Der Preis grosser Pläne

Staaten und Unternehmen investieren kräftig. Das braucht Kapital, und davon gibt es nicht beliebig viel. Die Zinsen am Kapitalmarkt sind deshalb so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Für Anleger:innen bringt dies Gegenwind, aber auch Chancen.

Die hohen Zinsen sind der Preis kräftiger Unternehmensinvestitionen und hoher staatlicher Defizite.

Wer grosse Pläne hat, braucht Geld. Das gilt für Familien, die ein Haus bauen wollen, genauso wie für Staaten und Unternehmen. Und an grossen Plänen mangelt es derzeit wahrlich nicht. Staaten modernisieren ihre Infrastruktur, rüsten auf und treiben die Energiewende voran. Unternehmen investieren Milliarden in künstliche Intelligenz und neue Rechenzentren.

Doch wer finanziert das? Wo die eigenen Mittel nicht ausreichen, braucht es fremdes Kapital. Dafür kommen die Ersparnisse der Haushalte, einbehaltene Unternehmensgewinne oder Kapital aus dem Ausland infrage.

Wie stark der Wettbewerb um dieses Kapital geworden ist, zeigt sich besonders in den USA. Trotz guter Konjunktur beträgt das staatliche Budgetdefizit dort rund 8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Zudem reichen selbst den gewinnstärksten Technologiekonzernen die eigenen Mittel zunehmend nicht mehr aus, um ihre milliardenschweren KI-Investitionen zu finanzieren. Sie nehmen deshalb vermehrt Schulden auf. Den Haushalten bleibt hingegen immer weniger zum Sparen, denn die Löhne steigen nur verhalten, während die Lebenshaltungskosten hoch bleiben. Damit stehen auch von dieser Seite weniger Mittel zur Verfügung. Und ausländische Anleger dürften weniger bereit sein, Amerika zu den bisherigen Konditionen Geld anzuvertrauen, denn das Land hat als verlässlicher Anlageort an Ansehen verloren.

An den Kapitalmärkten sind die Folgen längst sichtbar. Allein im September sind die langfristigen Zinsen nochmals kräftig gestiegen, und zehnjährige US-Staatsanleihen werfen inzwischen über 5 Prozent ab. Auch in Europa und Japan ist die Finanzierung deutlich teurer geworden. Die jüngsten Leitzinserhöhungen der Zentralbanken dürften zwar ebenfalls dazu beigetragen haben. Da sie vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen, liefern sie für den Anstieg am Kapitalmarkt aber nur bedingt eine Erklärung.

Die höheren Zinsen machten den vergangenen Monat für viele Anlageklassen schwierig. Sie drücken auf die Kurse bestehender Obligationen und verringern den heutigen Wert künftiger Erträge. Bei Aktien stehen diesem Gegenwind allerdings eine robuste Weltkonjunktur und erfreuliche Unternehmensgewinne gegenüber. Zudem sind die grossen Pläne letztlich eine Wette auf die Zukunft. Die Unternehmen investieren so kräftig, weil sie sich davon noch höhere Gewinne versprechen. Geht diese Wette auf, können die Aktienmärkte auch mit höheren Zinsen gut leben.

Bei Obligationen hat der Zinsanstieg auch eine gute Seite. Neu erworbene Anleihen bieten inzwischen wieder ansehnliche Erträge, die sich über Jahre sichern lassen. Schwächt sich die Konjunktur ab und sinken die Zinsen wieder, wären zudem Kursgewinne möglich. Wir halten deshalb sowohl bei Aktien als auch bei Obligationen an der neutralen Gewichtung unserer langfristigen Anlagestrategie fest.

Bei Schweizer Immobilienfonds nutzen wir dagegen die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen. Zwar sind die langfristigen Zinsen hierzulande bislang vergleichsweise tief geblieben. Einem weiteren Anstieg im Ausland dürfte sich die Schweiz aber kaum vollständig entziehen können. In einem solchen Fall könnten die Bewertungen von Immobilienfonds unter Druck geraten, zumal diese nach den Kursgewinnen der vergangenen Jahre mit deutlichen Aufschlägen auf den Wert ihrer Liegenschaften gehandelt werden. Wir reduzieren deshalb unser bisheriges Übergewicht und kehren zur neutralen Gewichtung zurück.

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