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Erstellt am 25.11.2021

Mehr Nachhaltigkeit: Diese vier KMU und Organisationen machen vorwärts

Sie alle haben das Thema Nachhaltigkeit in ihrer DNA: Wir präsentieren zwei Startups, ein KMU und eine Organisation, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für mehr Nachhaltigkeit einsetzen.

Der «Carport Schindler», an dem die BE Netz AG beteiligt war, hat 2020 einen Solarpreis erhalten. Foto: Schweizer Solarpreis 2020

BE Netz: Damit fürs Klima die Sonne scheint

Gründungsjahr: 1994

Anzahl Mitarbeitende: 70

Sitz: Luzern

Das Geschäftsmodell

Ob auf dem «Joggeli» in Basel, auf dem Monte Generoso im Tessin oder auf dem Dach der Werkhalle der Pilatus Flugzeugwerke in Stans: Bis heute haben die Mitarbeitenden von BE Netz, einem Totalunternehmen für erneuerbare Energien im Bereich der Haustechnik, über 2’700 Anlagen für erneuerbare Energien oder Energieeffizienz geplant und realisiert. Dabei liegt der Hauptfokus auf Photovoltaikanlagen für Industriegebäude und öffentliche Bauten, aber auch für private Ein- und Mehrfamilienhäuser. Das Unternehmen, das 1994 unter dem Namen Kottmann Energie AG als Einmann-Pionierbetrieb gestartet ist, agiert seit 2004 als BE Netz AG am Markt und beschäftigt heute rund 70 Mitarbeitenden.

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Gegründet hat Adrian Kottmann sein Unternehmen mit der Philosophie, dass der Einsatz erneuerbarer Energien Standard sein soll. Was einst eine Vision war, ist zur Realität geworden. «Früher wollte und konnte sich nur eine kleine Minderheit den Einsatz von erneuerbaren Energien leisten. Das hat sich geändert», erklärt er. Aus diesem Grund feilt die BE Netz AG aktuell an ihrer neuen Vision. Diese werde Themen beinhalten wie den Bau von EnergiePlus-Gebäuden, fassadenintegrierte Solaranlagen oder die ganzheitliche Rolle des Gebäudetechnikers bei neuen Anlagen, verrät er. Was auf jeden Fall bleibe, sei das konsequente Engagement für die Nachhaltigkeit. Dies zeige sich auch bei den Mitarbeitenden im privaten Rahmen. «Viele von ihnen setzen auch bei sich zuhause erneuerbare Energien ein. Unter ihnen sind sogar Mieter, die im Garten oder auf dem Balkon ein Minikraftwerk aufstellen.»

Der Ursprung

Dass aus seiner Ein-Mann-Firma ein schweizweit tätiges Unternehmen mit 70 Mitarbeitenden werden würde, damit hätte Adrian Kottmann anfangs nicht gerechnet. «Mich hat es bereits im Studium fasziniert, aus Solarenergie Strom und Wärme zu erzeugen», sagt der Elektro- und Energieingenieur. Aus einem Projekt, das er während seines Studiums erarbeitete, wurde der erste Auftrag. «Ich hatte die Chance, für die Stadt Sursee meine erste Anlage zu planen und habe mich damit selbst ins kalte Wasser geworfen.» Die weiteren Projekte haben sich dann daraus ergeben. Heute agiert das Unternehmen aus der Innerschweiz heraus im ganzen Land.

Die Herausforderungen

Der Margendruck und der Verdrängungskampf im Markt sind gross. «Wenn wir als eines der wenigen noch unabhängigen Unternehmen in unserem Bereich bestehen bleiben wollen, müssen wir gegenüber anderen, die sehr schnell wachsen oder sehr gross sind, innovativer sein», erklärt der Inhaber der BE Netz AG. Dabei punktet die BE Netz AG mit motivierten Mitarbeitenden und der Freude an komplizierten Projekten. «Wir setzen auch gerne spezielle Vorhaben um und haben darin Erfahrung.» Dazu gehört zum Beispiel ein grosses Gebäude, bei dem die BE Netz AG als Installateurin die ganze Fassade mit einem speziell dafür entwickelten Modul ausgerüstet hat oder ein PlusEnergie-Haus, bei dem sowohl das Dach als auch die Fassade mit Solarmodulen eingekleidet wurden.

Darauf achtet Adrian Kottmann punkto Nachhaltigkeit privat

Adrian Kottmann

Auch privat dreht sich bei Adrian Kottmann alles um erneuerbare Energien. Er konnte ein Haus aus dem Jahr 1930 erwerben, hat dies komplett saniert, um es zu erhalten – und es in ein MinergiePlus-Haus überführt.

SmartBreed: Nachhaltiges Futter für die Landwirtschaft

Gründungsjahr: 2019

Anzahl Mitarbeitende: 7

Sitz: Zufikon

Die Geschäftsidee

Geht es nach der Geschäftsidee von SmartBreed, sollen in Schweizer Hühnerställen statt importierter Soja vermehrt vor Ort gezüchtete Insekten verfüttert werden. Das Aargauer Agrartechnologie-Startup hat dazu als technische Innovation einen smarten «Brutkasten» entwickelt, in dem Heuschrecken mittels Sensoren-Technologie vollautomatisch und ohne Aufwand vom Landwirtschaftsbetrieb selbst gezüchtet werden können. Sobald die Insekten ausgereift sind, werden sie den Legehennen als proteinreiche, nachhaltige Nahrung verfüttert. Die Gründer von SmartBreed sind drei Brüder: Christoph, Patrik und Adrian Bertschi.

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit

«Futter in Form von lebenden Insekten schont Ressourcen», erklärt Christoph, der im Startup für den Verkauf und die Strategie verantwortlich ist. Einerseits, da es importierte Soja ersetze, für deren Anbau oft Regenwälder weichen müssten und deren Transport grosse Mengen an CO2 freisetze. Andererseits, da es eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft fördere, indem als Nahrung für die Insekten ausschliesslich Abfallprodukte aus der Landwirtschaft wie Trester verwendet würde. Gleichzeitig fördere diese Art der Fütterung auch das Tierwohl: Da die Hennen, die entgegen landläufiger Meinung keine Vegetarier sind, mit der Jagd auf Futter stundenlang beschäftigt seien, werde das weitverbreitete und aus Langeweile verursachte Feder- und Zehenpicken reduziert.

Der Ursprung

Doch wie kommt es, dass die Geschwister, die weder in einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen sind noch in der Landwirtschaft arbeiteten, sich mit Futter für Hühner auseinandersetzen? Christoph Bertschi erklärt: «Wir haben alle drei einen ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergrund: Adrian verfügt über einen Master in Nanotechnologie, Patrik über einen Bachelor in Recht und ich über einen Master in Banking und Finance. Auf das Thema Insekten sind wir per Zufall gestossen.» Rasch seien sie sich einig gewesen, dass darin Potenzial stecke, weil Insekten Abfallprodukte in wichtige Nahrungsbausteine wie Proteine umwandeln könnten. Und dann begannen sie 2018 in der Garage eine Prototyp-Zuchtbox zu bauen, tüftelten immer weiter – bis sie zwei Jahre später beschlossen, ihre Jobs zu kündigen und Vollzeit auf ihre Geschäftsidee zu setzen. Im Herbst 2021 hat das Jungunternehmen SmartBreed, das auch von der Klimastiftung Schweiz unterstützt wird, das Patent für ihre Zuchtboxen schweizweit ausgerollt.

Die Zukunft

Parallel arbeitet das Trio bereits an der Weiterentwicklung ihrer Erfindung, etwa durch die Integration von Kameras und künstlicher Intelligenz. Oder indem es Zuchtboxen für andere Insektenarten entwickelt. Als eine der wichtigsten Aufgaben sieht Christoph Bertschi, die potenziellen Kunden zu überzeugen – vom geringen Aufwand der Lösung, aber auch grundsätzlich vom Konzept. Wichtig sei das Vermitteln der Botschaft, dass diese Idee nicht selbst erfunden, sondern von der Natur abgeschaut worden ist. «Auch in der Natur dienen Heuschrecken als wichtige Nahrungsquelle», erklärt er. Vorerst richtet SmartBreed seinen Fokus auf den Schweizer Markt. Ziel jedoch sei es, mit ihrem nachhaltigen Angebot künftig auch in die DACH-Region und in weitere Länder zu expandieren.

Darauf achtet Christoph Bertschi punkto Nachhaltigkeit privat

Christoph Bertschi

«Ich bin kein Vegetarier, habe aber meinen Fleischkonsum dem Klima zuliebe stark reduziert.»

unfahrpackt: bequem und mit gutem Gewissen nachhaltig einkaufen

Gründungsjahr 2020:

Anzahl Mitarbeitende: 3

Sitz: Luzern

Die Geschäftsidee

Möglichst einfach und möglichst nachhaltig einkaufen: Das will unfahrpackt mit dem gleichnamigen Laden und Onlineshop seinen Kundinnen und Kunden in Luzern bieten. Konkret heisst das: unfahrpackt verzichtet konsequent auf Einwegverpackungen und achtet darauf, dass die Lebensmittel von so nahe wie möglich kommen. So stammt etwa der «Ackerhack», eine pflanzliche Alternative zu Hackfleisch, aus dem Luzernischen Hinterland. Der Haferdrink kommt aus einem Betrieb ausserhalb von Luzern und wird von einem Paar produziert, das aus der Milchwirtschaft ausgestiegen ist. Und der Tofu im Glas wird aus Basel geliefert – von einer Koreanerin, die diesen so herstellt, wie sie ihn aus ihrer Heimat kennt. Einfach ist der Einkauf, weil die Produkte bereits in Mehrwegbehälter abgefüllt sind. Die Kundschaft muss weder ihren eigenen Behälter mitbringen, noch den Einkauf wägen. Vielmehr schnappt sie sich ihr gewünschtes Produkt und bringt dann den leeren Behälter wieder zurück. Bestellungen über den Onlineshop werden nach Hause gebracht – mit dem Velo, versteht sich.

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit

«Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, welchen Einfluss Lebensmittel auf unseren CO2- Fussabdruck haben und nach einer Lösung gesucht, um das Einkaufen nachhaltig zu machen», erklärt Basil Gürber, der das Geschäft gemeinsam mit Luana Betschen und Ramona Jäger gegründet hat. Für ihn persönlich sei die Auseinandersetzung mit diesem Thema kein Müssen, sondern ein grosses Hobby. «Ich finde es ultraspannend, Studien zu lesen und herauszufinden, welches nun wirklich die nachhaltigste Alternative ist.» Und aus unternehmerischer Sicht sei sowieso die Zeit gekommen, in der man gar keine andere Wahl habe, als die Nachhaltigkeit in den Fokus zu stellen.

Der Ursprung

Das Konzept für den unfahrpackt-Laden haben Luana und Ramona in ihrer Studienzeit an der Höheren Fachhochschule für Wirtschaft entwickelt. Der Schritt zur Umsetzung folgte dann sehr spontan: «Wir suchten zu dritt nach einem zentralen und bezahlbaren Geschäft in Luzern und wurden fündig. Wir sagten uns: Entweder versuchen wir es jetzt oder lassen es bleiben. Wir versuchten es schliesslich», erzählt Basil Gürber, der Business Communications studierte und, wie die beiden anderen, zusätzlich einer Arbeit im Angestellten-Verhältnis nachgeht. «Wir haben die Idee als wichtig und richtig empfunden. Momentan sieht es so aus, als könnte es ein Geschäftsmodell sein.» Ziel des Teams ist es, möglichst viele Stellenprozente zu schaffen und mit einem breiten Angebot möglichst vielen Leuten ein nachhaltiges, verpackungsarmes Einkaufen in der Stadt Luzern zu bieten.

Die Herausforderungen

Die Erreichung der Ziele bringt einige Herausforderungen mit sich. Zum einen arbeitet unfahrpackt aus Überzeugung, dass nachhaltiges Einkaufen unabhängig vom Portemonnaie möglich sein soll, laufend an der Preisgestaltung. Zum anderen will es die Lieferzeiten verkürzen. Und nicht zuletzt baut es sein Angebot ständig aus. «Wir möchten alle Produkte, die wir selbst benötigen, über unser Geschäft beziehen können.» Dazu betreiben die drei ein permanentes Scouting – hauptsächlich über Instagram. «Wir wussten von Anfang an: Das ist ein Marathon und nicht ein Sprint.»

Darauf achtet Basil Gürber punkto Nachhaltigkeit privat

Basil Gürber

Nachhaltigkeit nimmt bei Basil Gürber einen grossen Stellenwert ein. «Ich versuche, nicht zu fliegen und durch meine Ernährungsweise den CO2-Fussabdruck zu minimieren.»

Pro Natura (Zentralverband): Auf diesen Inseln kann sich die Natur erholen

Gründungsjahr: 1909

Anzahl Mitarbeitende: 100

Sitz: Basel

Die Idee der Organisation

Pro Natura setzt sich für die Vielfalt der Tiere, Pflanzen und Lebensräume in der Schweiz ein. Die Organisation betreut über 700 Naturschutzgebiete. «Dies sind Inseln, auf denen sich die Natur erholen kann», erklärt Dieter Ulrich, Leiter Finanzen und Administration des Pro Natura-Zentralverbands. Über 250 Quadratkilometer gross ist die gesamte Fläche, die unter Pro Natura-Schutz steht. Dies entspricht einer Fläche von 35 Fussballfeldern. Zudem setzt Pro Natura Artenschutzprojekte um, etwa für den Laubfrosch oder den Feldhasen, und betreibt in ihren Naturschutzzentren sowie über ihr Angebot für Schulen Umweltbildung. Und immer wieder engagiert sich die Organisation auch politisch, um der Natur eine Stimme zu geben.

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit

«Würde der Mensch im Einklang mit der Natur leben, bräuchte es keine Schutzgebiete. Aber davon sind wir weit entfernt», sagt Dieter Ulrich. «Damit wir als Gesellschaft langfristig funktionieren, benötigen wir eine intakte Biodiversität. Um diese zu erhalten, engagieren wir uns.» Persönlich ist das Thema Natur bei Dieter Ulrich seit der Kindheit und Jugend verankert. «Meine Mutter war Biologin und ich wurde früh dafür sensibilisiert», sagt der Finanzer. Als sich ihm vor fünf Jahren die Chance bot, bei Pro Natura die Leitung der Finanzen zu übernehmen, packte er zu, um sich beruflich für Natur- und Umweltschutz einzusetzen.

Der Ursprung

Gegründet wurde Pro Natura 1909, um die Idee der Schaffung eines Schweizer Nationalparks im Engadin zu verwirklichen. Vertreter der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (heute Akademie der Naturwissenschaften der Schweiz) wollten damals Raum schaffen für die Natur, die durch die Industrialisierung und den Fremdenverkehr in Bedrängnis geraten war. Mittlerweile ist Pro Natura eine der grössten privaten Naturschutzorganisationen der Schweiz. 170’000 Mitglieder und 25’000 Gönnerinnen und Gönner unterstützen Pro Natura mit Spenden, die zum Beispiel eingesetzt werden, um Spezialisten für die verschiedenen Bereiche wie Gewässerschutz, Wald, Landwirtschaft, Politik oder Umweltbildung zu engagieren oder Landkäufe zu tätigen. Und schliesslich gibt es noch rund 3’000 Menschen, die freiwillig oder ehrenamtlich für Pro Natura tätig sind.

Die Herausforderungen

«Das Bewusstsein für Klima- und Naturschutz ist in den letzten Jahren zwar stärker geworden. Doch entsprechende Handlungen lassen oft auf sich warten. Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist noch immer bedroht. Wir sind noch weit vom Ziel entfernt.», betont Dieter Ulrich. Aus diesem Grund braucht es die älteste Naturschutzorganisation der Schweiz mehr denn je. Pro Natura setzt sich dafür ein, dieses Bewusstsein zu schärfen und insbesondere den Zusammenhang zwischen Klima und Biodiversität zu verdeutlichen. Denn Klima und Biodiversität sind auf vielschichtige Weise miteinander verflochten. Der Schutz des einen funktioniert nicht ohne den Schutz des anderen.

Darauf achtet Dieter Ulrich punkto Nachhaltigkeit privat

Dieter Ulrich

«Ich achte im Alltag darauf, mich so nachhaltig wie möglich zu verhalten», sagt Dieter Ulrich. Er versuche, möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden, indem er zum Beispiel Abfall recycle oder nachhaltig produzierten Strom nutze.

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