China muss uns interessieren

Turbulenzen am chinesischen Immobilienmarkt haben für Verunsicherung an den Finanzmärkten geführt. Für Anlegerinnen und Anleger ist es wichtig, sich nicht nur um diese Unsicherheiten zu sorgen, sondern auch die Chancen zu nutzen.

Konjunkturaussichten, die trotz Delta-Variante gut bleiben und Zentralbanken, die ihre ausserordentliche Unterstützung nur sehr vorsichtig abbauen: Die kurzfristigen Aussichten für Investoren bleiben gut. Nur China trübt aktuell das Bild. Die chinesische Führung unter Präsident Xi ist daran, mit massiven Eingriffen verschiedenste Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft umzugestalten. Einer dieser Eingriffe betrifft den Immobilienmarkt: Nach Jahren der Ankündigungen scheinen nun Taten zu folgen, um die enorme Überschuldung vieler Immobilienfirmen zu beschränken. Ein grosser Immobilienentwickler, Evergrande, steht in der Folge vor dem Konkurs, was zu kurzzeitigen Verunsicherungen an den globalen Finanzmärkten geführt hat.

Mit 1,3 Milliarden zunehmend finanzkräftigen Konsumenten ist China heute für viele Branchen und Unternehmen ein wichtiger Player.

Bedeutung von China wächst – auch in unseren Portfolios

Wir werden uns immer mehr daran gewöhnen müssen, dass Entwicklungen in China in den Fokus der weltweiten Finanzmärkte geraten. Dank dem im Vergleich zu westlichen Industrieländern höheren Trendwachstum nimmt die Bedeutung der chinesischen Wirtschaft jedes Jahr zu. Selbst wenn der sprichwörtliche Sack Reis in China umfällt, darf uns das interessieren. Wenn die chinesische Konjunktur schwächelt, muss dies Anleger in aller Welt interessieren. Mit 1,3 Milliarden zunehmend finanzkräftigen Konsumenten ist China heute für viele Branchen und Unternehmen ein wichtiger Player.

Kurzfristig kann aus unserer Sicht Entwarnung gegeben werden. Eine Finanzkrise in China ist nicht wahrscheinlich, und die Weltkonjunktur genügend robust, um nicht aus dem Tritt zu geraten – auch wenn die chinesische Wirtschaft sich in den nächsten Monaten anfällig zeigen könnte. Aus längerfristiger Anlegersicht ist es wichtig, sich nicht vor allfälligen Turbulenzen in China zu fürchten, sondern auch an den vielfältigen Opportunitäten teilzuhaben. Genau aus diesem Grund haben wir im Rahmen unserer regelmässigen Überprüfung der strategischen Gewichte der einzelnen Anlageklassen entschieden, in den uns anvertrauten Portfolios vermehrt in Aktien aus Schwellenländern zu investieren. Chinesische Aktien repräsentieren gut einen Drittel dieser Schwellenländer-Aktien.

Unsicherheiten gehören dazu

Die jüngsten Entwicklungen in China werfen jedoch auch grundlegende Fragen auf. China ist offensichtlich keine Demokratie. Auch stehen die chinesischen Behörden marktwirtschaftlichen Überlegungen nicht aus grundsätzlichen Überlegungen heraus positiv gegenüber, sondern nur aus pragmatischen. Also nur so lange, wie sie nützlich sind. Der chinesischen Führung ist viel an einem langfristig wachsenden Volksvermögen gelegen. Sie hat dabei in den letzten Jahrzehnten sehr grossen Wirtschaftssinn gezeigt.

Um das Parteibuch durchzusetzen, geht die chinesische Führung allerdings rücksichtslos vor. Das kann aus marktwirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein: Zum Beispiel, wenn Monopole im Tech-Sektor zerschlagen oder wenn Massnahmen ergriffen werden, um Ungleichgewichte im Immobilienmarkt zu bekämpfen. In beiden Bereichen macht China etwas vor, was westlichen Industrieländern noch bevorstehen könnte.

Das Parteibuch besteht aber natürlich nicht nur aus marktwirtschaftlichen Grundsätzen, im Gegenteil. Die Spannungen, die daraus folgen, sind nicht klein. Wir gehen davon aus, dass die chinesische Führung vernünftig genug bleibt, um die Grundlagen für einen langfristigen Wachstumspfad nicht zu zerstören. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht, wie aber alle Investitionen an den Finanzmärkten Unsicherheiten unterworfen sind. Aus diesem Grund bleibt die Diversifikation in einem Portfolio so wichtig. Wir haben bewusst den Anteil von Schwellenländeraktien erhöht, nicht nur von China. Mit Indien oder Indonesien stehen andere grosse, stark wachsende Volkswirtschaften bereit.

Über Daniel Mewes

Daniel Mewes arbeitet seit 18 Jahren bei PostFinance – aktuell als Chief Investment Officer und Leiter Asset Management Solutions. Der gebürtige Berner hat an der Universität Bern Betriebswirtschaft studiert und ist Dipl. Finanz- und Anlageexperte mit einem EMBA der Hochschule für Wirtschaft Zürich und der Darden School of Business der University of Virginia.

 

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