Wirtschaft: Konjunkturerholung wird gefährdet

Zu Jahresbeginn hat sich in zahlreichen Ländern eine leicht verbesserte Stimmung der Unternehmen gezeigt. Mit der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt und den deutlich gestiegenen Energiepreisen droht diese zaghafte Erholung jedoch bereits wieder ausgebremst zu werden. Auch die Konsument:innen dürften mit Zurückhaltung reagieren. Damit rücken in den USA die wirtschaftlichen Sorgen wieder stärker in den Vordergrund, während sich die Erholung in China und Deutschland zu verzögern droht.

Die Schweizer Wirtschaftsentwicklung bleibt durch die Schwäche im Exportsektor geprägt. Das Exportvolumen hat sich in den letzten Monaten auf einem tieferen Niveau als noch vor Einführung der US-Zölle eingependelt und stagniert weitgehend. Vor diesem Hintergrund konnte die gesamtwirtschaftliche Aktivität in den ersten beiden Monaten gemäss dem vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erhobenen Konjunkturindikator nicht zulegen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch der Konsum erste Schwächesignale sendet. Die Detailhandelsumsätze sind im Januar um 1,1 Prozent tiefer ausgefallen als im Vorjahresmonat. Etwas Hoffnung macht die leicht verbesserte Stimmungslage in der Gesamtwirtschaft, die allerdings vor Ausbruch des Iran-Krieges erhoben worden ist. Positiv ist auch, dass die Inflation im Gegensatz zu vielen anderen Ländern stabil im Zielbereich der Schweizerischen Nationalbank (SNB) liegt.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich die Wachstumsdynamik zuletzt deutlich abgeschwächt hat.
Quelle: Bloomberg

Das Wachstum der US-Wirtschaft hat sich im vierten Quartal 2025 gegenüber dem starken Sommerhalbjahr spürbar verlangsamt. Besorgniserregend ist dabei insbesondere die Entwicklung am Arbeitsmarkt, wo die Zahl der Arbeitsstellen zurückging. Ein solcher Stellenabbau ging in der Vergangenheit jeweils mit dem Beginn einer Rezession einher. Zu Jahresbeginn blieben die Wirtschaftszahlen entsprechend schwach, was allerdings dazu beigetragen haben dürfte, dass sich die Inflationsdynamik weiter abgeschwächt hat. Die Inflationsrate ist mittlerweile auf 2,4 Prozent gesunken. Hoffnung macht zudem die im Januar und Februar spürbare Stimmungsverbesserung bei den Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Allerdings drohen der Iran-Krieg und die gestiegenen Energiepreise diese Erholungstendenzen auszubremsen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstumstempo der USA in naher Zukunft weiter reduzieren wird.
Quelle: Bloomberg

Die Wirtschaftsentwicklung im Euroraum ist weiterhin solide und von einer guten Binnenkonjunktur sowie einer Stabilisierung im Industriebereich geprägt. Im Industriesektor helfen insbesondere die leichten Erholungstendenzen in Deutschland, das zu Jahresbeginn einen spürbaren Anstieg der Auftragseingänge verzeichnet hat. Belastend ist neben möglichen negativen Wirtschaftseffekten durch den Iran-Krieg, dass die Inflation zuletzt wieder angezogen hat. So liegt die Kernrate, die die volatilen und für eine Zentralbank nicht kontrollierbaren Preiskomponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert, nun wieder bei 2,4 Prozent – und damit über dem Zielwert. Das dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst daran hindern, weitere Zinssenkungen vorzunehmen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum (zwischen 0 und 0,5 Prozent) in naher Zukunft hin.
Quelle: Bloomberg

Die Konjunktur der Schwellenländer bleibt von grossen regionalen Unterschieden geprägt. Wachstumsmotor ist nach wie vor Indien, wo die Stimmungswerte der Unternehmen sowie die Auftragseingänge auch zu Beginn des Jahres 2026 auf ein starkes Wachstum hindeuten. Auch in Indonesien entwickelt sich die Wirtschaft solide. Deutlich schwächer verläuft die Entwicklung in Brasilien, das unter einer schwachen Nachfrage im Industriesektor leidet. Schlusslicht bleibt China. Auch wenn die Reisetätigkeit während der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest von Mitte Februar bis Anfang März etwas zugenommen hat, bleibt die Zurückhaltung der Konsument:innen augenscheinlich gross und eine substanzielle Erholung vorerst nicht absehbar.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten mit zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2025Q4
Schweiz
0,7%
USA
2,2%
Eurozone
1,2%
GB
1,0%
Japan
0,1%
Indien
7,8%
Brasilien
1,8%
China
4,5%
Indikatoren
BIP J/J 2025Q3
Schweiz
0,6%
USA
2,3%
Eurozone
1,4%
GB
1,2%
Japan
0,6%
Indien
8,2%
Brasilien
1,8%
China
4,8%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
+
USA
=
Eurozone
GB
=
Japan
+
Indien
Brasilien
China
-
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,7%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,3%
Brasilien
1,9%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,1%
USA
2,4%
Eurozone
1,9%
GB
3,0%
Japan
1,5%
Indien
3,2%
Brasilien
3,8%
China
1,3%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
3,75%
Eurozone
2,15% 
GB
3,75%
Japan
0,75%
Indien
5,25%
Brasilien
15,0%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

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