Der Sommer hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Welt geworden ist. In weiten Teilen Europas haben aussergewöhnlich hohe Temperaturen über Wochen zu Trockenheit, Wasserknappheit und schweren Waldbränden geführt. Auch die Landwirtschaft ist zunehmend an ihre Grenzen gestossen, nicht zuletzt wegen der Futterknappheit für Tiere. In der Schweiz haben Rekordtemperaturen und eine ungewohnt lange Dürre Böden, Gewässer und Landwirtschaft stark belastet. Dazu kommt der Krieg im Nahen Osten, der trotz wiederholter Hoffnungen auf Fortschritte in den Friedensverhandlungen andauert, weiterhin wichtige Handelswege beeinträchtigt und die Energiepreise deutlich höher hält als noch vor einigen Monaten. Gleichzeitig schreitet die Fragmentierung der Weltordnung voran.
Viele dieser Herausforderungen werden uns weit über diesen Sommer hinaus beschäftigen. Für die Finanzmärkte zeichnen die Risiken allein aber noch kein vollständiges Bild. Ebenso entscheidend ist, wie Wirtschaft, Unternehmen und Konsument:innen mit ihnen umgehen. Und hier fällt die Bilanz der vergangenen Monate bemerkenswert aus.
Zwar belasten die höheren Energiepreise die Kaufkraft, und das weltwirtschaftliche Wachstum hat sich verlangsamt, doch auch mit leicht geringerer Drehzahl läuft die Weltwirtschaft stabil weiter. Selbst die vom Konflikt und den beeinträchtigten Handelswegen besonders exponierten asiatischen Schwellenländer zeigen sich widerstandsfähig.
Diese Entwicklung lässt sich besonders gut in den USA beobachten. Dort ist die Wirtschaft in den vergangenen drei Quartalen im Durchschnitt nur noch um 0,3 Prozent gewachsen – und damit weniger als halb so stark wie in den Jahren zuvor. Von einem Einbruch kann jedoch keine Rede sein. Dazu trägt nicht zuletzt die anhaltende Zuversicht der Unternehmen bei. Insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz investieren sie weiterhin kräftig.
Die geringere Wachstumsdynamik hat dabei auch eine stabilisierende Seite. Nach dem kräftigen und fiskalisch unterstützten Aufschwung im Anschluss an die COVID-19-Pandemie hat sich die US-Wirtschaft lange Zeit nahe ihren Kapazitätsgrenzen bewegt. Durch die etwas schwächere Nachfrage lässt dieser Druck nun nach, was sich auch bei der Inflation bemerkbar macht. So ist die Kerninflation, die die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, in den vergangenen beiden Monaten von 2,9 auf 2,5 Prozent gefallen.
Das verschafft der US-Notenbank trotz höherer Energiepreise mehr Spielraum und verringert den Druck, mit höheren Zinsen gegenzusteuern. Die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen hat deutlich abgenommen. Gleichzeitig deutet derzeit wenig auf eine Rezession hin. Die US-Wirtschaft hat zwar an Tempo verloren, zeigt sich aber weiterhin robust. Und solange die Wirtschaft nicht in eine Rezession abrutscht, sind tiefere Zinserwartungen grundsätzlich gute Nachrichten für die Aktienmärkte. Zu diesem konstruktiveren Bild passen auch die jüngsten Entwicklungen am US-Aktienmarkt: Die Kursgewinne werden inzwischen von mehr Unternehmen getragen und konzentrieren sich nicht mehr nur auf die grossen Sieben. Auch die Unternehmensgewinne wachsen solide, wodurch die Bewertungen teilweise sogar günstiger geworden sind.
Insgesamt ist das Bild damit ausgewogener, als es die Nachrichtenlage auf den ersten Blick vermuten lässt. Gleichzeitig bleibt die weitere Entwicklung der Finanzmärkte angesichts der zahlreichen gegenläufigen Einflussfaktoren schwer vorhersehbar. Für uns spricht dies dafür, wieder näher an unsere langfristige Strategie zu rücken. Wir schliessen deshalb unser Untergewicht in US-Aktien und sind bei Aktien insgesamt wieder neutral positioniert. Den anhaltenden geopolitischen Risiken tragen wir weiterhin Rechnung, indem wir zur Absicherung an unserem Übergewicht in Gold festhalten. Auch Schweizer Immobilien bleiben übergewichtet.