Volles Auftragsbuch, leeres Konto? Warum Liquidität im KMU Chefsache sein muss

30.07.2026

Umsatz ist wie Essen, Gewinn wie Trinken und Liquidität wie Sauerstoff: Mit diesem Bild beschreibt der Schweizer Finanzmanager Luca Baroni, warum fehlendes Geld ein KMU sofort in Not bringt und mit welchen Routinen, Hebeln und Denkweisen Unternehmen gefährliche Liquiditätsengpässe vermeiden.

Luca Baroni, erfahrener CFO, Verwaltungsrat, Interimsmanager und Gastdozent, präsentiert an einer Weiterbildung eine Grafik zur Herleitung der betrieblich notwendigen Liquidität.
Gibt sein wertvolles Wissen weiter: Luca Baroni, CFO mit über 25 Jahren C-Level Erfahrung, Verwaltungsrat, Interimsmanager und Gastdozent.

In Kürze

  • Der beste Rat: Liquidität muss in jedem KMU Priorität 1 haben.
  • Die wichtigste Lektion: Gewinn ist nicht Geld auf dem Konto. Zwischen Rechnung und Zahlung entsteht oft die gefährliche zeitliche Lücke.
  • Der erste Hebel: gute Kunden- und Lieferantenverträge, Zahlungsprozesse digitalisieren – eingehend wie ausgehend.
  • Die beste Routine: eine rollierende Liquiditätsplanung und ein ehrlicher wöchentlicher Blick auf die Zahlen.
  • Der wichtigste Schutz: Reserven, Szenarien und eine Bankbeziehung, bevor es brennt.

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So entstehen Liquiditätsengpässe im KMU

Das Auftragsbuch ist voll. Die Marge stimmt. Die Jahreszahlen sehen gut aus. Eigentlich müsste alles entspannt sein. Und dann kommt das Monatsende. Löhne werden fällig. Lieferantenrechnungen müssen bezahlt werden. Die Mehrwertsteuer steht an. Gleichzeitig ist die grösste Kundenrechnung zwar gestellt, aber das Geld kommt erst in drei Wochen. Auf dem Papier läuft das Unternehmen gut. Auf dem Konto sieht es anders aus. Genau hier beginnt eines der häufigsten Finanzprobleme im KMU: Das Unternehmen verdient Geld, hat es aber im entscheidenden Moment nicht verfügbar.

Gewinn ist nicht Liquidität: Der häufigste Finanzfehler in KMU

Luca Baroni bringt das Problem auf den Punkt: «Der häufigste und gefährlichste Fehler im Finanzmanagement eines KMU ist, Gewinn mit Liquidität zu verwechseln. Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem in eine Liquiditätskrise geraten – das klingt paradox, ist aber oft Realität.» Dieser Fehler werde oft erst dann erkannt, wenn es fast zu spät ist: wenn Lieferanten auf Zahlung bestehen und das Konto leer ist. Baroni beschreibt die Bedeutung von Liquidität mit einer Analogie, die ihm von einem Vortrag geblieben ist: «Umsatz ist wie Essen, Gewinn ist wie Trinken und Liquidität ist wie Sauerstoff.» Heisst: Ohne Liquidität wird es sofort kritisch.

Profitabel ≠ liquide

  • Gewinn entsteht buchhalterisch, wenn Erträge höher sind als Aufwände.
  • Liquidität hingegen bedeutet, dass das Geld tatsächlich auf dem Konto verfügbar ist.
  • Zwischen beidem liegen oft Wochen – genau dort entsteht die Lücke.

Über Luca Baroni

Luca Baroni ist ein ausgewiesener Finanzexperte, der als CFO grosser Schweizer Unternehmen wie Swissgrid, BLS und Alpiq erlebt hat, worauf es in anspruchsvollen Situationen ankommt. Als Kursleiter gibt er sein Wissen an Aus- und Weiterbildungsinstituten weiter, zum Beispiel im KMU Leader Campus.

Warum Liquidität für Schweizer KMU besonders wichtig ist

Liquidität ist die Lebensader jedes Unternehmens. «Für KMU, die keinen direkten Zugang zu Kapitalmärkten haben, meist nur über kleinere Puffer verfügen und stärker auf Bankkredite angewiesen sind, ist Liquidität besonders heikel», erklärt der Finanzmanager. In der Schweiz kommt erschwerend hinzu, dass viele KMU exportorientiert arbeiten und ihre Leistungen in Euro oder US-Dollar in Rechnung stellen. Wertet der Schweizer Franken gegenüber diesen Währungen auf, sinken Margen oft kurzfristig – während Löhne, Mieten und viele Betriebskosten weiterhin in Franken bezahlt werden müssen. Das kann die Liquidität zusätzlich unter Druck setzen und zum Liquiditätsthema kommen Fremdwährungsrisiken hinzu. Luca Baroni: «Die Frankenentwicklung kann innerhalb weniger Monate die Marge und damit die Ergebnis- und Liquiditätssituation erheblich verändern.»

Dazu kommt: In vielen KMU gibt es kein spezialisiertes Treasury-Team, das täglich Cashflows überwacht. Der CFO – oder oft die Unternehmer:in selbst – tragen mehrere Hüte gleichzeitig. «Was im Grossunternehmen ein Team und ein strukturiertes Reportingsystem übernimmt, muss im KMU durch disziplinierte Eigenverantwortung und pragmatische Hilfsmittel kompensiert werden», betont er. 

Liquiditätsplanung im KMU: Die 3 häufigsten Fehler

Luca Baroni sieht drei Hauptgründe, warum KMU bei der Liquiditätsplanung ins Stolpern geraten.

  • Eine systematische und regelmässige Planung fehlt. Liquidität wird reaktiv statt proaktiv gemanagt.
  • Forderungen werden zu optimistisch bewertet. Kunden zahlen später als erwartet, und das reisst Löcher in die Planung.
  • Es gibt keine Liquiditätsreserve für unerwartete Ereignisse und Stresssituationen. Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell externe Schocks die Liquiditätssituation kippen können.

Liquiditätsmanagement im KMU: 6 Empfehlungen von CFO Luca Baroni

Als CFO eines KMU würde Luca Baroni drei Dinge priorisieren: Transparenz, gute Kunden- und Lieferantenverträge, digitalisierte Finanzprozesse und eine starke Bankbeziehung. Er sagt: «Wäre ich CFO eines KMU, wäre Transparenz mein erster Fokus: Ich möchte jederzeit wissen, wo wir liquiditätsmässig stehen – nicht erst am Monatsende.» Und worauf darf man nicht verzichten? Baroni sagt: «Auf ein ehrliches monatliches Gespräch über die Zahlen mit der Geschäftsleitung.»

Liquidität ist kein technisches Finanzthema, sondern eine taktische Frage des Überlebens. Dies erfordert ein klares Bewusstsein auf Führungsebene sowie einfache, aber konsequente Reporting-Routinen – idealerweise ein wöchentlicher Liquiditätsbericht als Auszug der Liquiditätsplanung (siehe Klappmenupunkt: Liquiditätsmanagement digitalisieren: Welche Tools KMU heute nutzen können), der auf den Tisch kommt. Und nicht zuletzt braucht es Mut, unbequeme Wahrheiten früh anzusprechen, bevor aus einem Problem eine Krise wird.

Diese Fragen beantwortet ein einfacher Liquiditätsbericht idealerweise:

  • Welche Zahlungen gehen in den nächsten Wochen ein?
  • Welche Zahlungen gehen in den nächsten Wochen raus?
  • Wo drohen Lücken?
  • Welche Massnahmen müssen jetzt ausgelöst werden

Sofortmassnahmen, wenn es eng wird

  1. Priorisieren. Verschaffen Sie sich Klarheit, welche Zahlungen zwingend sind (z. B. Löhne, Sozialabgaben, Mehrwertsteuer) und welche sich ohne Schaden ein paar Tage verschieben lassen. Stellen Sie eine Reihenfolge auf, statt nach Posteingang zu zahlen.

  2. Verhandeln. Sprechen Sie früh mit Kundschaft und Lieferanten über Zahlungsfristen – und vor allem mit Ihrer Bank, um zeitliche Lücken überbrücken zu können. Eine solide Bankbeziehung und ein klarer Kreditrahmen sind der Puffer, der hoffentlich nie gebraucht wird. Wichtig: Dieses Gespräch führt man idealerweise, bevor es brennt.

  3. Beschleunigen. Holen Sie Geld herein. Fakturieren Sie sofort, nicht am Ende des Monats, und verfolgen Sie offene Rechnungen konsequent nach. Wo möglich, verkürzen Sie Zahlungsfristen oder bieten Sie Anreize für schnelle Zahlung.

Der erste Hebel, um die Liquidität zu verbessern, liegt bei den Zahlungsprozessen. Wer Rechnungen schnell und fehlerlos stellen und Zahlungseingänge automatisch verbuchen kann, hat einen direkten Liquiditätsvorteil.

Der Rat: Zahlungsprozesse zuerst digitalisieren – sowohl ausgehend als auch eingehend, in Extremsituationen kann es auf wenige Tage ankommen. Danach kommt das Mahnwesen. Denn viele KMU verlieren Geld, weil sie Kundenforderungen nicht systematisch bewirtschaften. Und schliesslich folgt die Liquiditätsplanung selbst – auch wenn es nur eine rollierende mehrwöchige-Vorschau in Excel ist.

Technologie verändert das Liquiditätsmanagement massiv – auch für KMU. Open Banking und API-Anbindungen ermöglichen heute Echtzeit-Einblicke in Kontostände und Zahlungsströme, die früher nur Grosskonzernen vorbehalten waren. Automatisierte Mahnläufe, digitale Zahlungsprozesse und cloudbasierte Planungstools machen Liquiditätsmanagement zugänglicher und effizienter. KMU, die diese Möglichkeiten nutzen, gewinnen wertvolle Zeit und bessere Entscheidungsgrundlagen.

Der Rat: einfache, aber flexible Forecasting-Tools. Ob das eine spezialisierte Software oder ein gut strukturiertes Excel ist, ist weniger wichtig als die Konsequenz, mit der man es nutzt – auch hier gilt: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es!

KI-Impuls: Nutzen Sie KI als praktisches Hilfsmittel, um mit wenig Aufwand einen einfachen Liquiditätsplan zu erstellen. Wie ein möglicher Prompt für ChatGPT, Claude oder Microsoft Copilot formuliert sein könnte: 

«Bitte erstelle mir eine Excelvorlage für eine rollierende 12 Monats-Liquiditätsplanung für den KMU-Gebrauch. Ergänze die wichtigsten Kennzahlen und Frühwarnindikatoren (den tiefsten Liquiditätsbestand, den Monat mit dem tiefsten Bestand, den durchschnittlichen Netto-Geldfluss pro Monat, die Anzahl Monate mit negativer Liquidität und die Liquidität am Ende des Planungszeitraums) und ein Liniendiagramm mit der Entwicklung der Liquidität über den gesamten Planungszeitraum.»

Beispiel eines mit Claude generierten Liquiditätsplans

Die Abbildung zeigt ein Beispiel eines mit Claude generierten rollierenden 12-Monats-Liquiditätsplans. In einer Excel-ähnlichen Tabelle werden für zwölf Monate die geplanten Einzahlungen, Auszahlungen, der Netto-Geldfluss, die Liquidität zu Monatsbeginn und Monatsende sowie die verfügbare Liquidität inklusive Kreditlinie dargestellt. Unter den Einzahlungen sind unter anderem Umsatzerlöse, sonstige betriebliche Einzahlungen, Darlehens- und Kreditaufnahmen, Kapital- und Privateinlagen sowie weitere Einzahlungen aufgeführt. Unter den Auszahlungen erscheinen unter anderem Material- und Wareneinkauf, Personalaufwand, Sozialversicherungen, Miete, Energie, Versicherungen, Marketing, Verwaltung, Investitionen, Mehrwertsteuer, Steuern, Zinsen, Tilgungen sowie Privatentnahmen oder Gewinnausschüttungen. Ergänzend fasst ein Bereich die wichtigsten Kennzahlen und Frühwarnindikatoren zusammen: den tiefsten Liquiditätsbestand, den Monat mit dem tiefsten Bestand, den durchschnittlichen Netto-Geldfluss pro Monat, die Anzahl Monate mit negativer Liquidität und die Liquidität am Ende des Planungszeitraums. Ein Liniendiagramm visualisiert die Entwicklung der Liquidität über den gesamten Planungszeitraum.
Hinweis: Die eingetragenen Zahlen sind Beispielwerte – bitte vollständig durch eigene Planwerte ersetzen.
Alle blauen Zellen sind Eingabezellen mit fiktiven Beispielwerten – durch eigene Zahlen ersetzen. Rote Zahlen im Endbestand = Kontokorrent wird beansprucht.

Tipp

Eine rollierende Liquiditätsplanung wird erst zu einem echten Steuerungsinstrument, wenn die Planung mit den effektiv realisierten Werten verglichen wird und die grössten positiven und negativen Abweichungen analysiert und, wenn notwendig, Massnahmen ergriffen und umgesetzt werden. Dies wird mit einem wiederkehrenden Plan-Do-Check-Act-Regelprozess sichergestellt. 

Eine gute Bankbeziehung ist kein Notfallinstrument. Sie ist Teil des finanziellen Risikomanagements. Gerade KMU sollten ihre Finanzierungspartner nicht erst kontaktieren, wenn es eng wird. Persönliche Bankbeziehungen spielen eine grössere Rolle als in Grossunternehmen und sollten in guten Zeiten gepflegt werden.

«Aus meiner Erfahrung in der volatilen Energiebranche – bei Alpiq und Swissgrid – lautet die Antwort: Szenarien, Szenarien, Szenarien.» CFO Luca Baroni

Man kann die Zukunft nicht kontrollieren, aber man kann vorbereitet sein. Ein gutes Liquiditätsmanagement umfasst immer mehrere Szenarien. Beantworten Sie dabei Fragen wie zum Beispiel:

  • Was passiert, wenn ein Grosskunde ausfällt?
  • Was passiert, wenn Kunden später zahlen?
  • Was passiert, wenn Zinsen steigen?
  • Was passiert, wenn die Wechselkurse die Marge belasten bzw. die geplanten Ergebnisse tiefer ausfallen?
  • Was passiert, wenn eine grössere Investition mehr Mittel bindet als geplant?

Gleichzeitig sind in einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld solide Bankbeziehungen und ein klarer Kreditrahmen entscheidend – als Puffer, der hoffentlich nie gebraucht wird.

Warum schnelles Wachstum zu Liquiditätsproblemen führen kann

Wachstum ist gut, aber unkontrolliertes Wachstum kann ein Unternehmen zerstören. Cash is king – gerade in Wachstumsphasen. Fakturieren Sie schnell und konsequent, verkürzen Sie Zahlungsfristen wo möglich, und hinterfragen Sie jeden Investitionsschritt auf seine Liquiditätswirkung. Wer stark wächst, sollte den Liquiditätsbedarf doppelt so hoch einplanen wie ursprünglich gedacht – Wachstum kostet immer mehr Cash als man erwartet. Und ganz wichtig: Erstellen Sie zuerst einen qualitativen und quantitativen Businessplan, an welchem Sie sich laufend orientieren und Abweichungen managen können. 

Die 10 wichtigsten Regeln für stabile Liquidität im KMU

  • Liquidität ist kurzfristig gesehen überlebenswichtiger als Gewinn – nie vergessen.

  • Führen Sie eine rollierende Liquiditätsplanung.

  • Bauen Sie einen Puffer von mindestens drei Monatsausgaben auf.

  • Fakturieren Sie sofort – nicht am Ende des Monats, dazu benötigt es entsprechende Kundenvereinbarungen.

  • Verfolgen Sie offene Rechnungen konsequent nach.

  • Pflegen Sie Ihre Bankbeziehung – auch wenn Sie kein Geld brauchen.

  • Digitalisieren Sie Zahlungs- und Mahnprozesse als Erstes.

  • Keine Investition ohne Liquiditäts- und Finanzierungscheck.

  • Nutzen Sie monatliche Zahlen als Führungsinstrument.

  • Wachstum kostet oft mehr Cash als verfügbar – somit Puffer einkalkulieren.

Interview mit Luca Baroni: «Zahlen lügen nicht – aber sie erzählen auch nie die ganze Geschichte»

Zahlen sind wichtig. Doch gute Finanzführung braucht mehr: Vertrauen, Kommunikation und den Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Finanzexperte Luca Baroni erklärt, warum ein CFO vor allem ein Übersetzer ist, wie Digitalisierung das KMU-Finanzmanagement verändert und welchen Rat er jungen Unternehmen mitgibt.

  • Meine prägendsten Erfahrungen liegen in der Energiebranche – bei Swissgrid, wo ich als CFO das nationale Höchstspannungsnetz finanziell mitverantwortet habe, und später bei Alpiq. Was kein Lehrbuch wirklich vermittelt: Wie viel Führung und Vertrauen im Finanzbereich zählen. Zahlen lügen nicht – aber sie erzählen auch nie die ganze Geschichte. Ein CFO ist vor allem ein Übersetzer: zwischen Zahlen und Strategie, zwischen der Finanzabteilung und dem Rest des Unternehmens. Und: In einer Krise zeigt sich, ob man in guten Zeiten die richtigen Fundamente gelegt hat – bei der Liquidität, bei der Bankbeziehung, beim Team und bei den finanziellen Führungsprozessen.

  • Der CFO sitzt an der Schnittstelle aller Unternehmensbereiche – das macht die Rolle einzigartig. Man sieht das Gesamtbild, kann strategisch mitgestalten und trägt gleichzeitig Verantwortung dafür, dass das Fundament stabil bleibt. Was mich persönlich antreibt, ist die Verbindung von Komplexität und Wirkung: Man trägt Mitverantwortung für den kurz- und langfristigen Fortbestand des Unternehmens und damit für die Arbeitsplätze aller Mitarbeitenden. Das ist eine grosse Verantwortung – und genau deshalb auch eine spannende.

  • Analytische Schärfe ist Grundvoraussetzung, aber allein nicht ausreichend. Ein guter CFO ist auch Kommunikator, der komplexe Sachverhalte verständlich erklärt – gegenüber dem Verwaltungsrat, dem CEO und den Mitarbeitenden. Dazu kommt digitale Affinität. Und schliesslich: Mut zur unbequemen Wahrheit. Der CFO muss derjenige sein, der auch Nein sagen kann.

  • Digitalisierung demokratisiert das Finanzmanagement: Was früher grosse Finance-Teams erforderte, ist heute mit smarten Tools auch im KMU möglich. Echtzeit-Buchhaltung, automatische Bankabstimmung, digitale Rechnungsverarbeitung – das alles spart Zeit und reduziert Fehler. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen: Datensicherheit, Systemintegration und die Fähigkeit, aus Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  • KI im Finanzbereich ist schon heute da – für Forecasting, Risikobeurteilung und automatisierte Analysen. Open Banking und Echtzeit-Zahlungen beschleunigen den Liquiditätszyklus. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen, etwa beim ESG-Reporting, – auch KMU sind betroffen, sobald Grosskunden entsprechende Nachweise verlangen. Und die Zinswende bleibt ein Thema: Finanzierungskosten sind wieder eine zentrale Steuerungsgrösse und Teil des finanziellen Risikomanagements.

  • Nehmen Sie Finanzen von Anfang an ernst – nicht erst, wenn es brennt. Verstehen Sie Ihre Zahlen selbst, auch wenn Sie eine Fachperson beschäftigen. Bauen Sie früh eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrer Bank auf. Und holen Sie sich Erfahrung ins Boot: Ein erfahrener CFO oder Finanzberater als Sparringspartner kann im richtigen Moment den Unterschied machen.

Liquidität sichern: Welche Finanzierungslösungen KMU nutzen können

Mit diesen Tools und Möglichkeiten bewirtschaften und steuern Sie Ihre Liquidität einfach und intuitiv.

Selbstcheck: Wie gut ist Ihr Liquiditätsmanagement aufgestellt?

Zum Schluss lohnt sich ein Blick auf das eigene Unternehmen. Die folgenden Fragen helfen Ihnen, Risiken im Finanzmanagement frühzeitig zu erkennen – bevor aus einer kleinen Lücke ein ernstes Liquiditätsproblem wird. Prüfen Sie Ihr KMU anhand dieser vier Punkte:

Verwechseln wir Gewinn mit Liquidität?

Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem in eine Liquiditätskrise geraten. Entscheidend ist nicht nur, ob Rechnungen gestellt wurden, sondern ob das Geld rechtzeitig auf dem Konto ist.

Selbstcheck

  • Wissen wir, wie viel liquide Mittel uns in den nächsten Wochen tatsächlich zur Verfügung stehen?
  • Können wir Löhne, Lieferanten, Sozialabgaben und Mehrwertsteuer fristgerecht bezahlen?
  • Führen wir eine rollierende Liquiditätsplanung?

Planen wir zu optimistisch?

Umsätze werden oft zu positiv eingeschätzt, Kosten zu tief angesetzt und Verzögerungen nicht berücksichtigt. Genau daraus entstehen gefährliche Lücken.

Selbstcheck

  • Sind unsere Umsatzannahmen realistisch oder eher Wunschdenken?
  • Haben wir verspätete Zahlungen, höhere Kosten oder Projektverzögerungen eingeplant?
  • Rechnen wir auch mit konservativen oder negativen Annahmen?

Haben wir Szenarien für schlechte Zeiten?

Niemand kann die Zukunft kontrollieren. Aber jedes KMU kann sich auf mögliche Stresssituationen vorbereiten.

Selbstcheck

  • Was passiert, wenn ein wichtiger Auftrag wegfällt?
  • Was passiert, wenn Kundschaft später zahlt?
  • Was passiert, wenn Kosten, Zinsen oder Währungsrisiken steigen?
  • Haben wir konkrete Massnahmen definiert, falls eines dieser Szenarien eintritt?

Sind wir zu abhängig von einzelnen Grosskunden?

Ein grosser Kunde kann Stabilität bringen – aber auch ein Risiko sein. Fällt er weg oder verschiebt Zahlungen, kann die finanzielle Situation schnell kippen.

Selbstcheck

  • Wie stark hängt unser Umsatz von einzelnen Kunden ab?
  • Was würde passieren, wenn unser grösster Kunde später zahlt oder wegfällt?
  • Haben wir Reserven, Alternativen oder Massnahmen, um eine solche Abhängigkeit abzufedern?

Fragen und Antworten

  • Gewinn entsteht buchhalterisch, wenn Erträge höher sind als Aufwände – Liquidität bedeutet, dass das Geld tatsächlich auf dem Konto und verfügbar ist. Zwischen diesen beiden Momenten liegen oft Wochen, und genau dort entsteht die gefährliche zeitliche Lücke. Ein Unternehmen kann auf dem Papier profitabel sein und gleichzeitig seine Löhne nicht bezahlen können.

  • Ja – und das passiert häufiger als viele denken. Das klassische Szenario: Der Umsatz und die Marge stimmen, aber ein Grosskunde zahlt erst in 60 Tagen, während Löhne und Sozialabgaben schon am Monatsende fällig sind. Profitabilität schützt nicht vor Zahlungsunfähigkeit – Liquidität tut es.

  • Als Faustregel gilt ein Puffer von mindestens drei Monatsausgaben, um unerwartete Ereignisse abzufedern. Diese Reserve gilt als Untergrenze und sollte in ruhigen Zeiten aufgebaut werden, nicht erst, wenn es eng wird.

  • Die Reihenfolge: zuerst die Zahlungsprozesse (eingehend und ausgehend), dann das Mahnwesen, dann die Liquiditätsplanung, selbst wenn es nur eine rollierende mehrwöchige-Vorschau ist. Wer Rechnungen schnell und digital stellt und Zahlungseingänge automatisch verbucht, verschafft sich einen direkten Liquiditätsvorteil – weil Geld schneller fliesst. Zahlungsprozesse – eingehend wie ausgehend.

  • Wachstum bindet mehr Mittel (bspw. Cash) als erwartet, weil Vorleistungen erbracht werden müssen, bevor Kundenzahlungen zurückfliessen. Die Empfehlung: Den Liquiditätsbedarf in Wachstumsphasen grosszügiger einplanen als ursprünglich kalkuliert – im Zweifel doppelt so hoch – und jeden Investitionsschritt auf seine Liquiditätswirkung prüfen. Auch gilt es, schnell zu fakturieren und wenn möglich die Zahlungsfristen zu verkürzen. Zentral in einer Wachstumsphase ist es natürlich, die Finanzierungsseite nicht zu vergessen, denn oft kann eine grosse Wachstumsphase nicht nur aus vorhandenem Cash sichergestellt werden. Da kommen dann Eigenkapitalmassnahmen und die Fremdfinanzierungsmärkte zum Zuge. 

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