Diese Seite hat eine durchschnittliche Bewertung von %r von maximal 5 Sternen. Total sind %t Bewertung vorhanden.
Bewertung (%t)
Erstellt am 11.10.2019

Ormera: mit Open Innovation zum Blockchain-Startup

Nur wenn sich Unternehmen auch gegen aussen öffnen, können Innovationen ausserhalb des Bekannten entstehen. Aus diesem Grund arbeitet das PFLab, das Innovationslabor von PostFinance, unter anderem mit dem Open-Innovation-Ansatz. Mit Erfolg – wie das Beispiel Ormera zeigt.

Vor rund zwei Jahren trat PostFinance-Mitarbeiter Matthias Egli mit einer Co-Star-Idee an das PFLab heran. Sein Vorschlag war es, die Verrechnung von eigenerzeugter Energie über eine Blockchain laufen zu lassen und sie damit zu vereinfachen. Heute ist Egli Co-Founder des Startups Ormera (bisher «B4U»), das exakt diese Lösung anbietet: Über die Ormera-Plattform können Energieunternehmen oder Verwaltungen eigenproduzierten Strom messen und direkt ihren Mietern verrechnen. Der Prozess ist voll automatisiert und wird über eine Blockchain abgewickelt, was eine transparente Nachvollziehbarkeit ermöglicht. Am Startup beteiligt ist nicht nur PostFinance, sondern auch das Energieunternehmen Energie Wasser Bern (ewb).

Nicht greifbar und weit weg vom Kerngeschäft

Ormera verdeutlicht beispielhaft, wie das PFLab Innovationsvorhaben aufgreift, beurteilt und voranbringt. «Wir im PFLab beschäftigen uns mit Themen, die zum Teil sehr weit vom Kerngeschäft von PostFinance entfernt liegen und über einen hohen Innovationsgrad verfügen», erklärt Mathias Strazza. Es gehe dabei nicht ums Tagesgeschäft und nicht um Verbesserungen von Bestehendem – sondern um das Experimentieren und Innovieren mit Zukunftsthemen, die noch nicht greifbar sind.

Open Innovation als Baustein des PFLab

Ein wichtiger Ansatz dabei ist Open Innovation – die Öffnung des eigenen Innovationsprozesses gegen aussen durch Kollaborationen mit Hochschulen und Universitäten, Startups, Netzwerken und Unternehmen. «Wenn neue Ideen ins Unternehmen hineinströmen sollen, müssen wir die Tür einen Spaltbreit öffnen – zum Beispiel, indem wir Referate über unsere Vorhaben halten oder mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten», sagt Mathias Strazza.

Von Anfang an mit an Bord

Bei Ormera holte das PFLab gleich zu Beginn des Prozesses ewb an Bord. Die Zusammenarbeit lag auf der Hand: Einerseits, da Matthias Egli den Berner Energieversorger bereits aus früheren Projekten kannte. Andererseits, weil ewb wertvolles Know-how aus der Energiebranche mitbrachte und gleichzeitig als potenzieller Anwender Interesse am Vorhaben zeigte. Das Kernteam von Ormera brachte die CEOs der beiden Firmen denn auch nach kurzer Zeit an einen Tisch. Später dann kam mit ABB ein weiterer Open-Innovation-Partner hinzu. Um die gemeinsame Idee der sicheren und nicht manipulierbaren Daten in die Blockchain zu bringen, entwickelte ABB in ihrem Forschungslabor die Zählertechnologie weiter.

Fail oder Success

Doch nicht alle Vorhaben schaffen es so weit wie Ormera. Bei Innovationsvorhaben sind die richtigen Voraussetzungen und Grundbausteine nötig, damit sie überhaupt entstehen können. Sei es die Innovationskultur, die ermöglicht, dass Mitarbeiter wie Matthias Egli über ihre Funktion hinaus für das Unternehmen an neuen Themen tüfteln, oder seien es Signale, Trends und Veränderungen, die die Bedingungen für Neues schaffen. Einer dieser Grundbausteine ist der Innovationsprozess im PFLab, der auf Zukunftsthemen ausgerichtet ist und schnelle Experimente zulässt. Vereinfacht dargestellt, würde man von drei Phasen reden, die sich jedoch je nach Innovationsvorhaben überschneiden, laufend iterieren und meist nicht linear verlaufen:

  • Trends und Signale sowie Marktbedürfnisse in verschiedenen Suchfeldern rechtzeitig erkennen – das ist die grosse Aufgabe in der Phase Exploration. Im Fall Ormera wurden die Blockchain-Technologie und das «Internet of Things» (IoT) aufgegriffen und mit den Themen erneuerbare Energien / Energiegesetz verknüpft. Denn mit dem neuen Energiegesetz, das 2018 in Kraft getreten ist, dürfen Hauseigentümer mit Fotovoltaikanlagen den selbst produzierten Strom neu direkt nutzen und ihren Mietern verrechnen. Und damit stand die Frage im Raum, wie sich die Verrechnung effizient abwickeln lässt.

  • Beim Experimentieren geht es um das Vertiefen und Testen von Lösungen und Annahmen (Hypothesen). Im Fall Ormera war dies ein technischer Lernprozess, an dessen Ende eine radikal-digitale Lösung stand: Die automatisierte Abrechnung vom Zähler (Smartmeter) bis zum Konto über eine Blockchain.

  • Beim Pilotieren wird die Lösung auf dem Markt schrittweise getestet. Bei Ormera setzte man in Liegenschaften in Bern und Huttwil ein Minimum Viable Product (MVP), wörtlich ein «minimal überlebensfähiges Produkt», ein. Dieses wurde aufgrund des Feedbacks des Marktes schrittweise optimiert und zu einem marktfähigen Produkt vorangetrieben.

    Ormera hat alle Phasen des Innovationsprozesses erfolgreich durchlaufen. So wurde in nur zwei Jahren aus einer Idee ein Startup, das sich jetzt auf dem Markt seinen Weg ebnet.

Das ist nur der Anfang

Mit Ormera hat das PFLab gefunden, was es gesucht hat: einen konkreten Anwendungsfall für die Blockchain-Technologie, der ein konkretes Kundenbedürfnis löst und somit ein Geschäftsmodell im Energiemarkt darstellt. Gleichzeitig wird die vom Postkonzern zusammen mit der Swisscom gemeinsam betriebene Blockchain-Infrastruktur genutzt. Doch der Energie-Case ist erst der Anfang. «Wir eignen uns bei der Verrechnung über die Blockchain grosses Know-how an. Dieses werden wir künftig auch anderweitig und in anderen Märkten einsetzen können», sagt Mathias Strazza.

Sie können die Seite mit 1 bis 5 Sternen bewerten. 5 Sterne ist die beste Bewertung.
Bewertung (%t)

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren