Die Schweizer Wirtschaft setzt ihre Erholung nach einem schwierigen Jahr 2025 fort. Auf das spürbare Wachstum im Frühjahr dürften auch solide Sommermonate folgen. Darauf deuten die zeitnah verfügbaren Konjunkturdaten hin. Ermutigend ist der deutlich gestiegene Optimismus der Schweizer Unternehmen. Vor allem im Dienstleistungssektor hat sich die Auftragslage spürbar verbessert, gestützt durch die robuste Konsumtätigkeit der Schweizer Bevölkerung. Im Industriesektor bleibt die Erholung fragil und auf wenige Branchen beschränkt. Von der Inflation hingegen geht derzeit kaum eine Herausforderung aus: Mit aktuell 0,4 Prozent liegt sie im internationalen Vergleich sehr tief, weshalb auch kein Handlungsdruck auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) ausgeht.
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Wirtschaft: Unternehmen trotzen der Verlangsamung
Die Weltkonjunktur bleibt auch im Sommer unter Spannung: Die USA verlieren an Tempo, China verharrt in der Rezession, Indien büsst an Dynamik ein und Deutschland kommt weiterhin nicht auf Touren. Dennoch behauptet sich die Weltwirtschaft angesichts der geopolitischen Spannungen und blockierten Handelsrouten erstaunlich gut. Die Unternehmen bleiben zuversichtlich und halten an ihren Investitionen fest. Gleichzeitig setzt sich die Erholung in mehreren europäischen Volkswirtschaften fort, allen voran in der Schweiz. Trotz nachlassendem Wachstum zeigt sich die Weltwirtschaft damit robust.
Wachstum, Stimmung und Trend
In Prozent
Die US-Konjunktur hat sich inzwischen abgekühlt. In den vergangenen drei Quartalen ist die Wirtschaft durchschnittlich um nur noch 0,3 Prozent gewachsen und damit weniger als halb so stark wie in den Vorjahren. Auch der Arbeitsmarkt zeigt sich wieder schwächer: Im Juli sind rund 23’000 Stellen verloren gegangen. Bislang hat diese Abschwächung die Stimmung der Unternehmen jedoch kaum beeinträchtigt. Das spricht gegen eine tiefere Eintrübung oder gar eine bevorstehende Rezession. Unangenehm bleibt die Konjunkturabschwächung aber insbesondere für die amerikanische Notenbank (Fed): Sie hat zeitgleich mit einer weiterhin zu hohen Inflation von 3,4 Prozent zu kämpfen; ihr Handlungsspielraum für eine Veränderung der Geldpolitik bleibt entsprechend gering.
Wachstum, Stimmung und Trend
In Prozent
Die Eurozone setzt ihre zaghafte Erholung fort. Trotz anhaltender Schwäche der beiden grossen Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich ist sie im zweiten Quartal 2026 um 0,4 Prozent gewachsen. Zuletzt haben sich auch die Aussichten im Dienstleistungssektor wieder aufgehellt, nachdem der Iran-Krieg die Stimmung in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt hatte. Wichtige Exportbranchen kämpfen jedoch weiterhin mit strukturellen Problemen, was dem Aufschwung Grenzen setzt. Zugleich gelingt es vielen Unternehmen kaum, ihre höheren Produktionskosten an die Konsument:innen weiterzugeben. Genau das verhindert aber auch, dass die Inflation ausser Kontrolle gerät. Trotz 2,9 Prozent Inflation sind weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) deshalb nicht zwingend ausgemacht.
Wachstum, Stimmung und Trend
In Prozent
Unter den grossen Schwellenländern bleibt das Konjunkturbild uneinheitlich. China, die mit Abstand grösste Volkswirtschaft, steckt weiterhin in der Krise, auch wenn die offiziellen Wachstumszahlen ein anderes Bild vermitteln. Mittlerweile liegt die Investitionstätigkeit fast 6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, und auch der Konsum wächst nur minimal. Eine Trendwende ist zudem vorerst nicht in Sicht. Angesichts der hohen Verschuldung zeigt das Politbüro in Peking wenig Bereitschaft zu griffigen Stimulierungsmassnahmen. Deutlich robuster zeigt sich weiterhin Indien, die zweitgrösste Volkswirtschaft und gleichzeitig einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft der letzten Jahre. Doch auch dort hat sich das Wachstum vor dem Hintergrund der Turbulenzen um die blockierten Handelsrouten in der Golfregion spürbar verlangsamt.
Wachstum, Stimmung und Trend
In Prozent
Globale Konjunkturdaten
| Indikatoren | Schweiz | USA | Eurozone | GB | Japan | Indien | Brasilien | China |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Indikatoren BIP J/J 2026Q2 |
Schweiz k.A. |
USA 2,1% |
Eurozone 1,0% |
GB 1,2% |
Japan 0,7% |
Indien k.A. |
Brasilien k.A. |
China 4,3% |
| Indikatoren BIP J/J 2026Q1 |
Schweiz 0,5% |
USA 2,7% |
Eurozone 0,5% |
GB 0,9% |
Japan 0,5% |
Indien 7,8% |
Brasilien 1,8% |
China 5,0% |
| Indikatoren Konjunkturklima |
Schweiz + |
USA = |
Eurozone - |
GB = |
Japan + |
Indien – |
Brasilien – |
China + |
| Indikatoren Trendwachstum |
Schweiz 1,2% |
USA 1,7% |
Eurozone 0,8% |
GB 1,8% |
Japan 1,1% |
Indien 5,3% |
Brasilien 2,1% |
China 3,6% |
| Indikatoren Inflation |
Schweiz 0,4% |
USA 3,4% |
Eurozone 2,9% |
GB 2,9% |
Japan 1,7% |
Indien 4,5% |
Brasilien 4,4% |
China 0,5% |
| Indikatoren Leitzinsen |
Schweiz 0,0% |
USA 3,75% |
Eurozone 2.4% |
GB 3,75% |
Japan 1,00% |
Indien 5,25% |
Brasilien 14,00% |
China 3,0% |
Quelle: Bloomberg