Nirgends zeigt sich das deutlicher als in der Strasse von Hormus. Diese schmale Meerenge, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, ist seit Kriegsbeginn für den Tankerverkehr praktisch blockiert. Und das nicht, weil der Iran den USA und Israel überlegen wäre, sondern weil er mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln erheblichen Schaden anrichten kann, worauf Washington offenbar zu wenig vorbereitet war. Ein rascher Ausweg, der sich als strategischer Erfolg verkaufen liesse, ist nicht in Sicht. Die USA haben sich in eine Sackgasse manövriert.
Die Folgen reichen weit über den Nahen Osten hinaus. Geopolitisch dürften China und möglicherweise auch Russland gestärkt hervorgehen, während das Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle weiter schwindet. Wirtschaftlich ist der Ölpreis infolge der blockierten Transportwege bereits deutlich gestiegen, was den Inflationsdruck erneut erhöhen dürfte.
Wie lange der Konflikt andauert, ist unklar. Es wäre jedoch gewagt, davon auszugehen, dass das weltwirtschaftliche Wachstum davon unberührt bleibt. Damit droht die leichte Stimmungsverbesserung zu Jahresbeginn in zahlreichen Industrieländern bereits wieder zu schwinden. Für die US-Wirtschaft kommt dies zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im vierten Quartal 2025 hatte sich das Wachstum bereits deutlich verlangsamt und der Arbeitsmarkt war erstmals seit Jahren mit sinkender Beschäftigung konfrontiert – ein Muster, das seit dem Zweiten Weltkrieg stets einer Rezession vorausging.
Damit geraten auch die Finanzmärkte unter Druck. Höhere Inflationserwartungen bei gleichzeitig schwächeren Wachstumsaussichten sind keine gute Ausgangslage für die Aktienmärkte, deren Bewertungen ohnehin bereits auf hohem Niveau liegen. Bemerkenswert ist zudem, dass zuletzt nicht nur die nominalen Zinsen von US-Staatsanleihen, sondern auch die Realzinsen gestiegen sind. Bei schwächeren Wachstumsaussichten wäre eigentlich das Gegenteil zu erwarten, also fallende Realzinsen, da die Nachfrage nach Kapital sinkt. Dies könnte ein erstes Warnsignal sein, dass das Vertrauen in die amerikanische Finanzpolitik allmählich bröckelt.
In unserer vorsichtigen Haltung gegenüber amerikanischen Anlagen fühlen wir uns durch diese Entwicklungen einmal mehr bestätigt. Mit unserem reduzierten Engagement am US-Markt sind wir weiterhin gut positioniert. Unsere erhöhte Goldquote behalten wir bei, denn das Edelmetall hat sich in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und steigender Inflation historisch bewährt und dürfte auch dieses Mal von der wachsenden Verunsicherung profitieren. Gleichzeitig reduzieren wir unser Engagement in Schwellenländeranleihen zurück auf das langfristige Strategieniveau, denn in einem Umfeld aus steigender Inflation und schwächerem Wachstum haben diese Papiere erfahrungsgemäss einen schweren Stand.