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Beim Rollout ist die Koordination zentral

Epsitec bietet unter dem Namen Crésus verschiedene Softwareprodukte für KMU an, die in einem Pilotprojekt mit PostFinance allesamt an die neuen ISO-20022-Formate angepasst wurden. Mittlerweile arbeiten bereits rund 15’000 Kunden damit. Olivier Leuenberger, stellvertretender Geschäftsführer von Epsitec, zieht im Gespräch Bilanz – insbesondere über den Rollout.

Programmiertechnisch betrachtet sei die Umstellung der Software auf ISO 20022 keine grosse Sache gewesen, sagt Olivier Leuenberger, stellvertretender Geschäftsführer der Epsitec AG, rückblickend. Das Softwareunternehmen mit Sitz in Yverdon-les-Bains hat in den letzten vier Monaten seine Crésus-Softwareprodukte so angepasst, dass sie ISO-20022-tauglich sind. Im Zentrum standen dabei die Bedürfnisse der Kunden. «Wir setzten nicht nur alles daran, eine Lösung zu bieten, die besonders einfach zu handhaben ist. Besonders wichtig war es für uns auch, die Kunden bei der Migration intensiv zu begleiten», betont er. 

Migration gemeinsam planen

Dies sei jedoch nicht im Alleingang möglich, da eine erfolgreiche Migration das Zusammenspiel zwischen dem Softwareanbieter, PostFinance und den gemeinsamen  Kunden bedinge. So muss – etwa bei den Lastschriften und den Avisierungen – auch PostFinance Änderungen in ihren Systemen vornehmen – und zwar in Absprache mit den Kunden.  «Es ist notwendig, zu definieren, wer die Kunden zu welchem Zeitpunkt über das Projekt im Gesamten und über die nächsten Schritte informiert.» Beim Pilotprojekt habe die Aufgabenteilung nicht auf Anhieb geklappt. «Unsere Kunden waren teilweise etwas erstaunt, dass sie direkt von PostFinance zur Migration aufgefordert worden sind.» Aufgrund solcher Erfahrungen in der Pilotierung erarbeitete PostFinance einen Rollout-Plan, der eine optimale Koordination in dieser Prozessphase sicherstellt (siehe Artikel Handshake). Insgesamt aber sei auch die Migration problemlos verlaufen. «Bei den EZAG-Migrationen zum Beispiel mussten die Kunden einzig unter Einstellungen bei ISO 20022 ein Häkchen setzen. Der Aufwand war dementsprechend gering – für die Kunden ebenso wie für uns.» Erfolgt sei die Migration in zwei Stufen: In einem ersten Schritt wurden einige wenige Kunden migriert, in einem zweiten eine grössere Anzahl. Mittlerweile arbeiten rund 15’000 Crésus-Kunden mit den ISO-20022-tauglichen Softwareprodukten.

Immer vorne mit dabei

Epsitec war dank der Rolle als Pilot einer der ersten Softwareanbieter, der ISO-20022-taugliche Produkte auf dem Markt eingeführt hatte. Dass es bei Pilotprojekten wie diesem immer auch zu unerwarteten Zusatzschlaufen kommen könne, liege in der Natur der Sache. «So mussten wir etwa ausser Plan ein Zwischentool bauen, dass es uns erlaubt, die Files im alten Format zu lesen und im neuen zu schreiben.» Aber auch auf PostFinance-Seite standen nicht von Anfang alle Instrumente in der gewünschten Qualität zur Verfügung. «Die Testplattform war damals noch nicht zu hundert Prozent ausgereift. Oft arbeiteten wir nach dem Trial-and-Error-Prinzip», sagt Leuenberger. Dies habe sich im Verlauf des Projekts aber geändert. «PostFinance hat die Testplattform laufend optimiert, so dass sie für uns zum unverzichtbaren Instrument geworden ist.» Schlussendlich habe die Testplattform ebenso sehr gut funktioniert wie die Zusammenarbeit im Allgemeinen. «Besonders wertvoll war die Tatsache, dass wir bei PostFinance einen einzigen Ansprechpartner hatten, der das Projekt mit uns abgewickelt hat – von A bis Z.» 

Epsitec war übrigens auch der erste Softwareanbieter, der sich mit der ISO-Anpassung des ASR – dem Auszahlungsschein mit Referenznummer – auseinandergesetzt hat. «Weitaus am meisten Zeit haben wir benötigt, um den Prozess des Ausdruckens zu verstehen. Denn für ASR wird ein Spezialpapier benötigt», erklärt Leuenberger mit einem Augenzwinkern. 

Es kommt immer mehr dazu

Ein kritischer Faktor bei den Anpassungen rund um die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs ist für Olivier Leuenberger die Zeit. «Wir hatten für das Pilotprojekt mit PostFinance drei bis vier Monate eingerechnet. Diesen Zeitplan konnten wir bestens einhalten», sagt er. Was jetzt aber noch hinzukomme seien die Anpassungen auf ISO 20022 mit allen anderen Finanzinstituten. «Das Problem für uns Softwareanbieter liegt darin, dass wir nicht wissen, wann die einzelnen Banken umstellen. Hier hätte ich mir von der Seite des Finanzplatzes Schweiz eine bessere Koordination gewünscht», betont er. Weiter kämen die Umstellungen auf den Electronic Banking Internet Communication Standard (EBICS) hinzu – und die Einführung des QR-Codes für Einzahlungen. 

Für Softwarepartner ist es deshalb unausweichlich, so früh wie möglich mit den Arbeiten zu beginnen. PostFinance stellt ihre Kunden bis Ende 2017 auf ISO 20022 um. «Um die Anpassungen herum kommt man als Softwareanbieter sowieso nicht. Und ist die Software dann nicht ISO-20022-ready, können die Kunden ab 2018 damit schlichtweg nicht mehr arbeiten», betont Leuenberger. PostFinance empfiehlt allen Softwarepartnern daher bis spätestens Mitte 2017 umgestellt zu haben.

Über Epsitec

Epsitec wurde 1978 als EPFL-Spinoff gegründet. Damals entwickelte und verkaufte das innovative Unternehmen Computer. «Noch vor dem ersten Apple Macintosh», betont der stellvertretende Geschäftsführer Olivier Leuenberger. Seit 1994 bietet Epsitec Softwareprodukte an, die unter der Marke Crésus vertrieben werden. Das Unternehmen gehört zu den führenden Anbietern von KMU-Software in der Romandie und beschäftigt rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.