Wirtschaft: Konjunktur bröckelt weiter

China verfehlte seine selbst gesetzten Wachstumsziele für 2022 deutlich und wuchs per Ende des vierten Quartals um 2,9%. In den USA verschlechtert sich die Stimmung bei den Unternehmen zusehends. In Europa herrscht etwas Erleichterung, dass die schlimmsten Szenarien von Gas- und Strommangellage bisher vermieden werden konnten. Die Inflation scheint ihren Höhepunkt hinter sich gelassen zu haben.

  • Der Verlauf der Schweizer Konjunktur bleibt im internationalen Vergleich gut. Dabei ist auch bei uns mit einer sehr deutlichen Wachstumsverlangsamung zu rechnen. Die Konsumentenstimmung ist immer noch auf historischen Tiefstständen und die Haushaltsausgaben waren im Dezember real rückläufig. Die Stimmung der Unternehmen trübt sich ein und die Auftragseingänge in der Industrie haben jüngst enttäuscht. Zumindest dürfen wir positiv registrieren, dass die Inflationsentwicklung bei uns deutlich niedriger verläuft als im Ausland. Das sollte zwar auch in der Schweiz zu weiteren Zinserhöhungen und steigenden Hypothekarzinsen führen. Diese sollten aber nicht so hoch ausfallen wie in den USA oder im Euroraum. Allerdings droht die tiefe Inflation mittelfristig zu einem deutlich stärkeren Franken zu führen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei 0,5% befinden wird.
    Quelle: Bloomberg
  • Die US-Inflation ist im Dezember weiter gesunken. Das ist zum einen den gesunkenen Erdölpreisen zu verdanken. Zum anderen scheint sich die Konjunktur nun tatsächlich zu verlangsamen. Die Umfrageergebnisse in der Industrie und bei den Dienstleistern weisen eindeutig auf eine Kontraktion der Wirtschaftsleistung hin. Industrieproduktion, Kapazitätsauslastung und Auftragseingang haben im vergangenen Monat eine deutliche Abkühlung registriert. Einzig der Arbeitsmarkt hält sich weiter gut, was allerdings der historischen Entwicklung entspricht. Ein Rückgang der Beschäftigung ist in den USA regelmässig erst nach Einsetzen einer Rezession erfolgt. Bei anhaltend gutem Arbeitsmarkt und immer noch deutlicher Übernachfrage der Konsument:innen nach Gütern müssen wir mit weiter anhaltenden Zinserhöhungen durch die US-Notenbank rechnen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei unter 0%befinden wird.
    Quelle: Bloomberg
  • Die Inflation bleibt das wichtigste Thema in Europa. Diese ist zwar auf Stufe der Konsumentenpreise aufgrund von niedrigeren Öl- und Gaspreisen unter die 10-Prozent-Marke gesunken. Die Preissteigerung bei den übrigen Gütern und Dienstleistungen des laufenden Bedarfs ist aber weiter auf 5,2% gestiegen. Die Europäische Zentralbank muss angesichts dieser Zahlen wohl weitere deutliche Zinserhöhung anstreben. Zur Erinnerung: Aktuell liegen die Geldmarktsätze erst bei 2,25%. Bei den Unternehmen durften wir eine ganz leichte Stimmungsverbesserung registrieren, die wohl daher rührt, dass die Energiepreise tiefer liegen und eine Strom- oder Gasmangellage bisher vermieden werden konnte. Das Stimmungsniveau von Unternehmen und Konsumenten deutet allerdings weiter auf zukünftig negatives Wachstum hin.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft stagnieren wird (0 Prozent).
    Quelle: Bloomberg
  • In China hat sich die Konjunktur ein weiteres Mal deutlich verschlechtert. Ganz offensichtlich wird nun, dass die Aufhebung der Corona-Massnahmen zu einer rasanten Ausbreitung der Krankheit geführt hat. Das scheint sowohl Nachfrage als auch Produktion zu beeinträchtigen. Besonders beeindruckend ist der Einbruch im Dienstleistungssektor, wo der staatlich erhobene Stimmungsindex massiv zurückgegangen ist, und der enorm starke Einbruch im Aussenhandel. Nominale Ex- und Importe sind nun im dritten Monat in Folge negativ. Wenn man bedenkt, dass die Güterinflation weltweit immer noch hoch ist, spricht das für einen sehr starken realen Einbruch der chinesischen Wirtschaftsaktivität. Auch die Bauindustrie leidet weiter unter der aktuellen Lage.  

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft bei gut 4 Prozent befinden wird.
    Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2022Q3
Schweiz
2,2%
USA
1,8%
Eurozone
4,2%
GB
4,0%
Japan
1,6%
Indien
13,5%
Brasilien
3,7%
China
0,4%
Indikatoren
BIP J/J 2022Q4
Schweiz
k.A
USA
k.A
Eurozone
k.A
GB
k.A
Japan
k.A
Indien
k.A
Brasilien
k.A
China
2,9%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
USA
Eurozone
GB
Japan
Indien
Brasilien
China
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,3%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,7%
Japan
1,1%
Indien
5,1%
Brasilien
1,3%
China
4,0%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
2,8%
USA
6,5%
Eurozone
9,2%
GB
10,7%
Japan
3,8%
Indien
5,7%
Brasilien
5,8%
China
1,8%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
1,0%
USA
4,5%
Eurozone
2,5%
GB
3,5%
Japan
–0,1%
Indien
6,3%
Brasilien
13,75%
China
4,35%

Quelle: Bloomberg

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