Wirtschaft: Die Rezessionsgefahr steigt

Der Ausbruch des Coronavirus hat dem steigenden Optimismus zu Beginn des Jahres ein jähes Ende bereitet. Eintreffende Nachrichten machen es immer wahrscheinlicher, dass die Wirtschaft nicht nur kurzzeitig einen Einbruch wird hinnehmen müssen, sondern es zu einer globalen Rezession kommen könnte.

  • Die Schweizer Wirtschaft wuchs im letzten Quartal vom vergangenen Jahr noch solide mit 0,3 Prozent. Für das ganze Jahr 2019 ergibt dies ein Wachstum von 0,9 Prozent. Prognosen für das laufende Jahr sind aufgrund der Geschwindigkeit der Entwicklungen rund um den Ausbruch des Coronavirus schwierig. Ein starker Einbruch lässt sich aber vermutlich kaum vermeiden. Nur schon die globale Schwäche setzt die Schweizer Wirtschaft stark unter Druck. Gleichzeitig sorgen nun weitreichende Massnahmen zur Eindämmung des Virus innerhalb des Landes dafür, dass auch die Binnenwirtschaft teilweise stillgelegt wird. Dazu kommen unterbrochene Lieferketten, verunsicherte Konsumenten und ausbleibende Touristen. Während die Schweizerische Nationalbank (SNB) in erster Linie auf Devisenmarktinterventionen setzt, sprach der Bundesrat der Wirtschaft bis jetzt 10 Milliarden Franken Hilfe zu.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Die vorlaufenden Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die Wachstumsraten in naher Zukunft leicht unterhalb des langfristigen Trends befinden werden. Der Indikator ist angesichts des Coronavirus aktuell jedoch zu optimistisch.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance
  • Obwohl das amerikanische Wirtschaftswachstum 2019 mit 2,3 Prozent das Ziel der Trump-Administration von 3 Prozent verpasste, befand sich die US-Wirtschaft bisher in einer robusten Verfassung. Die US-Industrie ist dank ihres grossen Binnenmarktes im Vergleich zu vielen anderen Ländern relativ immun gegen einen weltweiten Nachfrageeinbruch. Es ist allerdings zu befürchten, dass der Ausbruch des Coronavirus auch in den USA für massive Auswirkungen sorgen wird. Die bereits erfolgten Massnahmen werden den Binnensektor stark einschränken. Auch mit einer erhöhten Verunsicherung der Konsumenten ist zu rechnen. Die amerikanische Zentralbank hat ihren Leitzins in zwei ausserordentlichen Sitzungen bereits auf 0.00-0,25 Prozent gesenkt, um das Wachstum zu stützen. Gleichzeitig veranlasste sie Anleihenkäufe in der Höhe von 700 Milliarden US-Dollar, wie auch massive Interventionen am Geldmarkt, um die angespannte Liquiditätssituation am Finanzmarkt zu mildern.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend, sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Gemäss dem vorlaufenden Konjunkturklimaindikator kann für das kommende Quartal mit einem überdurchschnittlich hohen Quartalswachstum gerechnet werden. Der Indikator ist angesichts des Coronavirus aktuell jedoch zu optimistisch.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance
  • Europa hat sich in den letzten Tagen zum Hauptherd der Coronakrise entwickelt. Das Virus trifft hier auf Volkswirtschaften, die bereits zuvor nur tiefe Wachstumsraten vorweisen konnten. Ausgerechnet Italien, das im vergangenen Quartal mit einem Quartalswachstum von –0,3 Prozent das Schlusslicht der Eurozone bildete, ist nun besonders stark von der Krise betroffen. Zwei Quartale mit negativem Wachstum werden hier kaum zu vermeiden sein. Aber auch in vielen anderen Ländern werden massive wirtschaftliche Einschränkungen in Kauf genommen, um die weitere Ausbreitung des Virus zu dämmen. Anders als in den USA hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bisher nicht gesenkt. Da die EZB bereits in den vergangenen Jahren äusserst expansiv unterwegs war, besteht nur noch wenig Spielraum für weitere Zinssenkungen. EZB-Präsidentin Lagarde machte deutlich, dass sie sich in erster Linie von der Fiskalpolitik grosse Unterstützung erhofft.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995 ab. Unser Konjunkturindikator deutet für das kommende Quartal ein anziehendes Wachstum an. Der Indikator ist angesichts des Coronavirus aktuell jedoch zu optimistisch.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance
  • Noch vor einem Monat schien es, als ob das Coronavirus wirtschaftlich vor allem in China und dessen Nachbarländern grosse Folgen haben würde. Aber während die Fallzahlen rund um den Globus ansteigen, haben sich in den Ländern Ostasiens die Zahlen der Neuinfizierungen stabilisiert oder sind sogar rückläufig. Somit stehen die Chancen gut, dass diese Länder den Weg zur Normalisierung rascher finden als andere Regionen. Die nun entstandene Nachfrageschwäche aus Europa und weiteren Teilen der Welt könnte die Normalisierung jedoch ausbremsen. Zudem haben die getroffenen Massnahmen auch in Asien deutliche Spuren hinterlassen. Erste Zahlen für Januar und Februar zeigen, dass in China sowohl der Detailhandel als auch die Industrieproduktion massiv eingebrochen sind. China wird nun wohl das erste negative Quartalswachstum seit Mao Zedongs Kulturrevolution vorweisen müssen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Nach den neusten schlechten Zahlen aus China deutet unser vorlaufender Indikator für das laufende Quartal statt ein Wachstum von 4.5% nur noch ein Wachstum von etwa 3% für Schwellenländer an.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance

Globale Konjunkturdaten

Indikatoren Schweiz USA Eurozone GB Japan Indien Brasilien China   
Indikatoren
BIP J/J 2019Q3
Schweiz
1,1%
USA
2,1%
Eurozone
1,3%
GB
1,2%
Japan
1,7%
Indien
5,1%
Brasilien
1,2%
China   
6,0%
Indikatoren
BIP J/J 2019Q4
Schweiz
1,5%
USA
2,3%
Eurozone
1,0%
GB
1,1%
Japan
-0,7%
Indien
4,7%
Brasilien
1,7%
China   
6,0%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
USA
Eurozone
GB

Japan
=
Indien
=
Brasilien
=
China   
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,5%
USA
1,7%
Eurozone
1,0%
GB
1,6%
Japan
1,0%
Indien
5,1%
Brasilien
0,9%
China   
6,1%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
-0,1%
USA
2,3%
Eurozone
1,2%
GB
1,8%
Japan
0,7%
Indien
6,6%
Brasilien
4,0%
China   
5,2%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
0,00%
Eurozone
0,00%
GB
0,25%
Japan
-0,10%
Indien
5,15%
Brasilien
4,25%
China   
4,05%

Quelle: Refinitiv, PostFinance

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