Investor:innen finden in der Schweiz: Welche Finanzierungsformen Firmengründer:innen wirklich weiterbringen

28.01.2026

Der Wunsch nach Kapital begleitet viele Firmengründer:innen von Anfang an. Oft entsteht dabei früh die Annahme, dass Investor:innen der nächste logische Schritt sind. Doch so einfach ist diese Entscheidung nicht. Unterschiedliche Investor:innen bringen unterschiedliche Erwartungen mit. Manche unterstützen im Hintergrund, andere möchten mitentscheiden. Hier erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Investment- und Finanzierungsformen in der Schweiz, ihre Stärken und möglichen Nachteile.

In Kürze

  • Investor:in ist nicht gleich Investor:in: Darlehen, Beteiligungen oder Crowdfinanzierung unterscheiden sich deutlich voneinander.
  • Die richtige Wahl hängt von Kapitalbedarf, Unternehmenszielen und dem Wunsch nach Mitbestimmung ab.
  • Jede Form der Beteiligung bringt eigene Chancen, aber auch Verpflichtungen mit sich.
  • Investor:innen lassen sich über Events, Netzwerke und spezialisierte Plattformen finden.

Orientierung ist der erste Schritt: Wer sich früh informiert, trifft bessere Entscheidungen.

Bevor Sie suchen: Entscheiden Sie, was Sie wirklich brauchen

In der Praxis zeigt sich, dass viele Firmengründer:innen erst im Austausch mit Investor:innen merken, wie unterschiedlich Erwartungen und Rollen sein können. Deshalb lohnt es sich, bereits im Vorfeld drei grundlegende Fragen für sich zu klären:

  • Geht es um Startkapital, Wachstum oder einen nächsten Entwicklungsschritt? Ein klarer Zweck ist oft überzeugender als eine möglichst grosse Zahl.

  • Möchten Sie Schritt für Schritt wachsen oder ein Geschäftsmodell rasch skalieren? Beides ist legitim, aber nicht jede:r Investor:in begleitet beides gleich.

  • Möchten Sie Entscheidungen alleine treffen oder schätzen Sie Sparring und Mitsprache? Manche Investor:innen halten sich bewusst im Hintergrund, andere begleiten aktiv.

Eigen- oder Fremdkapital?

Bevor Sie sich mit einzelnen Investitionsformen befassen, lohnt sich ein kurzer Blick auf einen grundlegenden Unterschied: Eigenkapital und Fremdkapital wirken sehr unterschiedlich auf Ihr Unternehmen.

  • Eigenkapital bedeutet Beteiligung am Unternehmen. Investor:innen bringen Kapital ein und erhalten dafür Anteile sowie Mitspracherechte.
  • Fremdkapital wird als Darlehen zur Verfügung gestellt. Es muss zurückgezahlt werden, in der Regel mit Zinsen; ohne Beteiligung am Unternehmen.

Welche Form sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel Kontrolle Sie behalten möchten, wie hoch Ihr Kapitalbedarf ist und wie schnell Ihr Unternehmen wachsen soll.

Die gängigsten Investitionsformen im Überblick

In der Schweiz stehen Unternehmer:innen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um Kapital aufzunehmen. Welche Form infrage kommt, hängt unter anderem von der Unternehmensphase, der Kapitalhöhe und dem Risikoprofil des Geschäftsmodells ab.

Aus der Erfahrung von Firmengründer:innen zeigt sich zudem, dass Finanzierungsformen in der Praxis häufig kombiniert werden – etwa Beteiligungskapital ergänzt durch Fremdfinanzierung.

  • Für viele Firmengründer:innen ist das private Umfeld der erste Anlaufpunkt. Familie und Freunde stellen Kapital bereit, häufig in einer frühen Phase und auf Vertrauensbasis. Dieses Kapital kann als Darlehen, als Beteiligung oder in gemischter Form eingebracht werden. Klare Abmachungen und schriftliche Vereinbarungen helfen, Erwartungen zu klären und Beziehungen zu schützen.

    Vorteil: schnell, flexibel
    Nachteil: emotionales Konfliktpotenzial

  • Business Angels investieren meist in sehr frühen Phasen eigenes Kapital. Häufig handelt es sich um ehemalige Unternehmer:innen oder erfahrene Fachpersonen, die junge Unternehmen aktiv begleiten möchten.

    Vorteil: Kapital ergänzt durch Branchenkenntnisse, Erfahrung und Sparring
    Nachteil: Abgabe von Anteilen und Mitspracherecht

  • Venture Capitalists sind professionelle Investor:innen oder Investmentgesellschaften. Sie investieren grössere Beträge in Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial und klarer Skalierungsstrategie. Neben finanzieller Unterstützung bringen sie strategisches Know-how und Zugang zu Netzwerken ein. Diese Form der Finanzierung kommt vor allem für Geschäftsmodelle infrage, die auf starkes Wachstum ausgerichtet sind und dafür Anteile abgeben möchten.

    Vorteil: Zugang zu grossen Investitionsbeträgen für schnelles Wachstum
    Nachteil: hoher Erwartungsdruck und klarer Fokus auf Skalierung

  • Strategische Investor:innen sind meist Unternehmen aus derselben oder einer verwandten Branche. Sie beteiligen sich gezielt, um Synergien zu nutzen, etwa beim Marktzugang, bei Technologien oder im Vertrieb. Diese Zusammenarbeit kann wertvoll sein, bringt jedoch auch Abhängigkeiten mit sich, da strategische Interessen eine Rolle spielen.

    Vorteil: Know-how und Marktzugang aus der Branche
    Nachteil: mögliche Abhängigkeit von strategischen Zielen

  • Beim Crowdinvesting investieren viele Personen, meist über Onlineplattformen, in ein Unternehmen. Im Gegenzug erhalten sie Anteile oder eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen. Neben Kapital kann Crowdinvesting auch Aufmerksamkeit und Reichweite schaffen. Gleichzeitig erfordert diese Finanzierungsform eine transparente und kontinuierliche Kommunikation mit vielen Investor:innen.

    Vorteil: Kapitalbeschaffung kombiniert mit Sichtbarkeit
    Nachteil: hoher Kommunikations- und Abstimmungsaufwand

  • Crowdlending ist eine Form der Fremdfinanzierung, bei der mehrere Privatpersonen oder institutionelle Anleger über Onlineplattformen Kredite vergeben. Die Finanzierung erfolgt direkt zwischen Investor:innen und Unternehmen, ohne Beteiligung am Eigenkapital. Startups erhalten Kapital gegen Zinsen, müssen dieses jedoch zu vereinbarten Konditionen zurückzahlen.

    Vorteil: Fremdkapital ohne Abgabe von Unternehmensanteilen
    Nachteil: Rückzahlungspflicht inklusive Zinsen

  • Klassische Bankfinanzierungen wie Kontokorrentkredite, Gewerbekredite oder andere Darlehen eignen sich besonders für Unternehmen, die werthaltige Grundlagen vorweisen können. Dazu zählen zum Beispiel Immobilien, Maschinen, Forderungen, Patente oder Bürgschaften. Auch stabile Finanzzahlen sind zentral.

    Der Vorteil liegt in der sofortigen Liquidität, ohne dass Anteile abgegeben werden müssen. Für viele Startups ist dieser Weg jedoch herausfordernd, da Sicherheiten fehlen und die zukünftige Geschäftsentwicklung noch unsicher ist.

    Vorteil: Fremdkapital ohne Beteiligung am Unternehmen
    Nachteil: hohe Anforderungen an Sicherheiten und Bonität

  • Lieferantenkredite sind eine ergänzende Finanzierungsform. Zulieferer gewähren längere Zahlungsfristen, etwa 60 oder 90 Tage statt der üblichen 30 Tage. Dadurch entsteht kurzfristiger finanzieller Spielraum. Diese Lösung eignet sich vor allem zur Überbrückung in der Start- und Aufbauphase, ersetzt jedoch keine langfristige Finanzierung.

    Vorteil: kurzfristige Entlastung der Liquidität
    Nachteil: begrenzter Umfang und meist nur temporär nutzbar

Welche Finanzierungsform sinnvoll ist, hängt stark von der Höhe des benötigten Kapitals und vom Risikoprofil des Geschäftsmodells ab. Wer sich mit vergleichsweise wenig Kapital selbstständig machen möchte, etwa mit einigen Zehntausend Franken, greift häufig auf Friends & Family zurück. Bei Beträgen bis zu einigen Hunderttausend Franken können Bankfinanzierungen infrage kommen, vorausgesetzt, es stehen ausreichend Sicherheiten zur Verfügung. Handelt es sich um ein innovatives Geschäftsmodell mit höherem Risiko aber Skalierungspotenzial, kommen meist Investor:innen wie Business Angels oder Venture Capitalists ins Spiel.

Wie finden Sie passende Investor:innen in der Schweiz?

Sobald klar ist, welche Investitionsform grundsätzlich infrage kommt, wird auch die Suche nach Investor:innen gezielter. Statt möglichst viele Gespräche zu führen, lohnt es sich, den Fokus auf Eignung, Erfahrung und Erwartungen zu legen.

Bewährte Anlaufstellen für die Investor:innensuche in der Schweiz sind unter anderem:

Startup-Events

  • Startup Nights (Winterthur): grösster Startup-Event der Schweiz mit breitem Investor:innen- und Netzwerkzugang
  • Startup Days (Bern): Treffpunkt für Jungunternehmer:innen, Investor:innen und Akteur:innen aus dem Startup-Ökosystem

Startup-Awards

  • TOP 100 Swiss Startup Award: hohe Sichtbarkeit für innovative Startups in der Schweiz
  • Venture Startup Competition: Plattform für wachstumsorientierte Geschäftsideen mit Investor:innen-Fokus

Plattformen und Übersichten

  • startupticker.ch: Übersicht zu Events, Wettbewerben und News aus der Startup-Szene
  • startup.ch: Sammlung von Investor:innen, Services und Gründungsinformationen

Unterstützung über das IFJ

Gerade in der frühen Phase profitieren Firmengründer:innen nicht nur von Kapital, sondern auch von Begleitung und Know-how. PostFinance arbeitet seit vielen Jahren mit dem Institut für Jungunternehmen (IFJ) zusammen und begleitet Gründer:innen in der Schweiz bei Finanzierungs- und Gründungsfragen. Das IFJ unterstützt Firmengründer:innen unter anderem mit Coaching, Netzwerken und Programmen rund um die Unternehmensgründung und -entwicklung.

Diese Kombination aus finanzieller Infrastruktur und unternehmerischer Begleitung hilft, gut vorbereitet in Gespräche mit Investor:innen zu gehen.

Gut vorbereitet ins Erstgespräch

Im ersten Gespräch mit Investor:innen zählt vor allem, dass Sie Ihr Geschäftsmodell verständlich und auf den Punkt erklären können. Entscheidend sind klare Antworten auf drei zentrale Fragen:

  • Welches Problem löst Ihr Unternehmen?
  • Wie lösen Sie dieses Problem besser oder anders als bestehende Angebote?
  • Wie verdienen Sie damit Geld?

Wer diese Fragen kurz, schlüssig und überzeugend beantworten kann, schafft eine gute Basis für weiterführende Gespräche.

Gut zu wissen: formale Schritte früh mitdenken

Wenn Sie sich bei der Unternehmensgründung für die Rechtsform einer AG oder GmbH entscheiden, benötigen Sie ein Kapitaleinzahlungskonto. Darauf wird das Gründungskapital deponiert, bis es nach der Eintragung in ein Geschäftskonto überführt wird.

Mit dem Startangebot von PostFinance schaffen Sie eine solide Basis für Ihre Finanzgeschäfte. Neugründer:innen schenken wir bei der Eröffnung eines Geschäftskontos zwei Jahre lang die Kontoführungsgebühren.

Investor:innen können mehr sein als Kapitalgeber:innen. Entscheidend ist, dass die gewählte Finanzierungsform zu Ihrem Unternehmen, Ihrer Phase und Ihrer Rolle als Firmengründer:in passt. Wenn Sie die Firmengründung bereits konkret planen, lohnt es sich, die nächsten formalen Schritte früh zu klären.

Häufige Fragen zur Investor:innen-Suche in der Schweiz

  • Nein. Viele Unternehmen starten ohne externe Investor:innen. Relevant werden diese vor allem bei höherem Kapitalbedarf oder klaren Wachstumszielen.

  • Ja. Gerade Business Angels oder Crowdinvesting fokussieren oft stärker auf Idee, Team und Marktpotenzial.

  • In der Regel dann, wenn ein skalierbares Geschäftsmodell vorliegt und schnelles Wachstum angestrebt wird.

  • Unklare Ziele, fehlende Vorbereitung und unrealistische Erwartungen.

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