Selbstständig im Nebenerwerb in der Schweiz: So starten Sie neben Ihrer Festanstellung

20.05.2026

Sie haben erste Aufträge neben Ihrem Job, fragen sich aber: Darf ich das überhaupt? Muss ich mich bei der AHV anmelden? Und lohnt sich der Schritt finanziell? Genau hier setzt der Nebenerwerb an: Sie testen Ihre Geschäftsidee, ohne Ihre finanzielle Sicherheit aufzugeben.

In Kürze

  • Der Nebenerwerb ermöglicht es, erste Kund:innen zu gewinnen und Einnahmen zu erzielen, ohne die finanzielle Sicherheit aufzugeben.
  • Die AHV-Pflicht kann bereits bei kleinen Einnahmen entstehen.
  • Klären Sie frühzeitig arbeitsrechtliche Fragen mit Ihrem Arbeitgeber.
  • Der Nebenerwerb ist oft der erste Schritt zu einer späteren Firmengründung.

PostFinance unterstützt Sie mit hilfreichen Informationen und passenden Angeboten für Ihren Weg in die Selbstständigkeit.

Warum viele Gründungen als Nebenerwerb beginnen

Eine Geschäftsidee entwickelt sich oft schrittweise. Erste Aufträge entstehen, das Netzwerk wächst, und mit der Zeit wird aus einer Idee ein funktionierendes Angebot. Der Nebenerwerb bietet dafür einen klaren Vorteil: Sie bleiben finanziell abgesichert und können gleichzeitig herausfinden, wie viel Potenzial in Ihrer Geschäftsidee steckt.

Das bringt Ihnen folgende Vorteile:

  • Direkte Rückmeldungen von Kund:innen zu Ihrem Angebot
  • Ein besseres Verständnis für den Markt
  • Mehr Sicherheit bei der Preisgestaltung und Positionierung

So entsteht eine solide Grundlage, bevor grössere Entscheidungen anstehen.

Was ist Teilselbstständigkeit in der Schweiz

Teilselbstständigkeit bedeutet, dass Sie neben Ihrer Anstellung selbstständig tätig sind. Beide Tätigkeiten bestehen parallel.

Unterschied zwischen Teilselbstständigkeit und Selbstständigkeit

Der Unterschied zeigt sich vor allem beim Einkommen: 

In der Selbstständigkeit im Haupterwerb sind Sie vollständig auf Ihr Geschäft angewiesen. Im Nebenerwerb bleibt Ihre Anstellung die finanzielle Basis. Dadurch können Sie Ihre Geschäftsidee schrittweise aufbauen, während Sie im Haupterwerb direkt davon leben müssen.

Der Nebenerwerb schafft Raum, um herauszufinden, ob Ihre Geschäftsidee langfristig trägt. Im Alltag zeigt sich schnell, dass beide Welten unterschiedliche Anforderungen stellen. Während Ihre Anstellung klar strukturiert ist, verlangt die selbstständige Tätigkeit fachliche und organisatorische Eigenverantwortung.

Nebenerwerb vs. Haupterwerb: die wichtigsten Unterschiede im Überblick

KriteriumNebenerwerbHaupterwerb
Kriterium
Einkommen
Nebenerwerb
Ergänzend zur Anstellung
Haupterwerb
Hauptquelle
Kriterium
Risiko
Nebenerwerb
Geringer
Haupterwerb
Höher
Kriterium
Zeitaufwand
Nebenerwerb
Teilzeit / flexibel
Haupterwerb
Vollzeit
Kriterium
Druck
Nebenerwerb
Weniger finanzieller Druck
Haupterwerb
Hoher Erfolgsdruck
Kriterium
Ziel
Nebenerwerb
Geschäft testen
Haupterwerb
Geschäft betreiben

Typische Beispiele für Nebenerwerb

Nebenerwerb entsteht oft dort, wo bestehende Fähigkeiten auf konkrete Nachfrage treffen. Typische Beispiele sind:

  • Beratungs- oder Freelance-Dienstleistungen 
  • Digitale Angebote oder Onlineshops 
  • Kreative oder handwerkliche Tätigkeiten 

Entscheidend ist weniger die Branche als die Frage: Lässt sich daraus ein Angebot entwickeln, das regelmässig nachgefragt wird?

Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb

Sobald aus ersten Einnahmen eine regelmässige Tätigkeit wird, verschiebt sich die Perspektive erneut. Was zuvor informell war, bekommt plötzlich eine rechtliche und organisatorische Dimension. In der Praxis zeigt sich, dass viele diesen Punkt unterschätzen

Eine zentrale Frage ist die Einordnung Ihrer Tätigkeit. Die AHV prüft, ob Sie als selbstständig gelten. Grundlage dafür sind die Kriterien der Ausgleichskasse, die jede Situation einzeln beurteilt.

Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen:

  • Arbeiten Sie auf eigenes Risiko? 
  • Treten Sie gegenüber mehreren Auftraggeber:innen auf? 
  • Organisieren Sie Ihre Tätigkeit eigenständig?

Wichtig zu wissen

Die Beitragspflicht beginnt grundsätzlich mit der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit. Es gibt keine feste Umsatzgrenze, ab der Sie sich bei der AHV anmelden müssen. Entscheidend ist, ob Ihre Tätigkeit als selbstständig eingestuft wird und zur Erzielung von Einkommen dient. Die Beiträge für Selbstständigerwerbende liegen je nach Einkommen bei rund 10 Prozent des Gewinns.

Beispiel aus der Praxis

Sie verdienen 5’000 Franken pro Jahr mit Freelance-Aufträgen. Auch bei diesem Betrag kann eine Anmeldung bei der AHV notwendig sein. Entscheidend ist nicht die Höhe der Einnahmen, sondern die Art Ihrer Tätigkeit.

Sobald Ihre Tätigkeit regelmässig ausgeübt wird und Einkommen generiert, sollten Sie Ihre Situation prüfen und sich gegebenenfalls anmelden. So stellen Sie sicher, dass Ihre Beiträge korrekt abgerechnet werden und Sie sozialversicherungsrechtlich richtig erfasst sind. Ein Handelsregistereintrag ist erst ab einem Jahresumsatz von 100‘000 Franken Pflicht.

Neben der AHV stellt sich auch die Frage, wie Ihre Tätigkeit steuerlich eingeordnet wird.

Steuerlich gilt eine Tätigkeit als gewerbsmässig, wenn sie auf Dauer angelegt ist, mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird und eine gewisse Selbstständigkeit aufweist. Diese Einordnung ist entscheidend dafür, wie Ihre Einnahmen versteuert werden und welche Abzüge möglich sind.

Davon zu unterscheiden ist die Mehrwertsteuer (MWST). Hier gilt: Ab einem Jahresumsatz von 100’000 Franken sind Sie mehrwertsteuerpflichtig. Unterhalb dieser Grenze ist eine freiwillige Anmeldung möglich, etwa wenn Sie Vorsteuerabzüge geltend machen möchten.

Für viele Nebenerwerbstätige wird die MWST erst relevant, wenn das Geschäft wächst. Es lohnt sich jedoch, dieses Thema früh im Blick zu behalten, um später keine Anpassungen unter Zeitdruck vornehmen zu müssen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Ihr Arbeitsverhältnis. Klären Sie frühzeitig,

  • ob Ihre Tätigkeit in Konkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber steht 
  • ob vertragliche Einschränkungen bestehen 
  • ob eine Information des Arbeitgebers sinnvoll oder notwendig ist  

Das sogenannte Konkurrenzverbot kann im Arbeitsvertrag explizit geregelt sein und verbietet Tätigkeiten, die direkt mit dem Geschäft des Arbeitgebers konkurrieren. Auch ohne explizite Klausel gilt: Sie dürfen Ihren Arbeitgeber nicht konkurrenzieren oder dessen Interessen schädigen. Eine frühzeitige Klärung hilft, Konflikte zu vermeiden, insbesondere wenn sich Tätigkeiten oder Kundengruppen überschneiden könnten.

Der Nebenerwerb bringt zusätzliche Verantwortung mit sich. Neben Ihrem Job übernehmen Sie auch Aufgaben, die über Ihre eigentliche Tätigkeit hinausgehen. 

Dazu gehören unter anderem:

  • Kommunikation mit Kund:innen 
  • Angebotserstellung und Rechnungsstellung 
  • Weiterentwicklung Ihres Angebots

Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden. Nicht jeder Auftrag passt in jede Phase. Entscheidend ist, bewusst zu wählen und die eigene Belastung realistisch einzuschätzen.

Wann lohnt sich die Teilselbstständigkeit?

Der Nebenerwerb ist besonders geeignet, wenn Sie Ihre Idee unter realen Bedingungen testen möchten. Darüber hinaus können Sie Ihre Einnahmen schrittweise aufbauen. Weniger passend ist dieser Weg, wenn Ihre Tätigkeit sofort volle Verfügbarkeit fordert, hohe Anfangsinvestitionen notwendig sind oder schnelles Wachstum im Vordergrund steht.

Vom Nebenerwerb zur eigenen Firma

Mit der Zeit verändert sich der Nebenerwerb spürbar. Aus einzelnen Aufträgen werden regelmässige Einnahmen, Abläufe wiederholen sich und Entscheidungen werden verbindlicher. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie Sie Ihr Geschäft verbindlich aufstellen möchten. Typische nächste Schritte sind:

  • Wahl einer passenden Rechtsform (z. B. Einzelfirma, GmbH oder AG) 
  • Einleitung der konkreten Gründungsschritte, etwa Anmeldung, Statuten oder Handelsregistereintrag 
  • Klare Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Finanzen 

Dieser Übergang passiert nicht plötzlich. Er ergibt sich aus der Entwicklung Ihrer Tätigkeit und dem wachsenden Bedarf nach Struktur und Klarheit.

Wenn Sie sich mit den nächsten Schritten befassen möchten, helfen Ihnen folgende Beiträge weiter:

Konkretes Beispiel aus der Praxis

Startangebot von PostFinance

Starten Sie Ihren Nebenerwerb mit einer klaren Struktur. Mit dem Startangebot von PostFinance behalten Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben von Anfang an im Blick.

Häufige Fragen zur Gründung im Nebenerwerb

  • Grundsätzlich ja. Voraussetzung ist jedoch, dass Ihre Nebentätigkeit nicht im direkten Wettbewerb zu Ihrem Arbeitgeber steht und keine vertraglichen Pflichten verletzt. Ein Blick in den Arbeitsvertrag schafft Klarheit.

  • Das hängt von Ihrer Tätigkeit und Ihrem Arbeitsvertrag ab. Wenn Überschneidungen oder Interessenkonflikte möglich sind, ist eine frühzeitige Information sinnvoll. So vermeiden Sie Missverständnisse und schaffen Transparenz.

  • Eine Tätigkeit gilt als selbstständig, wenn Sie auf eigenes Risiko arbeiten, mehrere Auftraggeber:innen haben und Ihre Arbeit eigenständig organisieren. Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung Ihrer Situation, nicht ein einzelnes Kriterium.

  • Für viele Nebenerwerbstätige ist die Einzelfirma die naheliegende Wahl. Sie lässt sich einfach gründen, erfordert kein Mindestkapital und eignet sich gut für kleinere oder schrittweise aufgebaute Tätigkeiten. Erst wenn das Geschäft wächst, kann sich der Wechsel zu einer GmbH oder AG lohnen.

  • Es gibt keine feste Einkommensgrenze für den Nebenerwerb. Entscheidend ist, wie Ihre Tätigkeit rechtlich und sozialversicherungsrechtlich eingeordnet wird. Einnahmen müssen in jedem Fall korrekt deklariert werden.

  • Sobald Ihre Tätigkeit regelmässig Einkommen generiert und als selbstständig eingestuft wird, müssen Sie sich bei der AHV anmelden. Eine feste Umsatzgrenze gibt es nicht. Die Beitragspflicht beginnt grundsätzlich mit der Aufnahme der Tätigkeit.

  • Ja. Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit müssen in der Steuererklärung angegeben werden − unabhängig von der Höhe. Gleichzeitig können geschäftsbedingte Ausgaben in der Regel abgezogen werden.

  • Der Wechsel lohnt sich, wenn Ihre Einnahmen stabil sind und Sie genügend Planungssicherheit haben. Auch eine steigende Nachfrage und zunehmender organisatorischer Aufwand sind klare Signale. Entscheidend ist, dass Ihre Tätigkeit langfristig tragfähig ist.

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