Wirtschaft: Inflationsdruck nimmt zu

Die Unternehmen blicken in vielen Ländern trotz schwierigem Umfeld weiterhin positiv in die Zukunft. Das stützt den kurzfristigen Wachstumsausblick für die Weltwirtschaft. Getrübt wird das Bild jedoch durch die Lage der Konsument:innen, deren Kaufkraft durch die gestiegenen Preise belastet wird und deren Stimmung global auf sehr tiefem Niveau verharrt. Unangenehm ist zudem, dass die Inflationsraten nicht nur infolge höherer Energiepreise steigen, sondern ein breiterer Preisauftrieb entsteht. Mit dem etwas verbesserten Wirtschaftsausblick dürfte sich dieser weiter verstärken, weshalb die grossen Zentralbanken zunehmend unter Zugzwang geraten, die Zinsen anzuheben.

Die Schweizer Wirtschaft hat sich zu Beginn des Jahres etwas erholt. Die ersten Schätzungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) weisen für das erste Quartal ein Wachstum von 0,7 Prozent aus, getrieben vor allem durch eine Stabilisierung im Industriesektor. Auch die Unternehmensstimmung hat sich in den letzten Monaten aufgehellt, was für eine Fortsetzung der Erholung spricht. Deutlich vorsichtiger bleiben hingegen die Konsument:innen, die angesichts des unsicheren geopolitischen Umfelds sehr zurückhaltend sind, was sich in einer stagnierenden Konsumtätigkeit im ersten Quartal widerspiegelt. Positiv ist, dass der Inflationsanstieg im internationalen Vergleich bis anhin moderat ausgefallen ist. Dies hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu veranlasst, den Leitzins im Juni unverändert bei 0 Prozent zu belassen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wachstumsdynamik zuletzt etwas zugenommen hat, aber unterdurchschnittlich bleibt.
Quelle: Bloomberg

In den USA blicken Industrie- und Dienstleistungsunternehmen wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Das dürfte ihre Investitionstätigkeit stützen und hat wesentlich zur Stabilisierung am Arbeitsmarkt beigetragen. So wurden in den Monaten März und April über 500'000 neue Stellen geschaffen, mehr als im gesamten Jahr 2025. Gleichwohl bleibt die Konjunkturlage fragil, denn der Inflationsanstieg belastet die Kaufkraft der Konsument:innen spürbar, ohne dass die Löhne mitgezogen hätten. Unangenehm ist zudem, dass der verbesserte Wirtschaftsausblick das Risiko einer Verfestigung der Inflation erhöht. Die Gesamtrate liegt mittlerweile bei 4,2 Prozent, und auch abseits der volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise zieht die Inflation spürbar an, was die amerikanische Notenbank (Fed) zunehmend in Richtung Zinserhöhungen drängen könnte. Dennoch entschied die Fed im Juni, den Leitzins vorerst unverändert zu belassen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der 1990er-Jahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstumstempo der USA auf das langfristige Trendniveau zurückfällt.
Quelle: Bloomberg

Die Eurozone gehört zu den Währungsräumen, in denen die Bremswirkungen des Iran-Kriegs bisher am stärksten spürbar sind. Die Stimmung der Konsument:innen und Dienstleistungsunternehmen hat sich deutlich eingetrübt, und auch die Konsumtätigkeit hat spürbar nachgelassen. Etwas robuster präsentiert sich derzeit noch der Industriesektor, was jedoch teilweise auf Vorzieheffekte zurückzuführen sein dürfte, da Unternehmen mögliche künftige Preissteigerungen antizipieren. Insgesamt bleibt der Wachstumsausblick damit sehr begrenzt. Gleichzeitig ist auch die Inflation zuletzt spürbar gestiegen – mit einer Gesamtrate von 3,2 Prozent und einer Kernrate von 2,5 Prozent. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni ihre Leitzinsen angehoben, womit der Hauptrefinanzierungssatz nun bei 2,4 Prozent liegt.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf eine deutliche Konjunkturverlangsamung hin.
Quelle: Bloomberg

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Blockade der Strasse von Hormus auf die grossen Schwellenländer Asiens sind weiterhin schwer abzuschätzen. Zwar berichten zahlreiche Länder von Versorgungsengpässen und Rationierungen, doch in den verfügbaren Konjunkturindikatoren spiegelt sich dies bislang kaum wider. Dass die Effekte die Weltkonjunktur spürbar belasten werden, scheint jedoch unausweichlich, da die asiatischen Schwellenländer in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft gehörten. Auffällig ist zudem, dass China, die grösste Volkswirtschaft unter den Schwellenländern, weiterhin in einem tiefgreifenden Abschwung verharrt. Die neusten Zahlen haben erneut enttäuscht, die Investitionstätigkeit ist mittlerweile rückläufig und der Konsum wächst nicht mehr.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten mit zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2026Q1
Schweiz
0,5%
USA
2,6%
Eurozone
0,3%
GB
1,.1%
Japan
0,4%
Indien
7,8%
Brasilien
1,8%
China
5,0%
Indikatoren
BIP J/J 2025Q4
Schweiz
1,0%
USA
2,0%
Eurozone
1,2%
GB
1,0%
Japan
0,3%
Indien
8,0%
Brasilien
1,8%
China
4,5%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
=
USA
Eurozone
GB
Japan
+
Indien
Brasilien
China
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,7%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,3%
Brasilien
2,0%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,6%
USA
4,2%
Eurozone
3,2%
GB
2,8%
Japan
1,4%
Indien
3,5%
Brasilien
4,4%
China
1,2%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
3,75%
Eurozone
2.4% 
GB
3,75%
Japan
1,0%
Indien
5,25%
Brasilien
14,25%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

Diese Seite hat eine durchschnittliche Bewertung von %r von maximal 5 Sternen. Total sind %t Bewertung vorhanden.
Sie können die Seite mit 1 bis 5 Sternen bewerten. 5 Sterne ist die beste Bewertung.
Vielen Dank für die Bewertung
Beitrag bewerten