Handlungsfelder der Digitalen Transformation

Hier setzen Kleinunternehmen die Hebel an

In welchen Bereichen spielt sich die digitale Transformation ab? Dies sind die sieben Handlungsfelder, über die Sie in Ihrem Kleinunternehmen diskutierten sollten.

Worauf legen Schweizer Kleinunternehmen den Fokus bei der Digitalen Transformation und welche besonderen Herausforderungen und Chancen haben sie in diesen Handlungsfeldern? Marc K. Peter, Leiter Kompetenzschwerpunkt Digital Transformation an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Herausgeber der Studie «KMU-Transformation», liefert Antworten.

Die 7 Handlungsfelder der Digitalen Transformation: 1 Die konstante Kundenorientierung, 2 Neue Technologien, 3 Cloud und intelligente aussagekräftige Daten, 4 Neue digitale Strategien und Geschäftsmodelle, 5 Optimierte und automatisierte Prozesse, 6 Neue Ansätze in Führung, Kultur und Arbeit, 7 Digitales Marketing
  • Gemäss der Studie kmu-transformation.ch sieht sich über die Hälfte der kleinen Schweizer Unternehmen aufgrund der Digitalen Transformation mit sich ändernden Kundenanforderungen konfrontiert. Zudem steigt der Kostendruck. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, legen die Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung einen verstärkten Fokus auf eine konstante Kundenorientierung, die es erlaubt, neue Strategien und Angebote zu entwickeln (zum Beispiel personalisierte Produkte).

    Chancen

    Im Handlungsfeld der konstanten Kundenorientierung können Kleinunternehmen die für sie typischen Besonderheiten ausspielen: die Nähe zu den Kundinnen und Kunden, die kurzen Entscheidungswege und in vielen Fällen das grosse Wissen der langjährigen Mitarbeitenden.

    Herausforderungen

    Die Herausforderungen bestehen darin, Zeit für die Auseinandersetzung mit den Kundengruppen aufzuwenden und neue Angebote zu entwickeln und zu verwirklichen.

  • Die befragten Schweizer Unternehmen nutzen neue Technologien einerseits für die Weiter- oder Neuentwicklung ihrer Angebote. Dazu gehören der Einsatz von Sensoren, Robotik, von mobilen und sprachgesteuerten Anwendungen sowie die Anbindung ihrer Produkte an das Internet als Bestandteil der Industrie 4.0 bzw. an das Internet of Things. Andererseits arbeiten sie mit neuen Technologien, um intern die Kommunikation und die Zusammenarbeit effizienter, dynamischer und effektiver zu gestalten. Dazu nutzen sie Apps und Onlineplattformen.

    Chancen

    Die neuen Technologien ermöglichen es, neue Ideen zu verwirklichen, neue Anwendungen zu integrieren und neue Marktchancen zu nutzen. Viele solcher Technologien, z.B. Apps oder Open-Source-Lösungen aus dem Internet zur freien Verwendung und Anpassung, können einfach und teilweise sogar kostenlos ausprobiert werden.

    Herausforderungen

    Die Herausforderung besteht darin, überhaupt auf die neuen Technologien aufmerksam zu werden und diese zu verstehen. Dies gelingt, wenn die kleinen Unternehmen das Thema priorisieren, die dafür notwendige Zeit investieren und sich zum Beispiel mit Technologiezentren in der Region austauschen oder sich über Fachveranstaltungen informieren.

  • Im Bereich der Informationstechnologien (IT) investieren die befragten Unternehmen am häufigsten in Cloudlösungen. Dies, um die Datenverwaltung sowie Datenspeicherung zu optimieren und die Unternehmens- und Kundeninformationen standortunabhängig zugänglich zu machen. Mithilfe von Cloudlösungen können Unternehmen auch grosse Datenbanken anlegen, um daraus neue digitale Geschäftsmodelle und Angebote zu entwickeln oder für die Industrie 4.0 Erkenntnisse über Smart Data zu gewinnen.

    Chancen

    Mit Cloudlösungen verschaffen sich kleine Unternehmen mit geringem Aufwand eine flexible IT-Infrastruktur, die bisher nur grossen Unternehmen vorbehalten war. Mittels Analysesoftware können die Daten, die in der Cloud zusammengeführt werden, ausgewertet und für die Entwicklung neuer Angebote genutzt werden.

    Herausforderungen

    Für den Aufbau und den Umgang mit Cloudlösungen benötigen Kleinunternehmen technisches Wissen, das sie entweder durch den Beizug von Partnern oder durch Weiterbildung der Mitarbeitenden gewinnen können. Zudem müssen IT-Sicherheitsmassnahmen definiert und umgesetzt werden.

  • Je nach Branche drängt es sich für Unternehmen auf, ihre Strategie und ihr Geschäftsmodell für die digitale Welt anzupassen. Von der kompletten Neudefinition der Strategie über die Erweiterung des Angebots mit einer digitalen Leistung bis zur schrittweisen Verbesserung durch die Digitalisierung und Automatisierung interner Prozesse bzw. dem Anbieten neuer digitaler Absatzkanäle stehen den Unternehmen hier verschiedene Optionen offen.

    Chancen

    Die digitale Transformation treibt kleine Unternehmen dazu an, innovative digitale Strategien und Geschäftsmodelle zu entwickeln. In kurzer Zeit können kleine Unternehmen dabei viel Neues ausprobieren sowie bereits bestehende, teilweise globale Onlineplattformen nutzen.

    Herausforderungen

    Die Herausforderung liegt im Wandel, dem Aufbrechen und dem Loslösen von bestehenden Strategien und Denkmustern. Das wohl grösste Risiko in diesem Handlungsfeld besteht aber darin, kein Risiko einzugehen.

  • Der wichtigste Treiber für die Digitale Transformation sind gemäss Studie effizientere Prozesse: Für 83% der befragten KMU hat dies oberste Priorität. Damit rücken – mittlerweile auch bei den kleinen Unternehmen – die Dokumentation und Beschreibung von Prozessen in den Vordergrund, um anschliessend Optimierungspotenziale zu bestimmen.

    Chancen

    Mit den verfügbaren, webbasierten Technologien wie Onlineplattformen, Apps oder Softwarelösungen, ist das Potenzial für schlankere, digitalisierte und automatisierte Prozesse sehr hoch.

    Herausforderungen

    Wenn die Prozesse effizienter werden sollen, müssen die Anforderungen an die IT mit einer sauberen Prozessdokumentation definiert werden, um so die hilfreichsten Technologien bestimmen zu können. Dabei gilt es, eine gesamtheitliche Sicht einzunehmen. Es macht wenig Sinn, einen Prozess zu digitalisieren, um dann feststellen zu müssen, dass die benötigten Informationen doch nicht verfügbar sind.

  • Über zwei Drittel der befragten KMU geben an, dass die Digitale Transformation einen Einfluss auf ihre Unternehmenskultur hat. Die Unternehmen sind gefordert, eine entsprechende Veränderungsbereitschaft zu fördern und sich mit künftigen Führungsgrundsätzen und Arbeitsformen auseinanderzusetzen.

    Chancen

    Kleine Unternehmen haben aufgrund ihrer Grösse ein unglaublich hohes Potenzial, um ihr Team schlagkräftiger und dynamischer zu gestalten. Mit einer modernen Führung und Zusammenarbeit können Innovation, Kreativität und Agilität in hohem Mass unterstützt werden. Im besten Fall werden die Rahmenbedingungen für ein modernes Unternehmen zusammen mit den Mitarbeitenden ausgearbeitet. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, über welche Fähigkeiten die Mitarbeitenden in Zukunft verfügen müssen.

    Herausforderungen

    Leider kommt dieses Handlungsfeld in der Hektik des Alltags vielfach zu kurz. Das Thema muss aktiv angegangen und über das Jahr hindurch gepflegt werden, zum Beispiel durch halbjährliche Gespräche mit den Mitarbeitenden und mit laufenden Weiterbildungsaktivitäten.

  • Das digitale Marketing ermöglicht kleinen Unternehmen eine wesentlich effizientere Marktbearbeitung. Sie können die Plattformen und Kanäle des digitalen Marketings nutzen, um einfacher mit ihren Kunden zu kommunizieren und Transaktionen abzuschliessen. Dabei geht es einerseits um neue digitale Werbeformen, z.B. das Suchmaschinenmarketing, E-Mail- und Social-Media-Marketing. Anderseits werden auch Verkaufs-, Vertriebs- und Serviceaktivitäten in den Prozess eingebunden, um einen durchgängigen, effizienteren Kommunikation- und Verkaufsprozess zu erzielen.

    Chancen

    Kleine Unternehmen können zum einen mit Content-Marketing, also dem Bereitstellen von eigenen Inhalten über ihre Social-Media-Kanäle, ohne grossen Aufwand Bekanntheit aufbauen und dafür sorgen, dass ihre Webseite von den Suchmaschinen gut aufgefunden wird. Zum andern können Sie mit der Marketing-Automation (Plattformen, die die gesamte Kundenkommunikation automatisieren) und E-Commerce-Lösungen kostengünstig Verkäufe ankurbeln.

    Herausforderungen

    Um die Möglichkeiten des digitalen Marketings nutzen zu können, braucht es Know-how. Hier lohnt sich in der Regel die Zusammenarbeit mit externen Partnern wie IT-Firmen oder Kommunikationsexperten. Weiter müssen die kleinen Unternehmen gerade im Anfangsstadium relativ viel Zeit für die Datenaufbereitung (z.B. Kundendaten und Produktinformationen), das Aufsetzen der IT-Systeme wie Kundendatenbanken, Produktdatenbanken oder E-Commerce-Lösungen und für die Erstellung der Inhalte investieren.

Über den Experten

Prof. Dr. Marc K. Peter leitet das Zentrum für Digitale Transformation an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten. Dieses bietet Forschungs-, Beratungs- und Bildungsleistungen an und unterstützt Organisationen bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Wachstumsstrategien. Neben seinen Tätigkeiten als Dozent und Studiengangleiter ist Dr. Marc K. Peter auch Initiant und Projektleiter von «Digitale Transformation für KMU». Vor seiner Tätigkeit an der FHNW arbeitete Dr. Peter bei verschiedenen Unternehmen in leitenden Stellungen in den Bereichen Strategie, Technologie, Vertrieb und Marketing in Europa und in Asien-Pazifik.

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