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Erstellt am 29.03.2023

In nachhaltige Energien investieren: Was steckt hinter dem Markttrend?

Das Klima wird immer wärmer und wir benötigen in unserer vernetzten Welt immer mehr Energie. Um den Bedarf, in Einklang mit den internationalen Klimazielen, zu decken, sind vor allem nachhaltige Energien gefragt. Welche erneuerbaren Energieträger sind am effizientesten – und wie nachhaltig sind Wind-, Solarenergie, Wasserkraft und Co. tatsächlich? Fragen, die nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern auch Anleger:innen beschäftigen. Wir ordnen, gemeinsam mit ETH-Professor Bjarne Steffen, ein und sagen Ihnen, was Sie wissen müssen, wenn Sie sich für Investitionen in erneuerbare Energien interessieren.

Die Schweiz bezog im Jahr 2020 27,2 Prozent ihres Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Damit liegt sie über dem EU-Durchschnitt von 22 Prozent im selben Jahr. Damit die Schweiz mit der Energiestrategie bis 2050 klimaneutral wird, ist ein Ausbau erneuerbarer Energiequellen dringend nötig. Die Notwendigkeit beschränkt sich aber nicht nur auf die Schweiz – auch international wird spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen vermehrt auf mehr in nachhaltige Alternativen gesetzt.

Themenübersicht

Was heisst «erneuerbar» in Bezug auf Energie?

Energieträger können sowohl aus erschöpflichen als auch aus unerschöpflichen Quellen bezogen werden. Zu den erschöpflichen Quellen gehören vor allem fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas, die noch immer einen Grossteil der globalen Energieversorgung ausmachen. Aber auch Kohle und Uran zählen zu den erschöpflichen Rohstoffen. Im Gegensatz dazu stammen erneuerbare Energien ausschliesslich aus Quellen, die unerschöpflich sind, wie Wind und Sonnenlicht. Neben erneuerbaren Energien gibt es auch sogenannte alternative Energien. Sie können aus erschöpflichen wie auch aus unerschöpflichen Quellen gewonnen werden. Ein Beispiel dafür ist Wasserstoff, der sowohl aus fossilen Brennstoffen als auch klimafreundlich mit grünem Strom im Elektrolyseverfahren erzeugt werden kann. Mehr zu Wasserstoff erfahren Sie in unserem Blogbeitrag «Wasserstoff: Warum er für eine grüne Zukunft unverzichtbar ist». Erneuerbare Energien haben im Vergleich zu fossilen Energien eine sehr gute CO2-Bilanz und sind somit nachhaltiger. Das zeigt beispielsweise eine Übersicht der CO2-Emissionen einzelner Energieträger in dem Bericht «Technology-specific Cost and Performance Parameters» des Weltklimarats. Die darin aufgeführten Emissionen beinhalten graue Energie denn die Nachhaltigkeit der erneuerbaren Energieträger ist nicht nur von deren Ausgangsstoffen abhängig. Somit gibt es auch innerhalb der nachhaltigen Energien Unterschiede in Bezug auf die CO2-Bilanz, obwohl sie alle relativ gut abschneiden.

Welche erneuerbaren Energien gibt es?

Wer in erneuerbare Energien investieren möchte, sollte die wichtigsten kennen und über ihre Eigenschaften sowie Einsatzmöglichkeiten informiert sein:

  • Die Solarenergie wird aus Sonneneinstrahlung gewonnen und zählt zu den bekanntesten und meist genutzten erneuerbaren Energiequellen. Über Photovoltaikanlagen wird die Sonneneinstrahlung mittels Solarmodulen direkt und ohne Emissionen in elektrische Energie umgewandelt. Die Energie wird hauptsächlich im Sommer gewonnen, aber auch während den kälteren Jahreszeiten kann Sonnenenergie, gemeinsam mit fossilen oder anderen erneuerbaren Energien, den Bedarf decken. Da die Temperatur der Sonneneinstrahlung schwankt, sind bei grossen Anteilen von Solarenergie zusätzliche Speichersysteme wie beispielsweise Batterien nötig, um die zuverlässige Energieversorgung sicherzustellen. Gleichwohl zählt Sonnenenergie zu den wichtigsten Komponenten in der Energiestrategie vieler Länder.

  • Wasserkraft ist die am meisten genutzte erneuerbare Energie in der Schweiz. Die Gewinnung funktioniert über Gross- (Leistung ab 10 Megawatt) und Kleinwasserkraftwerke (Leistungen bis 10 Megawatt.) Wasserkraftwerke haben eine gute Ökobilanz. Sie produzieren 60 – 80-mal mehr Energie als sie benötigen. Bei Umweltschutzorganisationen stehen sie aber oft in der Kritik, weil sie unter anderem Lebensräume von bereits bedrohten Tierarten zerstören können. Ausserdem wird die Energieversorgung langfristig in Frage gestellt, weil infolge der Klimaerwärmung das Risiko für Wasserknappheit und Überschwemmungen steigt. Gegenüber anderen Energieträgern haben Wasserkraftwerke aber den Vorteil, dass sie dann Energie produzieren, wenn allgemein wenig produziert, aber viel verbraucht wird, zum Beispiel an einem windstillen Abend.

  • Im Gegensatz zu Solarenergie und Wasserkraft erzeugt Windenergie in den Wintermonaten am meisten Energie. Deshalb, und auch weil das Potenzial noch weitestgehend ungenutzt ist, wird Windenergie zurzeit in der Schweiz als potenzieller Lückenschliesser in der Versorgung mit erneuerbarer Energie intensiv diskutiert. Aktuell beträgt Windenergie 0,2 Prozent des Schweizer Strombedarfs. Bis 2050 soll der Wert gemäss Energiestrategie des Budes auf 7 Prozent steigen. Die Windenergie wird über grosse Windräder gewonnen, die i.d.R. gesammelt in einem sogenannten Windpark an Windexponierten Orten gebaut werden. Die Positionierung ist entscheidend, denn je weniger Widerstand der Wind durch Hügel, Berge und Vegetation hat, desto mehr Energie kann über die Windräder gewonnen werden. Unter Naturschützer:innen ist Windenergie umstritten, weil sie ein Risiko für bestimmte Vogelarten darstellen kann. Zusätzlich kann eine Lärmbelastung für Mensch und Tier durch die Rotation entstehen.

  • Biomasse besteht z.B. aus Bioabfall wie Speisereste, Kompost, Erntereste, Hofdünger und Altholz. Durch Vergärung kann die Biomasse in Biogas umgewandelt und für ähnliche Zwecke wie Erdgas verwendet werden, insbesondere zur Strom- und Wärmeerzeugung. Wird holzartige, trockene Biomasse verbrannt, entstehen Dampf und Wärme aus denen wiederum Energie gewonnen wird. Bei den Verfahren wird die Menge an CO2 freigesetzt, die vorher in Form von Biomasse gebunden war, womit diese Energieform grundsätzlich klimaneutral ist. In der Schweiz stammt ein Fünftel der erneuerbaren Energien von Biomasse und ihr Potenzial ist noch nicht vollständig ausgeschöpft.

  • Die Wärme aus dem Erdinneren – auch als Geothermie bekannt – kann schon ab wenigen Metern unterhalb der Erdoberfläche gewonnen werden und ist vielseitig einsetzbar: Heizen, Wassererwärmung, industrielle Prozesse, Kühlung und Stromproduktion. Erdwärmesonden-Wärmepumpen-Anlagen sind zur Heizung oder auch Kühlung von Gebäuden weit verbreitet. In der Schweiz wurden 2021 4,6 Terrawattstunden mit Geothermie-Anlagen produziert, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Erdwärme gilt als sauber und klimafreundlich – vorausgesetzt, der Strom, den sie benötigt, stammt aus erneuerbaren Energien. Zudem ist sie durch ihre Stetigkeit eine zuverlässige erneuerbare Energiequelle. Die Bohrungen sind jedoch je nach Tiefe sehr aufwändig und kostspielig.

Fast alle Studien schliessen darauf, dass sich Solar- und Windenergie in Zukunft wegen ihres grossen, weitgehend noch ungenutzten Potenzials durchsetzen werden. So auch Professor Bjarne Steffen, der ergänzt: «Solar Photovoltaik hat meiner Meinung nach deshalb in der Schweiz die grösste Dynamik, weil die Kosten einerseits vergleichsweise tief sind und andererseits die Installation verhältnismässig einfach und schnell erfolgen kann. Ausserdem sind für Solaranlagen kleinere Eingriffe in die Landschaft nötig als für Windkraft. Dadurch ist dieser Energieträger auch weniger Akzeptanzproblemen ausgesetzt als andere.»

Welche technischen Auswirkungen hat die Verschiebung hin zu nachhaltigen Energieträgern?

Bisher wurde für Transport, Strom- und Wärmeerzeugung sowie Industrie deutlich mehr Öl und Gas genutzt. Das ändert sich nun, denn durch den vermehrten Einsatz von nachhaltigeren Energieträgern wird elektrischer Strom in allen Sektoren zunehmend wichtiger und der Bedarf steigt. Dass der Strom zur Erfüllung der internationalen Klimaziele zwingend nachhaltig sein muss, leuchtet ein. Elektrizität – egal ob nachhaltigen Ursprungs oder nicht – hat aber auch einen Nachteil: Sie lässt sich schwer speichern und muss dann verbraucht werden, wenn sie zur Verfügung steht. Damit die Speicherung gelingt, muss der Strom in andere Energieträger umgewandelt werden. Klassischerweise werden dazu Wasserspeicherkraftwerke oder auch Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt. Letztere sind für ihre breite Anwendung in der Automobilindustrie für Elektrofahrzeuge bekannt und eignen sich gemäss Professor Steffen besonders für die kurzfristige Speicherung wie den Tag-Nacht-Modus. Nicht nur die Automobilindustrie setzt auf Batterien. Privathaushalte nutzen sie ebenso wie der öffentliche Stromsektor. In letzterem werden Batterien bereits heute zur Netzstabilisierung und zur Bereitstellung von Regelleistung als Sicherheitslösung eingesetzt, wenn der Strombedarf oder die Stromeinspeisung von den Planwerten abweicht. 

Wie können Sie als Anleger:in in nachhaltige Energien investieren?

Als Anleger:in haben Sie – wie bei anderen Themen auch – verschiedene Optionen, in erneuerbare Energien zu investieren. Wir stellen Ihnen drei näher vor:

Direktbeteiligung mit Aktien

Weil die Technologie erneuerbarer Energien grösstenteils reif ist, wird weniger in Forschung und mehr in Entwicklung investiert. Diese findet in den meisten Fällen direkt bei den Hersteller:innen statt. Deshalb ist die direkte Beteiligung an den entsprechenden Firmen ein Weg, in erneuerbare Energien zu investieren. Branchen, die hierzu infrage kommen, sind beispielsweise:

  • Hersteller:innen von Solar- und Windanlagen
  • (Solar-) Wechselrichter Hersteller:innen
  • Installationsunternehmen
  • Stromnetzbetriebe
  • Lieferant:innen von Technologie für den Stromnetzbetrieb

Wenn die Unternehmen börsenkotiert sind, können Sie sich direkt über den Kauf von Aktien beteiligen. Seien Sie sich bewusst, dass es sich dabei um Investitionen in wachsende Märkte handelt und die Investitionen daher mit einem grösseren Risiko verbunden sind. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel «Growth Investing als Anlagestrategie». Prüfen Sie vor dem Kauf also unbedingt, ob die Aktien in Ihr Portfolio und zu Ihrer Strategie passen und wägen Sie Chancen und Risiken sorgfältig ab. Achten Sie insbesondere auch auf ausreichende Diversifikation.

Themenfonds und ETFs

Wenn Ihnen Direktbeteiligungen zu riskant erscheinen, haben Sie die Möglichkeit, in Themenfonds oder ETFs zu investieren – diese sind breiter aufgestellt. Gerade bei ETFs ist die Auswahl im Bereich Nachhaltigkeit gross. Beispielsweise gibt es spezialisierte ETFs, die auf einen bestimmten Sektor oder eine bestimmte Technologie (z.B. Solar) fokussieren, und gewisse berücksichtigen zusätzlich zur Nachhaltigkeit auch ethische Ausschlusskriterien. Es besteht auch die Möglichkeit, in unterschiedliche Fonds zu investieren oder das Portfolio mit Aktien zu ergänzen. Wie bereits erwähnt, müssen Sie wissen, dass die Kurse Schwankungen unterliegen und auch bei nachhaltigen Fonds und ETFs Verluste möglich sind.

Tracker-Zertifikate

Mit Der Link öffnet sich in einem neuen Fenster Tracker-Zertifikaten können Anleger:innen bereits ab kleinen Beträgen in Markttrends wie z.B. das Thema Nachhaltigkeit investieren und so für mehr Diversität in ihrem Portfolio sorgen. Wie bei allen strukturierten Produkten besteht bei Tracker-Zertifikaten ein Emittentenrisiko. Bei gewissen Produkten wird dieses allerdings durch eine:n Garantiegeber:in oder eine Besicherung übernommen und dadurch reduziert. Wie bei den anderen Investitionsformen sollten Sie trotzdem nur in Tracker-Zertifikate investieren, wenn dies mit Ihrer finanziellen Situation und Ihrer Anlagestrategie vereinbar ist. 

Die PostFinance bietet im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verschiedene nachhaltige Anlage-Angebote, mitunter mit Fokus auf erneuerbare Energien und die Reduktion von CO2-Emissionen.

About

Prof. Dr. Bjarne Steffen

Prof. Dr. Bjarne Steffen ist Leiter der Forschungsgruppe Klimafinanzierung und – an der ETH Zürich. In seiner Forschung analysiert er politische Massnahmen im Zusammenhang mit der Dekarbonisierung im Energie- und Finanzsektor.

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