Marktüberblick: Gegenwind für Finanzmärkte

Die Finanzmärkte stehen wieder stärker unter Druck. Während zunehmende Inflationssorgen und die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik die Zinsen steigen liessen, zeigte sich gleichzeitig die Verletzlichkeit der KI-Rallye. Die Kursgewinne konzentrierten sich auf wenige Technologieunternehmen, wodurch bereits kleinere Enttäuschungen ausreichten, um Kursrückgänge auszulösen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause gerieten die Obligationenmärkte seit Juni wieder unter Druck. Treiber dürfte vor allem die Sorge vor einer restriktiveren Geldpolitik gewesen sein.

Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung

100 = 01.01.2026

Diese Grafik zeigt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in der Schweiz, den USA und in Deutschland in Lokalwährung. Die Wertentwicklung im vergangenen Jahr war unbeständig und dies setzte sich zunächst auch im neuen Jahr fort. Bis April 2025 zeichnete sich in den USA und der Schweiz ein Aufwärtstrend ab, während sich in Europa eine schwächere Entwicklung zeigte. Seit dem Beginn des Angriffskriegs auf den Iran und den damit einhergehenden höheren Inflationsraten verloren Staatsobligationen weltweit deutlich an Wert.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Nach der Erholung zwischen Mitte Mai und Anfang Juni gerieten die Märkte zuletzt erneut unter Druck. Ausschlaggebend dafür dürften die wieder zunehmenden Inflationssorgen gewesen sein. So liegt die Inflation in der Eurozone mittlerweile wieder über 3 Prozent, während sie in den USA auf 4,2 Prozent angestiegen ist. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass der Inflationsdruck nicht allein auf höhere Energiepreise zurückzuführen ist, sondern breiter abgestützt bleibt. Verstärkt wurden diese Befürchtungen insbesondere durch den Anfang Juni veröffentlichten, robusten US-Arbeitsmarktbericht. Dieser deutet auf eine weiterhin widerstandsfähige Wirtschaft hin und hat die Erwartung genährt, dass die US-Notenbank ihren restriktiven geldpolitischen Kurs länger beibehalten oder ihn sogar weiter verschärfen könnte. Entsprechend sind die Zinsen wieder spürbar angestiegen. Die Entwicklung zeigt, dass die Geldpolitik und die Inflationsbekämpfung wieder verstärkt in den Fokus der Finanzmärkte rücken.

Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen

In Prozent

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Verfallrenditen 10-jähriger Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands. 10-jährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Frühling 2022 ist jedoch eine Trendwende hin zu höheren Zinsen zu beobachten. Auch der aktuelle Krieg im Nahen Osten hat die Renditen von Staatsobligationen erhöht.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Im Monatsvergleich zeigten sich die 10-jährigen Verfallrenditen insgesamt kaum verändert. Zwischenzeitlich hatten die Märkte auf eine Entspannung des Konflikts im Nahen Osten gehofft, was die langfristigen Zinsen bis Ende Mai spürbar sinken liess. So sind mittlerweile in den meisten Industrienationen neben der Gesamtrate auch die Kernrate wieder angestiegen. Zudem haben sich die Inflationserwartungen der US-Konsument:innen zuletzt merklich erhöht. Vor diesem Hintergrund sind die langfristigen Zinsen Anfang Juni wieder angestiegen und liegen mittlerweile erneut auf einem ähnlichen Niveau wie vor einem Monat.

Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

In Prozentpunkten

Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, stiegen in der ersten Jahreshälfte 2022 stark, sanken in der zweiten Jahreshälfte sowie zu Beginn des folgenden Jahres aber deutlich. Im März 2023 stiegen die Risikoaufschläge erneut leicht an, bevor sie sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendelten. Im Zuge der von den USA angekündigten Handelsbeschränkungen im Jahr 2025 nahmen die Spreads wieder zu, reduzierten sich jedoch kurz darauf wieder und befinden sich wieder auf historisch tiefem Niveau. Daran änderte der Angriffskrieg auf den Iran nur kurzfristig etwas.
Quelle: Bloomberg Barclays

Die Kreditprämien für Unternehmensobligationen haben im Monatsverlauf erneut nachgegeben und notieren inzwischen tiefer als vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten. Damit bewegen sie sich auf historisch tiefen Niveaus. Dies dürfte die zuletzt wieder etwas zuversichtlichere Stimmung der Unternehmen und der verbesserte Wirtschaftsausblick widerspiegeln. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Anleger:innen derzeit nur noch geringe Risikoaufschläge für Unternehmensobligationen verlangen. Entsprechend begrenzt erscheint das Potenzial für eine weitere Einengung der Kreditprämien, während bereits eine moderate Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds zu einer Gegenbewegung führen könnte.

Die seit Ende März anhaltende KI-Rallye an den Aktienmärkten hat zuletzt einen leichten Dämpfer erhalten. Neben den wieder aufgekommenen Sorgen über eine restriktivere Geldpolitik dürften auch die hohen Erwartungen an Technologieunternehmen und die damit verbundene Anfälligkeit auf potenzielle Enttäuschungen zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte der Schweiz, der Welt und der Schwellenländer in den letzten zwölf Monaten in Franken dar. Nach einem starken Jahresanfang erlitten die Aktienmärkte im März Verluste von etwa 10 Prozent, die zum grössten Teil wieder wettgemacht wurden.
Quelle: SIX, MSCI

Die vom KI-Boom getriebene Aktienmarktrallye hat zuletzt einen Dämpfer erhalten. Neben den wieder aufgekommenen Sorgen über eine länger anhaltende restriktive Geldpolitik dürften auch die hinter den hohen Erwartungen zurückgebliebenen Quartalszahlen einiger Halbleiterunternehmen dazu beigetragen haben. So enttäuschte beispielsweise der Chiphersteller Broadcom trotz weiterhin starker Umsatzzahlen die hohen Markterwartungen, worauf die Aktie zeitweise mehr als 20 Prozent an Wert einbüsste. Besonders betroffen waren auch die Schwellenländeraktienmärkte ausserhalb Chinas. Diese weisen einen hohen Anteil an Technologie- und KI-nahen Unternehmen auf und hatten zuvor überdurchschnittlich stark von der KI-getriebenen Rallye profitiert. Vergleichsweise robust präsentierten sich dagegen die weniger technologielastigen Aktienmärkte Europas und der Schweiz. Während sich diese im Monatsvergleich weitgehend seitwärts entwickelten, verzeichneten die stärker technologieorientierten Märkte leichte Kursrückgänge.

Momentumstärke einzelner Märkte

In Prozent

Die Darstellung zeigt die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Das Momentum setzt den letzten Kursstand zum Durchschnitt der letzten sechs Monate ins Verhältnis. Aktuell liegt das Momentum der Aktienmärkte überwiegend im positiven Bereich.
Quelle: MSCI

Das Momentum an den globalen Aktienmärkten bleibt insgesamt positiv. Auffällig ist dabei die anhaltende Stärke jener Märkte, die einen hohen Anteil an Unternehmen aus dem KI-Sektor haben, insbesondere in Südkorea, Taiwan und den Niederlanden. Demgegenüber entwickeln sich die europäischen Aktienmärkte verhalten. Auch der jüngste Dämpfer hat an diesem Bild wenig geändert. Angesichts der bislang erzielten Jahresrenditen von teilweise deutlich über 30 Prozent dürfte das positive Momentum vorerst noch anhalten.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Wegen steigender Unternehmensgewinne und fallender Aktienkurse sind die KGVs seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Seit Ende 2022 erholen sich die KGVs dank gestiegener Aktienkurse aber wieder zunehmend.
Quelle: SIX; MSCI

Die Bewertungsniveaus an den Aktienmärkten haben sich zuletzt etwas entspannt. Nachdem die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) im Zuge der KI-getriebenen Aktienmarktrallye deutlich angestiegen waren, sind sie aufgrund der jüngsten Abschwächung wieder zurückgekommen. In den USA und den Schwellenländern wurde diese Entwicklung zusätzlich durch die robuste Gewinnentwicklung gestützt. So erzielten die US-Unternehmen im ersten Quartal mit einem Gewinnwachstum von knapp 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr das stärkste Ergebnis seit 2021. Insgesamt bleibt der Rückgang der Bewertungen jedoch eng abgestützt. Eine Ausnahme bildet weiterhin der Schweizer Aktienmarkt, dessen Bewertungsniveau sich im Monatsvergleich kaum verändert hat.

Die Preise der börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds stehen weiter unter Druck und liegen auf Jahresbasis aktuell unter dem Wert zu Beginn des Jahres.

Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

100 = 01.01.2026

Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der Index ist gegen Ende des letzten Jahres spürbar angestiegen. Seit Beginn des neuen Jahres liegt die Wertentwicklung aber leicht im negativen Bereich.
Quelle: SIX

Ende Mai gab es bei den börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds eine leichte Hoffnung auf eine Aufholbewegung. In der Schweiz kamen die langfristigen Zinsen etwas zurück, was den Immobilienfonds Auftrieb gab. Diese Erholung war jedoch von kurzer Dauer und die Gegenbewegung folgte rasch. Somit bestand über den Monat eine negative Entwicklung von knapp 2 Prozent, was auch die Jahresrendite ins Negative gedrückt hat. 

Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Der starke Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 hat zu einem deutlichen Rückgang der Aufpreise geführt. Im Verlauf des vergangenen Jahres sind die Agios aber wieder angestiegen und befinden sich aktuell auf hohem Niveau.
Quelle: SIX

Das Agio, also der Aufpreis, den Investor:innen für börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds gegenüber dem Nettoinventarwert zahlen, bleibt trotz leichter Korrekturen bei den Immobilienfonds-Preisen auf einem hohen Niveau. Sowohl die attraktive Ausschüttungsrendite als auch die stabile Nachfrage nach Schweizer Immobilienanlagen dürften in einem Umfeld niedriger Kapitalmarktzinsen die Bewertungen weiterhin stützen.

3-Monats-SARON und 10-jährige Verfallrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist der schweizerische Referenzzinssatz SARON mit einer Laufzeit von drei Monaten und die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen seit dem Jahr 2000 zu sehen. Die Kapitalmarktzinsen sind in den letzten Monaten wieder leicht gestiegen.
Quelle: SIX

Die Verfallrenditen auf 10-jährigen Eidgenossen veränderten sich im Vergleich zum Vormonat kaum und liegen weiterhin leicht über 0,4 Prozent. Im Monatsverlauf gab es zwischenzeitlich einen Anstieg des Zinsniveaus, wobei die Renditen der Staatsobligationen einen maximalen Wert von 0,6 Prozent erreichten. Die Zinsen werden aktuell stark von den Inflationserwartungen beeinflusst, die wiederum durch die höheren Energiepreise getrieben werden dürften. In der Schweiz blieb die Inflation zuletzt bei 0,6 Prozent stabil, da höhere Energiepreise durch einen Rückgang in anderen Segmenten ausgeglichen wurden. Aufgrund des stabilen Preisniveaus dürfte vorerst auch der Handlungsbedarf für die Schweizerische Nationalbank relativ gering sein, sodass der 3-Monats-SARON weiterhin bei 0 Prozent bleiben dürfte.

Erfahren Sie mehr in unserer Zinsprognose für Hypotheken.

Währungen

Der vergangene Monat war von einem starken US-Dollar gekennzeichnet. Der Schweizer Franken verlor sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar an Wert.

WährungspaarKursKKP Neutraler Bereich Bewertung
Währungspaar
EUR/CHF
Kurs
0,92
KKP
0,87
Neutraler Bereich
0,80 – 0,94
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/CHF
Kurs
0,80
KKP
0,74
Neutraler Bereich
0,64 – 0,83
Bewertung
USD neutral
Währungspaar
GBP/CHF
Kurs
1,06
KKP
1,10
Neutraler Bereich
0,96 – 1,24
Bewertung
Pfund neutral
Währungspaar
JPY/CHF
Kurs
0,50
KKP
0,80
Neutraler Bereich
0,65 – 0,96
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
SEK/CHF
Kurs
8,41
KKP
9,41
Neutraler Bereich
8,41 – 10,40
Bewertung
Krone neutral
Währungspaar
NOK/CHF
Kurs
8,41
KKP
9,54
Neutraler Bereich
8,42 – 10,66
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
EUR/USD
Kurs
1,15
KKP
1,18
Neutraler Bereich
1,03 – 1,34
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/JPY
Kurs
160,32
KKP
91,47
Neutraler Bereich
68,94 – 114,00
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
USD/CNY
Kurs
6,77
KKP
6,38
Neutraler Bereich
5,86 – 6,90
Bewertung
Renminbi neutral

Quelle: Allfunds Tech Solutions

Im Allgemeinen befindet sich die Volatilität an den Devisenmärkten auf einem sehr niedrigen Niveau. Viele Währungspaare bewegen sich seit längerer Zeit seitwärts. Das heisst jedoch nicht, dass es im Monatsverlauf nicht zu grösseren Bewegungen kommen kann. So hat der US-Dollar im Monatsverlauf gegenüber dem Schweizer Franken um 3 Prozent aufgewertet. Die Jahresveränderung fällt mit einer Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Franken von 1 Prozent aber weiterhin gering aus. Auch gegenüber dem Euro fällt die Jahresveränderung bis jetzt relativ gering aus: Der Schweizer Franken ist etwa 1 Prozent stärker als zu Jahresbeginn.

Kryptowährungen

KryptowährungKursYTD in USDJahreshochJahrestief
Kryptowährung
BITCOIN
Kurs
63'558
YTD in USD
-27,36%
Jahreshoch
96'942
Jahrestief
61’042
Kryptowährung
ETHEREUM
Kurs
1'675
YTD in USD
-43,55%
Jahreshoch
3’354
Jahrestief
1’569

Quelle: Allfunds Tech Solutions, Coin Metrics Inc

Gold

Das Edelmetall kannte erneut einen sehr schwachen Monat, mit einem Rückgang von über 10 Prozent.

Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Seit Jahresbeginn zeigte sich der Goldpreis äusserst volatil: Phasen deutlicher Aufwertungen wechselten sich mit starken Einbrüchen ab.
Quelle: Allfunds Tech Solutions

Der starke Gewinn von Gold zu Jahresbeginn ist durch den letzten Monat komplett zunichte gemacht worden. Der Goldpreis hat rund 11 Prozent verloren, gemessen in Schweizer Franken, und notiert damit auf Jahresbasis im negativen Bereich. Vor allem die anhaltend hohen Kapitalmarktzinsen dürften aktuell den Gegenwind für Gold verstärken, da Gold keine realen Erträge abwirft. Dabei werden die aktuellen geopolitischen Risiken weitgehend ausgeblendet.

Diese Seite hat eine durchschnittliche Bewertung von %r von maximal 5 Sternen. Total sind %t Bewertung vorhanden.
Sie können die Seite mit 1 bis 5 Sternen bewerten. 5 Sterne ist die beste Bewertung.
Vielen Dank für die Bewertung
Beitrag bewerten