Marktüberblick: Höhere Zinsen belasten die Finanzmärkte

Der geopolitische Druck auf die Finanzmärkte nimmt zu. Steigende Ölpreise und die Sorgen über eine länger restriktive Geldpolitik treiben die langfristigen Zinsen in die Höhe: In den USA und Deutschland erreichen die Renditen 10-jähriger Staatsobligationen Niveaus, die seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr verzeichnet wurden. Die Aktienmärkte geben im Monatsverlauf insgesamt nach, obwohl solide Unternehmensergebnisse die Verluste begrenzt haben.

Obligationen erleben einen schwachen Monat. Die Gründe dafür sind jedoch nicht überall gleich.

Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung

100 = 01.01.2026

Diese Grafik zeigt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in der Schweiz, den USA und Deutschland in Lokalwährung. Die Wertentwicklung im vergangenen Jahr war unbeständig und dies setzte sich zunächst auch im neuen Jahr fort. Bis April 2025 zeichnete sich in den USA und der Schweiz ein Aufwärtstrend ab, während sich in Europa eine schwächere Entwicklung zeigte. Seit dem Beginn des Angriffskriegs auf den Iran und den damit einhergehenden höheren Inflationsraten haben Staatsobligationen weltweit deutlich an Wert verloren.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Auch in diesem Monat beeinflussten die Ereignisse auf der geopolitischen Bühne die Obligationenmärkte. Die Spannungen im Nahen Osten nahmen im Monatsverlauf erneut deutlich zu, was zu einem Ölpreis von über 100 US-Dollar pro Fass führte. Dies führte vor allem in Europa zu höheren Inflationserwartungen und Kapitalmarktzinsen. In den USA stiegen die Zinsen ebenfalls deutlich an, was jedoch weiterhin hauptsächlich auf Sorgen über das Haushaltsdefizit und eine restriktivere Geldpolitik zurückzuführen ist. Insgesamt verloren die Staatsobligationen im vergangenen Monat an Wert. Die Schweizer Staatsobligationen liegen auch auf Jahresbasis wieder im negativen Bereich.

Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen

In Prozent

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Verfallrenditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands. 10-jährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Frühling 2022 ist jedoch eine Trendwende mit Ausnahme der Schweiz hin zu höheren Zinsen zu beobachten. Auch der aktuelle Krieg im Nahen Osten hat die Renditen von Staatsobligationen erhöht.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Die Verfallrenditen 10-jähriger Staatsobligationen stiegen im vergangenen Monat wieder deutlich. In den USA erreichten sie in den letzten Tagen mit knapp 5 Prozent eine psychologisch wichtige Marke, die seit der Finanzkrise nicht mehr erreicht wurde. Auch in Deutschland stiegen die Verfallrenditen mit den gestiegenen Inflationserwartungen deutlich an und liegen auf dem gleichen Niveau wie 2011. Die Rendite der Schweizer Eidgenossen stieg ebenfalls kräftig an und liegt mit 0,5 Prozent nahe dem höchsten Stand in diesem Jahr.

Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

In Prozentpunkten

Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, stiegen in der ersten Jahreshälfte 2022 stark, sanken in der zweiten Jahreshälfte sowie zu Beginn des folgenden Jahres aber deutlich. Im März 2023 stiegen die Risikoaufschläge erneut leicht an, bevor sie sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendelten. Im Zuge der von den USA angekündigten Handelsbeschränkungen im Jahr 2025 nahmen die Spreads wieder zu, reduzierten sich jedoch kurz darauf wieder und befinden sich wieder auf historisch tiefem Niveau. Daran änderte der Angriffskrieg auf den Iran nur kurzfristig etwas.
Quelle: Bloomberg Barclays

Die Kreditprämien von Unternehmensobligationen verharren weltweit auf historisch tiefen Niveaus. Solide Quartalsergebnisse, geringe Ausfallraten und eine bessere Stimmung in der Industrie stützen das Vertrauen in die Unternehmen. Selbst die umfangreichen Neuemissionen amerikanischer Technologiekonzerne haben bislang kaum Spuren am Kreditmarkt hinterlassen. Das weitere Einengungspotenzial ist damit begrenzt. Bei einer Konjunkturabschwächung besteht jedoch ein erhöhtes Rückschlagrisiko.

Mit Ausnahme von Japan und den Schwellenländern verloren im Monatsverlauf, in Schweizer Franken gemessen, alle Aktienmärkte an Wert.

Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte der Schweiz, der Welt und der Schwellenländer in den letzten zwölf Monaten in Franken dar. Nach einem starken Jahresanfang erlitten die Aktienmärkte im März Verluste von etwa 10 Prozent, die mittlerweile gänzlich wettgemacht wurden.
Quelle: SIX, MSCI

Nachdem die Aktienmärkte in den Sommermonaten von der positiven Berichtsaison angetrieben wurden, setzten im vergangenen Monat die höheren Zinsen und Inflationssorgen den Aktienmärkten zu. Besonders schwach entwickelte sich der Schweizer Leitindex SMI: Negative Ergebnisse aus mehreren klinischen Studien belasteten das Schwergewicht Novartis, worauf dessen Aktienkurs deutlich nachgab. Der SMI verlor im Monatsverlauf mehr als 5 Prozent und die Jahresrendite fiel in den einstelligen Bereich zurück. Im Gegensatz dazu konnten sich die technologieorientierten Aktienmärkte der Schwellenländer nach einer schwachen Phase wieder erholen. Schweizer Investor:innen profitierten bei ihren Investitionen in Japan von der starken Aufwertung des Yen gegenüber dem Franken.

Momentumstärke einzelner Märkte

In Prozent

Die Darstellung zeigt die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Das Momentum setzt den letzten Kursstand zum Durchschnitt der letzten sechs Monate ins Verhältnis. Aktuell liegt das Momentum der Aktienmärkte überwiegend im positiven Bereich.
Quelle: MSCI

Das Momentum an den internationalen Aktienmärkten bleibt insgesamt positiv. Im Durchschnitt hat die Dynamik im Vergleich zum Vormonat jedoch nachgelassen. Obwohl die Berichtsaison für viele Sektoren sehr positiv ausgefallen ist, bestimmen nach wie vor die Technologiewerte das Geschehen. Dies zeigt sich auch in der Momentumstärke, bei der die technologiedominierten Märkte am stärksten bleiben.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Wegen steigender Unternehmensgewinne und fallender Aktienkurse sind die KGV der drei Märkte seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Seit Ende 2022 erholen sich die KGV dank gestiegener Aktienkurse aber wieder zunehmend.
Quelle: SIX; MSCI

Die Aktienkurse gaben im vergangenen Monat etwas nach, wodurch auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse leicht sanken. Die solide Berichtssaison stützte zwar die Gewinnerwartungen, konnte den Bewertungsdruck durch höhere Kapitalmarktzinsen jedoch nicht vollständig ausgleichen. Auf Jahressicht bleibt der Aufwärtstrend der KGV intakt; insbesondere weltweite Aktien werden weiterhin deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt bewertet.

Die Preise börsennotierter Schweizer Immobilienfonds sind im vergangenen Monat erneut leicht gesunken.

Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

100 = 01.01.2026

Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der Index ist gegen Ende des letzten Jahres spürbar angestiegen. Seit Beginn des neuen Jahres liegt die Wertentwicklung wieder knapp im positiven Bereich.
Quelle: SIX

Die höheren Schweizer Kapitalmarktzinsen haben die Preise börsenkotierter Immobilienfonds im vergangenen Monat erneut unter Druck gesetzt. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Verlust auf etwas mehr als 2 Prozent. Nach dem starken Anstieg im Vorjahr verläuft die Entwicklung 2026 damit deutlich schwächer und volatiler. 

Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Der starke Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 hat zu einem deutlichen Rückgang der Aufpreise geführt. Im Verlauf des vergangenen Jahres sind die Agios aber wieder angestiegen und befinden sich aktuell auf hohem Niveau.
Quelle: SIX

Die jüngsten Kursrückgänge und der Anstieg der Kapitalmarktzinsen haben die Bewertungen börsenkotierter Schweizer Immobilienfonds etwas gedämpft. Entsprechend ist auch das Agio, der Aufpreis gegenüber dem Nettoinventarwert, zurückgegangen. Im langfristigen Vergleich bewegen sich die Bewertungen allerdings weiterhin auf einem erhöhten Niveau. Gleichzeitig bleibt die Ausschüttungsrendite angesichts der tiefen Schweizer Zinsen attraktiv und dürfte die Nachfrage nach Immobilienfonds stützen.

3-Monats-SARON und 10-jährige Verfallrenditen

100 = Januar 2000 (links) und in Prozent (rechts)

Auf dieser Abbildung ist der schweizerische Referenzzinssatz SARON mit einer Laufzeit von drei Monaten und die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen seit dem Jahr 2000 zu sehen. Die Kapitalmarktzinsen sind in den letzten Monaten wieder leicht gestiegen.
Quelle: SIX

Die Verfallrendite 10-jähriger Eidgenossen liegt aktuell bei etwas mehr als 0,5 Prozent und befindet sich damit nach einer niedrigeren Phase wieder nahe dem höchsten Jahresstand. Die Schweizer Inflation stieg etwas unerwartet von 0,4 auf 0,8 Prozent, wobei auch die weniger volatile Kernrate anstieg. Obwohl die Inflationsrate für die Schweizerische Nationalbank (SNB) kaum besorgniserregend sein dürfte, könnte sich die SNB bei der nächsten Sitzung etwas mehr Puffer verschaffen und die Zinsen von der Nullgrenze wegbringen.

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Währungen

Der Schweizer Franken bleibt weiterhin geschwächt. So hat der US-Dollar im Jahresverlauf gegenüber dem Schweizer Franken um über 2 Prozent zugelegt.

WährungspaarKursKKP Neutraler Bereich Bewertung
Währungspaar
EUR/CHF
Kurs
0,94
KKP
0,86
Neutraler Bereich
0,79 – 0,92
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/CHF
Kurs
0,81
KKP
0,69
Neutraler Bereich
0,60 – 0,78
Bewertung
USD neutral
Währungspaar
GBP/CHF
Kurs
1,10
KKP
1,08
Neutraler Bereich
0,94 – 1,22
Bewertung
Pfund neutral
Währungspaar
JPY/CHF
Kurs
0,52
KKP
0,77
Neutraler Bereich
0,62 – 0,93
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
SEK/CHF
Kurs
8,44
KKP
9,27
Neutraler Bereich
8,29 – 10,25
Bewertung
Krone neutral
Währungspaar
NOK/CHF
Kurs
8,74
KKP
9,48
Neutraler Bereich
8,37 – 10,59
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
EUR/USD
Kurs
1,16
KKP
1,23
Neutraler Bereich
1,08 – 1,39
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/JPY
Kurs
154,37
KKP
89,83
Neutraler Bereich
67,19 – 112,46
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
USD/CNY
Kurs
6,71
KKP
6,31
Neutraler Bereich
5,81 – 6,81
Bewertung
Renminbi neutral

Quelle:  Communify AG

Sowohl der Euro als auch der US-Dollar konnten im vergangenen Monat gegenüber dem Schweizer Franken zulegen. Der Euro erreichte damit den höchsten Stand seit einem Jahr gegenüber der Schweizer Währung. Die auffälligste Bewegung am Devisenmarkt kam erneut vom japanischen Yen, der gegenüber dem Franken um mehr als 4 Prozent zulegte. Nachdem die koordinierte Intervention der USA und Japans zunächst nur begrenzte Wirkung gezeigt hatte, wertete der Yen Anfang September innerhalb weniger Tage deutlich auf. 

Kryptowährungen

KryptowährungKursYTD in USDJahreshochJahrestief
Kryptowährung
BITCOIN
Kurs
76'529
YTD in USD
-12,53%
Jahreshoch
96'942
Jahrestief
58’526
Kryptowährung
ETHEREUM
Kurs
2'443
YTD in USD
-17,70%
Jahreshoch
3’354
Jahrestief
1’569

Quelle: Communify AG, Coin Metrics Inc

Gold

Kürzlich hatte Gold ein Lebenszeichen von sich gegeben und deutlich zugelegt. Von dieser Erholung ist nach einem schwachen Monat jedoch nicht mehr viel übrig.

Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Seit Jahresbeginn hat sich der Goldpreis äusserst volatil gezeigt: Phasen deutlicher Aufwertungen haben sich mit starken Einbrüchen abgewechselt. Nach grossen Bewegungen im Jahresverlauf bleibt das Gold fast unverändert.   Quelle: Allfunds Tech Solutions
Quelle: Communify AG

Nach einem starken August folgt für den Goldpreis ein schwacher September-Auftakt. Im August hatten die Sorgen um ein mögliches Eingreifen des US-Finanzministeriums in den Obligationenmarkt den Goldpreis gestützt. In diesem Monat sorgten jedoch die höheren Zinsen und der starke Dollar erneut für einen Rückgang des Edelmetalls. Höhere Zinsen machen Gold als unverzinsliche Anlageklasse weniger attraktiv. Mit einem Monatsverlust von etwas mehr als 1 Prozent beläuft sich der Jahresgewinn in Schweizer Franken nun nur noch auf etwas mehr als 2 Prozent.

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