Wirtschaft: Verschlechterte wirtschaftliche Aussichten

Dass die verarbeitende Industrie in den meisten entwickelten Volkswirtschaften mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hat, sorgt schon seit Längerem für Schlagzeilen. Nun hat sich in den USA auch die Stimmung von Dienstleistungsunternehmen deutlich verschlechtert. Es muss mit tiefen Wachstumsraten gerechnet werden. Auch die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft sind verhalten. In China hingegen zeigen jüngste Daten eine gewisse Erholung.

  • Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz verharrte auch im September auf einem 18-jährigen Tief. Die Löhne wachsen aktuell mit jährlich 0,5 Prozent, während die Inflation auf sehr tiefem Niveau verharrt. Trotz dieser positiven Entwicklung hat der Detailhandel weiter zu kämpfen. Strukturelle Gründe sind dafür verantwortlich, denn trotz steigender Bevölkerungszahl hatte der Schweizer Detailhandel bereits 2010 sein bestes Jahr. Seither sind die Umsätze jährlich um etwa 0,5 Prozent gesunken. Stimmungsumfragen zeigen, dass die Konsumlaune der Schweizerinnen und Schweizer seit Längerem sehr verhalten ist. Einzige Ausnahme bildet die ungebrochene Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Da die Industrie gleichzeitig mit rückläufigen Umsätzen kämpft und die Aussichten weiterhin eher düster bleiben (der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe liegt mit 44,6 Punkten weiterhin sehr tief), fehlt der Schweiz aktuell eine Wachstumsstütze. Die Wachstumsraten werden sich in den kommenden Quartalen kaum über null bewegen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Das Wirtschaftswachstum sank in der Schweiz jüngst beträchtlich. Obwohl das nächste Quartal wieder etwas besser ausfallen sollte, liegt das Wachstum unterhalb des langfristigen Trends.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance

    Das Wirtschaftswachstum sank in der Schweiz jüngst beträchtlich. Obwohl das nächste Quartal wieder etwas besser ausfallen sollte, liegt das Wachstum unterhalb des langfristigen Trends.

  • Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich in den USA im letzten Monat nochmals verschlechtert. Das Wachstum der Industrieproduktion hat bereits in den vergangenen zwölf Monaten spürbar abgenommen und tendiert nun gegen null. Die vorlaufenden Indikatoren deuten auf keine Änderung, der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (ISM Manufacturing) liegt bei nur 47,8 Punkten. Anders jedoch als in der Schweiz entwickeln sich in den USA die Detailhandelsumsätze bis anhin sehr robust. Seit 2010 sind die Umsätze Jahr für Jahr gestiegen. Steigende Konsumausgaben haben das Wirtschaftswachstum in den USA in den vergangenen Quartalen entscheidend gestützt. Die erfreulichen Oktoberzahlen zur Konsumstimmung deuten bisher nicht auf eine Trendwende hin. Pessimistischer gestimmt sind jedoch die Anbieter von Dienstleistungen. Der ISM Non-Manufacturing, welcher die Stimmung ausserhalb des verarbeitenden Gewerbes erfasst, sank im September auf 52,6 Punkte. Dies entspricht einem Dreijahrestief.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Da neben dem Stimmungsindikator für die Industrie jüngst auch der Indikator für den Dienstleistungssektor nachgegeben hat, weist unser Indikator für das Wachstum eine deutlich negative Dynamik auf.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance

    Da neben dem Stimmungsindikator für die Industrie jüngst auch der Indikator für den Dienstleistungssektor nachgegeben hat, weist unser Indikator für das Wachstum eine deutlich negative Dynamik auf.

  • Die Probleme in der europäischen Industrie, insbesondere der deutschen, haben bisher nicht auf die Konsumstimmung durchgeschlagen. Die Detailhandelsumsätze entwickeln sich fast überall robust und lassen bis anhin keine Trendwende erkennen. Etwas pessimistischer zeigen sich hingegen die befragten Führungspersonen aus dem Dienstleistungssektor, dem Bau und dem Detailhandel. Obwohl der Anteil der positiv gestimmten Führungspersonen auch im Oktober überwog, ist deren Übergewicht seit 2018 gesunken. Rückläufig war deren Anteil insbesondere in Spanien und den Niederlanden und damit just in jenen Ländern, welche im zweiten Quartal das höchste Wachstum innerhalb der Eurozone vorweisen konnten. Damit verlieren innerhalb der Eurozone auch die Zugpferde an Schwung, wodurch in der Eurozone mit einer weiteren Wachstumsverlangsamung gerechnet werden muss.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator für die Eurozone seit 1995 ab. Sowohl das effektive Wirtschaftswachstum als auch unser Konjunkturindikator weisen eine negative Dynamik auf. Trotz allem liegt das Wachstum nach wie vor über dem langfristen Trendwachstum.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance

    Sowohl das effektive Wirtschaftswachstum als auch unser Konjunkturindikator weisen eine negative Dynamik auf. Trotz allem liegt das Wachstum nach wie vor über dem langfristen Trendwachstum.

  • Wie geht es China? So relevant diese Frage für die globale Konjunktur auch ist, so uneinig sind sich Ökonomen jeweils in ihrer Einschätzung. Positiv kann vermerkt werden, dass in diversen Industriesektoren derzeit steigende Produktionszahlen beobachtet werden können. Auch die Stimmungsdaten aus der Industrie deuten auf eine Erholung hin. Damit widersetzt sich China aktuell dem global vorherrschenden Trend einer sinkenden Industrieproduktion. Daten aus dem Bausektor deuten ebenfalls auf eine leichte konjunkturelle Erholung hin.

    Deutlich schlechter geht es momentan der südafrikanischen Wirtschaft. Das Wachstum in der zweitgrössten Wirtschaft Afrikas liegt seit Längerem deutlich unterhalb des möglichen Potenzialwachstums von rund zwei Prozent. Hinzu kommt, dass verschiedene Ratingagenturen aufgrund des hohen Budgetdefizits die Kreditwürdigkeit des Landes in den letzten Wochen herabgestuft haben.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit 1995. In fast allen Schwellenländern ist eine Konjunkturverlangsamung zu beobachten. Unser Indikator weist jedoch nicht dieselbe Negativdynamik auf wie in entwickelten Volkswirtschaften. Jüngst ist der Indikator dank China sogar wieder angestiegen.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance

    Aggregiert haben sich die Wirtschaftsaussichten in den Schwellenländern in den letzten Monaten verschlechtert. Der Konjunkturklimaindikator weist jedoch nicht dieselbe Negativdynamik auf wie in den entwickelten Volkswirtschaften. Jüngst ist der Indikator dank China sogar wieder angestiegen.

Globale Konjunkturdaten

Indikatoren Schweiz USA Eurozone GB Japan Indien Brasilien China   
Indikatoren
BIP J/J 2019Q1
Schweiz
1,0%
USA
2,7%
Eurozone
1,3%
GB
2,1%
Japan
1,0%
Indien
5,8%
Brasilien
0,5%
China   
6,4%
Indikatoren
BIP J/J 2019Q2
Schweiz
0,2%
USA
2,3%
Eurozone
1,1%
GB
1,3%
Japan
0,8%
Indien
5,0%
Brasilien
1,0%
China   
6,2%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz

USA

Eurozone
GB

Japan
+
Indien
+
Brasilien
+
China   

Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,5%
USA
1,7%
Eurozone
1,0%
GB
1,6%
Japan
0,9%
Indien
6,6%
Brasilien
0,9%
China   
6,3%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,2%
USA
1,8%
Eurozone
0,9%
GB
1,7%
Japan
0,2%
Indien
3,2%
Brasilien
3,4%
China   
2,8%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
1,90%
Eurozone
0,0%
GB
0,75%
Japan
-0,10%
Indien
5,15%
Brasilien
5,50%
China   
4,35%

Quelle: Refinitiv, PostFinance

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