Marktüberblick: Zwischen KI-Boom und Inflationssorgen

Die Finanzmärkte setzen zunehmend wieder auf den Boom rund um die künstliche Intelligenz. Vor allem technologielastige Aktienmärkte in den USA und Asien entwickelten sich stark und erreichten zwischenzeitlich neue Allzeithöchststände. Zuletzt sorgten jedoch steigende Inflationsraten, höhere Zinsen und zunehmende Bewertungsbedenken im Technologiesektor für Gegenwind.

Die Obligationenmärkte standen im vergangenen Monat weiter unter Druck, insbesondere in den USA und Grossbritannien. Belastend wirkten dabei vor allem die Sorgen über wieder steigende Inflationsraten.

Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung

100 = 01.01.2026

Diese Grafik zeigt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung aus der Schweiz, den USA und aus Deutschland. Die Wertentwicklung im vergangenen Jahr zeigte sich unbeständig und dies setzte sich zunächst auch im neuen Jahr fort. Bis April 2025 zeichnete sich in den USA und der Schweiz ein Aufwärtstrend ab, während sich in Europa eine schwächere Entwicklung zeigte. Seit dem Angriffskrieg auf den Iran und den damit einhergehenden erhöhten Inflationsraten haben Staatsobligationen weltweit deutlich an Wert verloren.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Die Obligationenmärkte stehen weiterhin im Spannungsfeld des Konflikts im Nahen Osten. Die dadurch gestiegenen Energiepreise schlagen sich weltweit in höheren Inflationsraten nieder. In den USA liegt die Gesamtinflation mittlerweile bei 3,8 Prozent, während sie in Europa wieder auf 3,0 Prozent angestiegen ist. In der Folge haben die Zinsen entlang der gesamten Zinskurve zugelegt, besonders deutlich am kurzen Ende. Mit den gestiegenen Inflationsraten haben auch die Sorgen über eine länger restriktive Geldpolitik zugenommen. Entsprechend verzeichneten Staatsobligationen seit Jahresbeginn eine negative Wertentwicklung.

Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen

In Prozent

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Verfallrenditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands. 10-jährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Frühling 2022 ist jedoch eine Trendwende hin zu höheren Zinsen zu beobachten. Auch der aktuelle Krieg im Nahen Osten hat die Renditen von Staatsobligationen erhöht.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Der weiterhin hohe Ölpreis verschärft die Inflationssituation in vielen Ländern und hat die Zinsen spürbar ansteigen lassen. Besonders ausgeprägt war der Zinsanstieg in den USA und Grossbritannien. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsobligationen liegt mit über 4,5 Prozent wieder auf dem höchsten Stand seit Mai 2023. In Grossbritannien belasteten neben der Inflation auch die politische Unsicherheit sowie Spekulationen rund um Starmer im Vorfeld der Budgetentscheidung im kommenden Monat den Obligationenmarkt. Die Rendite 10-jähriger Gilts stieg auf 5,1 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2008.

Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

In Prozentpunkten

Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, stiegen in der ersten Jahreshälfte 2022 stark, sanken aber in der zweiten Jahreshälfte sowie zu Beginn des folgenden Jahres deutlich. Im März 2023 stiegen die Risikoaufschläge erneut leicht an, bevor sie sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendelten. Im Zuge der von den USA angekündigten Handelsbeschränkungen im Jahr 2025 nahmen die Spreads wieder zu, reduzierten sich jedoch kurz darauf erneut und befinden sich wieder auf historisch tiefen Werten. Daran änderte der Angriffskrieg auf den Iran nur kurzfristig etwas.
Quelle: Bloomberg Barclays

Die Risikoaufschläge auf Unternehmensobligationen haben sich nach dem zwischenzeitlichen Anstieg im Zuge des Nahostkonflikts wieder deutlich reduziert. Diese Entwicklung dürfte insbesondere durch die Rückkehr des Optimismus an die Börsen unterstützt worden sein. Aktuell bewegen sich die Risikoprämien erneut auf einem historischen Tiefstand und signalisieren, dass die Marktteilnehmer:innen nur geringe Konjunktursorgen haben.

Die Erholung an den globalen Aktienmärkten setzte sich fort und führte vielerorts zu neuen Höchstständen. Getragen wurde die Entwicklung vor allem von Technologiewerten. Zuletzt bremsten jedoch steigende Zinsen und Sorgen über die hohen Bewertungen im Technologiesektor die Dynamik etwas.

Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den letzten zwölf Monaten in Franken dar. Nach einem starken Jahresanfang erlitten die Aktienmärkte im März Verluste von etwa 10 Prozent, die zum grössten Teil wieder wettgemacht wurden.
Quelle: SIX, MSCI

Bis Mitte April waren die globalen Aktienmärkte noch stark von der Unsicherheit rund um den Nahostkonflikt geprägt. Seither verzeichneten die meisten Märkte jedoch eine deutliche Erholungsrallye, die insbesondere von Technologietiteln getragen wurde. Die Euphorie rund um das Thema künstliche Intelligenz kehrte nach einer kurzen Verschnaufpause an die Aktienmärkte zurück, wodurch vielerorts neue Allzeithöchststände erreicht wurden. Besonders dynamisch entwickelten sich dabei die Aktienmärkte in den USA und den Schwellenländern, während Europa und die Schweiz etwas zurückblieben. Die weiterhin erhöhte Volatilität zeigt jedoch, dass die Erholung nach wie vor fragil bleibt. Belastend wirken insbesondere die Unsicherheit über eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt, die Blockade der Strasse von Hormuz sowie die hohen Bewertungen vieler Technologietitel. Entsprechend hat sich die Dynamik zuletzt etwas abgeschwächt.

Momentumstärke einzelner Märkte

In Prozent

Die Darstellung zeigt die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Das Momentum setzt den letzten Kursstand zum Durchschnitt der letzten sechs Monate ins Verhältnis. Aktuell liegt das Momentum der Aktienmärkte überwiegend im positiven Bereich.
Quelle: MSCI

Aktuell ist das Momentum an den globalen Aktienmärkten mehrheitlich positiv. Besonders ausgeprägt ist die Dynamik in technologiegetriebenen Märkten wie Südkorea und Taiwan. Der südkoreanische Aktienmarkt bleibt dabei der stärkste Markt seit Jahresbeginn und hat, getragen von den Technologiekonzernen SK Hynix und Samsung, in Schweizer Franken gerechnet um rund 100 Prozent zugelegt. In der Eurozone und in der Schweiz bleibt das Momentum ebenfalls positiv, bewegt sich jedoch weiterhin auf einem insgesamt tieferen Niveau.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Wegen steigender Unternehmensgewinne und fallender Aktienkurse sind die KGV der drei Märkte seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Seit Ende 2022 erholen sich diese dank gestiegener Aktienkurse aber wieder zunehmend.
Quelle: SIX; MSCI

Während der globalen Aktienmarktkorrektur im März reduzierten sich auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV). Diese leichte Korrektur wurde jedoch durch die starke Erholung des Aktienmarktes mittlerweile wieder rückgängig gemacht. Auch die starke Berichtsaison zum ersten Quartal vermochte diese Entwicklung nicht zu bremsen. So erzielte beispielsweise der amerikanische Aktienmarkt mit einer Gewinnerhöhung auf Jahresbasis von über 27 Prozent das beste Ergebnis seit der COVID-19-Pandemie. Eine Ausnahme war der Schweizer Markt, wo die KGV-Erholung nicht so stark ausfiel wie bei den weltweiten Aktienmärkten.

Börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds sind im vergangenen Monat unter Druck geraten und haben spürbar an Wert eingebüsst. Die Jahresrendite liegt damit leicht im negativen Bereich.

Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

100 = 01.01.2026

Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der Index ist gegen Ende des letzten Jahres spürbar angestiegen. Seit Beginn des neuen Jahres liegt die Wertentwicklung aber leicht im negativen Bereich.
Quelle: SIX

Börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds haben im vergangenen Monat spürbar nachgegeben. Nach einem von starken Schwankungen geprägten Jahresverlauf liegt die Jahresrendite damit nun leicht im Minus. Diese Entwicklung ist nicht ganz überraschend. Einerseits liegen die Schweizer Kapitalmarktzinsen infolge des Inflationsanstiegs durch höhere Energiepreise spürbar höher als noch zu Jahresbeginn. Andererseits sind die Bewertungen am Schweizer Immobilienmarkt nach wie vor als hoch einzuschätzen, was die Fonds entsprechend anfällig für Kursrückschläge macht. Trotz der jüngsten Korrektur bieten die Ausschüttungsrenditen aber weiterhin eine attraktive Einkommensquelle.

Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung sind die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Der starke Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 hat zu einem deutlichen Rückgang der Aufpreise geführt. Im Verlauf des vergangenen Jahres sind die Agios aber wieder angestiegen und befinden sich aktuell auf hohem Niveau.
Quelle: SIX

Das Agio, also der Aufpreis, den Investor:innen für börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds gegenüber dem Nettoinventarwert bezahlen, bleibt weiterhin auf hohem Niveau. Historisch waren solche Bewertungen eng mit den Schweizer Kapitalmarktzinsen verknüpft und typischerweise nur in Zeiten von Negativzinsen zu beobachten. Vor dem Hintergrund des zuletzt gestiegenen Zinsniveaus erscheinen die aktuellen Bewertungen zwar vergleichsweise hoch, dürften jedoch weiterhin durch die stabile Nachfrage nach Schweizer Immobilienanlagen gestützt werden.

3-Monats-SARON und 10-jährige Verfallrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist der schweizerische Referenzzinssatz SARON mit einer Laufzeit von drei Monaten und die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen seit dem Jahr 2000 zu sehen. Die Kapitalmarktzinsen sind in den letzten Monaten wieder leicht gestiegen.
Quelle: SIX

Die Verfallrenditen auf 10-jährigen Eidgenossen haben zuletzt wieder leicht zugenommen. Das dürfte primär die in der Schweiz gestiegene Inflationsrate reflektieren, die in den letzten Monaten von 0 auf 0,6 Prozent geklettert ist. Investor:innen verlangen entsprechend eine höhere Rendite, um den Inflationsanstieg auszugleichen. Bislang hat der neuerliche Inflationsanstieg allerdings noch zu keiner Änderung der Geldpolitik geführt, weshalb der 3-Monats-SARON unverändert geblieben ist. Die Marktteilnehmer:innen erwarten jedoch, dass die SNB den Leitzins in Zukunft leicht anheben wird. Da die Inflation aber weiterhin komfortabel im Zielband der SNB liegt, besteht dafür kein wirklicher Druck.

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Währungen

Im vergangenen Monat konnte der Schweizer Franken gegenüber dem Euro wieder leicht zulegen, während er sich gegenüber dem US-Dollar stabil entwickelte. Auf Jahressicht notiert der Franken somit rund 2 Prozent stärker gegenüber dem Euro und gut 1 Prozent gegenüber dem US-Dollar.

WährungspaarKursKKP Neutraler Bereich Bewertung
Währungspaar
EUR/CHF
Kurs
0,92
KKP
0,88
Neutraler Bereich
0,81 – 0,95
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/CHF
Kurs
0,78
KKP
0,74
Neutraler Bereich
0,64 – 0,84
Bewertung
USD neutral
Währungspaar
GBP/CHF
Kurs
1,06
KKP
1,11
Neutraler Bereich
0,97 – 1,26
Bewertung
Pfund neutral
Währungspaar
JPY/CHF
Kurs
0,50
KKP
0,82
Neutraler Bereich
0,65 – 0,98
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
SEK/CHF
Kurs
8,42
KKP
9,41
Neutraler Bereich
8,41 – 10,40
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
NOK/CHF
Kurs
8,43
KKP
11,12
Neutraler Bereich
9,54 – 12,71
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
EUR/USD
Kurs
1,18
KKP
1,19
Neutraler Bereich
1,03 – 1,35
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/JPY
Kurs
156,67
KKP
90,82
Neutraler Bereich
68,40 – 113,24
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
USD/CNY
Kurs
6,80
KKP
6,39
Neutraler Bereich
5,87 – 6,91
Bewertung
Renminbi unterbewertet

Quelle: Allfunds Tech Solutions

Im März intervenierte die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt, um der starken Aufwertung des Schweizer Frankens, vor allem gegenüber dem Euro, entgegenzuwirken. Im letzten Handelsmonat machte sich jedoch ein Grossteil dieser Wirkung bereits wieder zunichte. Der Schweizer Franken wertete gegenüber dem Euro erneut auf. Der US-Dollar konnte insgesamt nicht weiter von seinem Status als sicherer Hafen profitieren und wurde im Monatsverlauf seitwärts gehandelt.

Kryptowährungen

KryptowährungKursYTD in USDJahreshochJahrestief
Kryptowährung
BITCOIN
Kurs
81'075
YTD in USD
-7,34%
Jahreshoch
96'942
Jahrestief
62’795
Kryptowährung
ETHEREUM
Kurs
2'292
YTD in USD
-22,79%
Jahreshoch
3’354
Jahrestief
1’842

Quelle: Allfunds Tech Solutions, Coin Metrics Inc

Gold

Der Goldpreis konnte den starken Rückgang von Mitte März vorerst stoppen. Allerdings sorgen die höheren Zinsen weiterhin für Gegenwind.

Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

100 = 01.01.2026

Die Grafik zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Seit Jahresbeginn zeigte sich der Goldpreis äusserst volatil: Phasen deutlicher Aufwertungen wechselten sich mit starken Einbrüchen ab.
Quelle: Allfunds Tech Solutions

Der Goldpreis erlitt im diesem Jahr bereits zwei deutliche Korrekturen. Von der ersten konnte er sich wieder erholen, von der zweiten, die vor allem nach dem Ausbruch des Nahostkonflikts zustande kam, noch nicht ganz. Die anhaltenden Inflationssorgen und die damit einhergehenden Sorgen der Marktteilnehmer:innen vor höheren Zinsen dürften aktuell einen höheren Goldpreis verhindern. Auf Jahressicht beträgt die Rendite von Gold, gemessen in Schweizer Franken, aber immer noch rund 6 Prozent.

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