Aktive Geldpolitik ist solide Geldpolitik

Nach langer Ruhe sind die Zentralbanken wieder aktiver geworden. Für die Märkte muss das keine schlechte Nachricht sein. Entscheidend ist, dass die Marktteilnehmer:innen darauf vertrauen, dass die Zentralbanken die Inflation in den Griff bekommen. Gelingt das, bleiben die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung der Aktienmärkte intakt.

Steigende Zinsen bremsen die Nachfrage und helfen damit, eine inflationäre Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern.

Der Sommer ist vorbei und die Finanzmärkte sind zu neuem Leben erwacht. Allen voran haben die Zentralbanken wieder das Heft in die Hand genommen. Lange haben sie darauf gesetzt, dass der Inflationsdruck von selbst nachlässt. Nun steuern sie entschlossener dagegen: Mit höheren Geldmarktzinsen wollen sie Konjunktur und Inflationserwartungen dämpfen. 

Der anhaltende Irankrieg hat die Hoffnung auf eine rasche Entspannung bei den Energiepreisen zunichtegemacht. Bei Erdölpreisen, die mehr als 60 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen, lässt sich die Geldpolitik nicht mehr nach dem Prinzip Hoffnung gestalten. In den meisten Industrienationen hat die Gesamtrate der Inflation mittlerweile wieder eine 3 vor dem Komma. Höhere Energiekosten, steigende Inflationserwartungen und kräftigere Lohnzuwächse drohen nun aber Zweitrundeneffekte auszulösen und den Preisdruck auf immer mehr Bereiche der Wirtschaft auszuweiten.

Ganz extrem ist die Lage in Europa, wo der Gaspreis aktuell 160 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Tiefe Füllstände in den Gasspeichern und eine nach wie vor nicht zum Frieden bereite russische Regierung lassen auch für die kommenden Monate keine Besserung erwarten. Gleichzeitig hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen so tief angesetzt, dass Anleger:innen nach Abzug der Inflation kaum noch einen Ertrag erzielten. Der Weg zu einer neutralen oder sogar restriktiven Geldpolitik ist damit noch lang. 

Auch die Schweiz wird von den steigenden Zinsen nicht unberührt bleiben. Obwohl der Inflationsdruck in der Schweiz deutlich geringer ist, können wir uns der internationalen Zinsentwicklung nicht vollständig entziehen. Zu gross ist der Zinsabstand zum Euro mittlerweile geworden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird wohl darauf reagieren müssen. Bei weiteren Zinserhöhungen der EZB dürften deshalb auch bei uns die Zinsen steigen.

Die Finanzmärkte haben für die aktuelle Situation der grossen Zentralbanken einen angelsächsischen Fachausdruck: «They are behind the curve!». Das bedeutet, dass die Zentralbanken mit ihren geldpolitischen Massnahmen der Inflationsentwicklung hinterherhinken. Für die Aktienmärkte sind höhere Zinsen deshalb nicht automatisch schlechte Nachrichten. Gefährlicher wäre ein Verlust des Vertrauens in die Fähigkeit der Zentralbanken, die Inflation zu kontrollieren. Behalten die Zentralbanken hingegen das Vertrauen der Märkte, können sich positive Wachstumserwartungen weiter in höheren Kursen niederschlagen.

Einer Anlagekategorie machen steigende Realzinsen allerdings meist zu schaffen: Gold. Wenn Anleger:innen mit verzinslichen Anlagen auch nach Abzug der Inflation wieder einen Ertrag erzielen können, verliert Gold einen Teil seiner relativen Attraktivität. Wir haben deshalb entschieden, unser erfolgreiches Gold-Übergewicht aufzulösen und die Gewinne zu realisieren.

Die Anpassung unserer Goldposition zeigt zugleich, wie wichtig eine breite Diversifikation bleibt. Das gilt nicht nur über verschiedene Anlageklassen hinweg, sondern auch innerhalb des Aktienmarkts. Das konnten Anleger:innen in Schweizer Aktien im letzten Monat am eigenen Leib erfahren. Entgegen den Erwartungen haben sich zwei neue Medikamente von Novartis als weniger erfolgreich erwiesen als erhofft. Die Börse hat Novartis dafür fast schon brutal abgestraft: Innert Wochenfrist lag der Kurs des nach wie vor erfolgreichen Unternehmens über 15 Prozent tiefer.

Das bestätigt unsere Finanzmarktstrategie: Wer an den Finanzmärkten langfristig Rendite erzielen will, muss Risiken eingehen. Entscheidend ist aber, diese Risiken breit zu verteilen - nicht nur innerhalb einzelner Anlageklassen, sondern über verschiedene Anlageklassen hinweg. Diese Philosophie hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Und auch in diesem Jahr zeigt sich: Eine breit diversifizierte Anlagestrategie kann gerade in unruhigen Marktphasen ihre Stärken ausspielen. Unsere E-Vermögensverwaltung liegt mit ihrer Wertentwicklung auch in diesem Jahr im Peervergleich ganz weit vorne.

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