Wirtschaft: Verhaltener Jahresstart

Die zu Jahresbeginn veröffentlichten Wirtschaftszahlen fallen durchzogen aus. In den USA hat sich die Abkühlung am Arbeitsmarkt fortgesetzt, in China hat sich der Wirtschaftsabschwung weiter akzentuiert, und auch in der Schweiz dürfte das schwierige Konjunkturumfeld vorerst anhalten. Positiv entwickelt sich hingegen die Inflation. Nach einer längeren Durststrecke zeigt sich in zahlreichen Währungsräumen wieder leichter Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung. Dies gilt für die USA ebenso wie für die Eurozone, Japan und Grossbritannien.

 
Die Schweizer Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer herausfordernden Situation. Als exportorientierte Volkswirtschaft mit ihren Stärken unter anderem in der Pharmaindustrie sowie im Maschinen- und Metallbau hängt sie wesentlich von der ausländischen Nachfrage ab. Diese liegt jedoch, gemessen an den Exporten im November 2025, weiterhin deutlich unter dem Niveau, das im Verlauf des Jahres 2024 sowie Anfang 2025 noch üblich war. In diesem Kontext hat sich auch die Stimmung der Industrieunternehmen im Dezember nochmals eingetrübt. Immerhin hat sich diese Wirtschaftsschwäche bislang nur sehr begrenzt auf die Konsumtätigkeit ausgewirkt, die gestützt durch kräftige Lohnzuwächse im Jahr 2025 deutlich gewachsen ist. Die Hoffnung ruht zudem darauf, dass die Mitte November ausgehandelte Abschwächung der Zollbelastung auf dem amerikanischen Markt für eine gewisse Entlastung sorgt.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich zuletzt die Wachstumsdynamik deutlich abgeschwächt hat.
Quelle: Bloomberg

Die Entwicklung der US-Wirtschaft ist weiterhin mit Fragezeichen behaftet, weil aufgrund des Government Shutdowns entscheidende Wirtschaftsdaten ab September fehlen. Angesichts der verfügbaren Stimmungswerte scheint jedoch klar, dass sich die Schwäche im Bau- und Industriesektor zu Jahresende fortgesetzt hat. Besorgniserregend ist zudem die Lage am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitsstellen hat sich im vierten Quartal um 68’000 reduziert. In der Vergangenheit ging eine solche Entwicklung jeweils mit dem Beginn einer Rezession einher. Ob die Wirtschaft dennoch gewachsen ist, hängt damit wesentlich vom Konsum ab, dessen Statistiken jedoch fehlen. Die Kerninflation, die volatile Komponenten ausklammert, kam im Dezember bei 2,6 Prozent zu liegen, nach 3 Prozent im September. Zu hoffen bleibt, dass dieser Rückgang nicht primär eine Konjunkturschwäche reflektiert.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstumstempo der USA sich in naher Zukunft weiter reduzieren wird.
Quelle: Bloomberg

Die im Verlauf der Herbstmonate sichtbare Erholung der Konjunktur hat sich zu Jahresende leider nicht fortgesetzt. So haben sich die Stimmungswerte der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen wie auch der Konsumenten im Dezember 2025 leicht verschlechtert, was jedoch primär auf einen Rückschlag in der grössten Volkswirtschaft Deutschland zurückzuführen ist. In einzelnen Ländern wie Spanien und Irland bleibt das Wirtschaftstempo jedoch unverändert hoch. Erfreulich ist zudem, dass sich die Inflationsdynamik im Dezember leicht abgeschwächt hat. Die Gesamtinflation ist um 0,1 Prozentpunkte auf 1.9 Prozent gesunken, die Kerninflation bleibt unverändert bei 2,3 Prozent. Gleichwohl sind die aktuellen Werte noch etwas zu hoch, um bei der Europäischen Zentralbank (EZB) für nachhaltige Entspannung zu sorgen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum (zwischen 0 und 0,5 Prozent) in naher Zukunft hin.
Quelle: Bloomberg

Die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer bleibt weiterhin von grossen regionalen Unterschieden geprägt. Ungemütlich ist die Lage nach wie vor in China, der mit Abstand grössten Volkswirtschaft innerhalb der Ländergruppe. Dort hat sich der Wirtschaftsabschwung zuletzt weiter akzentuiert. Während das Wachstum der Konsumausgaben nur noch minimal ausfällt, liegt die Investitionstätigkeit von Unternehmen und Privatpersonen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Herausfordernd ist insbesondere, dass sich der Preisrückgang am Immobilienmarkt zuletzt wieder beschleunigt hat. Da ein Grossteil der Ersparnisse der Privathaushalte in Immobilien gebunden ist, belastet dies die Konsumneigung zusätzlich. Deutlich stärker ist die Konjunktur derweil in Indien, das im Jahr 2025 um über 7 Prozent gewachsen sein dürfte, sowie in Vietnam, das von einer starken Zunahme der Exporte profitiert.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2025Q3
Schweiz
0,5%
USA
2,3%
Eurozone
1,4%
GB
1,3%
Japan
0,7%
Indien
8,2%
Brasilien
1,8%
China
4,8%
Indikatoren
BIP J/J 2025Q2
Schweiz
1,3%
USA
2,1%
Eurozone
1,6%
GB
1,4%
Japan
1,9%
Indien
7,8%
Brasilien
2,4%
China
5,2%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
=
USA
Eurozone
GB
=
Japan
+
Indien
Brasilien
China
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,7%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,3%
Brasilien
1,9%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,1%
USA
2,7%
Eurozone
1,9%
GB
3,4%
Japan
2,9%
Indien
1,3%
Brasilien
4,3%
China
0,8%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
3,75%
Eurozone
2,15% 
GB
3,75%
Japan
0,75%
Indien
5,25%
Brasilien
15,0%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

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