Wirtschaft: Dunkler Herbst auch bei der Konjunktur

Der Ausblick von Konsument:innen und Unternehmen trübt sich weiter ein. Die Wirtschaftsaktivität sollte sich in den kommenden Quartalen deutlich verlangsamen.

  • Noch einmal konnte die Schweiz im zweiten Quartal gute Wachstumsraten schreiben. Auch wenn das Wachstum von 0,3 Prozent über das Quartal und 2,4 Prozent im Jahresvergleich nicht an die Werte der Eurozone heranreichen konnte, durften wir zumindest eine gewisse Normalisierung in den zuvor von den Corona-Massnahmen betroffenen Sektoren verzeichnen. Handel, Baugewerbe, aber auch die Finanzdienstleister sahen dagegen negative Wachstumsraten. Bei weiter steigenden Inflationsraten in den kommenden Monaten müssen wir mit zunehmenden Kaufkrafteinbussen bei den Konsument:innen und damit auch mit tieferen Wachstumsraten rechnen. Insbesondere zum Jahresanfang sollte die Kombination von höheren Gas- und Strompreisen und deutlich steigenden Krankenkassenprämien dem privaten Konsum einen klaren Dämpfer versetzen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei 1,0 Prozent befinden wird.
  • Auch in den Vereinigten Staaten deuteten die Konjunkturindikatoren darauf hin, dass nochmals mit tieferem Wachstum zu rechnen ist. Die Stimmung der Unternehmen wird angesichts der real kaum noch wachsenden Auftragseingängen vorsichtiger und die Konsument:innen reagieren auf die mittlerweile klar negative Entwicklung der inflationsbereinigten Einkommen. Offensichtlich schmelzen auch die während der Zeit üppiger Corona-Unterstützung gestiegenen Ersparnisse der privaten Haushalte langsam ab. So ist es im vergangenen Monat zu einem deutlichen Anstieg der Menschen gekommen, die am Arbeitsmarkt wieder Beschäftigung suchen. Bei Lohnwachstumsraten von mehr als 5 Prozent droht sich allerdings die immer noch hohe Inflation zu verstetigen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der 1990er-Jahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei knapp 2 Prozent befinden wird.
  • Europa bleibt für uns aktuell die Wirtschaftsregion, über die wir uns die meisten Sorgen machen müssen. Im Gegensatz zu den USA scheint die Inflation in Europa ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben. Das liegt vor allem an den weiter gestiegenen Gas- und Strompreisen und der extrem hohen Inflation bei den Produzentenpreisen, aber auch daran, dass die europäische Wirtschaft im Gegensatz zu jener Amerikas bis jetzt gewachsen ist. Für Deutschland müssen wir in den kommenden Monaten sogar mit Inflationsraten über 10 Prozent rechnen. Da eine Kompensation solcher Werte über die Löhne ausgeschlossen erscheint, werden wir auch in der Eurozone, ähnlich wie in der Schweiz, im Winter mit einem deutlichen Rückgang der privaten Nachfrage konfrontiert sein. 

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei gut 1 Prozent befinden wird.
  • Chinas Volkswirtschaft konnte im vergangenen Monat immer noch nicht Tritt fassen. Die Stimmung bei den Unternehmen bleibt uneinheitlich und die Konsumentenstimmung verharrt auf dem tiefsten jemals gemessenen Wert. Eine weitere Zinssenkung und eine deutliche Abwertung des Yuan sollen nun der Konjunktur den dringend benötigten Rückenwind geben. Immerhin möchte der chinesische Präsident Xi Jinping im November mit grosser Mehrheit in seinem Amt bestätigt werden. Ob die Wirtschaft wirklich wieder ein ansprechendes Wachstum zeigen kann, solange die Regierung an ihrer strikten Null-COVID-Strategie festhält, ist allerdings zweifelhaft. In der Zwischenzeit hat sich der Anstieg der Inflation etwas verlangsamt, was ebenfalls auf eine nur stockende Konjunktur hindeutet.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei gut 4 Prozent befinden wird.

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2022Q1
Schweiz
4,4%
USA
3,5%
Eurozone
5,4%
GB
8,7%
Japan
0,6%
Indien
4,1%
Brasilien
1,7%
China
4,8%
Indikatoren
BIP J/J 2022Q2
Schweiz
2,4%
USA
1,7%
Eurozone
4,1%
GB
2,9%
Japan
1,6%
Indien
13,5%
Brasilien
3,2%
China
0,4%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
USA
Eurozone
GB
–    
Japan
Indien
Brasilien
China
-
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,4%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,7%
Japan
1,1%
Indien
5,1%
Brasilien
1,3%
China
4,0%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
3,5%
USA
8,3%
Eurozone
9,1%
GB
9,9%
Japan
2,6%
Indien
7,0%
Brasilien
8,7%
China
2,5%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,5%
USA
3,09%
Eurozone
1,25%
GB
2,25%
Japan
–0,10%
Indien
5,40%
Brasilien
13,75%
China
4,35%

Quelle: Bloomberg

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