Marktüberblick: Höhere Zinsen für alle, Kursgewinne für wenige

Höhere Zinsen prägen weiterhin das Marktgeschehen. In den USA steigt die Rendite zehnjähriger Staatsobligationen auf den höchsten Stand seit 2002, und auch in Deutschland und der Schweiz ziehen die Zinsen an. Die Aktienmärkte entwickeln sich dabei so uneinheitlich wie lange nicht mehr: US-Aktien legen dank des Technologiesektors deutlich zu, europäische Aktien verlieren knapp 5 Prozent. Schweizer Immobilienfonds erholen sich leicht, Gold leidet unter steigenden Realzinsen und einem starken US-Dollar.

Erneut ein schwacher Monat: Die Renditen von zehnjährigen Staatsobligationen stiegen weltweit weiter an.

Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung

100 = 01.01.2026

Diese Grafik zeigt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in der Schweiz, den USA und Deutschland in Lokalwährung. Die Wertentwicklung im vergangenen Jahr war unbeständig und dies setzte sich zunächst auch im neuen Jahr fort. Bis April 2025 zeichnete sich in den USA und der Schweiz ein Aufwärtstrend ab, während sich in Europa eine schwächere Entwicklung zeigte. Seit dem Beginn des Angriffskriegs auf den Iran und den damit einhergehenden höheren Inflationsraten haben Staatsobligationen weltweit deutlich an Wert verloren.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Die Staatsobligationen büssten im Monatsverlauf erneut an Wert ein. In Europa führten die höheren Ölpreise wie bereits im Vormonat zu steigenden Inflationserwartungen und belasteten damit die Obligationenmärkte. Positive Nachrichten aus dem Nahen Osten sorgten zwischenzeitlich jedoch für etwas Entspannung. Nachdem die Öltransporte durch die Strasse von Hormus wieder zugenommen hatten, gaben die Ölpreise Mitte Monat nach. In der Folge kamen auch die Renditen von ihren Jahreshöchstständen zurück, wodurch die Obligationen vorübergehend wieder an Wert zulegen konnten. In den USA erwies sich die Erholung hingegen als kurzlebig. Dort bleiben die erhöhten Realzinsen ein wesentlicher Belastungsfaktor für die Obligationenmärkte.

Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen

In Prozent

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Verfallrenditen auf zehnjährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands. zehnjährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Frühling 2022 ist jedoch eine globale Trendwende hin zu höheren Zinsen zu beobachten. Der Krieg im Nahen Osten und die starke US-Wirtschaft haben die Renditen von Staatsobligationen zuletzt zusätzlich erhöht.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Die Renditen zehnjähriger Staatsobligationen zogen auch im letzten Monat weiter an. Die Rendite auf den zehnjährigen US-Staatsobligationen stieg auf 5,3 Prozent, den Höchststand seit 2002. Auf Jahresbasis resultiert das in einem Anstieg von mehr als 100 Basispunkten. Der Anstieg ist dabei primär auf höhere Realzinsen zurückzuführen und spiegelt die robuste US-Konjunktur und den zunehmenden Wettbewerb um Kapital wider. Auch in Deutschland und in der Schweiz stiegen die Renditen erneut deutlich an.

Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

In Prozentpunkten

Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, stiegen in der ersten Jahreshälfte 2022 stark, sanken in der zweiten Jahreshälfte sowie zu Beginn des folgenden Jahres aber deutlich. Im März 2023 stiegen die Risikoaufschläge erneut leicht an, bevor sie sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendelten. Aktuell führt der Anstieg der Rendite auf Staatsobligationen nicht zu einem höheren Risikoaufschlag bei den Unternehmensobligationen.
Quelle: Bloomberg Barclays

Der rasante Anstieg der Renditen auf Staatsobligationen hat sich vorerst noch nicht in höhere Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen umgesetzt. Diese bleiben im internationalen Vergleich auf historisch tiefen Niveaus. Einzig in der Eurozone gab es in dem Jahr eine leichte Erhöhung der Risikoaufschläge, wenn auch dort weiterhin auf tiefem Niveau. In der letzten Monatshälfte gab es bei den amerikanischen Unternehmensobligationen mit sehr tiefer Bonität eine leichte Erhöhung der Risikoprämie, die sich aber noch nicht bei den Unternehmen mit besserer Kreditwürdigkeit durchgesetzt hat.

Die regionalen Unterschiede an den Aktienmärkten fielen im Monatsverlauf deutlich aus. Besonders ausgeprägt war die Divergenz zwischen Europa und den USA: Während die europäischen Aktienmärkte in Franken gerechnet knapp 5 Prozent an Wert verloren, legten die US-Märkte um mehr als 4 Prozent zu.

Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte der Schweiz, der Welt und der Schwellenländer in den letzten zwölf Monaten in Franken dar. Die weltweiten Aktienmärkte erreichten neue Höchststände, in der Schweiz fiel die Jahresrendite im einstelligen Bereich zurück.
Quelle: SIX, MSCI

 

Die Aktienmärkte entwickelten sich im vergangenen Monat uneinheitlich. Nachdem die erste Jahreshälfte von einer breit abgestützten Aktienmarktrallye geprägt gewesen war, konzentrierten sich die Kursgewinne zuletzt wieder stärker auf einzelne Märkte und Sektoren. Vor allem die US-Aktienmärkte profitierten erneut vom anhaltenden KI-Boom. Dazu dürften insbesondere die jüngsten Quartalszahlen des Chipherstellers Micron beigetragen haben. Das Unternehmen übertraf die Erwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn und unterstrich damit die weiterhin hohe Nachfrage nach KI-Chips. Aus Schweizer Sicht verlief der Monat hingegen weniger erfreulich. Die Schwergewichte des Schweizer Aktienmarktes konnten sich zuletzt kaum behaupten, was den SMI im Monatsverlauf um mehr als 2,5 Prozent nachgeben liess.

Momentumstärke einzelner Märkte

In Prozent

Die Darstellung zeigt die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Das Momentum setzt den letzten Kursstand zum Durchschnitt der letzten sechs Monate ins Verhältnis. Das Momentum an den Aktienmärkten nahm im Vergleich zum Vormonat deutlich ab.
Quelle: MSCI

Im vergangenen Monat wiesen noch sämtliche Aktienmärkte ein positives Momentum auf. Dieses Bild hat sich zuletzt deutlich verändert. Auffällig ist, dass erneut vor allem jene Aktienmärkte ein positives Momentum aufweisen, in denen Technologieunternehmen stark vertreten sind. Demgegenüber verzeichnet der französische Aktienmarkt aktuell ein deutlich negatives Momentum. Dazu dürften vor allem die anhaltenden Diskussionen um den französischen Staatshaushalt und die damit verbundene politische Unsicherheit beigetragen haben. 

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Wegen steigender Unternehmensgewinne und fallender Aktienkurse sind die KGV der drei Märkte seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Seit Ende 2022 erholen sich die KGV dank gestiegener Aktienkurse aber wieder zunehmend.
Quelle: SIX; MSCI

Die hohen Gewinne und positiven Quartalsergebnisse führten auch in diesem Monat zu einem leichten Rückgang der Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der weltweiten Aktien. Nur in der Schweiz dürfte der Grund eher der Rückgang der Aktienkurse gewesen sein, denn der Rückgang beim Schweizer KGV entspricht ungefähr dem Rückgang des Aktienmarktes. Insgesamt befinden sich die KGV etwa 10 bis 20 Prozent unter den Jahreshöchstständen.

Die Preise börsenkotierter Schweizer Immobilienfonds konnten sich im vergangenen Monat leicht erholen. Im Vergleich zu den Aktienmärkten bleibt die Jahresrendite jedoch deutlich zurück. 

Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

100 = 01.01.2026

Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der Index stieg gegen Ende des letzten Jahres spürbar an. Seit Jahresbeginn verläuft die Wertentwicklung weitgehend seitwärts.
Quelle: SIX

Die Preise börsenkotierter Schweizer Immobilienfonds bewegten sich, wie bereits seit Jahresbeginn, weitgehend seitwärts. Mitte Monat führte der Anstieg der Schweizer Kapitalmarktzinsen auf den höchsten Stand des Jahres vorübergehend zu einer leichten Korrektur. Mit dem anschliessenden Rückgang der Zinsen konnten sich die Preise jedoch rasch wieder erholen. Trotz der leichten Erholung im Monatsverlauf bleibt die Jahresrendite mit minus 0,2 Prozent knapp im negativen Bereich.

Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist die Verfallrendite von zehnjährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Der starke Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 führte zu einem deutlichen Rückgang der Aufpreise. In den vergangenen Monaten sind die Agios leicht gesunken, befinden sich im historischen Vergleich jedoch weiterhin auf erhöhtem Niveau.
Quelle: SIX

Die verhaltene Preisentwicklung der Immobilienfonds und der Anstieg der Kapitalmarktzinsen führen dazu, dass die Bewertungen börsenkotierter Schweizer Immobilienfonds zuletzt leicht zurückgekommen sind. Das Agio, also der Aufpreis gegenüber dem Nettoinventarwert, hat sich auch im vergangenen Monat etwas reduziert. Dennoch befinden sich die Bewertungen weiterhin über ihrem langfristigen Durchschnitt. Gleichzeitig bleibt die Ausschüttungsrendite trotz der gestiegenen Kapitalmarktzinsen auf einem attraktiven Niveau und dürfte die Nachfrage nach Schweizer Immobilienanlagen weiterhin stützen.

Leerstandsquote und Immobilienpreise

100 = Januar 2000 (links) und in Prozent (rechts)

Diese Grafik beinhaltet die Leerstandsquote von Schweizer Wohnimmobilien und die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Zuletzt sind die Immobilienpreise über alle Kategorien spürbar gestiegen.
Quelle: SNB, BfS

Bei den Schweizer Immobilienpreisen zeigte sich im zweiten Quartal wieder ein einheitlicheres Bild als noch im ersten Quartal. Nach dem leichten Rückgang im Vorquartal stiegen die Preise für Einfamilienhäuser wieder an. In ähnlichem Ausmass legten auch die Preise für Eigentumswohnungen und Mietobjekte zu. Auf Jahresbasis verzeichneten die Eigentumswohnungen mit einem Plus von fast 3 Prozent den stärksten Anstieg. Doch auch bei den Einfamilienhäusern und Mietobjekten fiel der Zuwachs mit etwas mehr als 1 Prozent solide aus. Ein wesentlicher Grund für die steigenden Preise dürfte die anhaltend tiefe Leerstandsquote sein. Diese befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit der Finanzkrise.

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Währungen

Der Schweizer Franken konnte gegenüber dem Euro leicht zulegen. Allerdings verlor der Franken gegenüber dem US-Dollar weiter, wodurch dieser seit Jahresbeginn gegenüber dem Franken um knapp 5 Prozent aufgewertet hat.

WährungspaarKursKKP Neutraler Bereich Bewertung
Währungspaar
EUR/CHF
Kurs
0,93
KKP
0,85
Neutraler Bereich
0,79 – 0,92
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/CHF
Kurs
0,83
KKP
0,69
Neutraler Bereich
0,60 – 0,77
Bewertung
USD neutral
Währungspaar
GBP/CHF
Kurs
1,10
KKP
1,08
Neutraler Bereich
0,94 – 1,22
Bewertung
Pfund neutral
Währungspaar
JPY/CHF
Kurs
0,53
KKP
0,77
Neutraler Bereich
0,62 – 0,92
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
SEK/CHF
Kurs
8,25
KKP
9,28
Neutraler Bereich
8,30 – 10,26
Bewertung
Krone neutral
Währungspaar
NOK/CHF
Kurs
8,62
KKP
9,42
Neutraler Bereich
8,32 – 10,53
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
EUR/USD
Kurs
1,13
KKP
1,25
Neutraler Bereich
1,09 – 1,41
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/JPY
Kurs
157,86
KKP
88,96
Neutraler Bereich
66,43 – 111,49
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
USD/CNY
Kurs
6,71
KKP
6,29
Neutraler Bereich
5,79 – 6,79
Bewertung
Renminbi neutral

Quelle:  Communify AG

Die auffälligste Bewegung an den Devisenmärkten zeigte sich im vergangenen Monat beim Euro gegenüber dem US-Dollar. Nachdem sich das Währungspaar über weite Teile des Jahres in einer engen Bandbreite bewegt hatte, wertete der US-Dollar im Monatsverlauf um mehr als 3 Prozent auf. Auch gegenüber dem Schweizer Franken verlor der Euro nach seiner starken Aufwertung bis Ende September spürbar an Wert. Vor dieser jüngsten Korrektur war der Euro gemessen an der Kaufkraftparität gegenüber dem Schweizer Franken überbewertet. Auf Jahresbasis bleibt die Bewegung allerdings sehr gering, der Euro notiert gegenüber dem Schweizer Franken fast unverändert. 

Kryptowährungen

KryptowährungKursYTD in USDJahreshochJahrestief
Kryptowährung
BITCOIN
Kurs
81'676
YTD in USD
-6,65%
Jahreshoch
96'942
Jahrestief
58’526
Kryptowährung
ETHEREUM
Kurs
2'474
YTD in USD
-16,65%
Jahreshoch
3’354
Jahrestief
1’569

Quelle: Communify AG, Coin Metrics Inc

Gold

Gold kämpft weiterhin gegen einen starken US-Dollar und steigende Realzinsen. Die Jahresrendite liegt mittlerweile in Schweizer Franken nur noch minimal im positiven Bereich. 

Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Seit Jahresbeginn zeigte sich der Goldpreis äusserst volatil: Phasen deutlicher Aufwertungen wechselten sich mit starken Einbrüchen ab. Nach grossen Bewegungen im Jahresverlauf bleibt der Goldpreis fast unverändert.
Quelle: Allfunds Tech Solutions

Gold verlor auch im vergangenen Monat an Wert. Hauptgrund sind die steigenden Realzinsen: Gold wirft keine Zinsen ab. Je höher die Zinsen nach Abzug der Inflation ausfallen, desto mehr Ertrag entgeht Anleger:innen, die Gold halten, und desto weniger attraktiv wird das Edelmetall. In US-Dollar gerechnet ist die Jahresrendite deshalb mittlerweile negativ. Für Schweizer Anleger:innen fiel der Rückgang etwas milder aus, weil der US-Dollar gegenüber dem Franken zulegte. In Franken bleibt die Jahresrendite mit 0,4 Prozent nur knapp positiv, der Goldpreis notiert jedoch fast 20 Prozent unter seinem bisherigen Jahreshöchststand.

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