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Erstellt am 14.06.2019

Innovationsmanagement: Darum braucht es eine offene Fehlerkultur

Auf Misserfolge anstossen? PFLab, das Innovationslabor von PostFinance, feiert gescheiterte Innovationsvorhaben ebenso wie Erfolge – und hält 65 davon sogar in einem Buch fest. Mathias Strazza ist Leiter Future Banking und erklärt, warum eine offene Fehlerkultur zu einem professionellen Innovationsmanagement gehört.

Kennen Sie die SmartSpending-App für Kinder und Jugendliche oder die Eigenheimmiete? Nein? Können Sie grundsätzlich auch nicht kennen. Es sind zwei von insgesamt 65 Vorhaben, die im PFLab in den letzten fünf Jahren gescheitert sind. Seit Kurzem sind sie alle in einem schwarzen Buch mit dem Titel «From Epic Fails, to Happy Failures, to No-Need Fails, to Failures by Following Management» vereint. Dieses Failbook ist ein inspirierendes Nachschlagewerk der misslungenen Innovationsvorhaben und der nützlichen Lehren, die das Innovationslabor daraus gezogen hat. Und es ist eine mutige Publikation. Denn das Scheitern ist in der Schweiz noch immer ein grosses Tabuthema.

Chancenärmere Innovationen früh ausschliessen

«Wir wollten mit dem Buch aufzeigen, dass das Scheitern ein notwendiger Bestandteil des Innovationsprozesses ist – insbesondere bei Themen, die sehr früh aufgegriffen werden oder noch nicht greifbar sind», erklärt Mathias Strazza, Leiter Future Banking von PostFinance. Durch das Scheitern werden chancenärmere Innovationsvorhaben zugunsten der chancenreichen in einer möglichst frühen Phase aussortiert. «Von unzähligen Innovationsvorhaben ist vielleicht eines das Richtige. Und um dieses schnell zu finden, müssen wir die andern aus unserem Arbeitsprozess ausschliessen.» Dies geschieht, indem das Innovationsteam ihre Vorhaben immer wieder in Frage stellt, prüft und sie wenn nötig loslässt – sei dies bereits nach der Explorationsphase, in der Ideen erkundet werden, nach der Experimentierphase oder der Pilotphase. «Scheitere schnell, scheitere oft, lerne und versuche es wieder» ist denn auch ein wichtiger Leitsatz des Innovationslabors von PostFinance. Und manchmal kommt das Scheitern auch unerwartet, etwa, weil der Prozess nicht wie gedacht funktioniert oder weil die Organisation die Innovation nicht aufnehmen will oder kann. Die Erkenntnisse aus solchen Fällen helfen dabei, Verbesserungen in der Vorgehensweise und bei der Entscheidungsfindung herbeizuführen.

Schnelle Rückschlüsse ziehen

Viele Methoden im Innovationsmanagement sind darauf ausgerichtet, schnelle Lernprozesse zu generieren. Wie zum Beispiel das Prototyping. Es ermöglicht, Ideen fassbar und erlebbar zu machen, und bildet somit die Basis für die weitere Diskussion, den Denkprozess und das Testen. Ein Prototyp ist ein Muster und ein Vorgeschmack auf das, was schliesslich zu einem Endprodukt werden kann – aber nicht zwingend werden muss. Doch auch der sogenannte «Build-Measure-Learn Feedback Loop» hilft dabei, möglichst früh Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung einer Idee ziehen zu können. Dies geschieht durch gezieltes, schrittweises Testen von wichtigen Faktoren des Produkts mit den Kunden.

Innovation geht nicht ohne Fehlerkultur

Im Unterschied zu anderen Tätigkeiten ist das Innovationsmanagement an sich risikobehaftet, fehleranfällig und ein ständiger Lernprozess. Strazza betont: «Im Lab beschäftigen wir uns mit Neuartigem, mit Ideen, Geschäftsmodellen und Prototypen, die wir ausloten, ausprobieren und austesten. Und dies läuft meistens nicht nach Plan: Innovationen sind schwierig und nehmen meistens unerwartete Wendungen ein. Es gibt in der Regel mehr Hürden als offene Türen.» Aus Fehlern möglichst viel zu lernen und Fehler als Chance zu sehen, ist im Innovationslabor deshalb ein wichtiger Teil der Arbeitskultur. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Ansatz des «Fail forward», frei übersetzt mit «vorwärts scheitern». Im Innovationslabor ist es nicht nur nötig, Fehler zu machen. Mehr noch: Missglückte Vorhaben werden auch immer gefeiert – verbunden mit einem Dank an die Beteiligten, dass sie daran geglaubt haben. «Wir stossen darauf an, weil uns die Fehler lernen lassen und weil wir vermeiden wollen, dass unsere Mitarbeitenden Angst vor dem Scheitern haben.»

Fehlerkultur gegen aussen tragen

Nicht zuletzt, um diese Fehlerkultur gegen aussen zu tragen, hat sich das Innovationslabor für das Failbook entschieden. Es zeigt zum Beispiel auf, dass auch ein erfolgsversprechendes Vorhaben wie die Eigenheimmiete – es handelt sich dabei um eine Lösung, ein Haus bereits zu mieten, bevor man es besitzen kann – an den engen Kriterien des Marktpiloten scheiterte. Oder dass sich für die SmartSpending-App für Kinder und Jugendliche, die unter anderem der Schuldenprävention dienen könnte, trotz überzeugenden Inhalten keine Ertrags- bzw. Finanzierungsquelle finden liess. Aus solchen Misserfolgen hat das Innovationslabor gelernt, wird in Zukunft aber wieder mit neuen Fehlern und Misserfolgen konfrontiert und auch diese wieder reflektieren und daraus lernen.

Über das Failbook

Das Failbook «From Epic Fails, to Happy Failures, to No-Need Fails, to Failures by Following Management» zeigt 65 misslungene Innovationsvorhaben aus dem Innovationslabor von PostFinance auf – und die Lehren, die daraus gezogen wurden.

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