Krieg ist verheerend für alle Beteiligten und für viele Unbeteiligte. Da stellt auch der aktuelle Nahost-Krieg keine Ausnahme dar. Zivile und militärische Opfer, die grossflächige Zerstörung von Infrastruktur sowie steigende Düngemittel- und damit Lebensmittelpreise hinterlassen psychisches und physisches Leid. Im Vergleich dazu sind die ökonomischen Folgen eher nebensächlich. Und doch zählen sie zu den wichtigen Kanälen, über die lokale militärische Konflikte globale Auswirkungen haben können.
Genau mit solchen sind wir aktuell konfrontiert. So hat der Krieg der Amerikaner gegen den Iran auch in den USA grosse Wirkung gezeigt. Allen voran sind die US-Haushalte in ihrer Zuversicht erschüttert. Die jüngsten Zahlen zum Konsumentenvertrauen zeigen es: Die Stimmung ist so schlecht wie noch nie. Seit 1953 werden amerikanische Konsument:innen befragt, im März wurde ein Allzeittief erreicht.
Das kommt für die US-Konjunktur zur Unzeit. Bereits im vierten Quartal des letzten Jahres verzeichneten die Vereinigten Staaten kaum noch Wachstum. Nach der jüngsten Revision der Daten konnte das Volkseinkommen inflationsbereinigt im Quartalsvergleich nur noch um 0,1 Prozent zulegen. Auch im ersten Quartal dieses Jahres scheint es kaum Wachstum gegeben zu haben. Glaubt man der Echtzeitschätzung der US-Notenbank von Atlanta, waren es noch gerade einmal 0,3 Prozent.
Auch der Arbeitsmarkt spricht eine eindeutige Sprache. In den Monaten Februar und März kamen im Schnitt lediglich 29'000 neue Stellen hinzu. Das ist offensichtlich nicht genug, um bei den Konsument:innen für Optimismus zu sorgen. Kein Wunder, denn mit dem Krieg hat sich auch der Inflationsausblick verschlechtert. Ein Fass Öl kostet knapp unter 100 US-Dollar. Vor dem Krieg lagen die Preise noch unter 60 US-Dollar.
Damit stieg die Inflationsrate auf neu 3,3 Prozent, und auch die um die Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflation hat wieder zugelegt. Mit 2,6 Prozent liegt sie nun wieder deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank von 2 Prozent. Zinssenkungen, auf die die Märkte zum Jahresanfang aufgrund der Wachstumsverlangsamung spekuliert hatten, sind damit vom Tisch.
Für die Finanzmärkte sind diese harten Fakten zusätzlich zu dem politischen Durcheinander eine Belastung. Somit ist verständlich, dass das Anlagejahr 2026 bisher in den meisten Anlageklassen eine Nullnummer war. Die bisher einzigen wirklichen Ausnahmen sind das Gold, das trotz einer starken kriegsbedingten Korrektur seit Jahresbeginn immer noch rund 10 Prozent rentiert hat, sowie Schwellenländeraktien. Von beiden Entwicklungen konnten die von uns betreuten Anlagen profitieren, weil wir sie in unseren Anlagelösungen sogar übergewichtet haben.
Insgesamt bleiben wir aber bei unserer vorsichtigen Haltung. Insbesondere in den USA können wir uns vorstellen, dass die Märkte zurückhaltender sein werden als anderswo. Bisher suggerieren lediglich Risiko- und Vorlaufindikatoren eine Schwäche. Sollte sich diese materialisieren, könnten US-Anlagen weiterhin im Vergleich unattraktiv bleiben.
Bei aller Vorsicht bleiben wir aber konstruktiv. Vor Ausbruch des Krieges gab es Anzeichen einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Europa und anhaltend gutes Wachstum in Asien. Wenn die Wirtschaftsaktivität in diesen Regionen zunimmt, sollte man dort investiert sein.