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Erstellt am 23.03.2022

Aktien versteuern in der Schweiz

Vielleicht waren auch Sie in letzter Zeit etwas aktiver an der Börse oder haben auf Online-Handelsplattformen Wertpapiere wie Aktien gehandelt. Alles gut so weit! Doch wie genau funktioniert das Versteuern von Aktien in der Schweiz, und welche Vorteile genau haben Anlegerinnen und Anleger hierzulande? Wir klären auf.

Wer in der Schweiz Aktien besitzt, profitiert von einem für Anlegerinnen und Anleger vorteilhaften Steuergesetz. Während Sie im Ausland oft auf mögliche Kursgewinne durch Aktien Steuern zahlen müssen, verhält es sich in der Schweiz etwas anders. Zumal es in der Schweiz verschiedene Aspekte gibt, die zutreffen müssen, damit Ihre Aktien in Ihre Steuerplanung einfliessen.

Kursgewinne vs. Dividenden

Einfach ausgedrückt lautet die Faustregel: Auf Kursgewinne zahlen Sie keine Steuer, auf Dividenden jedoch schon. Der Grund ist, dass Dividenden als Einkommen gelten, Kursgewinne aber nicht. In unserem Artikel «Zins, Dividende, Rendite – was ist das?» können Sie genauer nachlesen, wie sich eine Dividende zusammensetzt und was für eine Bedeutung sie hat.  

Dividenden bitte versteuern

Die Brutto-Dividenden – also die Dividenden vor Abzug der Verrechnungssteuer – müssen Sie nach Schweizer Gesetz dem steuerbaren Einkommen dazurechnen. Sie unterliegen dementsprechend der Einkommenssteuer.

Zudem gibt es noch die Verrechnungssteuer von 35%, die das Dividenden zahlende Unternehmen von der Brutto-Dividende abzieht und an die Eidgenössische Steuerverwaltung entrichtet. Bei Inländerinnen und Inländern dient die Verrechnungssteuer jedoch nur als Sicherung: diese bekommen, solange gewisse Kriterien wie korrekte Deklaration in der Steuererklärung eingehalten werden, das Geld bei der Steuererhebung wieder zurück.

Sie bekommen also nur 65% Ihrer Dividenden ausgezahlt, da Ihnen das Unternehmen 35% direkt abzieht. 

Klingt das etwas kompliziert? Stellen Sie sich vor, Sie hätten 100 Schweizer Aktien und erhalten pro Aktie eine Dividende von CHF 2.– ausgeschüttet. Das ist eine gesamthafte Brutto-Dividende von CHF 200.–. Genau diese CHF 200.– müssen Sie Ihrem steuerbaren Einkommen hinzufügen. Die Verrechnungssteuer von CHF 70.– (35%), die Ihnen das Unternehmen bei der Auszahlung der Dividenden abgezogen hat, erhalten Sie nach der korrekt ausgefüllten Steuererklärung mit der nächsten Steuerrechnung zurück.

Keine Steuern auf verdoppelte Aktienwerte, wow

Unter dem Schweizer Gesetz geniessen Kursgewinne Steuerfreiheit. Dies kann sich deutlich positiv auf Ihre Finanzen auswirken.

Ein Beispiel verdeutlicht das Ausmass der steuerfreien Kursgewinne: Herr Ramírez hat sich am 23.12.2016 vier Aktien gekauft zum Preis von je CHF 30.–. Weil Herr Ramírez eine Buy-and-Hold Strategie fuhr, hielt er die Aktien über Jahre lang, bis zum 23.12.2021. An diesem Tag verkaufte er die vier Aktien zum Preis von je CHF 170.–. Das entspricht einer Kurssteigerung von rund 567%, und somit auch einem Kursgewinn der vier Aktien von CHF 560.– für Herrn Ramírez. Da es sich um einen Kursgewinn handelt, muss Herr Ramírez diesen nicht versteuern.

Klingt super, oder? Doch so simpel, wie es sich anhört, ist es leider doch nicht.

Privat vs. Professionell: Das macht den Unterschied

Kursgewinne steuerfrei und Dividenden steuerpflichtig – das gilt für Privatanlegerinnen und -anleger. Und genau hier ist der Haken. Falls Sie als professionelle Traderin oder professioneller Trader eingestuft werden, gelten Ihre Kursgewinne in der Schweiz nicht mehr als steuerfrei. 

Was ist wichtig, um nicht als professioneller Trader eingestuft zu werden?

Privatanlegerin oder -anleger sind Sie, wenn Sie Geld in Aktien investieren, das Sie aus einer anderen Quelle verdienen – Ihrem Hauptberuf. Sie leben also nicht von Ihren Investitionen und sind daher keine professionelle Anlegerin oder professioneller Anleger. 

Folgende Punkte müssen alle erfüllt sein, damit die zuständigen Steuerbehörden in jedem Fall von einer privaten Vermögensverwaltung ausgehen:

  • Wie lange Sie Ihre Aktien halten:Prinzipiell sollten Sie als Privatanlegerin oder -anleger Ihre Aktien – das gilt auch für andere Wertschriften – mindestens sechs Monate lang halten, ehe Sie sie verkaufen.
  • Höhe Ihrer Kapitalgewinne: Ihre Kapitalgewinne sollten nicht über 50% Ihres Reineinkommens betragen.  
  • Höhe Ihres Transaktionsvolumens: Das Volumen der Transaktionen, die Sie jährlich tätigen, sollte nicht über das Fünffache des Portfoliowertes steigen. Sagen wir, Ihr Portfolio hält den Wert CHF 1‘000.–. Dann sollte Ihr Transaktionsvolumen mit Kauf und Verkauf Ihrer Aktien die Marke von CHF 5‘000.– nicht knacken.
  • Mit welchem Kapital Sie investieren: Als Privatanlegerin oder -anleger sollten Sie grundsätzlich mit Ihrem eigenen Geld und nicht mit Krediten handeln.
  • Gebrauch von Derivaten: Sie sollten keine Derivate nutzen. Der Gebrauch von Derivaten deutet für die Steuerbehörden darauf hin, dass Sie professionell anlegen. Als Ausnahme gelten Optionen für die Absicherung Ihrer Aktien.  

Sind diese fünf Kriterien nicht alle gleichzeitig erfüllt, kann gewerbsmässiger Wertschriftenhandel nicht definitiv ausgeschlossen werden. Solche Fälle werden nach den Umständen des Einzelfalls untersucht und beurteilt. Diese Einschätzung kann allerdings je nach Steueramt variieren. Beachten Sie ausserdem, dass unter diesen fünf Kriterien nicht nur Aktien fallen, sondern auch Obligationen, Fonds, Futures, Optionen, Swaps, CDFs und weitere Finanzinstrumente.

Falls Sie als professionelle Anlegerin oder professioneller Anleger eingestuft werden, müssen Sie Ihre Kursgewinne als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit versteuern, und der überschiessende Teil könnte in eine höhere Steuerprogression fallen.

Allerdings können professionelle Anlegerinnen und Anleger auch Kursverluste in die Steuererklärung einfliessen lassen, Private jedoch nicht.

Ich bin privat – aber wie ging das nochmal mit der Steuererklärung?

Falls Sie bei allen Kriterien als Privatanlegerin oder -anleger durchgehen, müssen Sie keine Steuern auf Kursgewinne zahlen, sondern nur Ihre Dividenden versteuern.

Wie Sie das am besten machen in der Steuererklärung? Die folgende kleine Checkliste gibt Ihnen eine Übersicht: 

  • Im Wertschriftenverzeichnis alle Aktienpakete angeben: Mit der Valorennummer oder der ISIN-Nummer tragen Sie im Wertschriftenverzeichnis alle Ihre Aktien ein – auch nicht-kotierte und ausserhalb der Börse gehandelte Aktien. So werden auch die Kurswerte per 31.12 automatisch angezeigt. Diese Kurswerte gelten als Teil Ihres Vermögens. Ausserdem müssen die Kauf- und Verkaufsdaten eingetragen werden. Falls Sie viele Aktien besitzen, kann dieser Prozess langwierig sein. Die meisten Banken, unter anderem auch PostFinance, bieten daher ihren Kundinnen und Kunden kostenpflichtige Steuerverzeichnisse an, die eine detaillierte Übersicht darstellen, um diesen Prozess zu vereinfachen. Geben Sie auch Aktien an, die Sie durch das Jahr bereits verkauft haben.  
  • Erträge angeben: Geben Sie in der Steuererklärung im Wertschriftenverzeichnis unter Bruttoertrag alle Ihre Erträge aus Aktien, anderen Wertschriften und Bankkonten an. Auch hier bitte die Erträge von Aktien angeben, die Sie durch das Jahr wieder verkauft haben. Bei Aktien, für die Sie die Verrechnungssteuer bezahlt haben, erhalten Sie die 35% von Ihrem Kanton rückerstattet, indem er den jeweiligen Betrag von den kantonalen Steuern abzieht.  

Das alles gilt nicht nur für Schweizer Aktien, sondern ist auch für ausländische Aktien in der Steuererklärung zu berücksichtigen. Allerdings werden Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren aus ausländischen Quellen sowohl in der Schweiz als auch teilweise mit einer zusätzlichen Quellensteuer im Herkunftsland besteuert. Folglich droht eine internationale Doppelbesteuerung. Diese kann aber, je nach Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Herkunftsland der Aktien, vermieden werden, indem Sie eine Anrechnung der ausländischen Quellensteuer an Ihre Schweizer Steuer beantragen. Mehr Informationen dazu finden Sie bei Ihrer zuständigen Steuerbehörde.

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