Wirtschaft: Ostasien gibt Anlass zur Hoffnung

In Europa und den USA muss aufgrund der ansteigenden Fallzahlen im vierten Quartal erneut mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet werden. Ostasien scheint die Krise dagegen hinter sich gelassen zu haben und wird damit zu einem Hoffnungsschimmer für die globale Konjunktur.

  • Über den Sommer hinweg erlebte der Schweizer Detailhandel einen Boom. Nun deuten Echtzeitindiktatoren ein Ende dieses Booms an. Das Abflauen begann bereits, als die Fallzahlen erneut anstiegen und noch bevor der Bundesrat im Oktober neue Verschärfungen der Restriktionen ankündigte. Dies liefert erneut Hinweise darauf, dass das persönliche Empfinden der Bevölkerung einen ebenso wichtigen Einfluss auf das Kaufverhalten hat wie die angeordneten Einschränkungen.

    Im Gegensatz zum Detailhandel erlebte die Industrie keinen Sommer-Boom. Schon seit dem Sommer 2018 entwickelte sich der Auftragseingang rückläufig. Corona hat die Situation nochmals deutlich verschärft. Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie verlor in den vergangenen zwei Jahren rund 30 Prozent ihres Auftragsvolumens. Derzeit gibt es noch kaum Hinweise auf einen baldigen, nachhaltigen Aufschwung. Das Investitionsklima bleibt düster.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristiger Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 1% befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg
  • Die USA überzeugten im dritten Quartal mit einem hohen BIP-Wachstum von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Jahresvergleich liegt die Wirtschaftsleistung noch rund 3 Prozent unter dem Vorjahreswert, womit die Lücke zum Vorkrisenniveau in den USA geringer ist als in fast allen europäischen Ländern. Auch bei den Detailhandelszahlen überraschten die USA mit einem hohen Jahreswachstum von 5,4 Prozent im September.

    Trotz politischer Unruhen sowie anhaltend hohen Fallzahlen war die US-Wirtschaftsleistung bisher also erstaunlich robust. Dass dennoch nicht alles zum Besten steht, zeigen Stimmungsumfragen unter Konsumentinnen und Konsumenten, die im November ausgehend von einem tiefen Niveau noch weiter gesunken sind. Arbeitsmarktstatistiken weisen darauf hin, dass die Anzahl der Beschäftigten im Tieflohnsektor nach wie vor 20 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegt – dieser Umstand birgt Spannungspotenzial.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend, sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der neunziger Jahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 3% befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell deutlich zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg
  • Frankreich und Italien, die im zweiten Quartal beide einen massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung hinnehmen mussten, zeigten im dritten Quartal eine ebenso imposante Erholung. Die Lücke zum Vorkrisenniveau liegt nun noch bei etwa -4 Prozent und ist damit vergleichbar mit jener in Deutschland, das deutlich weniger von der Pandemie getroffen wurde. Deutlich schwieriger ist die Situation derzeit in Spanien und Grossbritannien, wo die Lücke noch fast 10 Prozent beträgt. Spanien litt unter dem Ausbleiben des Tourismus und Grossbritannien unter einem lange anhaltenden, strikten Lockdown sowie den Unsicherheiten rund um den Brexit.

    Derzeit steigen die Fallzahlen fast überall in Europa spürbar an und neue, massive Lockdown-Massnahmen werden verhängt. Aus diesem Grund ist im vierten Quartal verbreitet wieder mit einem negativen Quartalswachstum zu rechnen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995 ab. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 0% befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg
  • Die ostasiatischen Länder sind derzeit die einzigen Länder weltweit, die eine Wirtschaftsleistung vorweisen können, die über dem Vorkrisenniveau liegt. China führt im dritten Quartal mit einem Jahreswachstum von 4,9 Prozent, gefolgt von Taiwan und Vietnam. In Südkorea und Malaysia liegt das Jahreswachstum nur noch leicht im negativen Bereich. Anders als Europa und die USA können die ostasiatischen Länder bis jetzt sehr tiefe und stabile Corona-Fallzahlen ausweisen, wodurch diese Länder von einem weiteren Lockdown absehen können. Dies macht die Region zu einem globalen Hoffnungsträger.

    Die lateinamerikanischen Länder sind im Gegensatz dazu noch weit entfernt von der Normalität, auch wenn sich die Fallzahlen derzeit stabilisieren. In diesen Ländern wird das BIP auch im dritten Quartal noch 8 Prozent und mehr unter dem Vorjahreswert liegen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 5% befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell deutlich zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina   
Indikatoren
BIP J/J 2020Q2
Schweiz
-8,3%
USA
-9,0%
Eurozone
-14,8%
GB
-21,5%
Japan
-10,2%
Indien
-23,9%
Brasilien
-11,4%
China   
3,2%
Indikatoren
BIP J/J 2020Q3
Schweiz
-
USA
-2,9%
Eurozone
-4,4%
GB
-9,6%
Japan
-5,8%
Indien
-
Brasilien
-
China   
4,9%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
+
USA
-
Eurozone
-
GB
-
Japan
+
Indien
+
Brasilien
+
China   
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,4%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,6%
Japan
1,0%
Indien
5,0%
Brasilien
1,0%
China   
4,3%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
-0,6%
USA
1,2%
Eurozone
-0,3%
GB
0,5%
Japan
0,2%
Indien
7,6%
Brasilien
3,9%
China   
0,5%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
0,25%
Eurozone
0,00%
GB
0,10%
Japan
-0,10%
Indien
4,00%
Brasilien
2,00%
China   
4,35%
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