Marktüberblick: Steigende Zinsen bringen die Aktienmärkte erneut ins Taumeln

Die Erholungsrallye an den Aktienmärkten über die Sommermonate war von kurzer Dauer. Mit Veröffentlichung der höher als erwarteten US-Inflationszahlen wurden die Finanzmärkte zum zweiten Mal von den Sorgen um weitere aggressive Zinserhöhungen eingeholt.

  • Die Aussichten auf eine weiterhin restriktive Geldpolitik der Notenbanken liessen die Verfallrenditen an den Obligationenmärkten so stark ansteigen, dass die erlittenen Kursverluste mit zu den grössten monatlichen Einbussen der Anlageklasse zählen.

    Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Franken

    100 = 01.01.2022

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Schweizer Franken aus der Schweiz, den USA und aus Deutschland dar. Seit Jahresbeginn haben insbesondere Schweizer und deutsche Staatsobligationen Kursverluste verbucht.

    Die Werteinbussen an den Obligationenmärkten setzen sich auch im dritten Jahresquartal fort. Zwischenzeitlich war an den Märkten die Hoffnung aufgekommen, dass die Notenbanken die Leitzinsen nur temporär anheben und im Falle einer Rezession sogar wieder senken. Mit der deutlichen Ansage zu einer aggressiven Inflationsbekämpfungspolitik seitens der Notenbanken – sprich eine Fortsetzung von weiteren Leitzinserhöhungen – wurden diese Hoffnungen jäh zunichte gemacht. Entsprechend verloren Staatsobligationen weltweit im letzten Monat rund 3 Prozent an Wert, Schweizer Papiere mit einer Laufzeit von 20 Jahren sogar knapp 6 Prozent. 

    Entwicklung der 10-jährigen Verfallsrenditen

    In Prozent

    Die Grafik bildet die Entwicklung der Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands ab. 10-jährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Anfang 2020 ist jedoch eine Trendwende hin zu steigenden Zinsen zu beobachten.

    Die Kapitalmarktzinsen stiegen im letzten Monat sprunghaft an und notieren nun nahe ihrem Jahreshoch. So erreichten die Verfallrenditen auf 10-jährigen US-Staatsobligationen wieder die Marke von beinahe 3,5 Prozent, ihr Schweizer Pendant erreichte zuletzt 1,1 Prozent, was mehr als eine Verdoppelung darstellt. Ausschlaggebend für diesen rapiden Anstieg dürften die deutlichen geldpolitischen Signale der Notenbanken gewesen sein, der Inflationsbekämpfung auch weiterhin höchste Priorität zu geben – auch wenn dies auf Kosten der Konjunktur geht. 

    Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

    In Prozent

    Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, sind seit Jahresbeginn angestiegen. Damit müssen risikobehaftete Schuldner im Vergleich zu sicheren Staatsemittenten bei der Kreditaufnahme höhere Zinsen zahlen.

    Die Rezessionssorgen lasten auch auf den Kursen von Unternehmensobligationen. Insbesondere in Europa sorgen sich die Anleger:innen um eine Energieknappheit und deren Auswirkungen auf die Unternehmen. In der Folge kam es zu einem deutlichen Anstieg der Kreditaufschläge auf risikoreicheren Unternehmensobligationen im Vergleich zu als sicherer erachteten Staatsobligationen. Bezeichnend ist, dass europäische Hochzinsobligationen erstmals seit der europäischen Schuldenkrise wieder als riskanter eingestuft werden als amerikanische Hochzinsobligationen.

  • Die Sommer-Rallye an den Aktienmärkten war nur von kurzer Dauer. Unsanft wurden die Anleger:innen daran erinnert, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen rund um Inflation und Energiekrise noch nicht ausgestanden sind.

    Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

    100 = 01.01.2022

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den zurückliegenden zwölf Monaten in Franken dar. In den Sommermonaten konnten die Aktienmärkte einen Teil der Verluste aus der ersten Jahreshälfte wettmachen. Diese Rallye wurde zuletzt aber abrupt unterbrochen.

    Der sommerliche Aufwind an den Aktienmärkten verflüchtigte sich in der zweiten Augusthälfte. Erst sorgten die deutlichen Worte der Zentralbanken für einen Dämpfer der Kursentwicklungen und einen Anstieg der Zinsen, Anfang September dann bestätigte die Veröffentlichung der US-Konsumentenpreisinflation die fortdauernden wirtschaftlichen Herausforderungen. In der Folge kam es zu den grössten Tagesverlusten an den US-Börsen seit Sommer 2020. Seit Jahresbeginn notieren amerikanische Aktien, gemessen in Schweizer Franken, rund 12 Prozent im Minus. Noch grössere Verluste weisst der europäische Aktienmarkt mit einem Minus von rund 20 Prozent aus.

    Momentumstärke einzelner Märkte

    In Prozent

    Die Darstellung bildet die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit ab. Das Momentum setzt den letzten Kursstand ins Verhältnis zum Durchschnitt der letzten sechs Monate. Aktuell weisen alle Aktienmärkte bis auf Indien ein deutlich negatives Momentum aus.

    Die Dynamik an den Aktienbörsen hat sich im vergangenen Monat wieder verschlechtert. Grund dafür sind die starken Kursverluste der letzten Wochen. Erneutes Schlusslicht bilden Taiwan, Korea und Deutschland. Positiver Ausreisser hingegen ist der indische Aktienmarkt. Indiens Wirtschaft hatte zuletzt mit einem starken Wachstum im zweiten Quartal von 13,5 Prozent im Jahresvergleich überrascht. Ob dieses positive Momentum aber anhalten wird, ist angesichts der schwachen Währung und der grossen Regierungsausgaben fraglich.

    Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Dank steigender Unternehmensgewinne und aufgrund fallender Aktienkurse in der ersten Jahreshälfte 2022 sind die KGVs der drei Märkte seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Zunehmend stagniert nun auch die Gewinnentwicklung.

    Dank steigender Unternehmensgewinne und aufgrund fallender Aktienkurse Anfang 2022 sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse, kurz KGVs, weltweit seit Sommer 2020 deutlich zurückgekommen. Bereits jetzt verzeichnen immer mehr Aktienmärkte ein stagnierendes Gewinnwachstum. Dies ist auch im Schweizer Aktienmarkt der Fall. Aktienmärkte mit einem grossen Anteil an Unternehmen im Energiesektor, dazu gehören beispielsweise Frankreich und Grossbritannien, hingegen verbuchen auch weiterhin wachsende Gewinne. 

  • Steigende Zinsen gingen im letzten Monat auch an Schweizer Immobilienanlagen nicht spurlos vorbei. Im Gegenteil: Die Kurse fielen wieder auf das Jahrestief vom Juli zurück.

    Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

    100 = 01.01.2022

    Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Seit Anfang Jahr kam es zu starken Kursverlusten.

    Während der Sommer-Rallye konnten Schweizer Immobilienanlagen ihre Kursverluste seit Jahresbeginn mehr als halbieren. Dem jüngsten Einbruch an den Finanzmärkten konnte sich die Anlageklasse aber nicht entziehen und verbuchte ebenfalls Verluste. Damit notieren Schweizer kotierte Immobilienanlagen nun wieder nahe ihrem Jahrestief vom Juli.

    Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

    In Prozent

    Auf dieser Abbildung ist die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Während die Zinsen dieses Jahr stark angestiegen sind, sind die Agios mit etwas Verzögerung wieder deutlich zurückgekommen.

    Die starken Kurskorrekturen am Schweizer Immobilienmarkt im vergangenen Monat haben die Agios weiter zurückgeholt. Aktuell werden Aufschläge von durchschnittlich 12 Prozent verlangt. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren lag das durchschnittlich bezahlte Agio um ein Vierfaches höher. Hinzu kommen die gestiegenen Kapitalmarktzinsen am Schweizer Markt, die sich ebenfalls auf die Entwicklung der Agios auswirken.

    3-Monats-SARON und 10-jährige Verfallrenditen

    In Prozent

    Auf dieser Abbildung sind der schweizerische Referenzzinssatz SARON mit einer Laufzeit von drei Monaten und die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen seit dem Jahr 2000 zu sehen. Erstmals in sieben Jahren kam es jüngst zu einem deutlichen Anstieg des SARON.

    An den Futures-Märkten werden auch Zinsinstrumente gehandelt. Daraus lassen sich die am Markt gehandelten Zinsprognosen ableiten. Aktuell gehen die Marktteilnehmer:innen davon aus, dass die kurzfristigen SARON-Zinsen in der Schweiz bis Mitte 2023 auf knapp 2 Prozent ansteigen. Das wäre deutlich höher als die aktuellen und prognostizierten Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen.  

  • Währungen

    Der US-Dollar nimmt seinen Höhenflug wieder auf und auch der Schweizer Franken legt auf breiter Basis zu. Der Euro hingegen zeigt Schwäche unter dem schweren Gewicht der Energiekrise.

    WährungspaarKursKKPNeutraler BereichBewertung
    Währungspaar
    EUR/CHF
    Kurs
    0,96
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,83
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,77 – 0,89
    Bewertung
    Euro überbewertet
    Währungspaar
    USD/CHF
    Kurs
    0,96
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,74
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,65 – 0,84
    Bewertung
    USD überbewertet
    Währungspaar
    GBP/CHF
    Kurs
    1,10
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,24
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,07 – 1,41
    Bewertung
    Pfund neutral
    Währungspaar
    JPY/CHF
    Kurs
    0,67
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,97
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,81 – 1,12
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    SEK/CHF
    Kurs
    8,95
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    9,26
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    8,38 – 10,15
    Bewertung
    Krone neutral
    Währungspaar
    NOK/CHF
    Kurs
    9,45
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    10,55
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    9,42 – 11,67
    Bewertung
    Krone neutral
    Währungspaar
    EUR/USD
    Kurs
    1,00
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,12
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,97 – 1,26
    Bewertung
    Euro neutral
    Währungspaar
    USD/JPY
    Kurs
    143,49
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    76,80
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    61,75 – 91,84
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CNY
    Kurs
    6,99
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    5,51
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    5,23 – 5,79
    Bewertung
    Renminbi unterbewertet

    Quelle: Web Financial Group

    Nach einer kurzen Verschnaufpause nimmt der US-Dollar seinen Höhenflug wieder auf und klettert auf ein neues 20-Jahres-Hoch. Unterstützt wurde diese Entwicklung von den Erwartungen einer weiterhin restriktiven Notenbankpolitik und recht soliden Daten aus der amerikanischen Wirtschaft trotz hoher Inflation. Ebenfalls erstarkt ist im letzten Monat der Schweizer Franken, der gegenüber fast allen Währungen zulegen konnte. Die europäische Gemeinschaftswährung hingegen leidet weiterhin stark unter der Energiekrise. Nachdem bereits im Juli die Parität zum Franken durchbrochen wurde, notiert der EURCHF-Kurs inzwischen bei 0,96.

    Gold

    Die Abwärtsdynamik beim Goldpreis setzte sich auch im vergangenen Monat fort. Zuletzt fiel der Preis für die Feinunze sogar auf 1660 US-Dollar.

    Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

    100 = 01.01.2022

    Diese Darstellung zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Der Goldpreis stieg zu Beginn des Ukraine-Kriegs kurzfristig auf 2050 US-Dollar an, fiel seither jedoch wieder deutlich unter die Marke von 1700 US-Dollar pro Feinunze.

    Seit Erreichen des Rekordstands von mehr als 2050 US-Doller pro Feinunze zu Beginn des Ukraine-Kriegs hat der Goldpreis fast kontinuierlich nachgegeben. Zuletzt fiel er gar wieder auf 1660 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand in zwei Jahren. Aus Sicht der Schweizer Anleger:innen fallen die Kursverluste aufgrund des starken Frankens – mit einem Minus von knapp 2 Prozent seit Jahresanfang  – jedoch deutlich geringer aus.

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