Nach einer kurzen Verschnaufpause gerieten die Obligationenmärkte seit Juni wieder unter Druck. Treiber dürfte vor allem die Sorge vor einer restriktiveren Geldpolitik gewesen sein.
Sie befinden sich hier:
Marktüberblick: Gegenwind für Finanzmärkte
Die Finanzmärkte stehen wieder stärker unter Druck. Während zunehmende Inflationssorgen und die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik die Zinsen steigen liessen, zeigte sich gleichzeitig die Verletzlichkeit der KI-Rallye. Die Kursgewinne konzentrierten sich auf wenige Technologieunternehmen, wodurch bereits kleinere Enttäuschungen ausreichten, um Kursrückgänge auszulösen.
Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung
100 = 01.01.2026
Nach der Erholung zwischen Mitte Mai und Anfang Juni gerieten die Märkte zuletzt erneut unter Druck. Ausschlaggebend dafür dürften die wieder zunehmenden Inflationssorgen gewesen sein. So liegt die Inflation in der Eurozone mittlerweile wieder über 3 Prozent, während sie in den USA auf 4,2 Prozent angestiegen ist. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass der Inflationsdruck nicht allein auf höhere Energiepreise zurückzuführen ist, sondern breiter abgestützt bleibt. Verstärkt wurden diese Befürchtungen insbesondere durch den Anfang Juni veröffentlichten, robusten US-Arbeitsmarktbericht. Dieser deutet auf eine weiterhin widerstandsfähige Wirtschaft hin und hat die Erwartung genährt, dass die US-Notenbank ihren restriktiven geldpolitischen Kurs länger beibehalten oder ihn sogar weiter verschärfen könnte. Entsprechend sind die Zinsen wieder spürbar angestiegen. Die Entwicklung zeigt, dass die Geldpolitik und die Inflationsbekämpfung wieder verstärkt in den Fokus der Finanzmärkte rücken.
Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen
In Prozent
Im Monatsvergleich zeigten sich die 10-jährigen Verfallrenditen insgesamt kaum verändert. Zwischenzeitlich hatten die Märkte auf eine Entspannung des Konflikts im Nahen Osten gehofft, was die langfristigen Zinsen bis Ende Mai spürbar sinken liess. So sind mittlerweile in den meisten Industrienationen neben der Gesamtrate auch die Kernrate wieder angestiegen. Zudem haben sich die Inflationserwartungen der US-Konsument:innen zuletzt merklich erhöht. Vor diesem Hintergrund sind die langfristigen Zinsen Anfang Juni wieder angestiegen und liegen mittlerweile erneut auf einem ähnlichen Niveau wie vor einem Monat.
Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen
In Prozentpunkten
Die Kreditprämien für Unternehmensobligationen haben im Monatsverlauf erneut nachgegeben und notieren inzwischen tiefer als vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten. Damit bewegen sie sich auf historisch tiefen Niveaus. Dies dürfte die zuletzt wieder etwas zuversichtlichere Stimmung der Unternehmen und der verbesserte Wirtschaftsausblick widerspiegeln. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Anleger:innen derzeit nur noch geringe Risikoaufschläge für Unternehmensobligationen verlangen. Entsprechend begrenzt erscheint das Potenzial für eine weitere Einengung der Kreditprämien, während bereits eine moderate Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds zu einer Gegenbewegung führen könnte.
Die seit Ende März anhaltende KI-Rallye an den Aktienmärkten hat zuletzt einen leichten Dämpfer erhalten. Neben den wieder aufgekommenen Sorgen über eine restriktivere Geldpolitik dürften auch die hohen Erwartungen an Technologieunternehmen und die damit verbundene Anfälligkeit auf potenzielle Enttäuschungen zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken
100 = 01.01.2026
Die vom KI-Boom getriebene Aktienmarktrallye hat zuletzt einen Dämpfer erhalten. Neben den wieder aufgekommenen Sorgen über eine länger anhaltende restriktive Geldpolitik dürften auch die hinter den hohen Erwartungen zurückgebliebenen Quartalszahlen einiger Halbleiterunternehmen dazu beigetragen haben. So enttäuschte beispielsweise der Chiphersteller Broadcom trotz weiterhin starker Umsatzzahlen die hohen Markterwartungen, worauf die Aktie zeitweise mehr als 20 Prozent an Wert einbüsste. Besonders betroffen waren auch die Schwellenländeraktienmärkte ausserhalb Chinas. Diese weisen einen hohen Anteil an Technologie- und KI-nahen Unternehmen auf und hatten zuvor überdurchschnittlich stark von der KI-getriebenen Rallye profitiert. Vergleichsweise robust präsentierten sich dagegen die weniger technologielastigen Aktienmärkte Europas und der Schweiz. Während sich diese im Monatsvergleich weitgehend seitwärts entwickelten, verzeichneten die stärker technologieorientierten Märkte leichte Kursrückgänge.
Momentumstärke einzelner Märkte
In Prozent
Das Momentum an den globalen Aktienmärkten bleibt insgesamt positiv. Auffällig ist dabei die anhaltende Stärke jener Märkte, die einen hohen Anteil an Unternehmen aus dem KI-Sektor haben, insbesondere in Südkorea, Taiwan und den Niederlanden. Demgegenüber entwickeln sich die europäischen Aktienmärkte verhalten. Auch der jüngste Dämpfer hat an diesem Bild wenig geändert. Angesichts der bislang erzielten Jahresrenditen von teilweise deutlich über 30 Prozent dürfte das positive Momentum vorerst noch anhalten.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Die Bewertungsniveaus an den Aktienmärkten haben sich zuletzt etwas entspannt. Nachdem die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) im Zuge der KI-getriebenen Aktienmarktrallye deutlich angestiegen waren, sind sie aufgrund der jüngsten Abschwächung wieder zurückgekommen. In den USA und den Schwellenländern wurde diese Entwicklung zusätzlich durch die robuste Gewinnentwicklung gestützt. So erzielten die US-Unternehmen im ersten Quartal mit einem Gewinnwachstum von knapp 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr das stärkste Ergebnis seit 2021. Insgesamt bleibt der Rückgang der Bewertungen jedoch eng abgestützt. Eine Ausnahme bildet weiterhin der Schweizer Aktienmarkt, dessen Bewertungsniveau sich im Monatsvergleich kaum verändert hat.
Die Preise der börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds stehen weiter unter Druck und liegen auf Jahresbasis aktuell unter dem Wert zu Beginn des Jahres.
Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds
100 = 01.01.2026
Ende Mai gab es bei den börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds eine leichte Hoffnung auf eine Aufholbewegung. In der Schweiz kamen die langfristigen Zinsen etwas zurück, was den Immobilienfonds Auftrieb gab. Diese Erholung war jedoch von kurzer Dauer und die Gegenbewegung folgte rasch. Somit bestand über den Monat eine negative Entwicklung von knapp 2 Prozent, was auch die Jahresrendite ins Negative gedrückt hat.
Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen
In Prozent
Das Agio, also der Aufpreis, den Investor:innen für börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds gegenüber dem Nettoinventarwert zahlen, bleibt trotz leichter Korrekturen bei den Immobilienfonds-Preisen auf einem hohen Niveau. Sowohl die attraktive Ausschüttungsrendite als auch die stabile Nachfrage nach Schweizer Immobilienanlagen dürften in einem Umfeld niedriger Kapitalmarktzinsen die Bewertungen weiterhin stützen.
3-Monats-SARON und 10-jährige Verfallrenditen
In Prozent
Die Verfallrenditen auf 10-jährigen Eidgenossen veränderten sich im Vergleich zum Vormonat kaum und liegen weiterhin leicht über 0,4 Prozent. Im Monatsverlauf gab es zwischenzeitlich einen Anstieg des Zinsniveaus, wobei die Renditen der Staatsobligationen einen maximalen Wert von 0,6 Prozent erreichten. Die Zinsen werden aktuell stark von den Inflationserwartungen beeinflusst, die wiederum durch die höheren Energiepreise getrieben werden dürften. In der Schweiz blieb die Inflation zuletzt bei 0,6 Prozent stabil, da höhere Energiepreise durch einen Rückgang in anderen Segmenten ausgeglichen wurden. Aufgrund des stabilen Preisniveaus dürfte vorerst auch der Handlungsbedarf für die Schweizerische Nationalbank relativ gering sein, sodass der 3-Monats-SARON weiterhin bei 0 Prozent bleiben dürfte.
Erfahren Sie mehr in unserer Zinsprognose für Hypotheken.
Währungen
Der vergangene Monat war von einem starken US-Dollar gekennzeichnet. Der Schweizer Franken verlor sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar an Wert.
| Währungspaar | Kurs | KKP | Neutraler Bereich | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Währungspaar EUR/CHF |
Kurs 0,92 |
KKP 0,87 |
Neutraler Bereich 0,80 – 0,94 |
Bewertung Euro neutral |
| Währungspaar USD/CHF |
Kurs 0,80 |
KKP 0,74 |
Neutraler Bereich 0,64 – 0,83 |
Bewertung USD neutral |
| Währungspaar GBP/CHF |
Kurs 1,06 |
KKP 1,10 |
Neutraler Bereich 0,96 – 1,24 |
Bewertung Pfund neutral |
| Währungspaar JPY/CHF |
Kurs 0,50 |
KKP 0,80 |
Neutraler Bereich 0,65 – 0,96 |
Bewertung Yen unterbewertet |
| Währungspaar SEK/CHF |
Kurs 8,41 |
KKP 9,41 |
Neutraler Bereich 8,41 – 10,40 |
Bewertung Krone neutral |
| Währungspaar NOK/CHF |
Kurs 8,41 |
KKP 9,54 |
Neutraler Bereich 8,42 – 10,66 |
Bewertung Krone unterbewertet |
| Währungspaar EUR/USD |
Kurs 1,15 |
KKP 1,18 |
Neutraler Bereich 1,03 – 1,34 |
Bewertung Euro neutral |
| Währungspaar USD/JPY |
Kurs 160,32 |
KKP 91,47 |
Neutraler Bereich 68,94 – 114,00 |
Bewertung Yen unterbewertet |
| Währungspaar USD/CNY |
Kurs 6,77 |
KKP 6,38 |
Neutraler Bereich 5,86 – 6,90 |
Bewertung Renminbi neutral |
Quelle: Allfunds Tech Solutions
Im Allgemeinen befindet sich die Volatilität an den Devisenmärkten auf einem sehr niedrigen Niveau. Viele Währungspaare bewegen sich seit längerer Zeit seitwärts. Das heisst jedoch nicht, dass es im Monatsverlauf nicht zu grösseren Bewegungen kommen kann. So hat der US-Dollar im Monatsverlauf gegenüber dem Schweizer Franken um 3 Prozent aufgewertet. Die Jahresveränderung fällt mit einer Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Franken von 1 Prozent aber weiterhin gering aus. Auch gegenüber dem Euro fällt die Jahresveränderung bis jetzt relativ gering aus: Der Schweizer Franken ist etwa 1 Prozent stärker als zu Jahresbeginn.
Kryptowährungen
| Kryptowährung | Kurs | YTD in USD | Jahreshoch | Jahrestief |
|---|---|---|---|---|
| Kryptowährung BITCOIN |
Kurs 63'558 |
YTD in USD -27,36% |
Jahreshoch 96'942 |
Jahrestief 61’042 |
| Kryptowährung ETHEREUM |
Kurs 1'675 |
YTD in USD -43,55% |
Jahreshoch 3’354 |
Jahrestief 1’569 |
Quelle: Allfunds Tech Solutions, Coin Metrics Inc
Gold
Das Edelmetall kannte erneut einen sehr schwachen Monat, mit einem Rückgang von über 10 Prozent.
Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken
100 = 01.01.2026
Der starke Gewinn von Gold zu Jahresbeginn ist durch den letzten Monat komplett zunichte gemacht worden. Der Goldpreis hat rund 11 Prozent verloren, gemessen in Schweizer Franken, und notiert damit auf Jahresbasis im negativen Bereich. Vor allem die anhaltend hohen Kapitalmarktzinsen dürften aktuell den Gegenwind für Gold verstärken, da Gold keine realen Erträge abwirft. Dabei werden die aktuellen geopolitischen Risiken weitgehend ausgeblendet.