Nachhaltige und verantwortungsbewusste Anlagestrategien – was wir von vermögenden Investor:innen lernen können

25.08.2026

Nachhaltige und verantwortungsbewusste Geldanlagen werden immer beliebter und sind zu einem wichtigen Bestandteil eines modernen Portfolios geworden. Investitionen, die darauf abzielen, Risiken zu reduzieren, und die sich aus Umwelt-, Sozial- oder Governance-Faktoren ergeben, sind auch für Investor:innen mit kleinen Vermögen interessant geworden. Heute können Normalverdienende so investieren, wie es früher nur Vermögende konnten.

In Kürze

  • Klimaerwärmung, Ressourcenknappheit und technologische Innovationen verändern nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft und damit Anlagewerte.
  • Nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Anlegen geht nicht mit einer schlechteren Performance einher.
  • Dank eines breiteren Angebots, besserer Daten und niedriger Einstiegshürden können nachhaltige Anlagestrategien bereits mit vergleichsweise kleinen Beträgen umgesetzt werden.

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1’940 Milliarden Franken – so hoch war in der Schweiz das Gesamtvolumen für nachhaltige Investitionen im Jahr 2025. Zum Vergleich: 2019 betrug es lediglich 1’163 Milliarden Franken. Das zeigt die aktuelle Marktstudie von Swiss Sustainable Finance (SSF). Es gilt jedoch zu beachten, dass bei diesen Auswertungen nicht zwischen nachhaltigen und verantwortungsbewussten Investitionen unterschieden wird. Hier werden beide Kategorien unter der Bezeichnung «nachhaltig» subsummiert.

Treiber dieses Wachstums seien lange Zeit institutionelle Anleger gewesen. Bereits 2024 allerdings habe der Anteil privater Investor:innen erstmals seit vier Jahren deutlich zugenommen – von rund 28 Prozent auf 33 Prozent. Das Fazit von SSF: Nachhaltige Anlageansätze sind inzwischen «zum Standard geworden».

Nachhaltig vs. Verantwortungsbewusst

PostFinance unterscheidet zwischen verantwortungsbewussten und nachhaltigen Geldanlagen. Zwar berücksichtigen beide Kategorien ESG-Faktoren, unterscheiden sich aber beim Ziel.

  • Verantwortungsbewusstes Anlegen zielt darauf ab, finanzielle Risiken zu reduzieren, die sich aus Umwelt-, Sozial- oder Governance-Faktoren (ESG) ergeben. Eine explizite ökologische oder soziale Wirkung wird dabei nicht angestrebt. Spezifische Ausschlüsse und die Anwendung von ESG-Kriterien dienen also in erster Linie zur verbesserten Analyse.
  • Bei nachhaltigen Anlagen steht im Vordergrund, eine positive Wirkung auf Umwelt oder Gesellschaft zu erzielen. Gezielte Investitionen in Unternehmen, Projekte oder Finanzprodukte sollen mit ökologischen oder sozialen Zielen vereinbar sein oder aktiv zu deren Erreichung beitragen.

Auf der einen Seite nimmt das Interesse privater Anleger:innen an nachhaltigen und verantwortungsbewussten Investitionen zu, auf der anderen Seite wächst die Angebotspalette nachhaltiger und verantwortungsbewusster Anlageprodukte. Letzteres bestätigt auch eine Studie des Vermögenszentrums: Seit 2020 hat sich das Angebot an nachhaltigen ETFs an der Schweizer Börse SIX mehr als verdoppelt. So bestätigt auch Andreas Dietrich, Professor für Bank- und Finanzwesen an der Hochschule Luzern, das SSF-Fazit: «Nachhaltiges Investieren ist zum Mainstream geworden.»

Angebot und Nachfrage sind demnach vorhanden. Doch warum führt heute kaum mehr ein Weg an nachhaltigen und verantwortungsbewussten Investitionen vorbei? Eines vorweg: Den einen Grund, weshalb man heute auf nachhaltige und verantwortungsbewusste Anlagen setzen sollte, gibt es nicht. Aber losgelöst von Anlageprodukten, Märkten und Branchen sind mehrere Faktoren auszumachen, die dafürsprechen. Denn bei einer nachhaltigen und/oder verantwortungsbewussten Anlagestrategie geht es um weit mehr als klimafreundliche Investitionen oder Ausschlusskriterien, nach denen nicht in bestimmte Branchen oder Produkte wie Waffen oder Kohle investiert wird.

Ökonomische Interessen statt moralischer Werte

Wie Ivo Mugglin-Mooser, Leiter Sustainable Investing & Financing bei PostFinance, erklärt, müssen nachhaltige Anlagen eine Wirkung auf Gesellschaft oder Natur haben und auch ESG-Risiken minimieren. «Anlegen und Nachhaltigkeit lassen sich aus zwei unterschiedlichen Perspektiven bzw. hinsichtlich zwei Zielen erklären: einerseits in der Betrachtungsweise der Financial Materiality (verantwortungsbewusste Anlagen) und andererseits als Impact Materiality (nachhaltige Geldanlagen). Beide sind in diesem Zusammenhang relevant.»

«Anlegen und Nachhaltigkeit lassen sich aus zwei unterschiedlichen Perspektiven bzw. hinsichtlich zwei Zielen erklären: einerseits in der Betrachtungsweise der Financial Materiality (verantwortungsbewusste Anlagen) und andererseits als Impact Materiality (nachhaltige Geldanlagen). Beide sind in diesem Zusammenhang relevant.»

Das eigene Gewissen mit nachhaltigen Geldanlagen zu beruhigen, kann eine Rolle spielen, ist aber nicht der zentrale Grund für nachhaltiges oder verantwortungsbewusstes Investieren. Im Zentrum stehen ökologische oder soziale Auswirkungen, die mit den Anlagen erzielt werden – aber auch Werterhalt und Vermögensvermehrung. Zacharias Sautner, Sustainable-Finance-Forscher an der Universität Zürich, formuliert die Umstände so: «Die Annahme, dass es bei nachhaltigen Finanzprodukten vor allem um moralische Werte geht, ist aber falsch. Im Zentrum stehen ökonomische Interessen und finanzielle Werte.» Denn die Forschung der letzten Jahre macht deutlich, dass mit dem Klimawandel die finanziellen Risiken und die klimabedingten Verluste für die Volkswirtschaft, aber auch für einzelne Unternehmen deutlich steigen.

Insgesamt steht die Transformation des Finanzsektors in einer Wechselwirkung mit dem gesellschaftlichen Wandel. Klimaerwärmung, Ressourcenknappheit und technologische Innovationen verändern nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft und damit Anlagewerte. Klassische Renditemodelle sind deshalb in der Vergangenheit unter Druck geraten.

So setzen in der Schweiz der Bundesrat und die FINMA die strategischen Leitplanken und beeinflussen damit, welche Anforderungen für nachhaltige und verantwortungsbewusste Geldanlagen bezüglich Transparenz, Berichterstattung und Greenwashing-Prävention gelten. Kurz: Wer sein Geld nachhaltig oder verantwortungsbewusst anlegen will, muss Entwicklungen auf politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene berücksichtigen – sowohl derzeit geltende als auch sich abzeichnende.

Investitionen zwischen Wirkung und Risikovermeidung

Wie gesehen, müssen nachhaltige Anlagen eine Wirkung auf Natur oder Gesellschaft haben. Verantwortungsbewusste Anlagen fokussieren sich auf die Minimierung der ESG-Risiken. Neben dieser ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeit spielt ebenfalls die finanzielle Dauerhaftigkeit eine Rolle, also die zukunftssichere Anlage des eigenen Vermögens. Besonders deutlich zeigt sich dies an den Vorgehensweisen vermögender Investor:innen, weil gerade diese vermehrt nachhaltige oder verantwortungsbewusste Anlagestrategien nutzen. Ivo Mugglin-Mooser sagt dazu: «Es ist nicht klar, in welche Richtung die Korrelation geht. Sind es die vermögenden Kund:innen, die ein höheres Interesse haben, oder verkaufen Banken den vermögenden Kund:innen eher nachhaltige und verantwortungsbewusste Anlageprodukte? Beides ist plausibel. Die Gespräche zu nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlagen eröffnen eine immer breitere Themenpalette und die Anlagen sind vor allem im Private-Banking-Kontext beliebt.»

Ein grosses Vermögen allein bedeutet nicht, dass man automatisch besser anlegt. Heute können Normalverdienende so investieren, wie früher nur die Vermögenden. Doch wenn grössere Beträge zur Verfügung stehen, sind die Optionen vielfältiger. Auch erlaubt dies einen längeren Zeithorizont. Vermögende Investor:innen können dadurch Zukunftsmärkte nicht nur punktuell, sondern systematisch in die Überlegungen miteinbeziehen. Will man das Familienvermögen für weitere Generationen sichern, sind zukünftige Risiken zum Schutz von Wertverlusten konsequent zu berücksichtigen. Wer mehr Geduld für die Investitionen mitbringt, kann sich auf Transformationen im Markt vorbereiten.

Die Strategien der vermögenden Investor:innen müssen daher Entwicklungen wie Energiewende, Dekarbonisierung oder internationale Transparenzanforderungen antizipieren. «Allenfalls können sie auch ein grösseres Interesse daran haben, da ihnen tendenziell mehr Geld zur Verfügung steht und sie öfter einen Core-Satellite-Ansatz fahren. Dadurch konnten sie sich auch zu einem früheren Zeitpunkt auf andere Anlageklassen fokussieren und höhere Risiken eingehen», stellt Mugglin-Mooser den historischen Zusammenhang her.

Gleichzeitig gibt nachhaltiges oder verantwortungsbewusstes Investieren den vermögenden Investor:innen die Chance, gezielt Einfluss auf Unternehmen und zukunftsträchtige Technologien zu nehmen – und so vom strukturellen Wirtschaftswachstum zu profitieren. Durch aktives Stewardship lenken institutionelle Investoren nicht nur Kapitalströme in nachhaltige Organisationen, sondern formulieren klare Erwartungen und unterstützen gezielt Unternehmen, damit diese ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen. Eine der grössten Herausforderungen liegt auch darin, glaubwürdige nachhaltige oder verantwortungsbewusste Investitionen von reinen Versprechen zu unterscheiden. Eine klare Strategie hilft, Datenlücken, uneinheitliche Standards sowie Greenwashing zu vermeiden und öffnet den Zugang zu strukturell wachsenden Märkten.

Umgekehrt verbessern Unternehmen mit einem glaubwürdig nachhaltigen Geschäftsmodell ihre Finanzierungsmöglichkeiten und ihre Wettbewerbsfähigkeit. Besonders junge Unternehmen und Startups, die robuste, standardisierte ESG-Daten liefern, können sich dadurch strategisch positionieren und Investor:innen überzeugen. Die tatsächliche Transformationskraft hängt weniger vom Label «nachhaltig» ab als von der konkreten Umsetzung eines nachweislich nachhaltigen oder verantwortungsbewussten Geschäftsmodells.

Ausserdem stehen substanzielle Vermögen stärker im öffentlichen Fokus. Beteiligungen an umstrittenen Branchen bergen daher nicht nur finanzielle Risiken, sondern können auch die Reputation beeinträchtigen.

«Nachhaltig» ist nicht automatisch nachhaltig

Professionelle Vermögensverwalter integrieren alle diese Kriterien in die Anlagestrategie von Kund:innen und berücksichtigen ESG-Kriterien systematisch in allen Anlageklassen – von Aktien über Immobilien bis hin zu Private Equity. Sie definieren klare Nachhaltigkeitsstandards, gleichen Datenquellen ab und sorgen für Vergleichbarkeit innerhalb komplexer Vermögensstrukturen. Zuverlässige Daten helfen dabei, die eigene Anlagestrategie zu optimieren. Jedoch können Nachhaltigkeitsdaten lückenhaft sein, auch werden manchmal unterschiedliche Methoden angewendet.

Professionelle Vermögensverwalter nutzen deshalb etablierte Labels, unabhängige Ratings und verifizierte Daten, um herauszufinden, welche Unternehmen solide Informationen etwa zur Umweltleistung, zu sozialen Standards und zur Unternehmensführung liefern. Diesen Mehraufwand können sich vermögende Investor:innen leisten und stellen mit diesen Analysen sicher, dass ihr Kapital tatsächlich in Unternehmen fliesst, die substanziell zur Transformation beitragen.

Anlegen mit den Möglichkeiten der vermögenden Investor:innen

Nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Anlegen muss nicht mit einer schlechteren Performance einhergehen. Das beweisen wissenschaftliche Studien. Nachhaltige und verantwortungsbewusste Anlagen können gleich gut oder besser sein – je nachdem, welche Produkte berücksichtigt werden. Unternehmen, die frühzeitig auf erneuerbare Energien, neue Technologien oder transparente Unternehmensführung setzen, sind oft besser auf zukünftige Anforderungen vorbereitet – und bieten somit eine solide Grundlage für Investitionen.

Obwohl Investor:innen mit geringerem Vermögen nicht genau dieselben Möglichkeiten wie Wohlhabende haben, können sie deren Vorgehensweise grösstenteils übernehmen und davon profitieren. «Der Markt der nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlagen hat sich stark weiterentwickelt. So kann man bei PostFinance heute bereits mit einer Startinvestition von 5’000 Franken in ein nachhaltiges Vermögensverwaltungsmandat investieren», sagt Mugglin-Mooser. Zudem sei der Zugang zu relevanten Nachhaltigkeitsdaten, Ratings oder Reports nicht mehr ausschliesslich den exklusiven Beratungsstrukturen der vermögenden Investor:innen vorbehalten. Vielmehr kommen heute dank digitaler Produkte und Tools alle Anleger:innen zu mehr entsprechenden Informationen – wenn auch nicht im gleichen Umfang wie Anleger:innen im Private Banking.

Liegen einem die Klimathemen am Herzen, könne man heute weltweit in verschiedene Anlageklassen sowie in aktive und auch passive Anlagevehikel investieren. «Dadurch stehen Kleinanleger:innen Optionen offen, die früher nur institutionelle und sehr wohlhabende Anleger:innen hatten», führt Mugglin-Mooser aus.

Nachhaltig investieren bei PostFinance

PostFinance setzt auf Klarheit und Transparenz. Klare Kennzahlen und Reportings sorgen dafür, dass Kund:innen erfahren, wie ihr Geld investiert wird. Bereits ab 5’000 Franken können Sie in ein nachhaltiges Vermögensverwaltungsmandat investieren. Daneben gibt es aber auch Vorsorge- und Strategiefonds mit ESG-Kriterien für weniger als 5’000 Franken Startkapital. Ausserdem bietet PostFinance ein neues, auf 2050 ausgerichtetes Netto-Null-Mandat, das ausschliesslich in Unternehmen und Staaten investiert, die nachweislich und glaubwürdig das globale Klima-Netto-Null-Ziel 2050 verfolgen. Dazu hat PostFinance gemeinsam mit einem Zürcher Startup spezifische Indikatoren entwickelt, um Klimaschutzaktivitäten objektiver und transparenter bewerten zu können. Ziel ist es, klare Standards zu schaffen, Greenwashing zu vermeiden und sicherzustellen, dass nachhaltige oder verantwortungsbewusste Investitionen messbar zur Dekarbonisierung beitragen.

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