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Erstellt am 29.05.2019

Familie und Beruf unter einen Hut bringen

Am 14. Juni 2019 streiken in der Schweiz Tausende von Frauen für Lohngleichheit, Nulltoleranz bei sexueller Belästigung und für Arbeitsbedingungen, unter denen sie Familie und Beruf in Einklang bringen können. Eine unangenehme Sache für ein Unternehmen wie PostFinance? Gar nicht, findet Gabriela Länger, Leiterin Arbeitswelt und Mitglied der Geschäftsleitung.

Gabriela Länger, PostFinance plant, sich mit einem witzigen Kurzfilm zu Karriere und Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Frauenstreiktag ins Schaufenster zu stellen. Das ist mutig.

Gabriela Länger: Mutig sind in meinen Augen diejenigen Frauen, die diesen Aktionstag ins Leben gerufen haben. Bei PostFinance verstehen wir es als unsere Pflicht, unseren rund 3‘250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen mit attraktiven Konditionen zu bieten. Dazu gehört natürlich die Lohngleichheit von Frauen und Männern und viele Möglichkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Dass wir null Toleranz gegenüber sexueller Belästigung haben, erachte ich als selbstverständlich.

  • Wir haben die Löhne des Jahres 2016 von einer unabhängigen Fachstelle messen lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass wir gut sind, aber noch besser werden müssen. Die Lohndifferenz, die wir nicht durch Funktion, Spezialisierung oder Dienstjahre erklären können, liegt bei 3,6%. Der Unterschied ist im schweizweiten Vergleich klein und liegt innerhalb der vom Bund bei Auftragsausschreibungen festgelegten Grenze von 5%. Aber natürlich wollen wir diese Zahl weiter senken.
  • PostFinance hat eine klare Lohnsystematik. Vorgesetzte und Personalfachleute werden regelmässig für die Frage der Lohngleichheit sensibilisiert. Und bei der jährlichen Lohnrunde ist sie immer ein Thema. Auch dieses Jahr lassen wir die Lohngleichheit wieder messen – wir bleiben also dran.
  • Stellenbewerberinnen achten auf solche Label. Und uns helfen sie, unsere Ansprüche an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hoch zu halten.

    Unsere Angebote im Bereich Vereinbarkeit gelten nicht nur für Mütter, sondern ebenso für Väter. Wir sind überzeugt, dass in Sachen Gleichstellung ein weiterer grosser Schritt getan wird, wenn mehr Väter Teilzeit arbeiten. Den schüchternen Beginn dieses Trends beobachten und unterstützen wir bei PostFinance bereits.
  • Bei PostFinance können Mitarbeitende Teilzeit arbeiten, ohne dass sie die spannenden Dossiers abgeben müssen. Mütter kommen nach dem 18-wöchigen Mutterschaftsurlaub bei 100% Lohnfortzahlung selbstverständlich zurück – wenn es ihre Position zulässt mit dem Arbeitspensum ihrer Wahl. Wir bieten zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Homeoffice wird bei uns gelebt. Eine Mutter oder ein Vater kann also zu Hause arbeiten, wenn die Kinder z.B. über Mittag heimkommen und sie gemeinsam essen wollen. Und wer befristet mehr Zeit mit den Kindern verbringen will, kann sogar Ferien kaufen – es zeigt sich, dass dies besonders von Eltern in Führungsfunktionen gerne genutzt wird.
  • Bei den Teamleitenden im Gesamtarbeitsvertrag ist das richtig: 51% sind Frauen. In der Geschäftsleitung sind drei von neun Mitgliedern Frauen. Das ist sehr positiv. Beim oberen Kader sind wir mit dem Anteil von 17% noch nicht zufrieden. Und bei den Fach- und Führungskadern sieht es mit 19% nur wenig besser aus. Hier haben wir klar Handlungsbedarf. Bis Ende 2019 erarbeiten wir zusammen mit den Fachleuten des Prädikats UND Ziele und Massnahmen, um den Anteil der Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.
  • Die Frauenquote ist aus Gleichstellungssicht ein ambivalentes Instrument. Es bringt zwar Frauen in Führungspositionen. Aber die meisten Frauen, die ich kenne, wollen sich nicht als Quotenfrau fühlen und gegen Zweifel an ihrer Qualifikation ankämpfen müssen. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns bei PostFinance auch ohne Quoten weiter verbessern. Immerhin stehen wir im Branchenvergleich mit Banken und Versicherungen mit unseren 28% Frauen in Führungspositionen gut da.
  • Ein Unternehmen tut gut daran, mehr Frauen in Führungspositionen zu holen, denn ausgewogen zusammengesetzte Teams bringen erwiesenermassen bessere Resultate. Das gilt auch für Führungsgremien. Wir haben den Anspruch, mit guten Arbeitsbedingungen und der richtigen Auswahl den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Es ist bekannt, dass Frauen ihre Fähigkeiten im Schnitt kritischer einschätzen als die meisten Männer. Darum bewerben sich Frauen weniger oft für Führungspositionen, auch wenn sie gute Voraussetzungen mitbringen. Es lohnt sich deshalb, Frauen gezielt zu fördern.
  • PostFinance vertritt bei sexueller Belästigung die Haltung der Nulltoleranz. Das bedeutet, dass jeder gemeldete Fall konsequent verfolgt wird. Das Thema ist im Verhaltenskodex verankert, den alle Mitarbeitenden kennen müssen. Alle zwei Jahre erhebt die Personalumfrage, ob eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter von sexueller Belästigung betroffen ist. In den letzten zehn Jahren lag dieser Wert jeweils um 0,3%. Das ist im Vergleich innerhalb des Konzerns Post wenig, aber jeder Fall ist einer zu viel.
  • Die Post hat einen detaillierten Leitfaden für die Mitarbeitenden der Personalabteilung und für Führungskräfte erstellt. Wir haben Anlaufstellen für Betroffene bei PostFinance und bei der Sozialberatung der Post. Laut Personalumfrage sind neun von zehn Mitarbeitenden die Anlaufstellen bekannt. Sie wissen also, an wen sie sich wenden können.
  • Für mich ist klar: Die Themen beeinflussen sich gegenseitig: Je klarer die Lohngleichheit und je mehr Frauen in Führungspositionen, desto weniger werden Frauen belästigt. Weil man den Frauen mit Respekt begegnet. Deshalb unterstützt PostFinance die Forderungen des Frauenstreiks.
  • Die Mitarbeiter auch nicht! Im Ernst: Knapp drei Viertel unserer Mitarbeitenden unterstehen dem Gesamtarbeitsvertrag, den wir mit den Sozialpartnern vereinbart haben. Der Gesamtarbeitsvertrag verbietet Streiks während seiner Geltungsdauer. Selbstverständlich darf jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in ihrer Freizeit teilnehmen. Die Mitarbeitenden – Fach- und Führungskader sowie obere Kader – sind für ihr Zeitmanagement selber verantwortlich. Auch für sie gilt: Die Teilnahme an den Aktionen des Frauenstreiks gilt nicht als Arbeitszeit. Wir begrüssen es, wenn Mitarbeitende teilnehmen und sich einen Pin mit dem Symbol des Frauenstreiks anstecken – das ist am 14. Juni 2019 auch im Kundenkontakt erlaubt.
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