Turbulenter Jahresauftakt

Das Jahr ist kaum drei Wochen alt – und doch hat sich bereits mehr ereignet als sonst in einem ganzen Jahr. Ereignisse überlagern sich und erzeugen das Gefühl einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Inmitten globaler Spannungen bleibt Diversifikation der verlässlichste Schutz.

Auch die Schweiz blieb davon nicht verschont. Der Jahresbeginn wurde von der tragischen Brandkatastrophe in Crans-Montana geprägt. In einer bei Jugendlichen beliebten Bar forderte ein Feuer in der Neujahrsnacht zahlreiche Todesopfer und Schwerverletzte. Doch während die Schweiz noch unter dem Eindruck dieser Tragödie stand, rückten international bereits die nächsten Erschütterungen in den Vordergrund.

So griffen die USA in der ersten Januarwoche militärisch in Venezuela ein und nahmen dessen Machthaber Maduro fest. Gleichzeitig machte Trump deutlich, dass dies kein Einzelfall bleiben muss. Auch Kolumbien bezeichnete er als «krank», Kuba bleibt ihm ebenfalls ein Feindbild. Die Botschaft ist unmissverständlich klar: Die US-Regierung ist bereit, ihre Interessen notfalls mit militärischer Macht durchzusetzen.

In dieses Bild fügt sich auch der zunehmende Druck auf Grönland ein. Die territorial zu Dänemark gehörende Insel geriet erneut ins Visier des US-Präsidenten. Trump erklärte offen, Grönland notfalls mit militärischer Unterstützung unter US-Kontrolle bringen zu wollen. Jenen acht EU-Staaten, die sich hinter Dänemark stellten, drohte er mit Strafzöllen: 10 Prozent ab Februar, bis zum Sommer eine Erhöhung auf 25 Prozent, sollten sie einem vollständigen Verkauf Grönlands an die USA nicht zustimmen.

Diese Entwicklungen sind kein Zufall. Sie passen in die im November verabschiedete neue Sicherheitsstrategie der USA, die eine klare Fokussierung auf die Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre vorsieht. Aussenpolitisch setzt die US-Regierung zunehmend auf Konfrontation und das Recht des Stärkeren.

Der Kurs der Härte beschränkt sich dabei aber nicht nur auf die Aussenpolitik. Auch innenpolitisch nimmt der Druck auf Institutionen zu, die sich dem Kurs der Regierung nicht beugen. Jüngstes Beispiel ist der Vorsitzende der US-Notenbank Jerome Powell, gegen den wegen angeblicher Falschaussagen im Zusammenhang mit der Renovation des Fed- Hauptsitzes eine strafrechtliche Ermittlung eingeleitet wurde. Powell steht schon länger im Visier des Präsidenten, weil er sich einer deutlich aggressiveren Lockerung der Geldpolitik widersetzt.

Mit der von Trump gewünschten Lockerung der Geldpolitik gerät die Unabhängigkeit einer zentralen Institution unter Druck. Die Geschichte zeigt jedoch deutlich, wie wichtig unabhängige Zentralbanken für stabile Preise sind. Frühere Beispiele, etwa aus der Türkei, verdeutlichen die Risiken einer politisierten Geldpolitik. Parallel dazu nehmen auch die gesellschaftlichen Spannungen zu. Die jüngsten Unruhen in Minneapolis im Zusammenhang mit dem tödlichen Vorfall durch die Ausschaffungsbehörde ICE sind ein weiteres Anzeichen dafür. Die USA stehen damit vor anspruchsvollen Zeiten, politisch wie gesellschaftlich.

Unter diesen Voraussetzungen ist es schwer vorstellbar, dass sich günstige Rahmenbedingungen für die amerikanische Wirtschaft ergeben. Entsprechend bleibt unsere Einschätzung gegenüber den USA eher kritisch, was sich in einer insgesamt leicht untergewichteten Aktienallokation niederschlägt. Wir rechnen zudem weiterhin mit einem schwächeren US-Dollar. Das eröffnet insbesondere Chancen für Schwellenländeraktien, die wir deshalb weiterhin übergewichten. Zudem sehen wir im Vergleich zum stark technologielastigen US-Aktienmarkt Chancen bei global ausgerichteten Qualitätsunternehmen und stärken damit die geografische und sektorale Diversifikation unserer Portfolios. An Gold halten wir unverändert fest – einerseits zum Schutz vor diesen und weiteren Krisen, andererseits spricht auch strukturell viel für eine weitere Aufwertung des Goldes. Vor diesem Hintergrund bleibt eine robuste Diversifikation zentral.

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