Wirtschaft: Die Inflation zieht sprunghaft an

Vor einem Jahr führte Corona zu einem Einbruch der Öl- und Rohstoffpreise. Sowohl die Preise als auch die Weltwirtschaft haben sich seither erholt, was die Inflationsraten im Jahresvergleich ansteigen lässt. Einige Schwellenländer sehen sich wegen der hohen Inflationsraten gezwungen, die Leitzinsen zu erhöhen.

  • Wegen geschlossener Geschäfte erlitt der Schweizer Detailhandel im Februar erneut einen starken Umsatzrückgang von -6,3% im Jahresvergleich. Seit 1. März sind die Geschäfte aber wieder geöffnet und es kann, wie schon im vergangenen Jahr, mit starken Nachholeffekten gerechnet werden. Dank der Öffnungen wird die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal weniger stark zurückgehen, als ursprünglich befürchtet werden musste. Der vom SECO veröffentlichte Echtzeitindikator zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität deutet auf ein negatives Quartalswachstum von «nur noch» -0,5% im ersten Quartal hin. Auch die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit sank im März überraschend von 3,4 auf 3,3%. Die Inflationsrate lag zuletzt bei -0,2%. Obwohl die Preise in naher Zukunft ansteigen wirden, bleibt die hiesige Inflation im internationalen Vergleich auf sehr tiefem Niveau.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei etwa 0% befinden wird.
    Quelle: Bloomberg
  • Die März-Umsätze im US-Detailhandel stiegen gegenüber dem Vormonat um 9,8% und erreichten einen neuen Rekordwert. Die Industrieproduktion überschritt mit 1% im Jahresvergleich ebenfalls das Vorkrisenniveau. Die Corona-Krise ist für die USA aus konjunktureller Sicht damit weitgehend überwunden – dies im Gegensatz zu Europa. 

    Auch der Ausblick ist beinahe ungetrübt. Der ISM Manufacturing, der die Stimmung bei Industriebetrieben erfasst, erreichte im März den höchsten Stand seit 1983. Lediglich die Arbeitslosigkeit liegt noch deutlich über dem Vorkrisenniveau. Mit fast einer Million neu geschaffenen Stellen im März zeigt der Trend aber auch dort auf Erholung. Die Inflation stieg im März sprunghaft von 1,7 auf 2,6%. Solange die Inflation aber nur vorübergehend auf einem Niveau über 2% liegt, muss von Seiten der US-Zentralbank Federal Reserve nicht mit einer Zinserhöhung gerechnet werden.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend, sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei fast 5% befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten wird das Wachstum im ersten Quartal allerdings deutlich unterhalb und im zweiten Quartal deutlich überhalb unseres Indikators liegen.
    Quelle: Bloomberg
  • Ähnlich wie in den USA befindet sich die Industrie auch in der Eurozone auf einem Stimmungshoch – der entsprechende Indikator erreichte im März ein 24-Jahres-Hoch. Gänzlich anders ist die Situation aber im Dienstleistungssektor. Wegen neuerlichen Lockdown-Massnahmen lagen die Detailhandelsumsätze im März rund 3% unter dem bereits schwachem Vorjahresmonat. Auffallend ist zudem, dass die zentral- und osteuropäischen Länder aktuell wirtschaftlich ähnlich stark leiden wie die südeuropäischen Länder, die 2020 noch deutlich stärker betroffen waren. So waren beispielsweise die Detailhandelsumsätze im März in Deutschland mit -5,3% im Jahresvergleich ähnlich stark negativ wie in Italien mit -5,6% während sie in Frankreich mit 1,6% sogar positiv ausfielen. 

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 1% befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten wird das Wachstum im ersten Quartal allerdings deutlich unterhalb und im zweiten Quartal deutlich überhalb unseres Indikators liegen.
    Quelle: Bloomberg
  • Chinas Wirtschaftsleistung stieg im ersten Quartal gemäss offiziellen Zahlen um 0,6% gegenüber dem Vorquartal. Trotz hoher Dynamik knüpft China damit immer noch nicht an die hohen Wachstumsraten von vor Corona an. Chinas Regierung reagierte im ersten Quartal mit drastischen Massnahmen auf neuerliche lokale Virenausbrüche. Zudem riet die Regierung den Bürgerinnen und Bürgern davon ab, während des chinesischen Neujahrsfests herumzureisen. Der Konsum erholt sich zwar weiter, hat aber noch nicht die Vor-Corona-Normalität erreicht.

    In Brasilien, wo eine neue Virusvariante grassiert, hat sich die Stimmungslage jüngst deutlich verschlechtert. Der Index für die Industriestimmung sank von 58,4 auf 52,8 Punkte, der Index für den Dienstleistungssektor von 47,1 auf 44,1. Von der Geldpolitik können trotz der schwierigen Lage keine Impulse erwartet werden. Die Zentralbank sah sich wegen hoher Inflation (zuletzt 6,1%) und einer an Wert verlierenden Währung zudem dazu gezwungen, den Leitzins von 2 auf 2,75% anzuheben. 

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei rund 4% befinden wird. Wegen coronabedingten Effekten beim chinesischen BIP wird das Wachstum im ersten Quartal allerdings deutlich überhalb unseres Indikators liegen.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina   
Indikatoren
BIP J/J 2020Q4
Schweiz
-1,6%
USA
-2,4%
Eurozone
-4,9%
GB
-7,3%
Japan
-1,4%
Indien
0,4%
Brasilien
-1,1%
China   
6,5%
Indikatoren
BIP J/J 2021Q1
Schweiz
 
USA
 
Eurozone
 
GB
 
Japan
 
Indien
 
Brasilien
 
China   
18,3%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
=
USA
+
Eurozone
=
GB
+
Japan
=
Indien
+
Brasilien
=
China   
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,4%
USA
1,6%
Eurozone
0,9%
GB
1,6%
Japan
1,0%
Indien
5,0%
Brasilien
1,0%
China   
4,2%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
-0,2%
USA
2,6%
Eurozone
1,3%
GB
0,4%
Japan
-0,4%
Indien
5,5%
Brasilien
6,1%
China   
0,4%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
0,25%
Eurozone
0,00%
GB
0,10%
Japan
-0,10%
Indien
4,00%
Brasilien
2,75%
China   
3,85%
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