Wirtschaft: Konsum-Shift statt Konsumverzicht

Die aktuellen Wachstumszahlen überraschen positiv. Im Gegensatz zum ersten Lockdown legen die Konsumentinnen und Konsumenten im zweiten Lockdown das aufgrund der Einschränkungen nicht ausgegebene Geld nicht auf die Seite, sondern geben es in Bereichen aus, in denen dies noch möglich ist. Dies hilft der Konjunkturentwicklung.

  • Im letzten März hätten wohl nicht viele daraufgesetzt, dass das Jahr 2020 für den Schweizer Detailhandel ein erfolgreiches Geschäftsjahr wird. Seit Mai 2020 lagen die Umsätze aber konstant über dem Vorjahresniveau, sodass der Einbruch vom ersten Lockdown – über alle Branchen hinweg – überkompensiert werden konnte. Auch das Weihnachtsgeschäft überzeugte – die Umsätze im Dezember lagen fast 5 Prozent über dem Niveau von 2019. Weil sich zugleich die Industrie auf einem Erholungspfad befand und kaum von neuerlichen Einschränkungen betroffen war, fiel der wirtschaftliche Einbruch für das Jahr 2020 mit etwa –3 Prozent weniger drastisch aus als ursprünglich befürchtet.

    Aktuell leidet der Dienstleistungssektor unter den neuerlichen Einschränkungen. Mit Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres stehen die Chancen aber gut, dass es auch in diesem Jahr zu starken Nachholeffekten kommt, sobald die einschränkenden Massnahmen aufgehoben werden.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei etwa 0 Prozent befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg
  • Die USA meisterten das Jahr 2020 wirtschaftlich gesehen deutlich besser als die Eurozone (–3,5 Prozent vs. –7,2 Prozent). Insbesondere kam es gegen Ende des Jahres nicht zu einem neuerlichen Lockdown, wodurch sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzten konnte. Weniger erfreulich ist die Situation am Arbeitsmarkt. Nach wie vor sind rund 10 Mio. Menschen arbeitslos – insbesondere im Tieflohnsektor. Derzeit ist auch keine rasche Besserung am Arbeitsmarkt in Sicht.

    Trotzdem dürfte sich die konjunkturelle Erholung vorerst fortsetzten. Präsident Biden plant ein riesiges neuerliches Konjunkturpaket im Umfang von 1,9 Billionen USD, welches unter anderem Direktzahlungen von bis zu 1‘400 USD pro Person beinhaltet. Das Paket wäre bereits die dritte Direktzahlung seit Krisenbeginn und dürfte dem Konsum trotz schwieriger Lage am Arbeitsmarkt erneut Auftrieb verleihen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend, sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 3 Prozent befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell deutlich zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg
  • Über die gesamte Eurozone hinweg sank die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2020 um 0,7 Prozent. Am stärksten war der Rückgang in Österreich (–4,7 Prozent), wo sich der ausbleibende Wintertourismus bemerkbar machte. Die grossen Länder Italien (–2 Prozent), Frankreich (–1,3 Prozent) und Deutschland (+0,1 Prozent) schlugen sich angesichts der Umstände aber besser als erwartet.

    Aufgrund der bis jetzt strikten Corona-Massnahmen muss im ersten Quartal in der Eurozone im Gegensatz zu den USA nochmals mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet werden, bevor sich die Erholung fortsetzen kann. Optimistischer stimmt dagegen die Industrie. Der von Markit erhobene Stimmungsindikator verzeichnet mit 54.8 Zählern annähernd ein 3-Jahreshoch. Die Industrieproduktion und die Exporte lagen mit –0,1 Prozent respektive –1 Prozent schon fast wieder auf dem Vorjahresniveau.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995 ab. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund –1 Prozent befinden wird. Der Indikator erfasst derzeit jedoch nicht das volle Ausmass der Krise und ist aktuell deutlich zu optimistisch.
    Quelle: Bloomberg
  • China wies im vergangenen Jahr trotz Corona beeindruckende Wachstumsraten auf. Im vierten Quartal lag das Wachstum gegenüber dem Vorjahr bei 6,5 Prozent – dies zumindest gemäss offiziellen Zahlen. Nun aber haben neuerliche Eindämmungsmassnahmen als Reaktion auf lokale Virenausbrüche dazu geführt, dass die vorlaufenden Indikatoren sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleistungssektor in den letzten zwei Monaten ziemlich abrupt sanken. Auch das chinesische Neujahresfest findet unter ganz anderen Vorzeichen statt als sonst – Peking riet den Bürgerinnen und Bürgern davon ab, nach Hause zu den Familien zu reisen. Dies illustriert beispielhaft, dass auch in China die vollständige Rückkehr zur Normalität auf sich warten lässt.

    Indien hingegen kann in diesem Jahr mit einer kräftigen Erholung rechnen. Nachdem es im vergangenen Jahr hart vom Coronavirus getroffen wurde, liegen die Wachstumsprognosen für Indien dieses Jahr höher als in den meisten anderen Industrie- und Schwellenländern. Die Zentralregierung kündigte grosszügige Fiskalmassnahmen an und die Stimmungslage in der Industrie ist optimistisch.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 3 Prozent befinden wird.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina   
Indikatoren
BIP J/J 2020Q3
Schweiz
-1,6%
USA
-2,8%
Eurozone
-4,3%
GB
-8,7%
Japan
-5,8%
Indien
-7,5%
Brasilien
-3,9%
China   
4,9%
Indikatoren
BIP J/J 2020Q4
Schweiz
n.a.
USA
-2.5%
Eurozone
-5.1%
GB
-7.8%
Japan
-1.2%
Indien
n.a.
Brasilien
n.a.
China   
6,5%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
=
USA
=
Eurozone
=
GB
=
Japan
+
Indien
+
Brasilien
+
China   
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,4%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,6%
Japan
1,0%
Indien
5,0%
Brasilien
1,0%
China   
4,2%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
-0,5%
USA
1,4%
Eurozone
0,9%
GB
0,6%
Japan
-1,2%
Indien
4,1%
Brasilien
4,6%
China   
-0,3%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
0,25%
Eurozone
0,00%
GB
0,10%
Japan
-0,10%
Indien
4,00%
Brasilien
2,00%
China   
3,85%
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