13.08.2018

Aktien – die fünf wichtigsten Kennzahlen

Worauf müssen Sie achten, wenn Sie eine Aktie beurteilen möchten? Die sogenannten Kennzahlen helfen Ihnen bei der Bewertung. Die Kennzahlen wirken auf den ersten Blick vielleicht abschreckend und kompliziert zu errechnen. Setzen Sie sich aber ein wenig mit dem Thema auseinander, erhalten Sie rasch spannende Einblicke in ein Unternehmen. Kennzahlen geben Ihnen wichtige Anhaltspunkte, um Aktien miteinander zu vergleichen und sich für eine bestimmte Investition zu entscheiden. Wir stellen Ihnen die fünf wichtigsten Kennzahlen vor.

Die wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung einer Aktie

  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
  • Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
  • Die Dividendenrendite
  • Die Eigenkapitalrendite
  • Das Gewinnwachstum

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezeichnet die wahrscheinlich wichtigste Kennzahl zur Aktienbewertung. Es errechnet sich ganz einfach: «Kurs einer Aktie» geteilt durch «Gewinn einer Aktie». Ein Rechenbeispiel: Der aktuelle Kurs einer Aktie beträgt CHF 100.–. Im letzten Geschäftsjahr wurde ein Gewinn von CHF 5.– pro Aktie erzielt. Für den Gewinn setzt man meist den von den Analysten für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Wert ein. Das KGV in unserem Beispiel beträgt also 100 geteilt durch 5 = 20. Mit anderen Worten besagt das KGV, wie oft der Gewinn im aktuellen Kurs einer Aktie enthalten ist, beziehungsweise nach wie vielen Jahren der Gewinn die Aktie «bezahlt» hat.

Je niedriger das KGV ist, desto besser ist eine Aktie bewertet und spricht in Zukunft für einen höher angenommenen Unternehmensgewinn. Das KGV eignet sich nur zum Vergleich ähnlicher Geschäftsmodelle, also zum Beispiel von Unternehmen innerhalb derselben Branche. Es ist auf jeden Fall genau abzuklären, weshalb ein KGV tief oder hoch ist. Als Richtgrösse ist interessant zu wissen, dass das KGV aller im SMI geführten Titel 2017 im Durchschnitt 24,6 betrug.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis

Für die Kennzahl Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) teilt man den Aktienkurs durch den Buchwert pro Aktie. Der Buchwert pro Aktie entspricht dem in der Bilanz einer Unternehmung ausgewiesenen Eigenkapital pro Aktie. Er liegt meist unter dem aktuellen Marktwert, also zum Beispiel unter dem aktuellen Börsenkurs. Ein Rechenbeispiel: Besitzt ein Unternehmen einen Buchwert von CHF 5 Mrd. und hat 200 Mio. Aktien im Umlauf, ergibt sich ein Buchwert von CHF 25.– pro Aktie. Liegt der Aktienkurs dieses Unternehmens bei CHF 30.– je Aktie, ergibt sich ein KBV von 1,2.

Errechnet sich für eine Aktie ein KBV von unter eins, bedeutet dies faktisch: Das Unternehmen ist an der Börse weniger wert, als alle Maschinen, Lager und Immobilien zusammengenommen. Eigentlich ein klares Zeichen für einen günstigen Kauf. Aber aufgepasst: Es gibt viele verschiedene Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, und das KBV sagt für Unternehmen mit hohen immateriellen Werten wenig aus. Auch Immobilien können auf unterschiedliche Art und Weise in den Buchwert einfliessen. Das KBV ist also sehr branchenabhängig und kann leicht «manipuliert» werden – es gibt deshalb auch keine Faustregel, um das KBV zu bewerten.

Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite errechnet sich, indem die Dividende durch den aktuellen Aktienkurs geteilt und mit 100 multipliziert wird. Sie bezeichnet die Verzinsung des investierten Aktienkapitals je Aktie in Prozent. Ein Rechenbeispiel: Beträgt die Dividende einer Aktie CHF 10.– und der Kurs liegt bei CHF 200.–, ergibt sich eine Dividendenrendite von 5%. Je grösser die Dividendenrendite desto besser. Aber auch hier muss genau hingeschaut werden: Eine hohe Rendite kann auch durch einen tiefen Aktienkurs entstehen, was vielleicht ein Zeichen für mangelndes Interesse von Investoren ist oder dafür, dass das Unternehmen viel zu hohe Auszahlungen tätigt, die nicht durch die Gewinne gedeckt sind.

Die Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite bezeichnet das Verhältnis des Eigenkapitals zum Gewinn einer Unternehmung, also die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Mit dieser Zahl lässt sich beurteilen, ob ein Unternehmen mit wenig Geld viel Gewinn macht, also eine hohe Ertragskraft hat oder nicht. Eine hohe Eigenkapitalrendite ist denn auch besser als eine niedrige. Ein Rechenbeispiel: Das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn von CHF 250’000.–. Das Eigenkapital beträgt CHF 4 Mio. Die Eigenkapitalrendite beträgt also 250’000 : 4’000’000 x 100 = 6,25%. Mögliche Stolperfallen liegen auch hier in den unterschiedlichen Möglichkeiten der Rechnungslegung, also der Art und Weise, wie das Unternehmen das Eigenkapital berechnet. Denn die Eigenkapitalrendite kann sich auch durch die Aufnahme von Fremdkapital (z.B. Krediten) erhöhen und das Ergebnis optimieren.

Das Gewinnwachstum

Das Gewinnwachstum bezeichnet den prozentualen Zuwachs des Gewinns je Aktie vom nächsten zum übernächsten Geschäftsjahr. Diese Kennzahl hilft also, den Kauf von Aktien eines Unternehmens zu vermeiden, dessen Gewinne auf der Stelle treten oder sinken. Setzt man das Gewinnwachstum wiederum ins Verhältnis mit dem oben erwähnten KGV, erhält man das PEG (Price/Earnings to Growth Ratio). Beträgt das KGV z.B. 20 und das geschätzte zukünftige Gewinnwachstum 20%, so ergibt sich ein PEG von 1. Ein Wert von 1 wird in der Regel als faire Bewertung angesehen, Aktien mit einem PEG von unter 1 als unterbewertet.

Unbekanntes gibt es immer

Diese fünf Kennzahlen sind die wichtigsten und häufigsten Messgrössen, um Aktien zu beurteilen. Sie merken aber: Es gibt immer gewisse Unsicherheiten und unbekannte Grössen. Auch ist nicht immer einfach ersichtlich, was eine vernünftige Vergleichsgrösse für die Kennzahl ist. Recherchieren Sie also gründlich, studieren Sie Jahresabschlüsse und vergleichen Sie Unternehmen untereinander, innerhalb der Branche und mit Benchmarks. Je besser Sie über ein Unternehmen und seine finanzielle Situation informiert sind, desto runder ist das Bild der Aktienbewertung, das sich ergibt.

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