Marktüberblick: Coronavirus bringt die Märkte ins Taumeln

Nachdem der Ausbruch des Coronavirus lange Zeit von den Finanzmärkten wenig beachtet wurde, hat sich das zuletzt massiv geändert. Die Volatilität ist sprunghaft angestiegen. Die Aktien erlitten historische Kurseinbrüche und die amerikanischen Anleihensrenditen erreichten neue Tiefststände. Gleichzeitig hielt die Nachfrage nach sicheren Währungen wie dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen an.

  • Mit der stark gestiegenen Unsicherheit haben die Verfallsrenditen von Staatsobligationen neue Tiefststände erreicht. Auf der anderen Seite begannen Anleger, Obligationen von Schuldnern schlechter Bonität zu meiden, sodass die Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen spürbar zugenommen haben.

    Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklung von Staatsobligationen aus der Schweiz, den USA und Deutschland in Schweizer Franken dar. Seit Jahresbeginn haben Staatsobligationen aufgrund der gestiegenen Unsicherheit und gesunkener Zinsen markant an Wert zugelegt. In der Schweiz und Deutschland betrug der Zugewinn rund 5 Prozent, in den USA sogar etwa 7.5 Prozent.
    Quelle: Refinitiv

    Trotz tiefer und teilweise sogar negativer Verzinsung konnten sichere, langfristige Staatsobligationen in den vergangenen Wochen kräftig an Wert zulegen. Der Preisanstieg war in den angelsächsischen Ländern ausgeprägter als in Kontinentaleuropa. In den USA und in Grossbritannien können die Zentralbanken aufgrund des höheren Zinsniveaus noch relevante Zinsschritte nach unten vornehmen. Und sie haben in dieser Hinsicht in den vergangenen Wochen denn auch nicht enttäuscht, während ihre europäischen Pendants auf Zinssenkungen verzichteten – mit entsprechenden Folgen für die jeweilige Kursentwicklung.

    Entwicklung der 10-jährigen Verfallsrenditen

    In Prozent

    Die Grafik bildet die Entwicklung der Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands ab. 10-jährige Verfallsrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Seit Jahresbeginn setzen sie ihren langfristigen Abwärtstrend weiter fort.  Der Rückgang ist in den USA am markantesten.
    Quelle: Refinitiv

    In diversen Ländern erreichte das Zinsniveau in den letzten Tagen ein neues Allzeittief. Der drastische Zinsrückgang in den USA deutete darauf hin, dass die Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen der Zentralbank bereits vorweggenommen haben. In der Schweiz bewegt sich der Zins nach wie vor leicht über den Tiefstständen vom vergangenen Sommer. Die Marktteilnehmer rechnen offenbar nicht damit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) noch gross Spielraum für Zinssenkungen hat. Dies hat zur Folge, dass sich die Zinsdifferenz zum Ausland markant verkleinert hat.

    Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

    In Prozentpunkten

    In dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallsrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, sind insbesondere in den USA, in geringerem Masse aber auch in der Eurozone im vergangenen Monat sprunghaft angestiegen. Damit müssen risikobehaftete Schuldner im Vergleich zu sicheren Staatsemittenten bei der Kreditaufnahme höhere Zinsen zahlen.
    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Die Risikoaufschläge auf riskanten Unternehmensobligationen erreichten zu Jahresbeginn ähnliche Tiefstwerte wie vor Beginn der letzten Finanzkrise. Die Turbulenzen der vergangenen Wochen führten dazu, dass Anleger wieder stärker zwischen Schuldnern guter und schlechter Qualität differenzierten, worauf die Risikoaufschläge sprunghaft anstiegen. Mit erschwerten Finanzierungsbedingungen dürften derzeit insbesondere die Branchen Transport, Tourismus, Unterhaltung sowie Öl und Gas zu kämpfen haben, da ihre Ertragskraft durch die Coronakrise am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wird.

  • Die vergangenen Wochen brachten die grössten Kursverluste an den Aktienmärkten seit der Finanzkrise von 2008. Der VIX-Index, der die Volatilität im amerikanischen Aktienmarkt misst und somit als Gradmesser für die Nervosität dient, erreichte mit einem Wert von 75 annähernd den bisherigen Höchstwert von 89 im Oktober 2008.

    Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den zurückliegenden zwölf Monaten in Franken dar. Die Aktienmärkte in den Schwellenländern gaben bereits zu Jahresbeginn nach, während die Kurse in entwickelten Volkswirtschaften im Februar noch neue Höchststände erklommen. Seither zeigt die Bewegung an allen Aktienmärkten steil nach unten.
    Quelle: Refinitiv

    Solange hauptsächlich China vom Coronavirus betroffen war, ignorierten die globalen Finanzmärkte die davon ausgehende Gefahr. Die Leitindizes westlicher Länder erreichten noch Mitte Februar neue Höchststände. Als klar wurde, dass es sich beim Virus um ein globales Problem handelt, reagierten die Märkte prompt. Seither hat der Schweizer Leitindex SMI in weniger als einem Monat zeitweise rund 25 Prozent seines Wertes eingebüsst. Der Einbruch der globalen Aktienmärkte belief sich sogar auf mehr als 30 Prozent in Franken gerechnet. Der Donnerstag, 12. März 2020, geht zudem in die Geschichte ein als der Tag mit den grössten Kursverlusten seit über 30 Jahren. Es waren aber auch Tage mit starken Erholungen zu verzeichnen.

    Momentumstärke einzelner Märkte

    In Prozent

    Die Darstellung bildet die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit ab. Das Momentum setzt einen laufenden 10-Tages-Durchschnitt zum Durchschnitt der letzten 240 Tage ins Verhältnis.  Das Momentum hat sich seit vergangenem Monat stark ins Negative gedreht. Am wenigsten negativ ist das Momentum noch in den Märkten Ostasiens sowie in der Schweiz.
    Quelle: Refinitiv

    Während alle Märkte im vergangenen Monat noch ein positives Momentum vorweisen konnten, hat sich das Bild seither komplett ins Gegenteil gedreht. Am wenigsten negativ ist das Momentum derzeit noch in den Ländern Ostasiens. Dort konnten die Ansteckungen mit dem Coronavirus bisher in engen Grenzen gehalten werden (Taiwan, Japan), oder die Zahl der Neuinfizierten ist rückläufig (China, Südkorea). In China dürfte die Regierung zudem stützend in den Aktienmarkt eingreifen. Die Schweiz wiederum profitiert von der vergleichsweise defensiven Ausrichtung ihrer Indizes.

    Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Das KGV ist mit der jüngsten Marktkorrektur in allen drei Aktienmärkten stark gesunken und befindet sich nun wieder in der Nähe des langfristigen Durchschnitts.
    Quelle: Refinitiv

    Vor der jetzigen Korrektur waren die Bewertungen der Aktienmärkte gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hoch. Die Bewertungen waren nur noch teilweise durch Fundamentaldaten gerechtfertigt, da das Gewinnwachstum der Unternehmen sich verlangsamte oder gar stagnierte. Die hohen Bewertungen dürften mit ein Grund gewesen sein, weshalb die Marktkorrektur der letzten Tage so wuchtig ausfiel. Die Aktienmärkte reagierten demnach nicht nur auf die sich verschlechternden wirtschaftlichen Aussichten, sondern korrigierten auch Übertreibungen der zurückliegenden Monate.

  • Auch die Schweizer Immobilienanlagen konnten sich der Abwärtsbewegung der Finanzmärkte nicht entziehen. Nach Höchstwerten im Februar sind sie mittlerweile wieder auf den Niveaus vom Ende des vergangenen Jahres angelangt.

    Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

    100 = 01.01.2020

    Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der langfristige Aufwärtstrend fand ein abruptes Ende. Die Schweizer Immobilienfonds weisen nun wieder den Wert auf wie zum Jahresende 2019.
    Quelle: Refinitiv

    Den stark erhöhten Rezessionsrisiken und der weltweit schlechten Stimmung an den Finanzmärkten konnten sich auch die Schweizer Immobilienanlagen nicht entziehen. Nachdem sie im Februar noch Höchststände erreichten, sind sie jüngst stark gefallen. Ihre Preise liegen damit wieder unter dem Niveau, das sie zu Jahresbeginn aufwiesen. Auch die Kurse von internationalen Immobilienanlagen fielen jüngst heftig.

    Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

    In Prozent

    In dieser Abbildung ist die Verfallsrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Dieser Aufpreis, auch Agio genannt, ist im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen und erzielte im Februar dieses Jahrs neue Höchststände, bevor er März stark sank. Dieser Trend korreliert invers zum 10-jährigen Zins. Wir halten das hohe Niveau der Agios in Anbetracht der tiefen Verfallsrenditen von Obligationen aktuell in etwa für gerechtfertigt.
    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Auch wenn die Preise für Immobilienanlagen zuletzt deutlich gefallen sind, bleiben die Bewertungen hoch. Der deutliche Anstieg des vergangenen Jahres wirkt immer noch nach. Die Agios, also die Differenz zwischen dem inneren Wert eines Immobilienobjekts und seinem erzielten Marktwert, sind von Höchstwerten nahe 35 aber wieder unter die Marke von 30 gefallen. Da gleichzeitig die Zinsen gefallen sind, ist die Bewertung damit wieder auf einem Niveau angelangt, das man als fair bezeichnen kann.

    Leerstandsquote und Immobilienpreise

    Diese Grafik beinhaltet die Leerstandsquote von Schweizer Wohnimmobilien und die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Während Mietpreise und die Immobilienpreise von Wohnungen und Mietobjekten in den letzten fünf Jahren tendenziell abgenommen haben, steigen die Leerstandquoten unvermindert an. Bei Einfamilienhäusern ist bisher kein Preisrückgang feststellbar.
    Quelle: Refinitiv

    Die Preise für Wohnungen sind zuletzt leicht angestiegen. Die Mietpreise werden in den nächsten Monaten hingegen voraussichtlich weiter sinken. Das Bundesamt für Wohnungswesen hat Anfang März entschieden, den Referenzzinssatz von 1,50 Prozent auf 1,25 Prozent zu reduzieren. Dies ist die erste Anpassung des Referenzzinssatzes seit 2017. Mieter von bestehenden Mietverhältnissen haben nun das Recht, ihre Miete dementsprechend nach unten anpassen zu lassen.

  • Währungen

    Die Unsicherheiten rund um den Ausbruch des Coronavirus beschäftigen auch die Währungsmärkte. Als sicher geltende Währungen werden nachgefragt. Davon ist besonders der Schweizer Franken betroffen.

    Währungspaar Kurs KKP Neutraler Bereich Bewertung
    Währungspaar
    EUR/CHF
    Kurs
    1,06
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,17
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,09 – 1,26
    Bewertung
    Euro unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CHF
    Kurs
    0,95
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,93
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,81 – 1,04
    Bewertung
    USD neutral
    Währungspaar
    GBP/CHF
    Kurs
    1,19
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,45
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,25 – 1,65
    Bewertung
    Pfund unterbewertet
    Währungspaar
    JPY/CHF
    Kurs
    0,90
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,06
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,91 – 1,25
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    SEK/CHF
    Kurs
    9,70
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    12,08
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    10,92 – 13,23
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    NOK/CHF
    Kurs
    9,29
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    12,86
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    11,56 – 14,16
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    EUR/USD
    Kurs
    1,12
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,27
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,10 – 1,43
    Bewertung
    Euro neutral
    Währungspaar
    USD/JPY
    Kurs
    104,81
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    87,90
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    72,32 – 103,47
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CNY
    Kurs
    7,03
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    6,34
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    6,09 – 6,59
    Bewertung
    Renminbi unterbewertet

    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Die Turbulenzen haben auch an den Währungsmärkten für viel Volatilität gesorgt. Während die Währungen gewisser rohstoffreicher Länder abstürzten, stieg die Nachfrage nach als sicher geltenden Währungen. Dies gilt besonders für den Schweizer Franken, der trotz Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) weiter aufwertete. Der US-Dollar verlor im Nachgang der Entscheide der US-Notenbank Federal Reserve zuletzt an Wert.

    Gold

    Mit der gestiegenen Unsicherheit im Markt konnte der Goldkurs seit Jahresbeginn zuerst einen Anstieg von 10 Prozent verzeichnen. Mittlerweise hat Gold aber wieder deutlich an Wert verloren.

    Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Darstellung zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Mit der gestiegenen Unsicherheit im Markt konnte der Goldkurs seit Jahresbeginn zuerst einen Anstieg von 10 Prozent verzeichnen. Mittlerweile hat Gold aber wieder deutlich an Wert verloren.
    Quelle: Refinitiv

    Die Bewegungen des Goldkurses fielen zuletzt gross aus. Das Gold konnte zwar an einigen Tagen von der Nachfrage nach sicheren Werten profitieren. An Tagen mit starken Börseneinbrüchen verlor es aber ebenfalls, sodass sein Wert aktuell nur leicht höher liegt als noch zu Beginn des Jahres. Eine mögliche Erklärung dafür, weshalb der Goldpreis bisher nicht stärker von der Unsicherheit profitieren konnte, liegt darin, dass Marktteilnehmer Liquidität benötigten und darum ihre Goldbestände teilweise auflösten. Aus Schweizer Sicht ebenfalls nachteilig für den Goldpreis war der Umstand, dass der US-Dollar, die Handelswährung des Goldes, gegenüber dem Franken an Wert verlor.

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