Wirtschaft: Rückschlag für Schweizer Wirtschaft

Die jüngsten Wirtschaftsdaten haben enttäuscht, insbesondere jene aus der Schweiz. Die heimische Wirtschaft hat im dritten Quartal einen deutlichen Rückschlag erlitten und ist spürbar geschrumpft. Auch die Schwäche in China hat sich zuletzt weiter akzentuiert. Einen Hoffnungsschimmer bietet indes die Eurozone. Ohne Deutschland, das aufgrund seiner Grösse und der anhaltenden Rezession die Gesamtdynamik nach unten zieht, wäre die Entwicklung dort sogar überdurchschnittlich. Zudem dürften im kommenden Jahr die ersten Effekte des massiven Fiskalpakets der deutschen Regierung spürbar werden.

Gemäss den Schätzungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) ist die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal um 0,5 Prozent geschrumpft. Das hängt einerseits mit den äusserst schwierigen Bedingungen für den Aussenhandel zusammen, der bis zum Inkrafttreten des neuen Handelsdeals mit einer Zollbelastung von 39 Prozent zu kämpfen hat. Die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe ist dadurch um 3 Prozent gesunken. Gleichzeitig hat vor dem Hintergrund des unsicheren Wirtschaftsausblicks auch die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und Privatpersonen nachgelassen. Das Erholungspotenzial dürfte damit auch in den kommenden Monaten begrenzt bleiben. Wenig tangiert vom Rückschlag zeigt sich bislang der Konsum, der sich einmal mehr als Stütze der Wirtschaftsentwicklung erweist. Privatpersonen versuchen typischerweise, Konjunkturschwankungen auszugleichen und ihren Konsum konstant zu halten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 11. Dezember 2025 entschieden, den Leitzins unverändert bei 0 Prozent zu belassen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich die Wachstumsdynamik zuletzt deutlich abgeschwächt hat.
Quelle: Bloomberg

Aufgrund des mittlerweile beendeten, aber langanhaltenden Government Shutdown fehlen nach wie vor die offiziellen Wirtschaftszahlen der Statistikbehörden für die letzten Monate. Die von privater Seite erhobenen und daher verfügbaren Konjunkturindikatoren zeigen eine unveränderte Lage, die geprägt ist von einem Abschwung in Industrie und Baugewerbe sowie einer Schwäche am Arbeitsmarkt. So wurden in der US-Wirtschaft gemäss ADP-Bericht im November 32'000 Stellen abgebaut. Das Wachstumspotenzial hängt deshalb auch im vierten Quartal entscheidend von der Konsumtätigkeit ab, zu der jedoch kaum verlässliche Daten von privater Seite vorliegen. Trotz der Unsicherheiten aufgrund der lückenhaften Datenlage hat die amerikanische Notenbank (Fed) an ihrer Sitzung im Dezember entschieden, den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent zu senken. 

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstumstempo der USA in naher Zukunft weiter reduzieren wird.
Quelle: Bloomberg

Die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone bleibt insgesamt unterdurchschnittlich. Das hängt massgeblich mit der anhaltenden Rezession in Deutschland zusammen. Bereinigt man die Zahlen der Währungsunion um unseren nördlichen Nachbarn, sieht die Dynamik bereits deutlich erfreulicher aus. Das Wachstum fällt dann sogar überdurchschnittlich aus. In den übrigen Ländern der Eurozone verläuft die Konjunktur entsprechend positiv. Hinzu kommt, dass sich zuletzt auch die Stimmungswerte im gesamten Währungsraum etwas aufgehellt haben. Im kommenden Jahr dürften überdies die ersten Effekte des massiven Fiskalpakets der deutschen Regierung sichtbar werden. Kaum Fortschritte wurden hingegen bei der Inflation erzielt. Die Kerninflation liegt aktuell weiterhin bei 2,4 Prozent und damit über den Zielvorstellungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Das schränkt deren Handlungsspielraum für weitere Leitzinssenkungen ein.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum (zwischen 0 und 0,5 Prozent) in naher Zukunft hin.
Quelle: Bloomberg

Die Konjunktur in den Schwellenländern bleibt regional höchst unterschiedlich. Besonders stark entwickelt sich weiterhin Indien, die zweitgrösste Volkswirtschaft unter den Schwellenländern. Die Wirtschaftsleistung hat dort allein in den letzten zwölf Monaten um über 8 Prozent zugenommen. Deutlich schwächer läuft es in China. Zwar weist die Regierung offiziell nach wie vor solide Wachstumsraten aus, doch die detaillierteren Daten zeigen, dass die grösste Schwellenlandwirtschaft eine substanzielle Schwächephase durchlebt. Das Investitionsvolumen ist trotz massiver staatlicher Unterstützung mittlerweile rückläufig, die Konsumtätigkeit wächst deutlich langsamer als üblich, und die Importzahlen belegen, dass chinesische Konsument:innen nur mit grosser Zurückhaltung Güter aus dem Ausland nachfragen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten mit zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2025Q3
Schweiz
0,5%
USA
k.A. 
Eurozone
1,4%
GB
1,3%
Japan
0,6%
Indien
8,2%
Brasilien
1,8%
China
4,8%
Indikatoren
BIP J/J 2025Q2
Schweiz
1,3%
USA
2,1%
Eurozone
1,6%
GB
1,4%
Japan
2,0%
Indien
7,8%
Brasilien
2,4%
China
5,2%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
=
USA
Eurozone
GB
Japan
+
Indien
+
Brasilien
China
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,6%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,3%
Brasilien
1,9%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,0%
USA
2,7%
Eurozone
2,2%
GB
3,2%
Japan
2,9%
Indien
0,3%
Brasilien
4,5%
China
0,7%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
3,75%
Eurozone
2,1% 
GB
3,75%
Japan
0,75%
Indien
5,25%
Brasilien
15,0%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

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