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Erstellt am 22.01.2019

Minimal Viable Product: ein Denkansatz für höchste Agilität

Der Ansatz des Minimal Viable Product (MVP) begegnet uns häufig in der Agilisierung wie auch in der Digitalisierung des Unternehmens. Was dahinter steckt, erklären die beiden PostFinance-Mitarbeitenden Dimitrios Ekatodramis, Teamleiter Solution Engineering, und Fabian Probst, Initiativenleiter im Programm Digital Transformation.

Grundsätzlich geht es beim MVP um die Idee, ein Produkt mit den minimal notwendigen Features auszustatten, damit es möglichst früh im Markt platziert werden kann. Wichtig ist, dass dem Kunden von Beginn weg ein Nutzen geboten wird. Wie das funktioniert, zeigt folgendes Beispiel:

Mit MVP schrittweise zum Ziel

Statt lange auf die Auslieferung eines vollständig montierten Autos zu warten, wird dem Kunden bereits nach der ersten Iteration eine Lösung in Form eines Skateboards angeboten, das das Grundbedürfnis des Kunden – nämlich von A nach B zu kommen – abdeckt. In den weiteren Iterationen wird das Produkt gemäss dem Kundenbedürfnis weiterentwickelt. Das Resultat entspricht dabei nicht der ursprünglich angedachten Lösung, einem Auto mit geschlossenem Dach.

Die Illustration zeigt, was man unter dem Minimal Viable Product-Ansatz versteht: Nämlich, dem Kunden – der das Grundbedürfnis hat, von A nach B zu gelangen – früh eine Lösung anzubieten. Dies geschieht im Beispiel in Form eines Skateboards, das dann in verschiedenen Iterationen (Miniscooter, Velo, Motorrad) nach den Bedürfnissen des Kunden weiterentwickelt wird. Endresultat ist ein Cabriolet, das den Kunden sichtlich glücklich macht.

Time-to-Market wird immer wichtiger

Das Endprodukt wird kontinuierlich über mehrere Iterationen geschärft, an die sich verändernden Bedürfnisse angepasst und dabei optimiert. Als Resultat erhält der Kunde schliesslich ein Cabriolet, das ihn sichtlich glücklich macht. Wieso ist dieser Ansatz nun so relevant? Kunden wollen nicht lange auf eine Lösung warten. Daher ist eine kurze Dauer von der Idee bis zur Realisierung – die «Time-to-Market» – eines Produkts ein wesentlicher Erfolgsfaktor.  

Ohne MVP am Kundenbedürfnis vorbei

Die MVP-Denkweise geht aber noch weiter. Die Kundenbedürfnisse sind sehr vielfältig. Würde man auf Anhieb ein Produkt anstreben, das den vollen Funktionsumfang bietet, würde man womöglich unnötig Zeit und Geld in Features stecken, die für den Kunden nicht so relevant sind. Zudem muss ein Unternehmen grundsätzlich versuchen, mit den vorhandenen Mitteln den grösstmöglichen Kundennutzen zu generieren. Arbeitet ein Unternehmen flächendeckend nach dem MVP-Ansatz, kann es bei gleicher Leistung einen grösseren Kundennutzen erzielen.

Die Illustration zeigt anhand eines Beispiels, was man unter dem Minimal Viable Product-Ansatz nicht versteht: Nämlich, dass der Kunde – der das Grundbedürfnis hat, von A nach B zu gelangen – lange auf die Auslieferung des vollständig montierten Autos warten muss.

Kunden bei der Produktentwicklung einbeziehen

Bei der Entwicklung eines neuen Produkts oder Features geht man von einer Hypothese aus. Mit Ansätzen wie «Design Thinking» und «Customer Journeys» wird versucht, die Kundensicht einzunehmen. Je früher der echte Kunde eingebunden werden kann, desto besser. Allenfalls kann der Kunde bereits bei der Entwicklung mitarbeiten oder einen ersten Prototyp testen. Ist das MVP erst einmal auf dem Markt, ist es wichtig, den Erfolg der verschiedenen Features kontinuierlich zu messen. Nur so kann festgestellt werden, wo es sich lohnt, ein Feature weiterzuentwickeln oder gegebenenfalls auch wieder zu entfernen. Denn schliesslich ist ein schlankes Produkt günstiger im Unterhalt und meistens auch einfacher in der Anwendung.

Der MVP-Gedanke bei PostFinance

PostFinance setzte unter anderem bei einem Projekt zur Digitalisierung und Automatisierung der Abläufe bei Kundenadressänderungen auf den MVP-Denkansatz. Verschiedene Aspekte erhöhten im Projekt die Komplexität: z. B. diverse Kanäle für Adressänderungen, Umzüge innerhalb der Schweiz oder ins Ausland, unterschiedliche Kundengruppen und auch die teilweise vollautomatisierte Bearbeitung und Erledigung von Aufträgen.

Weniger ist mehr

Es wäre sehr aufwändig gewesen, all diese Aspekte im Funktionsumfang eines Softwaregesamtpakets zu berücksichtigen. Gleichzeitig hätte eine gesamthafte Realisierung zu einer längeren Time-to-Market geführt. Deshalb wurden im Projekt sämtliche Aspekte einer Nutzwertanalyse unterzogen. Die entscheidenden Faktoren waren der Umsetzungsaufwand, der Automatisierungsgrad und der Fallabdeckungsgrad. Daraus resultierte schliesslich ein MVP, das nur den Onlinekanal, nur Privatkunden und nur Umzüge innerhalb der Schweiz berücksichtigte. Dieses MVP liess sich relativ rasch und digital umsetzen. Es bot einen sehr hohen Nutzen, denn es automatisiert rund 80 Prozent aller zu erwartenden Adressänderungsaufträge.

Win-win-Situation

Dank dem MVP-Ansatz können sich die Projektmitarbeitenden auf eine möglichst rasche Umsetzung des dringendsten Kundenbedürfnisses fokussieren. Weniger dringende Anliegen oder Spezialfälle werden zu einem späteren Zeitpunkt angegangen. Auch die Kunden profitieren von diesem Vorgehen. Fortlaufende nützliche Verbesserungen und Optimierungen werden positiver aufgenommen als komplexe Neueinführungen.

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