Investitionen zwischen Wirkung und Risikovermeidung
Wie gesehen, müssen nachhaltige Anlagen eine Wirkung auf Natur oder Gesellschaft haben. Verantwortungsbewusste Anlagen fokussieren sich auf die Minimierung der ESG-Risiken. Neben dieser ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeit spielt ebenfalls die finanzielle Dauerhaftigkeit eine Rolle, also die zukunftssichere Anlage des eigenen Vermögens. Besonders deutlich zeigt sich dies an den Vorgehensweisen vermögender Investor:innen, weil gerade diese vermehrt nachhaltige oder verantwortungsbewusste Anlagestrategien nutzen. Ivo Mugglin-Mooser sagt dazu: «Es ist nicht klar, in welche Richtung die Korrelation geht. Sind es die vermögenden Kund:innen, die ein höheres Interesse haben, oder verkaufen Banken den vermögenden Kund:innen eher nachhaltige und verantwortungsbewusste Anlageprodukte? Beides ist plausibel. Die Gespräche zu nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlagen eröffnen eine immer breitere Themenpalette und die Anlagen sind vor allem im Private-Banking-Kontext beliebt.»
Ein grosses Vermögen allein bedeutet nicht, dass man automatisch besser anlegt. Heute können Normalverdienende so investieren, wie früher nur die Vermögenden. Doch wenn grössere Beträge zur Verfügung stehen, sind die Optionen vielfältiger. Auch erlaubt dies einen längeren Zeithorizont. Vermögende Investor:innen können dadurch Zukunftsmärkte nicht nur punktuell, sondern systematisch in die Überlegungen miteinbeziehen. Will man das Familienvermögen für weitere Generationen sichern, sind zukünftige Risiken zum Schutz von Wertverlusten konsequent zu berücksichtigen. Wer mehr Geduld für die Investitionen mitbringt, kann sich auf Transformationen im Markt vorbereiten.
Die Strategien der vermögenden Investor:innen müssen daher Entwicklungen wie Energiewende, Dekarbonisierung oder internationale Transparenzanforderungen antizipieren. «Allenfalls können sie auch ein grösseres Interesse daran haben, da ihnen tendenziell mehr Geld zur Verfügung steht und sie öfter einen Core-Satellite-Ansatz fahren. Dadurch konnten sie sich auch zu einem früheren Zeitpunkt auf andere Anlageklassen fokussieren und höhere Risiken eingehen», stellt Mugglin-Mooser den historischen Zusammenhang her.
Gleichzeitig gibt nachhaltiges oder verantwortungsbewusstes Investieren den vermögenden Investor:innen die Chance, gezielt Einfluss auf Unternehmen und zukunftsträchtige Technologien zu nehmen – und so vom strukturellen Wirtschaftswachstum zu profitieren. Durch aktives Stewardship lenken institutionelle Investoren nicht nur Kapitalströme in nachhaltige Organisationen, sondern formulieren klare Erwartungen und unterstützen gezielt Unternehmen, damit diese ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen. Eine der grössten Herausforderungen liegt auch darin, glaubwürdige nachhaltige oder verantwortungsbewusste Investitionen von reinen Versprechen zu unterscheiden. Eine klare Strategie hilft, Datenlücken, uneinheitliche Standards sowie Greenwashing zu vermeiden und öffnet den Zugang zu strukturell wachsenden Märkten.
Umgekehrt verbessern Unternehmen mit einem glaubwürdig nachhaltigen Geschäftsmodell ihre Finanzierungsmöglichkeiten und ihre Wettbewerbsfähigkeit. Besonders junge Unternehmen und Startups, die robuste, standardisierte ESG-Daten liefern, können sich dadurch strategisch positionieren und Investor:innen überzeugen. Die tatsächliche Transformationskraft hängt weniger vom Label «nachhaltig» ab als von der konkreten Umsetzung eines nachweislich nachhaltigen oder verantwortungsbewussten Geschäftsmodells.
Ausserdem stehen substanzielle Vermögen stärker im öffentlichen Fokus. Beteiligungen an umstrittenen Branchen bergen daher nicht nur finanzielle Risiken, sondern können auch die Reputation beeinträchtigen.