Die Kapitänin des neu gegründeten Eishockey-Frauenteams des EV Zug über Klischees, Scheitern und Ego: Erster Teil der Interview-Serie über Vorbilder, die Gleichstellung vorantreiben.
Um im harten Spitzensport zu überleben, muss man auch mal soft sein.
Lara Stalder
Eishockey gilt als harter Sport mit hohem Verletzungsrisiko – wahnsinnig männlich, würde man sagen, oder?
Warum sollten Frauen nicht rough und tough sein? Eishockey ist ein sehr vielseitiger Sport – und im Multitasking sind Frauen ja bekanntlich besser. Sie sind zudem emotionaler, wollen, dass sich alle wohlfühlen, hinterfragen mehr. Das kann ein Vorteil sein.
Inwiefern hinterfragen Sie das Spiel?
Statt Frauen- an Männer-Regeln anzupassen, sollte man das Spiel insgesamt weiterdenken. Seit dieser Saison sind Checks an der Bande auch bei Frauen erlaubt, frontale Body Checks aber noch immer nicht. Ich finde, die braucht es auch im Männer-Hockey nicht. Die Verletzungsgefahr ist hier am grössten.
Früher haben Sie als einziges Mädchen mit 20 Jungs trainiert, weil es kein Girls-Team gab. Was lernt man da?
Es hat mich zu der gemacht, die ich heute bin. Ich hatte den Charakter dafür. Um meinen Platz zu verteidigen, musste ich besser sein als jeder Junge. Ich liebe Challenges, bin sehr ehrgeizig und wollte immer mehr: Nationalmannschaft, internationale Erfolge, eine Vorreiterin sein.
Was braucht es, um mehr junge Mädchen vom Eishockeyspielen zu überzeugen?
Vorbilder. Sichtbarkeit. Strukturen. Dank der Lancierung des Women-&-Girls-Programms des EVZ vor drei Jahren haben wir in Zug eine Hockeyschule nur für Mädchen. Wir haben so viel Publikum im Stadion wie noch nie. Wir reden von Eishockey, aber dieser Fortschritt strahlt weit über den Sport hinaus.
Braucht der Kampf um Gleichstellung mehr Mut oder mehr Geduld?
Geduld. Dranbleiben, kleine Erfolge feiern – und Mut.
Was ist Ihr Massstab für Erfolg?
Nicht nur das Gewinnen von Titeln, sondern das Erreichen kleiner Etappenziele. Die kleinen Siege machen am Ende den grossen aus.
Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
Ich hasse es, zu verlieren. Ich bin emotional, brauche Zeit, muss runterfahren. Scheitern motiviert mich, noch besser zu werden. Wie gesagt: Ich bin ehrgeizig.
Wie stellt man im Teamsport sein Ego zurück, wenn man so ehrgeizig wie Sie ist?
Mit der Erfahrung kommt die Erkenntnis, ein Puzzleteil zu sein. Es ist die Perspektive eines Coaches, die auch eine gute Teamleaderin ausmacht: Sie ist auf die Spielerinnen angewiesen, die auf dem Eis performen. Wir profitieren alle voneinander.