Press Release

Swiss WCM Summit 2018: Bei Supply Chain Finance haben Schweizer Unternehmen Handlungsbedarf

Supply Chain Finance (SCF) beschäftigt die Finanzverantwortlichen in Schweizer Unternehmen. Dies zeigte sich am Swiss WCM Summit 2018: Über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich am Fachanlass über die Chancen und Herausforderungen unternehmensübergreifender Finanzmanagement-Lösungen, die in einer globalisierten und digital vernetzten Wirtschaft immer wichtiger werden.

Entlang der Lieferkette Win-win-Chancen nutzen

Bei SCF steht die Frage im Zentrum, welcher Akteur in der Lieferkette – beispielsweise ein Logistikdienstleister, Lieferant oder Abnehmer – welche Leistungen (Bestände oder Zahlungen) mit welchem Finanzierungsinstrument – beispielsweise Factoring oder Dynamic Discounting – finanziert. Es erweitert demnach die Perspektive des Working Capital Management auf die gesamte Supply Chain, eröffnet Win-win-Chancen für das eigene Unternehmen, dessen Kunden und Lieferanten und bietet damit die Möglichkeit, Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Studie nimmt SCF in Schweizer Unternehmen unter die Lupe

Doch wie sieht die SCF-Lage für und in Schweizer Unternehmen aus? Antworten hierzu lieferte die aktuelle WCM-Studie 2018, die das SCF-Lab der Universität St. Gallen seit 2015 jährlich herausgibt. SCF-Lab-Leiter Prof. Dr. Erik Hofmann präsentierte am Summit die wichtigsten Erkenntnisse. Dazu gehört auf der einen Seite die Tatsache, dass den Schweizer Unternehmen eine Vielzahl innovativer SCF-Lösungen zur Verfügung steht, die dank ihrer hochgradigen Vernetzungsfähigkeit und Technologiedurchdringung neue Möglichkeiten für ein ganzheitliches WCM in der Supply Chain bieten. Auf der anderen Seite aber auch der Fakt, dass die befragten Top-Unternehmen zwar bereits heute bis zu 20 Prozent ihrer Bilanzsumme mit innovativen Trade-Finance- und SCF-Instrumenten finanzieren, es beim Durchschnitt aller befragten Unternehmen jedoch erst bis zu 5 Prozent sind.

Handlungsbedarf bei Schweizer Unternehmen

Es besteht also Luft nach oben. Denn auch im europäischen Vergleich haben Schweizer Unternehmen bei der Nutzung von SCF-Lösungen Handlungsbedarf. Dr. Daniel Maucher, Leiter Lösungsentwicklung und Betrieb Working Capital Management bei PostFinance, betonte: «Die aktuellen Zahlen zeigen erneut: Schweizer Unternehmen sind bei der Implementierung von unternehmensübergreifenden WCM-Lösungen nach wie vor sehr zögerlich.» Als grösstes Hindernis für den Aufbau von eigenen SCF-Programmen nennen die in der WCM-Studie befragten Unternehmen die Ressourcenknappheit. Dass ein Drittel der befragten Finanzverantwortlichen von einer signifikanten Änderung der Finanzierungsstruktur ihres Unternehmens in den nächsten fünf Jahren ausgeht, kann als positives Zeichen gewertet werden. Das grösste Potenzial sehen sie in SCF-Lösungen im Bestandsbereich.

Ist weniger immer mehr?

Für besonders angeregte Diskussionen sorgte die Studienerkenntnis, dass die weit verbreitete WCM-Ansicht «weniger ist mehr» mit Vorsicht zu geniessen ist. «Unsere Analyse bei SPI-Unternehmen verdeutlicht, dass die Unternehmensperformance sowohl bei einem zu hohen als auch bei einem zu niedrigen Working Capital sinkt. Es gibt also ein optimales Nettoumlaufvermögen-Niveau, das sich nach den strategischen Zielen des Unternehmens richtet und auch die Supply Chain berücksichtigen muss», erklärte Hofmann. Für Unternehmen gilt es also, ihr individuelles Working-Capital-Niveau beispielsweise mit Unterstützung einer externen WCM-Beratung zu definieren.

Swiss WCM Awards: die Gewinner 2018

Feierlich abgeschlossen wurde der Summit mit der Verleihung der Swiss WCM Awards. Über den Sieg in der Kategorie Performance Excellence durfte sich die Tornos Group freuen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Moutier beschäftigt rund 670 Mitarbeitende und ist auf die Herstellung von Werkzeugmaschinen für die Fertigung von Bauteilen spezialisiert, die extreme Präzision und Qualität erfordern. Die Tornos Group legte eindrücklich dar, wie sie dank einem konsequenten, funktionsübergreifenden Working Capital Management unter anderem ihr Nettoumlaufvermögen um rund 30 Prozent senken konnte. Und den Award in der Kategorie Innovation erhielt Tradeplus24. Das Zürcher FinTech-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Schweizer KMU bei ihren Herausforderungen im Working Capital Management zu unterstützen, indem es eine einfache Lösung zur Finanzierung schweizerischer und internationaler Debitoren anbietet. Gekürt wurden die Gewinner von einer hochkarätigen Jury mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Über den Swiss WCM Summit

Der Swiss WCM Summit ist der Fachanlass für Geschäftsführer, CFOs und Unternehmer zum Thema Working Capital Management. Veranstaltet wird er von der Schweizerischen Post, PostFinance und dem Supply Chain Finance-Lab der Universität St. Gallen. Die drei Partner arbeiten im Bereich Working Capital Management eng zusammen. Im Zentrum des Swiss WCM Summit 2018 stand das Trendthema «Supply Chain Finance». Fachreferate, die Präsentation der WCM-Studie 2018 sowie eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion regten zum Nachdenken an – ebenso wie die Keynote von Oswald Grübel, Ex-CEO der Credit Suisse und UBS, zum Thema «Geopolitik und Marktaussichten».