Seit Ausbruch des Krieges hat sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärft. Die USA und Israel setzen ihre militärischen Operationen fort, während sich der Konflikt zunehmend regional ausweitet. Gleichzeitig bleibt die Handlungsfähigkeit der iranischen Führung vorerst erhalten. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Konflikt anhalten könnte, da die weiteren strategischen Schritte der USA derzeit schwer einzuschätzen sind.
Diese Entwicklung blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Am deutlichsten sind die Folgen am Energiemarkt zu spüren. So ist die Strasse von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweit geförderten Öls transportiert werden, weiterhin kaum passierbar. Die israelischen Angriffe auf iranische Ölraffinerien haben die Lage zusätzlich belastet, sodass der Preis von Rohöl über die Marke von 100 US-Dollar geklettert ist.
Solch hohe Preise dürften jedoch kaum dauerhaft Bestand haben. Auf diesem Niveau werden auch Erdölvorkommen wieder wirtschaftlich interessant, deren Förderung zuvor wegen höherer Produktionskosten als zu teuer galt. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass Förderkapazitäten in kostenintensiveren Regionen ausgeweitet oder stillgelegte Anlagen wieder aktiviert werden. Gleichzeitig werden auch längere und teurere Transportwege wieder rentabel. Der Ölpreis dürfte sich mittelfristig wieder auf einem etwas tieferen Niveau einpendeln.
Auch an den Aktien- und Obligationenmärkten machte sich der Konflikt bemerkbar. Die weltweiten Aktienmärkte haben spürbar nachgegeben, wobei die Verluste regional unterschiedlich ausfallen. Während der US-Markt seit Beginn des Konflikts rund 3 Prozent eingebüsst hat, verloren die übrigen weltweiten Märkte im Schnitt rund 8 Prozent. Am stärksten betroffen sind die asiatischen Aktienmärkte, die teilweise mehr als 10 Prozent eingebüsst haben. Die weltweiten Märkte notieren im Durchschnitt aber immer noch auf Jahresanfangsniveau. Die Renditen langfristiger Staatsobligationen stiegen seit Beginn des Konflikts um etwa 0.2 Prozentpunkte. Bemerkenswert ist, dass die Bewegungen an den Obligationenmärkten nicht nur durch höhere Inflationserwartungen erklärt werden können, sondern auch Ausdruck der wachsenden Unsicherheit über die US-Finanzpolitik sind.
Wie stark sich diese Preisbewegungen auf Inflation und weltwirtschaftliches Wachstum auswirken werden, hängt wesentlich von der Fortdauer des Konflikts ab. Klar ist jedoch, dass die gestiegenen Energiepreise die Kaufkraft der Konsument:innen belasten und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dämpfen. Besonders herausfordernd ist dies für die USA. So hat sich die US-Wachstumsgeschwindigkeit im vierten Quartal 2025 halbiert und das Stellenwachstum war negativ. Der konjunkturelle Gegenwind weht dabei nicht nur in Nordamerika. Mit China und Deutschland befinden sich bereits die zweit- und drittgrösste Volkswirtschaft der Welt seit Längerem in einer wirtschaftlichen Abschwächungsphase und die erhöhten Energiepreise dürften eine Erholung dort zusätzlich verzögern.
Unsere vorsichtige Anlagepolitik mit einem geringeren Gewicht an US-Aktien und dafür höherem Anteil an Gold und Schweizer Immobilien erweist sich in diesem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld als richtig und erfordert keine grundlegende Anpassung. Nach der ersten Rückwärtsbewegung an den Märkten empfehlen wir, Ruhe zu bewahren, an der langfristigen gut diversifizierten Anlagestrategie festzuhalten und nicht in Aktivismus zu verfallen.
Wir beobachten die weitere Entwicklung aufmerksam und werden Sie bei wesentlichen Veränderungen zeitnah informieren.