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Erstellt am 02.03.2020

Recycling im Unternehmen: Jedes Kilogramm zählt

Nicht nur zuhause fällt Abfall an, den man nicht einfach in den Mülleimer kippen sollte. Auch in den Unternehmen gibt es grosses Potenzial zu einem nachhaltigen Umgang mit endlichen Ressourcen. Markus Kämpfer, Geschäftsführer von werecycle.ch, erklärt, warum beim Recycling – auch im Sinne der Corporate Responsibility – jedes Kilogramm zählt.

Jedes Kilogramm Müll, das in der Kehrrichtverbrennung landet, setzt CO2 frei. Und genau hier sieht Markus Kämpfer, Geschäftsführer von werecycle.ch, Potenzial für einen nachhaltigen Umgang mit den endlichen Ressourcen. Denn lange nicht aller Abfall, der der Müllverbrennung zugeführt wird, gehört auch dorthin. Ein grosser Teil des Materials, das im Umlauf ist, könnte recycelt werden. Und damit meint er nicht nur PET- und Glasbehälter, Batterien oder ausgediente Elektronik, die in der Schweiz bereits fleissig gesammelt und recycelt werden. Im Interview erklärt er, wo noch Handlungsbedarf besteht und wie auch Unternehmen mit Recycling ihren Beitrag zum Schutze der Umwelt leisten können.

In der Schweiz sammeln wir bereits fleissig PET, Glas und Batterien. Wo haben wir beim Recycling Nachholbedarf?

Markus Kämpfer: Überall im täglichen Leben. Angenommen ein mittleres Unternehmen richtet einen neuen Arbeitsplatz ein und hat dazu auch einen neuen Computer bestellt. In neun von zehn Fällen landen Folien und das Styropor aus der Verpackung im Mülleimer. Dabei könnte auch dieses gesammelt, wieder aufbereitet und verwendet werden. Aber auch Verpackungen vom Mittagessen oder die leere Spülmittelflasche können zum wertvollen Sammelgut werden. Sortenrein getrennt kann Kunststoff in Wiederverwertungsanlagen zu sogenanntem Regranulat verarbeitet und in Form von Rohren, Behältern oder Säcken wiederverwendet werden. 

Bleiben wir noch ein wenig bei den Dingen, die wir besser recyceln sollten: Was gehört auch nicht in den Müll?

Alle Getränkekartons. Wir haben dafür in der Schweiz eine hochmoderne Wiederbereitungsanlage, die aber nicht ausgelastet ist, weil wir zu wenig Getränkekartons sammeln. In der Folge muss der Betreiber immer wieder Material aus dem Ausland importieren. Aber auch beim kleinteiligen Elektroschrott wie bei Kabeln oder Mobiltelefonen hapert es noch. Während der Rückschub von Computern, Druckern und anderen grösseren Elektronikgeräten gut funktioniert, werden die kleinen Sachen oft weggeworfen. 

Warum gelangt vieles in den Abfall, das man eigentlich recyceln sollte?

Zum einen aus Unwissenheit. Nehmen wir das Beispiel Kunststoff: Viele sind sich gar nicht bewusst, welche Kunststoffe man recyceln kann. Und zum andern aus Bequemlichkeit. Denn es ist einfacher, den Abfall achtlos in den Mülleimer zu kippen als ihn zu sammeln, zu trennen und in eine Entsorgungsstelle zu bringen. 

Welche Bedeutung haben Ihrer Erfahrung nach Umweltthemen bei Schweizer Unternehmen?

Das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit gehört zweifelsfrei zu den Megatrends der Gegenwart und nahen Zukunft. Innovative, moderne Unternehmen können es sich eigentlich gar nicht mehr leisten, sich nicht um den ökologischen Fussabdruck der Firma zu kümmern. Denn immer mehr Kunden, aber auch Mitarbeitende lassen solche Aspekte in Ihre Entscheidungen für oder gegen ein Produkt respektive eine Firma einfliessen. Während bei grösseren Unternehmen bereits vielerorts Nachhaltigkeitskonzepte implementiert wurden, tun sich kleinere Firmen oft schwer, umsetzbare Ansätze zu finden. Wir bieten hier einen unkomplizierten Einstieg.

Inwiefern?

Der Kunde löst bei uns ein Abo, erhält Recycling-Bags oder Behälter in der gewünschten Grösse und wirft dort alle Wertstoffe unsortiert rein – vom kleinteiligen Elektroschrott über PET, Kaffeekapseln und Getränkekartons bis hin zu Leuchtmitteln, Druckerpatronen oder Kunststoffbehältern. Oder auch die Alufolie, die Plastiksalatschale vom Mittagessen oder die leere Chipstüte. Die vollen Bags oder Behälter werden dann vor Ort abgeholt und unseren Partnern zugeführt, die das Material fachgerecht trennen und es zu den entsprechenden Recycling-Aufbereitungsstellen liefern. Der Kunde muss also weder den Abfall trennen noch ihn in die Entsorgung fahren. 

Abfälle einfach achtlos zu verbrennen, weil sich die Trennung scheinbar nicht lohnt, kann keine Option sein.
Markus Kämpfer, CEO werecycle.ch

Ist Recycling nicht ein Tropfen auf den heissen Stein?

Nein. Jedes Kilogramm Abfall, das dem Recycling statt der Kehrichtverbrennungsanlage zugeführt wird, spart Ressourcen. Ein Kilo verbrannter Kunststoff vernichtet rund ein Liter Öl und setzt zudem rund drei Kilo CO2 frei. Gerade in der Schweiz, einem der reichsten Länder der Welt, sind wir dazu verpflichtet, sorgsam mit endlichen Ressourcen umzugehen und dies beginnt im Kleinen. Abfälle einfach achtlos zu verbrennen, weil sich die Trennung scheinbar nicht lohnt, kann keine Option sein. Es geht um die Veränderung der Einstellung – und da können Privatpersonen ebenso ihren Beitrag leisten wie Unternehmen.

Über Markus Kämpfer

Markus Kämpfer ist seit Oktober 2018 Geschäftsführer der Recycling Services AG, die mit werecycle.ch einen Abholdienst für ungetrenntes Recycling-Material anbietet. Das Unternehmen wurde 2015 als Startup von drei Studenten aus der Ostschweiz gegründet. 

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