Marktüberblick: Guter Jahresauftakt trotz belastender Nachrichten

Die Finanzmärkte sind gut ins neue Jahr gestartet. Die Aktienmärkte sowie die Edelmetalle Gold und Silber haben dabei überdurchschnittlich stark zugelegt. Belastende geopolitische und politische Ereignisse wie die militärische Intervention der USA in Venezuela, die angedrohte Annexion Grönlands oder der Angriff auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank scheinen bislang von den Anleger:innen weitgehend ausgeblendet worden zu sein.

Der Obligationenmarkt zeigte sich im vergangenen Monat relativ gelassen. Weder die gestiegenen geopolitischen Spannungen noch der Druck auf den US-Notenbankchef durch die US-Regierung führten zu grösseren Bewegungen. 

Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung

100 = 01.01.2026

Diese Grafik zeigt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung aus der Schweiz, den USA und Deutschland. Die Wertentwicklung im vergangenen Jahr zeigte sich unbeständig und dies setzte sich zunächst auch im neuen Jahr fort. Bis April 2025 zeichnete sich in den USA und in der Schweiz jedoch ein Aufwärtstrend ab, während sich in Europa ein Abwärtstrend kristallisierte. Diese Tendenzen wurden durch die Zollankündigung im vergangenen Jahr jedoch abrupt unterbrochen.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Insgesamt legte der Obligationenmarkt im vergangenen Monat leicht zu. Angesichts der weltpolitischen Lage blieb er jedoch bemerkenswert ruhig. Die angespannte geopolitische Lage und die Druckausübung von Präsident Trump auf die Unabhängigkeit der amerikanischen Zentralbank sorgten kaum für Veränderungen bei den Obligationenpreisen. Damit zeigte der Obligationenmarkt fast keine Anzeichen für eine klassische Flucht in sichere Anlagen. Auch die niedriger als erwartete Inflationsrate in den USA für November und Dezember sorgte nur für geringe Veränderungen der Verfallrendite der Staatsobligationen. Ähnlich hatte der Rückgang der Inflationsraten in der Eurozone wenig Auswirkungen auf die Verfallrenditen. Lediglich die Verfallrenditen auf deutsche Staatsobligationen stiegen etwas an. 

Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen

In Prozent

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Verfallrenditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands. 10-jährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Frühling 2022 ist jedoch eine Trendwende hin zu höheren Zinsen zu beobachten. Dieser Trend wurde im Jahr 2024 zunehmend gebremst, in der Schweiz ist sogar ein Trend zu niedrigeren Zinsen zu beobachten.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

In der Schweiz stiegen die Verfallrenditen auf den 10-jährigen Eidgenossen in den letzten Tagen des vergangenen Jahres leicht an und lagen zwischenzeitlich knapp über 30 Basispunkten. Dieser Anstieg kehrte sich zu Jahresbeginn leicht um, aber mit etwas über 20 Basispunkten liegen die Renditen weiterhin leicht über ihren Tiefstständen. Auch in Deutschland, wo die Renditen Ende Dezember nur knapp unter den Jahreshöchstständen lagen, sanken die Verfallrenditen in den ersten Wochen des neuen Jahres wieder leicht. In den USA hingegen blieben die Verfallrenditen trotz weiterer Leitzinssenkungen im Dezember letzten Jahres weitgehend unverändert bei rund 4,2 Prozent. Nur in Japan stiegen die Zinsen nach der Leitzinserhöhung auf 0,75 Prozent erneut deutlich an und liegen jetzt deutlich über der Marke von 2 Prozent.

Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

In Prozentpunkten

Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, stiegen in der ersten Jahreshälfte 2022 stark, sanken aber deutlich in der zweiten Jahreshälfte sowie zu Beginn des folgenden Jahres. Im März 2023 stiegen die Risikoaufschläge erneut leicht an, bevor sie sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendelten. Im Zuge der von den USA angekündigten Handelsbeschränkungen im Jahr 2025 nahmen die Spreads wieder zu, reduzierten sich jedoch kurz darauf wieder und befinden sich wieder auf historisch tiefen Werten.
Quelle: Bloomberg Barclays

Trotz zunehmender Hinweise auf eine konjunkturelle Abschwächung in den USA und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten zeigen sich die Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen bislang erstaunlich stabil. Sie verharren nahe historischer Tiefststände und deuten damit weiterhin nicht auf ausgeprägte Sorgen der Marktteilnehmer:innen hin.

Die Kurse der weltweiten Aktienmärkte legten im vergangenen Monat sowie seit Jahresbeginn deutlich zu. 

Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den letzten zwölf Monaten in Franken dar. Die Verluste im April 2025, die durch die Turbulenzen im Welthandel verursacht wurden, konnten mittlerweile mehr als kompensiert werden.
Quelle: SIX, MSCI

Weltweit haben die Aktienmärkte den Schwung vom letzten Jahr mitgenommen und sind sehr erfreulich ins neue Jahr gestartet. Vor allem die Aktien der Schwellenländer haben wie bereits im letzten Jahr deutliche Zuwächse verzeichnet und liegen bereits 4 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Die Schweizer Aktienmärkte haben das letzte Jahr mit einer starken Entwicklung abgeschlossen, die vor allem vom Pharmatitel Roche getragen wurde. In diesem Jahr hinkt der Schweizer Markt im internationalen Vergleich jedoch etwas hinterher. Dies ist vor allem auf die schwache Entwicklung des Indexschwergewichts Nestlé zurückzuführen, das nach einem Rückruf von Säuglingsnahrung deutlich an Wert verloren hatte. Generell zeigen sich die Aktienmärkte von den internationalen geopolitischen Spannungen in Venezuela oder dem Iran kaum beeindruckt.

Momentumstärke einzelner Märkte

In Prozent

Die Darstellung zeigt die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Das Momentum setzt den letzten Kursstand zum Durchschnitt der letzten sechs Monate ins Verhältnis. Während das Momentum im April letzten Jahres nach den US-Zollankündigungen noch im Minus lag, weisen derzeit die meisten Märkte ein positives Momentum auf.
Quelle: MSCI

Das Momentum an den Aktienmärkten ist derzeit weitgehend positiv. Besonders ausgeprägt zeigte sich die Dynamik an technologielastigen Aktienmärkten ausserhalb der USA. Hier zeichneten sich insbesondere Südkorea, Taiwan und die Niederlande aus, die alle einen deutlichen Anstieg verzeichneten. In Südkorea spielten Samsung Electronics und SK Hynix eine entscheidende Rolle für diesen Anstieg. Demgegenüber tun sich die grossen amerikanischen Technologieaktien zu Jahresbeginn noch schwer. Der japanische Markt konnte ebenfalls einen deutlichen Zuwachs verzeichnen, begünstigt durch die Schwäche des japanischen Yen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Wegen steigender Unternehmensgewinne und fallender Aktienkurse sind die KGV der drei Märkte seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Seit Ende 2022 erholen sich diese dank gestiegener Aktienkurse aber wieder zunehmend.
Quelle: SIX; MSCI

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis an den globalen Aktienmärkten ist im vergangenen Monat weiter gestiegen. Besonders ausgeprägt fiel der Anstieg in den Schwellenländern aus. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem die kräftigen Kursgewinne, während die Gewinnschätzungen weniger stark angepasst wurden. Die anstehende Berichtssaison dürfte wieder mehr Klarheit über die Ertragsentwicklung der Unternehmen schaffen.

Börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds scheinen im vergangenen Monat angesichts gestiegener Kapitalmarktzinsen etwas Gegenwind verspürt zu haben und konnten insgesamt nur leicht zulegen.

Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

100 = 01.01.2026

Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der Index stieg insgesamt deutlich an, jedoch mit mehreren zwischenzeitlichen Auf- und Abwärtsbewegungen. Der vergangene Monat war hingegen von einer Seitwärtsentwicklung geprägt.
Quelle: SIX

Börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds haben sich im vergangenen Jahr sehr erfreulich entwickelt und um gut 11 Prozent zugelegt. Insbesondere im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres ist es zu deutlichen Wertzuwächsen gekommen, massgeblich gestützt von der weiteren Lockerung der Geldpolitik der SNB und sinkenden Kapitalmarktzinsen. Seit dem vergangenen Monat hat sich die Entwicklung jedoch verlangsamt. Ausschlaggebend dafür dürften die im Dezember wieder gestiegenen Kapitalmarktzinsen gewesen sein.

Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung sind die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Der starke Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 führte zu einem deutlichen Rückgang der Aufpreise. Im Verlauf des vergangenen Jahres stiegen die Agios aber wieder an. Dieser Trend setzte sich auch in diesem Jahr fort.
Quelle: SIX

Die Prämie, die Anleger:innen für Investitionen in börsenkotierte Immobilienfonds gegenüber dem Nettoinventarwert der zugrundeliegenden Immobilien bezahlen, das sogenannte Agio, ist im vergangenen Monat weiter leicht gestiegen. Dies, obwohl sich die Kapitalmarktzinsen in der Schweiz im letzten Monat ebenfalls leicht erhöht haben. Ein Blick auf die letzten 20 Jahre zeigt, dass das Agio typischerweise steigt, wenn die Kapitalmarktzinsen sinken, und tendenziell zurückgeht, wenn die Zinsen steigen. Die Nachfrage nach Immobilienfonds dürfte jedoch angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfeldes und der geringen Aussicht auf eine rasche Änderung hoch bleiben, insbesondere seitens institutioneller Investoren, die in einem Umfeld tiefer Renditen auf den Kapitalmärkten nach alternativen Ertragsquellen suchen.

Leerstandsquote und Immobilienpreise

100 = Januar 2000 (links) und in Prozent (rechts)

Diese Grafik beinhaltet die Leerstandsquote von Schweizer Wohnimmobilien und die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Zuletzt sind die Immobilienpreise über alle Kategorien hinweg spürbar gestiegen.
Quelle: SIX

Die Immobilienpreise setzten ihren Aufwärtstrend im dritten Quartal fort. Besonders stark verteuerten sich dabei die Einfamilienhäuser. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die weiterhin tiefen Kapitalmarktzinsen sowie die hohe Nachfrage bei gleichzeitig begrenztem Angebot– was auch die niedrige Leerstandsquote widerspiegelt. Im Segment der Mietwohnungen zeigt sich dagegen eine etwas moderatere Entwicklung. Hier dürfte sich die Senkung des Referenzzinssatzes im vergangenen März dämpfend auf die Preise ausgewirkt haben. Mit der erneuten Reduktion im September 2025 dürfte sich dieser Effekt auch in diesem Jahr fortsetzen.

Währungen

Gold setzt das Rallye vom letzten Jahr ungestört fort und erreicht auch in diesem Monat einen neuen Höchststand. Der japanische Yen bleibt hingegen schwach, während sich der US-Dollar seit Jahresbeginn gegenüber dem Schweizer Franken leicht erholt hat.

WährungspaarKursKKP Neutraler Bereich Bewertung
Währungspaar
EUR/CHF
Kurs
0,93
KKP
0,91
Neutraler Bereich
0,84 – 0,98
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/CHF
Kurs
0,80
KKP
0,78
Neutraler Bereich
0,68 – 0,88
Bewertung
USD neutral
Währungspaar
GBP/CHF
Kurs
1,07
KKP
1,12
Neutraler Bereich
0,98 – 1,27
Bewertung
Pfund neutral
Währungspaar
JPY/CHF
Kurs
0,51
KKP
0,83
Neutraler Bereich
0,67 – 0,99
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
SEK/CHF
Kurs
8,70
KKP
9,79
Neutraler Bereich
8,75 – 10,82
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
NOK/CHF
Kurs
7,94
KKP
10,39
Neutraler Bereich
9,13 – 11,66
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
EUR/USD
Kurs
1,16
KKP
1,16
Neutraler Bereich
1,01 – 1,31
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/JPY
Kurs
157,89
KKP
94,18
Neutraler Bereich
71,62 – 116,74
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
USD/CNY
Kurs
6,98
KKP
6,36
Neutraler Bereich
5,86 – 6,85
Bewertung
Renminbi unterbewertet

Quelle: Allfunds Tech Solutions

Im vergangenen Monat setzte der japanische Yen seinen Abwärtstrend gegenüber praktisch allen G10-Währungen fort. Gegenüber dem US-Dollar notiert er inzwischen bei über 158 Yen. Diese Schwäche könnte auf Spekulationen zurückzuführen sein, dass Premierministerin Sanae Takaichi vorgezogene Neuwahlen anstrebt und im Anschluss ihre expansive Fiskalpolitik noch stärker verfolgen könnte. Demgegenüber konnte die schwedische Krone ihre Stärke weiter ausbauen. Gegenüber dem Schweizer Franken legte sie fast 1,5 Prozent zu. Diese Stärke dürfte auf den deutlichen Rückgang der Inflation in Schweden zurückzuführen sein. Während diese im August noch über 1 Prozent lag, ist sie mittlerweile auf 0,3 Prozent gefallen.

Kryptowährungen

KryptowährungKursYTD in USDJahreshochJahrestief
Kryptowährung
BITCOIN
Kurs
95'366
YTD in USD
8,99%
Jahreshoch
95'366
Jahrestief
87’496
Kryptowährung
ETHEREUM
Kurs
3'323
YTD in USD
11,95%
Jahreshoch
3’323
Jahrestief
2’968

Quelle: Allfunds Tech Solutions, Coin Metrics Inc

Gold

Der in Schweizer Franken gemessene Goldpreis hat dieses Jahr bereits kräftig zugelegt und liegt aktuell bei 3690 Schweizer Franken pro Feinunze.

Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Der Goldpreis zeigt seit Jahresbeginn eine starke Wertentwicklung und hat einen klaren neuen Höchststand erreicht.
Quelle: Allfunds Tech Solutions

Ende Dezember dürften erhöhte Margenvorschriften zu einem kurzfristigen, starken Rückgang des Goldpreises geführt haben. Das Edelmetall konnte sich jedoch zügig erholen und legte in den ersten Tagen des neuen Jahres um nahezu 8 Prozent zu. Die globale geopolitische Lage, gekennzeichnet durch die militärische Intervention der USA in Venezuela, die angedrohte Annexion Grönlands und die mögliche militärische Intervention im Iran, dürfte den Goldpreis gestützt haben. Zudem scheint der anhaltende Druck von Trump auf Powell, den Vorsitzenden der Fed, der sich einer strafrechtlichen Untersuchung gegenübersieht, die Edelmetallpreise weiter stützen und ihre Rolle als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten unterstreichen.

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