Marktüberblick: An den Börsen bringt der Sommer keine Entspannung

Der Höhenflug an den Aktienmärkten ist im letzten Monat unterbrochen worden: Aktien verzeichneten global Kursrückgänge. Gefragt waren Anlagen, die als sicher eingestuft werden. Dazu zählen Gold, Staatsanleihen oder der Schweizer Franken, die allesamt deutliche Gewinne verbuchten. Risikopapiere litten unter den zunehmenden Anzeichen einer sich abschwächenden globalen Wachstumsdynamik. Sorgen bereiten den Anlegern zudem die als bedrohlicher wahrgenommene politische Kulisse. Dazu zählen der Handelsdisput zwischen den USA und China und die Möglichkeit eines ungeordneten Brexits.

  • Die Aktienmärkte notierten global deutlich im Minus. Seit Jahresbeginn bleiben zweistellige Gewinne. Das Minus bei Schweizer Aktien hielt sich in Grenzen. Die stärksten Verluste erlitten ostasiatische Märkte.

    Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

    100 = 01.01.2019

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den zurückliegenden zwölf Monaten in Franken dar. Der Kursaufschwung der vorangegangenen Monate ist von deutlichen Verlusten abgelöst worden. Schweizer Werte schnitten im Vergleich am besten ab.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Aktien erlitten im zurückliegenden Monat weltweit deutliche Einbussen. Der Schweizer Markt wurde dabei seinem defensiven Ruf in einem volatilen Finanzmarktumfeld gerecht; hiesige Werte verbuchten vergleichsweise geringe Verluste. Am stärksten unter die Räder kamen die Aktienmärkte in den Schwellenländern. Seit Jahresbeginn resultieren bei Schweizer Aktien in Franken gerechnet nach wie vor Gewinne von über 18%.

    Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Das KGV ist vor dem Hintergrund weltweit tieferer Aktienkurse im letzten Monat gesunken. Eine Ausnahme bildet die Schweiz.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Das Verhältnis der Aktienkurse zu den Unternehmensgewinnen (Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV) ist im Zuge rückläufiger Kurse weltweit gesunken. Eine Ausnahme bildet die Schweiz. Das KGV ist ein Massstab für die Bewertung von Unternehmenspapieren. Demnach sind Schweizer Aktien im internationalen Vergleich teuer.

    Momentumstärke einzelner Märkte

    In Prozent

    Die Darstellung bildet die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit ab. Das Momentum drehte im zurückliegenden Monat weltweit ins Minus. Mit einer positiven Dynamik auftrumpfen konnte einzig die Schweiz, während die anderen Märkte eine Negative verzeichneten.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Mit den Kursrückschlägen drehte auch das Momentum weltweit ins Minus, nachdem die Kursdynamik in den vorangegangenen Monaten positive Werte ausgewiesen hatte. Einzige Ausnahme unter den wichtigen Aktienmärkten bildet die Schweiz, deren Momentum gegen den Trend positiv bleibt.

  • Der Rückgang der Renditen sicherer Staatsanleihen ging rasant weiter. Auch risikoreichere Papiere wie Unternehmensanleihen verbuchten Gewinne. Besonders stark ausgeprägt war der Zinsrückgang in der Schweiz. Unter europäischen Staatsanleihen weisen mittlerweile immer mehr Papiere negative Verfallsrenditen aus.

    Indexierte Wertentwicklung 10-jähriger Staatsobligationen in Franken

    100 = 01.01.2019

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Schweizer Franken aus der Schweiz, den USA und Deutschland dar. Der deutliche Aufwärtstrend, der seit fast einem Jahr anhält, hat sich nach einer kräftigen Gegenbewegung im Vormonat heuer nun beschleunigt fortgesetzt.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Die Kursrallye von Staatsanleihen, deren Anfang sich nun bald jährt, setzte sich im zurückliegenden Monat fort. Schweizer Staatsanleihen, deutsche und amerikanische Regierungspapiere verbuchten allesamt Kursgewinne. Seit Jahresbeginn betrachtet führen Schweizer Bundesobligationen die Rangliste an. Die Gewinne sind das Spiegelbild fallender Zinsen.

    Entwicklung der 10-jährigen Verfallsrenditen

    In Prozent

    Die Darstellung zeigt die Entwicklung der Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands, einem wichtigen Massstab für die Zinsentwicklung. Diese befinden sich in einem langfristigen Abwärtstrend, der sich zuletzt wieder beschleunigt hat. Immer mehr europäische Staatstitel werfen eine negative Rendite auf Verfall ab.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Die Verfallsrenditen 10-jähriger Staatsanleihen – ein wichtiger Referenzwert, an dem die Zinsentwicklung ablesbar ist – haben sich im letzten Monat deutlich zurückgebildet. Dieser Verlauf folgt dem langfristigen Trend. Immer mehr europäische Papiere werfen eine negative Rendite ab, hält man sie bis zur Rückzahlung. Seit Jahresbeginn resultieren jeweils satte Gewinne, angeführt von US-Staatspapieren.

    Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

    In Prozentpunkten

    In dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallsrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese sogenannten Risikoaufschläge liegen nun schon seit Jahren auf tiefen Niveaus. Im letzten Monat haben sie sich wenig verändert.
    Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters Datastream

    Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen, die seit der Finanzkrise im Jahr 2008 einem sinkenden Trend folgen, bewegten sich im zurückliegenden Monat wenig. Damit profitieren auch Unternehmen weiterhin vom starken Zinsrückgang. Je höher der Risikoaufschlag, desto höher die Zinskosten, die Kreditschuldner wie Unternehmen bezahlen müssen, um sich zu finanzieren.

  • Der Aufwärtstrend bei kotierten Schweizer Immobilienfonds hielt in den letzten Wochen an. Rückläufige Zinsen trieben die Kurse der Immobilienanlagen weiter in die Höhe. Der Aufpreis gegenüber dem inneren Wert der in den Fonds enthaltenen Immobilien (Agio) ist zuletzt wieder gestiegen, lag aber im historischen Vergleich schon höher.

    Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

    100 = 01.01.2019

    Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Während 2018 ein holpriges Jahr war für diese Anlagen, sieht dieses Jahr hervorragend aus. Im Zuge der weiteren jüngsten Kursgewinne beläuft sich das Plus auf rund 17%.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Während 2018 ein schwieriges Jahr für Immobilienfonds war, sieht 2019 hervorragend aus. Im Zuge des Zinsrückgangs verbuchen die Anlagen substanzielle Gewinne. Getrieben von erneut fallenden Zinsen kletterten die Notierungen im letzten Monat weiter. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf rund 17%.

    Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

    In Prozent

    In dieser Abbildung ist die Verfallsrendite 10-jähriger Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis, den Anleger in der Schweiz für kotierte Immobilienfonds bezahlen abgebildet. Dieser Aufpreis, auch Agio genannt, ist seit Jahresbeginn deutlich gestiegen, lag bei vergleichbarem Zinsniveau aber schon deutlich höher. Der Rückgang des Zinsniveaus rechtfertigt ein höheres Agio.
    Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters Datastream

    Die rückläufigen Zinsen befeuerten die Nachfrage nach Immobilienfonds und bescherten den sehr zinssensitiven obligationenähnlichen Investments im letzten Monat weitere Kursgewinne. Zwar ist der Aufpreis auf den inneren Wert, der in den Fonds enthaltenen Immobilienobjekte (Agio), erneut weiter in die Höhe geklettert. Das Agio war bei entsprechendem Renditeniveau 10-jähriger Obligationen indes schon deutlich höher.

    Leerstandsquote und Immobilienpreise

    Diese Grafik beinhaltet die Leerstandsquote von Schweizer Wohnimmobilien und Preisindizes für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Sowohl die Leerstandsquote als auch die Preisindizes steigen seit einem Jahrzehnt an. In den letzten Jahren sind Wohnungs- und Mietpreise jedoch leicht gesunken.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    In der Schweiz übersteigt das Immobilienangebot die Nachfrage. Darauf deutet die Leerstandsquote hin. Sie steigt seit zehn Jahren stetig. Das ist nicht ohne Wirkung auf die Immobilienpreise geblieben: Sowohl Wohnungen wie Mietobjekte verzeichneten zuletzt Preisrückgänge bei Transaktionen. Einfamilienhäuser konnten sich diesem Trend vorerst entziehen, da sie zur Vermietung und damit als Anlageobjekt weniger geeignet sind.

  • Die Devisenmärkte sind nach einer Sommerflaute wieder zum Leben erwacht. Ausgeprägt stark entwickelte sich der Franken. Der Goldpreis setzte seinen Höhenflug im letzten Monat fort und erklomm ein Fünfjahreshoch.

    Währungspaar Kurs KKP Neutraler Bereich Bewertung
    Währungspaar
    EUR/CHF
    Kurs
    1,08
    KKP
    1,19
    Neutraler Bereich
    1,10 – 1,27
    Bewertung
    Euro unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CHF
    Kurs
    0,97
    KKP
    0,93
    Neutraler Bereich
    0,81 – 1,04
    Bewertung
    neutral
    Währungspaar
    GBP/CHF
    Kurs
    1,17
    KKP
    1,46
    Neutraler Bereich
    1,26 – 1,66
    Bewertung
    Pfund unterbewertet
    Währungspaar
    JPY/CHF
    Kurs
    0,92
    KKP
    1,07
    Neutraler Bereich
    0,93 – 1,27
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    SEK/CHF
    Kurs
    10,18
    KKP
    12,14
    Neutraler Bereich
    11,00 – 13,28
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    NOK/CHF
    Kurs
    10,94
    KKP
    13,20
    Neutraler Bereich
    11,89 – 14,50
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    EUR/USD
    Kurs
    1,12
    KKP
    1,28
    Neutraler Bereich
    1,11 – 1,45
    Bewertung
    neutral
    Währungspaar
    USD/JPY
    Kurs
    105,30
    KKP
    86,28
    Neutraler Bereich
    71,08 – 101,48
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CNY
    Kurs
    7,02
    KKP
    6,27
    Neutraler Bereich
    6,05 – 6,50
    Bewertung
    Renminbi unterbewertet

    Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters Datastream

    An den Devisenmärkten kehrte Leben zurück. So gewann der Franken gegenüber dem Gros der Währungen: Er stieg zum US-Dollar in einem Monat um 2%, gegenüber dem schwachen Pfund waren es gar 5%. Einzig zum Yen, einem anderen sicherern Hafen, verlor die Schweizer Währung an Wert. Der Yen bleibt aber unterbewertet, und wir empfehlen die Valuta zum Kauf. Auf der Verliererseite stand der chinesische Renminbi, der andere Schwellenländerwährungen belastete.

    Gemessen an der Kaufkraftparität ist der US-Dollar die am meisten überbewertete Währung, während der japanische Yen unter den Hauptwährungen am günstigsten bewertet ist. Der Franken ist leicht überbewertet, und der Euro verharrt in neutralem Bereich. Wir erwarten langfristig, dass sich Bewertungsungleichgewichte zur Kaufkraftparität wieder auflösen werden. Über den Zeitpunkt einer Korrektur lässt sich aber nichts Eindeutiges sagen.

    Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

    100 = 01.01.2019

    Diese Darstellung zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken. Nach einer Seitwärtsbewegung im ersten Halbjahr erwachte das Edelmetall seither zu neuem Leben und schwingt sich von Hoch zu Hoch. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus rund 17%.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream

    Der Preisauftrieb beim Gold setzte sich in den letzten Wochen fort. Mit einem Plus von über 6% übertraf die Wertentwicklung des Edelmetalls diejenige aller anderen Anlageklassen. Mit einem Preis von 1’500 US-Dollar pro Unze liegen die Notierungen so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.

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