Schlägt der August auch dieses Mal zu?

Schon einige Turbulenzen an den Finanzmärkten begannen in einem August. Dieses Jahr würden schlechte Nachrichten auf krisengestählte Finanzmärkte treffen. Rückschlagspotenzial ist aber trotzdem vorhanden.

Der August hat sich über die Jahre den Ruf erarbeitet, für Turbulenzen an den Finanzmärkten zu sorgen. Einige Beispiele: Im August 1998 erklärte Russland seine Zahlungsunfähigkeit, was später zum Kollaps des Hedge-Fonds LTCM führte. Der August 2007 markierte den Auftakt zur Finanzkrise, als der amerikanische Geldmarkt erste Anzeichen von Problemen zeigte, die in den darauffolgenden Wochen zur globalen Finanzkrise führten.

Im August 2011, mitten in der europäischen Schuldenkrise, sorgte die Herabstufung der US-Staatsschulden durch die Ratingagentur Standard & Poors für Aufruhr. Aus Schweizer Sicht bleibt in Erinnerung, dass der Franken in der Folge zum ersten Mal gegenüber dem Euro beinahe auf die Parität fiel und wenig später die Einführung des Mindestkurses der Schweizerischen Nationalbank folgte. Eine überraschende Abwertung des chinesischen Renminbi führte im August 2015 zu einem Rückschlag an den Börsen und im August letzten Jahres schliesslich eskalierte der Handelsstreit zwischen den USA und China, nachdem die chinesischen Behörden den Renminbi weiter abwerteten.

Die Lage scheint in diesem Sommer besonders unberechenbar zu sein.

Keine Anzeichen, dass sich die Geschichte wiederholt

Ist es als Anleger also auch diesen Sommer nicht möglich, den Sommer zu geniessen und zu entspannen? Einerseits kann ich Sie beruhigen: Es lässt sich nur schwerlich behaupten, das die erwähnten Ereignisse etwas mit dem Monat August zu tun hatten – im August ist nicht per se mit Turbulenzen zu rechnen.

Und: Der Sommer 2020 steht sowieso unter anderen Vorzeichen. Wir haben ein halbes Jahr hinter uns, dass – vorsichtig ausgedrückt – bereits für einige Turbulenzen gesorgt hat. Ein allfälliges Gewitter würde nicht aus heiterem Himmel auftauchen. Auch scheinen sich die Börsen durch kaum etwas aus der Ruhe bringen zu lassen.

Rückschläge weiterhin wahrscheinlich

Andererseits scheint die Lage in diesem Sommer tatsächlich besonders unberechenbar zu sein. Die Aktienmärkte gehen von sehr optimistischen Szenarien für die kommenden Quartale aus. Die Bewertungen der Kurse liegen dementsprechend hoch. Die Aktienmärkte befinden sich damit weiterhin in einem Spannungsfeld mit den wirtschaftlichen Aussichten. Viele Herausforderungen für Volkswirtschaften stehen erst noch an. Die Arbeitslosigkeit wird ansteigen und die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen zunehmen. Obschon die jüngsten Erfahrungen in verschiedenen Ländern zeigen, dass eine wirtschaftliche Normalisierung möglich ist, so ist das Coronavirus nach wie vor da und lässt ein in allen Bereichen normales Leben nicht zu.

Die Spannung zwischen dem Optimismus der Aktienmärkte und der weiterhin sehr unsicheren wirtschaftlichen Lage birgt die Gefahr von ruckartigen Anpassungen. Trotz Sommerruhe müssen Anleger also wachsam bleiben. Es erwarten uns anspruchsvolle Monate. Es lohnt sich, Portfolios so auszurichten, dass sie allfällige Rückschläge auffangen können. Auch wenn dieses Jahr die Turbulenzen im August ausbleiben würden, so wären wir nicht überrascht, wenn sie im Laufe des Jahres zurückkehren würden.

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