Wirtschaft: Wendepunkt im globalen Konjunkturklima

China und die USA haben den Höhepunkt der Erholung überschritten. Noch in voller Fahrt befindet sich die Konjunktur in Europa, allerdings könnte die Delta-Variante diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung machen.

  • Die Schweizer Wirtschaft profitierte im zweiten Quartal von den weitreichenden Lockerungen der Corona-Restriktionen. Gemäss dem Index zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität (WWA) des SECO lag die Schweizer Wirtschaftsaktivität im Juni bereits wieder 1 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Besonders ausgeprägt ist dabei der Optimismus im Dienstleistungssektor. Die gute Lage zeigt sich auch am Arbeitsmarkt: Seit Jahresbeginn verzeichnete die Arbeitslosenrate einen stetigen Rückgang und fiel zuletzt weiter auf 2,8 Prozent im Juni. In der Industrie hingegen scheint der Höhepunkt der Erholung aber bereits erreicht zu sein. Nach einem neuen Rekordwert im Mai gab die Stimmung bei den Einkaufsmanagern im Juni wieder leicht nach. Dies zeigt ein Abflachen der Dynamik an, wenngleich auf weiterhin sehr hohem Niveau.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei etwa 2 Prozent befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten wird das Wachstum im ersten Quartal allerdings unterhalb und im zweiten Quartal deutlich oberhalb unseres Indikators liegen.
    Quelle: Bloomberg
  • Die US-Konjunktur legte in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Erholungsdynamik an den Tag und überwand den coronabedingten Wirtschaftseinbruch in weniger als einem Jahr. Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben auch weiterhin sehr gut, allerdings wird das hohe Tempo nicht gleich beibehalten werden können. Bereits jetzt zeichnet sich bei den vorlaufenden Indikatoren in der Industrie eine Normalisierung der Wachstumsraten ab. Weiterhin angespannt bleibt hingegen die Lage am US-Arbeitsmarkt. Im Mai erreichten die offenen Stellenausschreibungen mit 9,2 Millionen ein neues Rekordhoch. Lohndruck auf breiter Basis liess dies bislang aber noch nicht entstehen. Im Gegensatz dazu stieg die Konsumentenpreisinflation im Juni um weitere 0,4 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent an. Der Hauptfaktor für diesen Anstieg ist nach wie vor in der Preisentwicklung von Occasionsautos und Energie zu finden.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei  etwa 4 Prozent befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten wird das Wachstum im zweiten Quartal allerdings deutlich über unserem Indikator liegen.
    Quelle: Bloomberg
  • Mit Beginn des Sommers sind auch in der Eurozone die letzten Restriktionen zurückgenommen worden, wodurch die Konjunkturerholung nochmals an Tempo zulegen konnte. Im Gegensatz zu China und den USA ist die Lücke zum Vorkrisenniveau in Europa nämlich noch nicht geschlossen. Dementsprechend gross ist das Erholungspotenzial. Die vorlaufenden Indikatoren für die Industrie sowie für den Dienstleistungssektor sind zuletzt weiter angestiegen und bekräftigen den vorherrschenden Optimismus. Nicht nur erreichte der Auftragseingang bei Industrieunternehmen im Juni den höchsten Stand seit 21 Jahren, auch die Konsumentenstimmung stieg auf ein Hoch wie zuletzt nur in den Jahren 1990, 2000 und 2018. Eine Trübung der guten Stimmung könnte derzeit nur von einer möglichen weiteren Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus herrühren. Die Preisentwicklung in der Eurozone ist im Gegensatz zu den USA deutlich moderater. Im Juni gab die Inflationsrate im Jahresvergleich sogar wieder leicht nach von 2 Prozent auf 1,9 Prozent. Damit entspricht sie dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995 ab. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 4 Prozent befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten wird das Wachstum im zweiten Quartal allerdings deutlich über unserem Indikator liegen.
    Quelle: Bloomberg
  • Viele Schwellenländer waren besonders stark vom Ausbruch des Coronavirus und der dadurch verursachten Rezession betroffen. Die rasante Ausbreitung der Delta-Variante unterbrach zuletzt abrupt das Erholungswachstum. Unter anderem Indonesien, Korea, Malaysia und Russland führten erneut Restriktionen und Abstandsregeln ein, was die wirtschaftliche Erholung zurückwerfen dürfte.

    Zwar blieb China von der Delta-Variante bislang verschont, dennoch verlor auch die chinesische Konjunktur jüngst an Momentum. Im zweiten Quartal betrug das Wirtschaftswachstum nur mehr 7,9 Prozent im Vergleich zum schwachen Vorjahr. Bereits hat die chinesische Regierung begonnen gegenzusteuern, indem sie die Anforderungen an Banken für die Kreditvergaben weiter gelockert hat. Weiterhin stark entwickeln sich allerdings die Exporte. Für Juni betrug der Zuwachs rund 32 Prozent im Jahresvergleich.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 5 Prozent befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten wird das Wachstum im zweiten Quartal allerdings deutlich über unserem Indikator liegen.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina   
Indikatoren
BIP J/J 2021Q1
Schweiz
-0,5%
USA
0,4%
Eurozone
-1,3%
GB
-6,1%
Japan
-1,6%
Indien
1,6%
Brasilien
1,0%
China   
18,3%
Indikatoren
BIP J/J 2021Q2
Schweiz
n.a
USA
n.a
Eurozone
n.a
GB
n.a
Japan
n.a
Indien
n.a
Brasilien
n.a
China   
7,9%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
+
USA
+
Eurozone
+
GB
+
Japan
+
Indien
+
Brasilien
+
China   
-
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,4%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,6%
Japan
1,0%
Indien
5,0%
Brasilien
1,1%
China   
4,2%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,6%
USA
5,4%
Eurozone
1,9%
GB
2,5%
Japan
-0,1%
Indien
6,3%
Brasilien
8,4%
China   
1,1%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
0,10%
Eurozone
0,00%
GB
0,10%
Japan
-0,10%
Indien
4,00%
Brasilien
4,25%
China   
4,35%
Diese Seite hat eine durchschnittliche Bewertung von %r von maximal 5 Sternen. Total sind %t Bewertung vorhanden.
Sie können die Seite mit 1 bis 5 Sternen bewerten. 5 Sterne ist die beste Bewertung.
Vielen Dank für die Bewertung
Beitrag bewerten