Marktüberblick: Rezessionsängste verängstigen die Aktienanleger

Lange schien es so, als könnte sich die US-Industrie dem globalen Trend zu rückläufigem Wachstum entziehen. Im Oktober ist die Stimmung im amerikanischen Industriesektor nun eingebrochen. Dies hat die Aktienmärkte empfindlich getroffen. Die Eintrübung weckt aber auch die Hoffnung, dass die US-Notenbank die Leitzinsen weiter senkt, was den Märkten Schub verleihen dürfte. Diese Hoffnungen sind berechtigt. Im Währungsmarkt hat der Dollar seinen Höhenflug auch im zurückliegenden Monat fortgesetzt. Auf handelsgewichteter Basis ist die Bewertung so hoch wie zuletzt im Sommer 2017. Der Franken hat sich stabil entwickelt.

  • Ängste um US-Konjunktur belasten die Weltaktienmärkte. Zyklische Aktien bleiben unter Druck; vergleichsweise konjunkturresistente Titel sind stark gesucht.

    Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

    100 = 01.01.2019

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den zurückliegenden zwölf Monaten in Franken dar. Im letzten Monat erlitten die Aktienmärkte weltweit einen Verlust von rund 1 Prozent. Unter den Sorgen um die US-Konjunktur, die seit dem letzten Quartal das Bild prägen, haben die Aktienmärkte der Schwellenländer am deutlichsten gelitten, während der Schweizer Markt seit Juli im Vergleich zum Weltaktienindex besser dasteht.
    Quelle: Refinitiv

    Anhaltende Sorgen um die Verfassung der US-Konjunktur belasten die weltweiten Aktienmärkte seit dem Sommer. Zyklische Aktien, die besonders konjunktursensitiv sind, werden gemieden, während Papiere von Unternehmen, deren Geschäftsgang wenig von Wirtschaftszyklen abhängig ist, sehr gesucht sind. Der Schweizer Aktienmarkt, der im internationalen Vergleich als defensiv gilt, vermochte diese Qualität zuletzt nicht auszuspielen.

    Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Das KGV ist vor dem Hintergrund rückläufiger Kurse im letzten Monat weltweit leicht gefallen. Regional bleiben deutliche Unterschiede erkennbar. Im Zuge der erhöhten Nachfrage nach Qualitätstiteln, die die mehrjährige Hausse mitgeprägt hat, notiert die Bewertung des Schweizer Marktes am obersten Ende der historischen Daten. Das KGV für den weltweiten Aktienmarkt fluktuiert dagegen um seinen langfristigen Mittelwert.
    Quelle: Refinitiv

    Aktien haben sich gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im letzten Monat im Zuge leicht rückläufiger Kurse etwas verbilligt. Schweizer Aktien bleiben historisch gesehen aber teuer, während die Bewertungen des Weltaktienmarktes und der Schwellenländer im langfristigen Durchschnitt liegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist ein Massstab dafür, wie billig oder teuer Aktien im Verhältnis zu den erzielten Unternehmensgewinnen sind. Je höher das KGV, desto teurer ist ein Markt.

    Momentumstärke einzelner Märkte

    In Prozent

    Die Darstellung bildet die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit ab. Das Momentum setzt einen laufenden 10-Tages-Durchschnitt zum Durchschnitt der letzten 240 Tage ins Verhältnis. Im zurückliegenden Monat variierte der Wert stark. Einzig die Schweiz und Japan verzeichnen ein positives Momentum, während die Dynamik in allen anderen Märkten negativ war.
    Quelle: Refinitiv

    Wie stark die Dynamik an den Aktienmärkten derzeit ist, geht aus der Momentumstärke hervor. Diese setzt den Durchschnitt der letzten zehn Tage ins Verhältnis zu den letzten 240 Tagen. Das Bild ist uneinheitlich, doch überwiegt klar eine negative Dynamik. Einzig Japan und die Schweiz verzeichnen derzeit ein positives Momentum.

  • Im zurückliegenden Monat ist die Kursentwicklung an den weltweiten Obligationenmärkten deutlich weniger synchron verlaufen als in den vorangegangenen Vierteljahren. In den USA sinken die Verfallsrenditen von Staatsobligationen, während die Verzinsung in Europa steigt. Das gilt besonders für die Schweiz: Die Rendite auf Verfall der zehnjährigen Eidgenossen erhöhte sich seit dem Tiefstand im August um 0,5 Prozentpunkte.

    Indexierte Wertentwicklung 10-jähriger Staatsobligationen in Franken

    100 = 01.01.2019

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Schweizer Franken aus der Schweiz, den USA und Deutschland dar. Der stete Aufwärtstrend ist einer volatileren Entwicklung gewichen. Auffällig ist dabei auch, dass die Entwicklung weniger synchron verläuft.
    Quelle: Refinitiv

    Lange Zeit war der Kursverlauf an den weltweiten Obligationenmärkten von einer gleichlaufenden Entwicklung geprägt. Dieses Muster liess sich in den zurückliegenden Wochen weniger beobachten: während die Verfallsrenditen in den USA sanken, stiegen die Zinsen in Europa. Gerade in der Schweiz war der Zinsanstieg deutlich sichtbar. So kletterte die Rendite auf Verfall zehnjähriger Eidgenossen, einem wichtigen Massstab für die Zinsentwicklung, gegenüber dem Tief im Sommer um hohe 0,5 Prozentpunkte.

    Entwicklung der 10-jährigen Verfallsrenditen

    In Prozent

    Die Darstellung zeigt die Entwicklung der Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands, einem wichtigen Massstab für die Zinsentwicklung. Diese Renditen befinden sich in einem langfristigen Abwärtstrend. In Europa sind die Verfallsrenditen in deutlich negativem Territorium.
    Quelle: Refinitiv

    Die Verfallsrenditen bleiben trotz der jüngsten Anstiege in Europa und vor allem in der Schweiz auf äusserst tiefen historischen Niveaus. Für langfristige Anleger wie Pensionskassen ist dies ein Problem. Das ist vor allem in Europa der Fall, wo die Renditen auf Verfall negativ sind. Höhere Renditen finden sich derzeit bei riskanteren Schuldpapieren. Allerdings bringen diese attraktiveren Ausschüttungen das Risiko stärkerer Kursschwankungen mit sich.

    Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

    In Prozentpunkten

    In dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallsrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spread genannt, bleiben seit Jahren auf tiefen Niveaus. Im letzten Monat haben sie sich wenig bewegt. Unternehmen profitieren also stark vom allgemeinen Zinsrückgang.
    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Der Aufschlag, den Unternehmen auf ihren Obligationen im Vergleich zu sicheren Staatsschuldnern bezahlen, bleibt auf historisch tiefen Niveaus. Das gilt für die USA, sowie Europa. Damit profitieren Unternehmen vom Rückgang der Renditen ebenso stark wie Staaten. Die tiefe Differenz zwischen den Verfallsrenditen, die Staatsanleihen und Unternehmenspapiere bieten, zeigt, dass Anleger bei Unternehmensanleihen geringe Risiken sehen.

  • Die Nachfrage nach Schweizer Immobilien hält unvermindert an: Sowohl Immobilienaktien und -fonds klettern auf Rekordstände. Immobilienfonds bleiben mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 2,7 Prozent attraktiv.

    Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

    100 = 01.01.2019

    Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Der Trend weist seit Herbst 2018 klar nach oben. Seit dem Tief vor einem Jahr belaufen sich die Gesamterträge auf rund 20 Prozent.
    Quelle: Refinitiv

    Immobilienanlagen bleiben gefragt. In der Schweiz haben die Kurse von Immobilienfonds und -aktien Rekordstände erreicht. Rohstoffpreise und das Gold haben sich weniger dynamisch entwickelt. Die Anschläge auf die saudische Ölindustrie haben den Rohölpreis nur kurzfristig beeinflusst.

    Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

    In Prozent

    In dieser Abbildung ist die Verfallsrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten zu sehen. Dieser Aufpreis, auch Agio genannt, schoss in den letzten Wochen in die Höhe. Wir halten das im historischen Vergleich hohe Niveau in Anbetracht der tiefen Verfallsrenditen von Obligationen allerdings für gerechtfertigt.
    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Das Agio von Immobilienfonds ist im letzten Monat auf 28 Prozent gestiegen. Der Aufpreis, den die Anleger auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten bezahlen, nähert sich damit wieder seinen historischen Höchstständen. Im Kontext des aktuellen Zinsniveaus ist das Agio angesichts einer durchschnittlichen Dividendenrendite von hohen 2,7 Prozent aber gerechtfertigt.

    Leerstandsquote und Immobilienpreise

    Diese Grafik beinhaltet die Leerstandquote von Schweizer Wohnimmobilien und die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Während die Immobilienpreise seit Jahren rückläufig sind, hält der Trend zu höheren Leerstandquoten unvermindert an.
    Quelle: Refinitiv

    In der Schweiz übersteigt das Angebot an Immobilien die Nachfrage. Das lässt sich an der steigenden Leerstandquote und an den rückläufigen Preisen ablesen: Sowohl Wohnungen als auch Mietimmobilien verzeichnen Wertverluste. Im Gegensatz dazu hält der Trend zu höheren Preisen bei den zur Vermietung und als Anlageobjekte weniger geeigneten Einfamilienhäusern an.

  • Der Dollar legte im vergangenen Monat gegenüber allen Hauptwährungen nochmals leicht zu. Wenig Bewegung liess sich im Franken beobachten: Die Schweizer Valuta notierte stabil. Die Goldpreishausse ist vorerst unterbrochen. Im Monatsvergleich bleibt der Goldpreis unverändert.

    Währungspaar Kurs KKP Neutraler Bereich Bewertung
    Währungspaar
    EUR/CHF
    Kurs
    1,10
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,19
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,11 – 1,27
    Bewertung
    Euro unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CHF
    Kurs
    1,00
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,93
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,81 – 1,05
    Bewertung
    USD neutral
    Währungspaar
    GBP/CHF
    Kurs
    1,26
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,46
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,25 – 1,66
    Bewertung
    Pfund neutral
    Währungspaar
    JPY/CHF
    Kurs
    0,92
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,07
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,93 – 1,27
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    SEK/CHF
    Kurs
    10,17
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    12,11
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    10,97 – 13,25
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    NOK/CHF
    Kurs
    10,99
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    13,23
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    11,91 – 14,55
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    EUR/USD
    Kurs
    1,10
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,28
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,11 – 1,44
    Bewertung
    Euro unterbewertet
    Währungspaar
    USD/JPY
    Kurs
    108,56
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    86,61
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    71,32 – 101,90
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CNY
    Kurs
    7,10
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    6,29
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    6,05 – 6,52
    Bewertung
    Renminbi unterbewertet

    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Der Dollar setzte seinen Höhenflug im zurückliegenden Monat fort. Auf handelsgewichteter Basis, einem wichtigen Gradmesser, ist die Bewertung so hoch wie zuletzt im Sommer 2017. Der Franken entwickelte sich stabil, während die nordischen Währungen, die norwegische Krone und die schwedische Krone, unter Druck bleiben. Deutlich an Wert zulegen konnte dagegen das britische Pfund.

    Währungen lassen sich mit der sogenannten Kaufkraftparität bewerten. Gemessen an der Kaufkraftparität sind derzeit viele Währungen gegenüber dem Franken unterbewertet. Von den in der obenstehenden Tabelle abgebildeten Währungen ist der Franken lediglich gegenüber dem ebenfalls stark überbewerteten Dollar neutral bewertet. Besonders stark unterbewertet sind die norwegische und die schwedische Krone.

    Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

    100 = 01.01.2019

    Diese Darstellung zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken. Der Aufwärtstrend des Goldpreises ist im zurückliegenden Monat unterbrochen worden.  Seit Jahresbeginn beträgt das Plus gemessen in Franken hohe 18 Prozent.
    Quelle: Refinitiv

    Der Aufwärtstrend des Goldpreises ist im zurückliegenden Monat unterbrochen worden. Seit Jahresbeginn gehört das als sicherer Hafen geschätzte Edelmetall jedoch weiterhin zu den Gewinnern: Das Plus beträgt rund 18 Prozent.

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