Wirtschaft: Weltkonjunktur bleibt trotz Gegenwind stabil

Die Weltkonjunktur zeigt sich trotz des schwierigen Umfelds weiterhin stabil. In den USA hat sich das Wachstum zwar merklich abgeschwächt, hohe Investitionen in künstliche Intelligenz verhindern jedoch vorerst einen stärkeren Einbruch. In Europa setzt sich die Erholung derweil fort. Vor allem Grossbritannien und die Schweiz haben zu spürbarem Wachstum zurückgefunden. Entscheidend für den weiteren Konjunkturverlauf dürfte nun sein, ob sich die Inflation weiter ausbreitet. In diesem Fall könnten die Notenbanken gezwungen sein, die Zinsen weiter anzuheben und damit die Wirtschaftsentwicklung zu bremsen.

Die Erholung der Schweizer Wirtschaft gewann im zweiten Quartal deutlich an Fahrt. Gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) wuchs das Bruttoinlandprodukt um 1,9 Prozent und damit so stark wie seit 2021 nicht mehr. Den grössten Wachstumsbeitrag leistete die Pharmaindustrie, doch auch zahlreiche andere Branchen konnten zulegen. Die jüngsten Unternehmensumfragen deuten zudem darauf hin, dass die Wirtschaft auch im dritten Quartal auf Wachstumskurs bleibt. Gleichzeitig ist die Inflation von 0,4 auf 0,8 Prozent gestiegen. Neben höheren Treibstoff- und Heizölpreisen trägt dazu auch der schwächere Franken bei, der Importe verteuert. Da der inländische Preisdruck jedoch gering bleibt, besteht für die Schweizerische Nationalbank (SNB) vorerst kein Handlungsbedarf.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wachstumsdynamik zuletzt wieder zugenommen hat, aber unterdurchschnittlich bleibt.
Quelle: Bloomberg

Die US-Wirtschaft wächst weiterhin deutlich langsamer als in den Vorjahren. Gebremst wird die Konjunktur vor allem vom schwachen Konsum, da die hohe Inflation die Kaufkraft der Haushalte belastet. Auch die Bauwirtschaft leidet unter den hohen Zinsen. Einen stärkeren Abschwung verhindern hingegen die hohen Unternehmensinvestitionen, die insbesondere durch den Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz gestützt werden. Diese Widerstandsfähigkeit zeigt sich auch am zuletzt wieder robusteren Arbeitsmarkt. Gleichzeitig erschwert sie eine nachhaltige Abschwächung der Inflation, die mit aktuell 3,4 Prozent weiterhin deutlich zu hoch liegt. Die amerikanische Notenbank (Fed) hat deshalb entschieden, die Zinsen anzuheben.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der 1990er-Jahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstumstempo der USA auf das langfristige Trendniveau zurückfällt.
Quelle: Bloomberg

Die Erholung der Eurozone setzt sich fort. Das Geschäftsklima hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verbessert und die Unternehmen zeigen sich deutlich optimistischer als noch im Frühling. Unterstützt wird die Erholung auch vom Aussenhandel, dessen Exportvolumen zuletzt wieder zugelegt hat. Eine Bremse bleibt hingegen der Konsum, der angesichts höherer Treibstoffpreise wieder etwas an Kraft verloren hat. Die höheren Energiepreise haben auch die Inflationsrate auf 3,2 Prozent steigen lassen. Bislang hat sich der Preisauftrieb jedoch nicht auf breiter Front auf andere Güter und Dienstleistungen ausgeweitet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer Lagebeurteilung im September dennoch entschieden, den Leitzins anzuheben.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein Wirtschaftswachstum hin, das unter dem langfristigen Durchschnitt bleibt.
Quelle: Bloomberg

Die Konjunktur in den grossen Schwellenländern entwickelt sich weiterhin uneinheitlich. Erstaunlich robust zeigen sich die asiatischen Volkswirtschaften, obwohl sie von den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs besonders betroffen sind. Taiwan und Südkorea profitieren von der hohen Nachfrage nach Halbleitern und künstlicher Intelligenz. Auch Indien bleibt mit einem Wirtschaftswachstum von knapp 8 Prozent ein wichtiger Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Weniger erfreulich ist die Entwicklung in Brasilien, wo hohe Zinsen Konsum und Wachstum zunehmend bremsen. Auch in China enttäuschen die Wirtschaftsdaten weiterhin. Die Binnennachfrage bleibt schwach, eine wirtschaftliche Erholung ist nicht in Sicht und das Land verharrt in der Rezession.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten mit zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2026Q2
Schweiz
2,8%
USA
2,1%
Eurozone
1,2%
GB
1,2%
Japan
0,9%
Indien
7,8%
Brasilien
2,0%
China
4,3%
Indikatoren
BIP J/J 2026Q1
Schweiz
0,6%
USA
2,7%
Eurozone
0,6%
GB
0,9%
Japan
0,6%
Indien
7,8%
Brasilien
1,8%
China
5,0%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
–
USA
=
Eurozone
=
GB
=
Japan
+
Indien
=
Brasilien
–
China
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,7%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,4%
Brasilien
2,1%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,8%
USA
3,4%
Eurozone
3,2%
GB
3,1%
Japan
1,9%
Indien
4,8%
Brasilien
4,4%
China
0,8%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
4,0%
Eurozone
2.65% 
GB
3,75%
Japan
1,00%
Indien
5,25%
Brasilien
13,75%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

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