Wirtschaft: Chinas COVID-Politik führt zur Rezession

Weltweit haben sich die Konjunkturindikatoren in den letzten Monaten verschlechtert. Noch halten sich die Volkswirtschaften aber auf Wachstumskurs – mit einer grossen Ausnahme: China befindet sich mitten in einer Rezession.

  • Die vorlaufenden Indikatoren weisen auch in der Schweiz auf ein tieferes Wachstum hin. Im internationalen Vergleich zeigen sich Schweizer Unternehmen und Haushalte aber nach wie vor relativ optimistisch. Die Konsumentenstimmung ist zwar auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gefallen, in den USA und der Eurozone wurden jedoch sogar 10-Jahres-Tiefstwerte erreicht.

    2015 führte die Schweizer Nationalbank SNB den Negativzins ein, um die Aufwertung des Frankens zu stoppen. Derzeit ist der Franken, gemessen an der Kaufkraft, so schwach wie seit 30 Jahren nicht mehr, womit der Grund für die Einführung des Negativzinses inzwischen entfällt. Aus diesem Grund ist es denkbar, dass die SNB am 16. Juni zum ersten Mal seit 15 Jahren eine Zinserhöhung vornimmt.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei etwa 2,5 Prozent befinden wird.
    Quelle: Bloomberg
  • Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen ist in den USA nach wie vor hoch. Weil die heimische Wirtschaft den inländischen Konsumbedarf nicht zu decken vermochte, wuchsen die Importe im ersten Quartal stark, wodurch das Handelsbilanzdefizit so hoch ausfiel wie nie zuvor. Sollten die Stimmungsumfragen zur Konsumlaune aber recht behalten, wird die inländische Nachfrage bald zurückgehen. Haushalte geben sich angesichts der hohen Inflation derzeit so pessimistisch wie zuletzt während der Finanzkrise von 2008/2009.

    Nebst der abnehmenden Nachfrage entfaltet auch die Geldpolitik der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) zunehmend eine bremsende Wirkung. Die Fed hat seit Jahresbeginn bereits zwei Zinsschritte vorgenommen und weitere Erhöhungen angekündigt. Auch wird sie damit beginnen, die während der Corona-Pandemie erworbenen Staatsanleihen wieder abzustossen. Beim geplanten Verkaufstempo wäre die Bilanz der Fed per Ende 2024 wieder gleich gross wie vor der Pandemie.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 2,5 Prozent befinden wird.
    Quelle: Bloomberg
  • Bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs befanden sich die Stimmungsindikatoren für die Eurozone auf einem Rekordhoch. Seither sind sie jedoch deutlich gesunken. Darin zeigt sich, dass der Krieg aufgrund seiner geographischen Nähe Europa stärker trifft als andere Weltregionen. Die Abwärtsrisiken bleiben hoch: Sollte Russland nebst Polen und Rumänien auch anderen europäischen Ländern den Gashahn zudrehen, so droht der EU eine Rezession.

    Die Europäische Zentralbank (EZB) gerät damit immer mehr in ein unlösbares Dilemma. Denn während die verhaltenen Wachstumsaussichten eine unterstützende Geldpolitik erfordern würden, verlangt die Bekämpfung der hohen Inflation eine restriktivere Geldpolitik. Voraussichtlich wird die EZB im Juli – und damit früher als bislang angekündigt – eine erste Zinserhöhung vornehmen. Zuletzt lag die Inflation mit 7,5 Prozent auf dem höchsten Stand seit der Gründung der EU im Jahr 1992.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei gut 2,5 Prozent befinden wird.
    Quelle: Bloomberg
  • In Folge der strikten Corona-Politik von Präsident Xi Jinping befindet sich Chinas Wirtschaft inzwischen mitten in einer Rezession. Die Industrieproduktion sank im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,9 Prozent, die Detailhandelsumsätze sogar um 11,2 Prozent. Die Regierung kündigte zwar bereits umfangreiche Stimulierungsmassnahmen an, doch entfalten diese bis anhin noch kaum Wirkung.

    In fast allen anderen Schwellenländern ist dagegen die Inflation das dominierende Thema. Während Indonesien den Export von Palmöl verbot, darf aus Indien kein Weizen mehr exportiert werden – aus Sorge, dass sich die lokale Bevölkerung die Produkte sonst nicht mehr leisten kann. Dies führte zu erneuten Preissteigerungen bei Lebensmitteln und verschärft die Lage zusätzlich in den Ländern, die von Nahrungsmittelimporten abhängig sind.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei etwa 3,5 Prozent befinden wird.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2021Q4
Schweiz
3,7%
USA
5,5%
Eurozone
4,7%
GB
6,6%
Japan
0,7%
Indien
5,4%
Brasilien
1,6%
China
4,0%
Indikatoren
BIP J/J 2022Q1
Schweiz
USA
3,4%
Eurozone
5,0%
GB
8,7%
Japan
Indien
Brasilien
China
4,8%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
USA
Eurozone
GB
Japan
+
Indien
=
Brasilien
China
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,4%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,7%
Japan
1,1%
Indien
5,1%
Brasilien
1,2%
China
4,1%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
2,5%
USA
8,3%
Eurozone
7,5%
GB
7,0%
Japan
1,2%
Indien
7,8%
Brasilien
12,1%
China
2,1%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
–0,75%
USA
1,00%
Eurozone
0,00%
GB
1,00%
Japan
–0,10%
Indien
4,40%
Brasilien
12,75%
China
4,35%

Quelle: Bloomberg

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