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Erstellt am 27.08.2020

Working Capital Management 2020: die Herausforderungen – die Chancen

Die neue Working Capital Management (WCM) Studie der Universität St. Gallen beleuchtet Entwicklungen beim «Supply Chain Finance» und liefert so wertvolle Impulse für die Steuerung des Nettoumlaufvermögens entlang der Wertschöpfungskette. Wir reden mit Hannes Polit, Leiter WCM bei PostFinance, über die Studienergebnisse und die Herausforderungen, mit denen Unternehmen aufgrund der Krise konfrontiert sind.

Die WCM-Studie 2020 zeigt, dass das Management der Liquidität und des Nettoumlaufvermögens aufgrund der Coronakrise wieder oberste Priorität hat. Wird dadurch das Bewusstsein für die Bedeutung von Working Capital Management (WCM) auch längerfristig gestärkt?

Hannes Polit: Auf jeden Fall. In den letzten Jahren war es aufgrund der historischen Niedrigzinsen für Unternehmen sehr einfach und günstig, an Liquidität zu kommen. Mit der aktuellen Krise geraten jedoch die etablierten Lieferketten ins Schwanken und es entstehen Liquiditätsengpässe. Durch ein kluges WCM lassen sich solche Engpässe vorausschauend und flexibel steuern.

Inwiefern klug?

Schweizer Unternehmen haben traditionell eine gute Liquiditätssituation. Die Coronakrise stellt nun viele Unternehmen vor besondere Herausforderungen in der Sicherung ihrer flüssigen Mittel. Wie die WCM-Studie 2020 zeigt, schieben nun zahlreiche Unternehmen ihre Zahlungen auf, um ihre Liquidität zu schonen. Dadurch bleiben insbesondere kleine und mittlere Unternehmen überdurchschnittlich lange auf offenen Rechnungen für gelieferte Waren und Produkte sitzen. Dies hat zur Folge, dass Lieferanten- und Kundenbeziehungen auf die Probe gestellt werden und dass mit einer starken Zunahme von Insolvenzen gerechnet werden muss. Mit einem klugen Einsatz von Working-Capital-Management-Instrumenten sichern Unternehmen ihre Liquiditätsbedürfnisse langfristig über die aktuelle Krise hinaus und verhindern einen «Dominoeffekt» durch die gesamte Lieferkette.

Die einseitige Verlängerung der Zahlungsziele gegenüber Lieferanten ist gemäss Studie also aktuell ein beliebtes, aber kein geeignetes Rezept. Wie kann man es anders machen?

Indem Unternehmen prüfen, wie sie das WCM innerhalb der Supply Chain optimieren können und entsprechende Lösungen suchen – wie zum Beispiel ein klassisches Reverse Factoring oder ein Payables Finance Programm wie es auch PostFinance anbietet. Beide dieser Supply-Chain-Finance-Instrumente haben den Effekt, dass der Käufer längere Zahlungsziele erreicht, ohne dass der Lieferant länger auf sein Geld warten muss.

Die WCM-Studie 2020 hat untersucht, wie sich die finanzielle Performance bei Unternehmen entwickelt, die konsequent Supply-Chain-Finance-(SCF)-Instrumente einsetzen. Mit welchem Resultat?

Die Studie zeigt, dass sich die Nutzung von SCF-Programmen nicht nur für die gesamte Supply Chain, sondern auch für das eigene Unternehmen auszahlt: Im branchenübergreifenden Durchschnitt erzielen diese sogenannten SCF-Unternehmen einen durchschnittlich 28 Tage kürzeren C2C Cycle und weisen im Durchschnitt eine 40 Prozent höhere Rendite auf das eingesetzte Kapital aus als ihre Wettbewerber. Supply Chain Finance ist also eine Win-win-Situation. Die positive Finanzierungsstruktur von SCF-Unternehmen lässt sich aber auch darauf zurückführen, dass sie das Thema WCM in der Regel stärker im Fokus haben als Nicht-SCF-Unternehmen und sie so verschiedene Stellhebel zur Verfügung haben, um den Return on Capital Employed (ROCE) positiv zu beeinflussen (siehe Abbildung).

Alternativtext für Grafik: Die Abbildung zeigt, dass der Return on Capital Employed, abgekürzt ROCE, aus Umsatz minus Kosten geteilt durch Anlagevermögen plus Nettoumlaufvermögen berechnet wird. Das Nettoumlaufvermögen kann dabei über Hebel bei den Forderungen, den Vorräten und den Lieferantenverbindlichkeiten beeinflusst werden.
Legende: Die Stellhebel im Working Capital für eine positive Beeinflussung des Return on Capital Employed (ROCE).

Eignet sich SCF nur für grosse Unternehmen oder auch für KMU?

Grundsätzlich sowohl für grosse Unternehmen als auch für KMU. Vielfach werden SCF-Programme jedoch nur für sehr grosse Unternehmen mit einem Einkaufsvolumen im Milliardenbereich angeboten. PostFinance hingegen bietet Reverse Factoring bereits ab einem Finanzierungsvolumen von 5 Millionen Franken an, wodurch auch kleine und mittlere Unternehmen profitieren können.

Werfen wir einen Blick in die WCM-Zukunft: Welches sind für Unternehmen in den nächsten Monaten die grössten Herausforderungen bei der Steuerung ihres Nettoumlaufvermögens?

Aktuell geht es bei vielen Unternehmen vor allem auch darum, sich für den hoffentlich kommenden Aufschwung vorzubereiten. Daher spüren wir gerade eine deutlich steigende Nachfrage nach WCM-Produkten. Die Bedeutung von WCM wird daher in der Aufschwungsphase sicher noch hoch sein. Wenn die Krise vollends überwunden ist – vielleicht in zwei bis drei Jahren – wird das Thema vermutlich wieder etwas an Bedeutung verlieren, aber sicher unter den Top-10-Themen der CFOs bleiben. Die grosse Herausforderung für die Unternehmen ist aktuell, dass die Zukunft deutlich schwieriger zu planen ist als sonst. Viele wirtschaftlichen Auswirkungen der ersten Coronawelle werden wohl erst im dritten und vierten Quartal voll zu spüren zu sein. Zudem ist die Gefahr einer zweiten Welle noch nicht gebannt. Das heisst konkret, dass die Unternehmen sich in nächster Zeit intensiv mit folgenden Fragen beschäftigen müssen:

  1. Werden meine Debitoren gemäss vereinbarter Zahlungsfrist bezahlt?
  2. Stehen meine Lieferketten auf einer soliden Basis?
  3. Ist im Unternehmen genügend Liquidität vorhanden, um die Lieferantenrechnungen zu bezahlen?

Und sie müssen Lösungen finden, wenn es bei mindestens einer der drei Fragen Unsicherheiten gibt.

Wie unterstützt das WCM-Team von PostFinance Unternehmen dabei?

Mit unseren WCM-Lösungen unterstützen wir Kunden, Liquidität aus der eigenen Supply Chain zu generieren und das Working Capital zu optimieren. Im Gegensatz zu Krediten belasten unsere Produkte nicht die Fremdkapitalquote. Zudem profitieren die Unternehmen unter anderem von attraktiven Finanzierungskonditionen durch die sehr gute Bonität von PostFinance sowie von einer einfachen Abwicklung durch automatisierte Onlinelösungen. Und nicht zuletzt können Unternehmen auf die Beratung unserer WCM-Experten zählen, die auf einer fundierten Analysemethode beruht und die sie zielgerichtet zur passenden WCM-Lösung führt.

Hannes Polit

Über Hannes Polit

Hannes Polit ist Head of Sales & Consulting Working Capital Management bei PostFinance. Er greift auf einen Erfahrungsschatz von über 15 Jahren in der Managementberatung im Finanzbereich zurück – unter anderem bei PwC und IBM. Seine Spezialgebiete sind Controlling, internationale Rechnungslegung sowie Mergers & Acquisitions. Zuletzt war Hannes Polit bei PostFinance als Leiter Rollout für die Migration von 50'000 Geschäftskunden und 500 Software-Partnern im Rahmen der Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz verantwortlich. Der diplomierte Betriebswirt hat einen MAS Corporate Finance der Hochschule Luzern.

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