Weiteren hat sich neben den positiven realwirtschaftlichen Zahlen auch die Stimmung in der Industrie, bei den Dienstleister:innen sowie bei den Konsument:innen verbessert. Dieses insgesamt starke Bild dürfte jedoch auch den Preisdruck weiterhin hoch halten und so zunehmend zur Herausforderung für die amerikanische Zentralbank (Fed) werden. Bereits in den letzten Monaten haben die Erfolge bei der Inflationsbekämpfung spürbar abgenommen. So ist die Kerninflation von September 2023 bis Dezember 2023 lediglich von 4,1 auf 3,9 Prozent gefallen. 

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft stagnieren wird (0 Prozent).
    Quelle: Bloomberg
  • Die kürzlich publizierten Wachstumszahlen zum vierten Quartal 2023 zeigen die tiefen Spuren, die die weltweit schwache Güternachfrage in der europäischen Wirtschaft hinterlässt. Für die gesamte Eurozone resultierte eine schwarze Null, während die grösste Volkswirtschaft Deutschland gar um 0,3 Prozent geschrumpft ist. Die jüngsten Wirtschaftszahlen waren aber für einmal nicht nur negativ. So sind im Januar die Stimmungswerte sowie das Geschäftsklima im Industriesektor spürbar positiver geworden. Es ist die erste deutliche Stimmungsverbesserung seit mehr als einem Jahr. Damit geht die Hoffnung einher, dass sich die anhaltende Rezession im produzierenden Gewerbe in den nächsten Monaten nicht mehr weiter vertieft. Dafür würden auch die Güterpreise sprechen, die zuletzt ihren Abwärtstrend gestoppt und sich stabilisiert haben. Ob es sich dabei um eine nachhaltige Trendwende in der europäischen Konjunktur handelt, muss sich in den nächsten Monaten allerdings zuerst weisen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein stagnierendes Wirtschaftswachstum (0 Prozent) in naher Zukunft hin.
    Quelle: Bloomberg
  • In vielen Schwellenländern verläuft die Wirtschaftsentwicklung nach wie vor deutlich positiver als in den Industrienationen. Ein bedeutender Wachstumstreiber bleibt die indische Wirtschaft, die im vergangenen Jahr um beachtliche 7,3 Prozent zugelegt hat. China, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, sieht sich hingegen weiterhin mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Einerseits zeichnet sich keine baldige Besserung in der schweren Immobilienkrise ab. Andererseits bleibt die Konjunktur schwach, was sich deutlich in der Preisentwicklung widerspiegelt. Im Januar ist die chinesische Inflation auf –0,8 Prozent gesunken und verharrt somit im deflationären Bereich. Zudem sind weder von fiskalischer noch von geldpolitischer Seite bedeutende Unterstützungsmassnahmen für die Konjunktur erkennbar. Es scheint, als würde die chinesische Regierung den Abschwung über sich ergehen lassen, um weitere Investitionen zu verhindern und eine noch stärkere Überhitzung des Immobilienmarktes zu vermeiden.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft zwischen 4 und 5 Prozent liegen wird.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2023Q3
Schweiz
0,3%
USA
2,9%
Eurozone
0,0%
GB
0,3%
Japan
1,2%
Indien
7,6%
Brasilien
2,0%
China
4,9%
Indikatoren
BIP J/J 2023Q4
Schweiz
k.A. 
USA
3,1%
Eurozone
0,1%
GB
k.A. 
Japan
k.A. 
Indien
k.A. 
Brasilien
k.A. 
China
5,2%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
USA
Eurozone
+
GB
=
Japan
+
Indien
-
Brasilien
China
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,3%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,7%
Japan
1,1%
Indien
5,2%
Brasilien
1,5%
China
3,8%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
1,3%
USA
3,1%
Eurozone
2,8%
GB
4,0%
Japan
2,6%
Indien
5,7%
Brasilien
4,5%
China
-0,8%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
1,75%
USA
5,50%
Eurozone
4,5% 
GB
5,25%
Japan
–0,1%
Indien
6,5%
Brasilien
11,25%
China
4,35%

Quelle: Bloomberg

Diese Seite hat eine durchschnittliche Bewertung von %r von maximal 5 Sternen. Total sind %t Bewertung vorhanden.
Sie können die Seite mit 1 bis 5 Sternen bewerten. 5 Sterne ist die beste Bewertung.
Vielen Dank für die Bewertung
Beitrag bewerten