Marktüberblick: Zweigeteilte Finanzmärkte

Die Aktienbörsen widerspiegeln weiterhin die Hoffnung auf eine rasche Erholung aus der Corona-Krise. Die steigenden Aktienindizes basieren allerdings zu einem grossen Teil auf der Dynamik von nur wenigen Sektoren. Zur gleichen Zeit sorgen sinkende Kapitalmarktzinsen für positive Renditen an den Anleihemärkten. Und auch Gold hat jüngst wieder zugelegt und die 1'800-USD-Marke überschritten.

  • Die sinkenden Verfallrenditen auf Staatsanleihen zeugen vom Pessimismus der Marktteilnehmer. Die Risikoeinschätzung für Unternehmensanleihen bleibt unverändert.

    Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Schweizer Franken aus der Schweiz, den USA und Deutschland dar. Im Zuge der Corona-Turbulenzen an den Märkten mussten zeitweise auch die Kurse von Staatsobligationen starke Einbussen verzeichnen. Mit dem Abverkauf an den Aktienmärkten waren sichere Staatsobligationen aber wieder gefragt und konnten an Wert zulegen. Jüngst konnten Staatsanleihen eine positive Wertentwicklung verbuchen, dies dank sinkender Kapitalmarktzinsen.
    Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

    Häufig weisen Anleihe- und Aktienmärkte eine gegenläufige Dynamik auf. Jüngst aber erzielte der Anleihemarkt eine positive Wertentwicklung – bei gleichzeitig starken Aktienmärkten. Das Auseinanderdriften deutet auf eine unterschiedliche Markteinschätzung hin. Während die Aktienkurse beinahe wieder Vorkrisenniveau erreichten, zeugen die derzeit sinkenden Verfallrenditen auf Staatsanleihen von einer pessimistischeren Lagebeurteilung. Diese Entwicklung ist besonders deutlich sichtbar am amerikanischen Anleihemarkt.

    Entwicklung der 10-jährigen Verfallsrenditen

    In Prozent

    Die Grafik bildet die Entwicklung der Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands ab. 10-jährige Verfallsrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen sie einen starken Abwärtstrend auf. Wurde dieser im März kurzzeitig unterbrochen, ist jüngst wieder ein Rückgang zu beobachten.
    Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

    In vielen Ländern sind die um die Inflationserwartungen bereinigten Zinsen, die sogenannten Realzinsen, auf neue Tiefststände gefallen. In den USA betrug der Rückgang in den letzten Wochen etwa 0.3 Prozentpunkte. Damit sanken dort auch die Verfallrenditen auf 10-jährige Staatsanleihen. Auch die massiven Anleihekaufprogramme der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed) tragen ihren Anteil zu den sinkenden Zinsen bei. Die Fed hat jüngst die Möglichkeit einer Zinskurvenkontrolle nicht ausgeschlossen, aber auch auf deren Nachteile hingewiesen, so dass kurzfristig nicht mit einer Einführung gerechnet wird.

    Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

    In Prozent

    In dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallsrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, sind im März sprunghaft angestiegen. Damit mussten risikobehaftete Schuldner im Vergleich zu sicheren Staatsemittenten bei der Kreditaufnahme höhere Zinsen zahlen. Mittlerweile beruhigten sich die Aufschläge aber wieder.
    Quelle: Bloomberg Barclays

    Die Risikowahrnehmung der Anleger spiegelt sich generell in der Zinsdifferenz zwischen sicheren Staatsanleihen und riskanteren Unternehmensanleihen wider. Die Spreads, also der Preisaufschlag für riskantere Anleihen, beruhigten sich nach dem sprunghaften Anstieg im März fast ebenso schnell wieder. In den letzten Wochen veränderten sich die Risikoeinschätzungen sowohl für Unternehmensanleihen als auch für Schwellenländeranleihen kaum. Nur Hochzinsanleihen von Unternehmen wurden wieder mit etwas höheren Risikoaufschlägen bedacht.

  • Auch im letzten Monat setzten die Aktienmärkte ihren Erholungskurs fort – gaben sich dabei aber volatil. Gleichzeitig wird die Dynamik nur von wenigen Sektoren getragen.

    Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den zurückliegenden zwölf Monaten in Franken dar. Nach dem dramatischen Einbruch im März legten die Aktienkurse eine erstaunliche Rallye hin und konnten ihre Verluste grösstenteils wieder aufholen. Diese Dynamik wird besonders stark von den grossen Technologieaktien wie auch den chinesischen Aktien getragen. Gleichzeitig bewegt sich der Volatilitätsindex VIX auf weiterhin erhöhtem Niveau.
    Quelle: SIX, MSCI

    Auch in den vergangenen Wochen setzte sich der Aufwärtstrend an den weltweiten Aktienmärkten fort. So konnten Schweizer Aktien im vergangenen Monat ein Plus von 4.7 Prozent, die Schwellenländer inklusive China gar ein Plus von 8 Prozent verbuchen. Besonders stark profitieren konnten auch die grossen Technologiefirmen, auch bekannt als FANG+. Ein Blick auf den Volatilitätsindex VIX bestätigt allerdings eine nach wie vor erhöhte Verunsicherung am Markt.

    Momentumstärke einzelner Märkte

    In Prozent

    Die Darstellung bildet die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit ab. Das Momentum setzt den aktuellsten Kursstand zum Durchschnitt der letzten 200 Tage ins Verhältnis. Es zeigt damit an, wie weit der Leitindex aktuell über oder unter dem Trend der letzten 200 Tage notiert. Die Grafik zeigt, dass die meisten Länder inzwischen wieder ein positives Momentum aufweisen, angeführt von China. Am schwächsten ist das Momentum derzeit in Grossbritannien und Australien.
    Quelle: MSCI

    Die Börsen haben sich weltweit rasant vom Einbruch im März erholt. In fast allen Ländern befinden sich die Leitindizes bereits wieder deutlich über dem Trend der letzten 200 Tage. Das hier abgebildete Momentum befindet sich infolge dessen im positiven Bereich. Eine Ausnahme hiervon bilden Grossbritannien und Australien. In beiden Ländern haben Rohstoffkonzerne und Finanztitel ein hohes Gewicht im Leitindex. Deren tiefe Kurse drücken auf die Dynamik. Der chinesische Aktienmarkt hingegen überragt alle anderen Schwellenländer mit seiner Rendite seit Jahresbeginn und besonders im letzten Monat.

    Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Das KGV ist mit der jüngsten Marktkorrektur in allen drei Aktienmärkten stark eingebrochen. Im Zuge der Erholungs-Rallye konnte es dann aber von den steigenden Kursen profitieren. Veröffentlichungen der Gewinnzahlen für das zweite Quartal stehen für die meisten Unternehmen aber noch bevor. Analystenprognosen fallen derzeit sehr pessimistisch aus.
    Quelle: SIX, MSCI

    Mit den ersten Veröffentlichungen der Unternehmenszahlen für das zweite Quartal wird das Ausmass des Corona-Einbruchs zunehmend deutlich. So rechnen Analysten mit einem Gewinnrückgang von 44 Prozent im Jahresvergleich für die USA. Dies wird sich auch in der Aktienmarktbewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) niederschlagen und die Aktienkurse als noch teurer erscheinen lassen.

  • Schweizer Immobilienfonds stehen trotz sinkender Kapitalmarktzinsen unter Druck. Unsicherheit über die zukünftige Nachfrageentwicklung hemmt die Kauflaune der Anleger.

    Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

    100 = 01.01.2020

    Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Seit dem Markteinbruch im März konnte sich diese zwar erholen, bewegt sich aber nun seit Wochen seitwärts und liegt dabei immer noch rund 3% unter dem Niveau von Jahresbeginn.
    Quelle: SIX

    Die Kurse börsenkotierter Schweizer Immobilienanlagen zeigen sich weiterhin unentschlossen. Zwar konnten sie sich rasch vom Abverkauf im März erholen, bewegen sich nun aber seit Wochen seitwärts und immer noch rund 3 Prozent unter ihrem Niveau von Jahresbeginn. Dabei scheinen auch die jüngst nochmals gefallenen Kapitalmarktzinsen das Interesse der Anleger nicht zu beflügeln. Eine Rolle spielt sicherlich die Unsicherheit über die zukünftige Nachfrageentwicklung. Nicht nur die ungewissen Konjunkturaussichten, sondern auch der Trend zum Homeoffice fallen hier ins Gewicht. Dies macht insbesondere Investitionen in Geschäftsimmobilien weniger attraktiv.

    Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

    In Prozent

    In dieser Abbildung ist die Verfallsrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Dieser Aufpreis, auch Agio genannt, ist im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen und erzielte im Februar dieses Jahres neue Höchststände, bevor er im März stark eingebrochen ist. Dieser Trend korreliert invers zum 10-jährigen Zins. Dieser ist zuletzt ist dieser wieder gefallen, das hatte bislang jedoch kaum einen Effekt auf die Agios.
    Quelle: SIX

    Wider Erwarten haben die jüngst nochmals gefallenen Kapitalmarktzinsen nur wenig Dynamik am Immobilienmarkt ausgelöst. Der Aufpreis auf die in den Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekte pendelt momentan um einen Wert von 20 Prozent. Normalerweise tendieren die Agios gegenläufig zur Zinsentwicklung. Dies ist zurzeit aber nicht der Fall, obwohl die Zentralbanken weltweit versichern, dass sie ihre Tiefzinspolitik noch für längere Zeit beibehalten.

    Leerstandsquote und Immobilienpreise

    Diese Grafik beinhaltet die Leerstandsquote von Schweizer Wohnimmobilien und die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Während Mietpreise und die Immobilienpreise von Wohnungen in den letzten 5 Jahren tendenziell abgenommen haben, steigen die Leerstandsquoten unvermindert an. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Zuge der Corona-Krise werden insbesondere die Leerstände von Gewerbeimmobilien weiter ansteigen lassen.
    Quelle: SNB, BfS

    Bereits jetzt steht fest, dass die Corona-Krise nicht spurlos am Immobilienmarkt vorbeiziehen wird. Insbesondere dem Trend zum Homeoffice wurde durch die Lockdown-Massnahmen ein kräftiger Schub versetzt. Damit kommt die Frage auf, ob die veränderte Arbeitsweise sich mittelfristig negativ auf die Nachfrage von Geschäfts- und Büroimmobilien auswirken wird. Während die Preiserwartungen bei Wohnimmobilien verhalten positiv ausfallen, sind die Aussichten bei Gewerbeimmobilien pessimistischer.

  • Währungen

    Die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus drückt auf die Kurse südamerikanischer Währungen. Rohstoffwährungen profitieren hingegen von den höheren Ölpreisen.

    Währungspaar Kurs KKP Neutraler Bereich Bewertung
    Währungspaar
    EUR/CHF
    Kurs
    1,08
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,21
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,13 – 1,30
    Bewertung
    Euro unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CHF
    Kurs
    0,95
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,95
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,83 – 1,07
    Bewertung
    USD neutral
    Währungspaar
    GBP/CHF
    Kurs
    1,19
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,44
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,24 – 1,65
    Bewertung
    Pfund unterbewertet
    Währungspaar
    JPY/CHF
    Kurs
    88,08
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    106,68
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    92,42 – 126,14
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    SEK/CHF
    Kurs
    10,41
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    12,21
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    11,02 – 13,40
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    NOK/CHF
    Kurs
    10,16
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    13,09
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    11,72 – 14,46
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    EUR/USD
    Kurs
    1,14
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,27
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,11 – 1,44
    Bewertung
    Euro neutral
    Währungspaar
    USD/JPY
    Kurs
    107,30
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    89,24
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    73,40 – 105,08
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CNY
    Kurs
    6,99
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    6,41
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    6,15 – 6,67
    Bewertung
    Renminbi unterbewertet

    Quelle: Web Financial Group

    Dank der Erholung des Ölpreises in den vergangenen Wochen erstarkten die Rohstoffwährungen, allen voran die norwegische Krone, wie auch der australische und neuseeländische Dollar. Südamerikanische Währungen kamen aufgrund der dortigen Ausbreitung des Coronavirus stärker unter Druck. Gleichzeitig waren «sichere Häfen» wie der japanische Yen und der US-Dollar bei den Anlegern weniger gefragt und spiegeln die optimistischere Markteinschätzung wider.

    Gold

    Die Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung sowie die Gefahr mittelfristig steigender Inflationsraten sorgen für ansteigende Goldpreise.

    Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Darstellung zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Im Zuge der gestiegenen Unsicherheit am Markt aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus war Gold als «sicherer Hafen» sehr gefragt. Seit Jahresbeginn konnte die Anlageklasse rund 16% zulegen und ist damit weiterhin am renditestärksten. Kurzzeitige Schwankungen konnten daran bislang nichts ändern.
    Quelle: Web Financial Group

    Gold präsentiert sich weiterhin als renditestärkste Anlageklasse seit Jahresbeginn mit einem Kursgewinn von über 16 Prozent. Zuletzt übersprang das Edelmetall die Schwelle von USD 1'800 für die Feinunze. Nur im Jahr 2011 lag der Preis kurzzeitig noch höher. Die Beliebtheit widerspiegelt eine allgemeine Konjunkturskepsis der Anleger – im Kontrast zum Optimismus an den Aktienmärkten – sowie eine Absicherung gegen höhere Inflationsraten, die aufgrund der massiven Interventionen der Zentralbanken befürchtet werden.

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