Marktüberblick: Gegensätze an den Finanzmärkten

Die derzeitige Lage an den Finanzmärkten ist von Gegensätzen geprägt. Zum einen zeigen Anleger weiterhin Risikoappetit und drängen in risikobehaftete Anlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen. Die Aktienmärkte konnten gar einen grandiosen Jahresendspurt hinlegen. Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken, die Zinsen tief halten, hilft dafür. Zum anderen zeigte die Zuspitzung des US-Iran-Konflikts, dass Anleger während Unsicherheiten weiterhin in «sichere Häfen» flüchten. So verzeichneten insbesondere Gold und der Schweizer Franken deutliche Kursanstiege.

  • Nach dem grandiosen Jahresendspurt haben die Aktienmärkte ihr Tempo zu Beginn des Jahres etwas verlangsamt. Ein Auslöser dafür waren geopolitische Risiken rund um den US-Iran-Konflikt. Das grösste Momentum ist in den Schwellenländern zu beobachten.

    Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den zurückliegenden zwölf Monaten in Franken dar. Seit Jahresbeginn war eine weitere Aufwärtsbewegung zu beobachten, wenngleich deutlich verhaltener. Der Schweizer Aktienmarkt ist im Vergleich zurückgefallen. Dafür konnten Aktien aus Schwellenländern im Januar am stärksten zulegen.
    Quelle: Refinitiv

    Nach einem Jahresendspurt mit hohen Gewinnen gehen die Kurse zu Beginn des neuen Jahres an den Aktienmärkten weiter nach oben, wenngleich in einem langsameren Tempo. Für einen Jahresbeginn war dies im Vergleich zu den Vorjahren sogar ein recht verhaltener Start. Zum einen kann dies auf die kurzzeitige Eskalation an der geopolitischen Front zurückgeführt werden. Nach der Ermordung eines iranischen Generals durch US-Streitkräfte war unklar, welche Konsequenzen dieser Schritt aufzeigen wird. Zum anderen kann eine gewisse Zurückhaltung aufgrund der schlechten Zahlen aus der Industrieproduktion angenommen werden.

    Momentumstärke einzelner Märkte

    In Prozent

    Die Darstellung bildet die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit ab. Das Momentum setzt einen laufenden 10-Tages-Durchschnitt zum Durchschnitt der letzten 240 Tage ins Verhältnis.  Zum Jahresbeginn hält das weltweit positive Momentum weiterhin an. Am stärksten ausgeprägt ist dieses momentan in Asien, gefolgt von den Aktienmärkten Schweiz, USA und Grossbritannien.
    Quelle: Refinitiv

    Trotz einem verhaltenen Jahresstart an den Aktienmärkten bleibt das Momentum weiterhin deutlich positiv. Besonders ausgeprägt war dieses in den ersten Wochen des Jahres in Asien. So haben gute Zahlen aus der Industrie sowie eine deutliche Entspannung im US-chinesischen Handelskonflikt für Optimismus am chinesischen Aktienmarkt gesorgt. Während die amerikanischen Börsen im Januar noch deutlich zulegten, hat die Dynamik am Schweizer Aktienmarkt nachgelassen.

    Kurs-Gewinn-Verhältnis

    Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Das KGV hat sich vor dem Hintergrund steigender Kurse im zurückliegenden Monat erhöht. Regional sind deutliche Unterschiede erkennbar. So notiert die Bewertung des Schweizer Marktes im historischen Vergleich am obersten Ende der Messungen. Das KGV für den Weltaktienindex und auch jenes für Schwellenländeraktien weisen Werte um den jeweiligen langfristigen Mittelwert aus.
    Quelle: Refinitiv

    Weltweit steigen die Bewertungen der Aktienmärkte gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Der Jahresendspurt hat diese Entwicklung nochmals beschleunigt. Da aber die Gewinne der Unternehmen weiterhin kaum Wachstum aufweisen, erhöhen sich die KGVs. Auch wenn die ansteigenden Kurse dem Portfolio aktuell guttun: Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Fallhöhe steigt, was sich insbesondere in einer nächsten Rezession zeigen würde.

  • Die neue Dekade startet mit moderat höheren Preisen auf Staatsanleihen im Vergleich zum Vormonat. Die Renditen auf den Verfall von 10-jährigen Staatsanleihen liegen dabei weiterhin nahe ihren historischen Tiefstwerten. Bleiben die Zinsen für 2020 wie erwartet stabil tief, wird sich dies stärker negativ auf die Renditen der Portfolios auswirken als bisher.

    Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Grafik stellt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Schweizer Franken aus der Schweiz, den USA und Deutschland dar. Sichere Staatspapiere erlitten im zurückliegenden Monat im Zuge der kräftigen Gewinne von Risikopapieren, allen voran Aktien, weltweit Verluste. In den ersten Handelswochen seit Jahresbeginn sind die Verfallrenditen aber wieder leicht gefallen und haben so zu moderat höheren Preisen geführt. Am besten schnitten US-Titel ab, gefolgt von Schweizer Staatspapieren. Deutsche Staatsanleihen waren das Schlusslicht.
    Quelle: Refinitiv

    Während die Aktienmärkte zum Jahresende einen richtigen Boom erlebten, haben sichere, langfristige Staatsobligationen im letzten Quartal Werteinbussen hinnehmen müssen. Nach der dreifachen Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve sind die Zinserwartungen für das kommende Jahr 2020 stabil. Und auch von der Europäischen Zentralbank wird eine Fortsetzung der bisherigen Zinspolitik erwartet. Bei gleichbleibenden tiefen Zinsen wird sich das Tiefzinsumfeld stärker auf die Renditen der Portfolios auswirken, da nicht mehr von Kursgewinnen profitiert werden kann.

    Entwicklung der 10-jährigen Verfallsrenditen

    In Prozent

    Die Grafik bildet die Entwicklung der Renditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands ab. 10-jährige Verfallsrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Trotz des jüngsten Anstiegs befinden sie sich in einem langfristigen Abwärtstrend. In Europa bleiben die Verfallsrenditen in negativem Territorium.
    Quelle: Refinitiv

    Nach dem starken Einbruch der Verfallsrendite auf 10-jährige Staatspapiere im vergangenen Jahr deutete sich zum Jahresende eine leichte Erholung an. Doch in den ersten Handelswochen des neuen Jahres sind die Zinsen erneut gefallen. Damit verbleiben sie weiterhin nahe ihren historischen Tiefstwerten. In Europa bewegen sich die Verfallsrenditen weiterhin im Negativbereich. Dies drängt Anleger auf der Suche nach Renditen immer mehr in risikoreichere Anlagen wie Unternehmens- und Schwellenlandanleihen.

    Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

    In Prozentpunkten

    In dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallsrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, bleiben seit Jahren auf tiefen Niveaus. Je tiefer der Spread, desto weniger zusätzlichen Zins müssen risikobehaftetere Schuldner im Vergleich zu sicheren Staatsemittenten zahlen.
    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Zum Jahresbeginn bleibt der Risikoappetit der Anleger unverändert hoch. Dies macht sich nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch an den Märkten für Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen bemerkbar: Die Zinsen auf solch riskante Anlagen unterscheiden sich nur vergleichsweise wenig von denen auf sichere Staatsanleihen. In der Schweiz waren die Risikoaufschläge zuletzt vor der Finanzkrise auf einem solch tiefen Niveau.

  • Schweizer Immobilienfonds haben im Januar ihren Höhenflug fortgesetzt. Investoren sind bereit, rekordhohe Aufpreise zu bezahlen. Der weltweite Immobilienmarkt hingegen wird durch steigende Kapitalmarktzinsen belastet.

    Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

    100 = 01.01.2020

    Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Seit dem vor einem Jahr verzeichneten Tief war ein klarer Wachstumstrend zu beobachten. Dieser setzt sich bislang auch im neuen Jahr fort.
    Quelle: Refinitiv

    Geradezu fulminant sind die Schweizer Immobilienaktien und -fonds ins neue Jahr gestartet und setzten damit ihren Aufwärtstrend vom letzten Jahr fort. Erst in den letzten Tagen haben sie etwas nachgelassen. Womöglich haben Anleger einen Teil der im letzten Jahr erzielten Gewinne dafür eingesetzt, zusätzlich in Immobilien zu investieren. Sie müssen dafür aber rekordhohe Preise zahlen. Immobilienfonds nutzten die Gelegenheit, um neues Geld aufzunehmen.

    Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

    In Prozent

    In dieser Abbildung ist die Verfallsrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Dieser Aufpreis, auch Agio genannt, ist im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen und erzielte im Januar dieses Jahres neue Höchststände. Dieser Trend korreliert invers zum 10-jährigen Zins. Wir halten das hohe Niveau trotz des derzeitigen Tiefzinsumfelds nicht mehr vollständig nachvollziehbar.
    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Der Höhenflug der kotierten Schweizer Immobilienfonds hat sich auch zum Jahresanfang fortgesetzt. Neue Höchstwerte wurden erzielt. Anleger waren dabei bereit, Rekordpreise zu bezahlen. Noch nie war die Differenz zwischen dem inneren Wert eines Immobilienobjekts und seinem erzielten Marktpreis so hoch. Damit sind die Preise trotz des derzeitigen Tiefzinsumfelds nicht mehr vollständig nachvollziehbar. Die vergleichsweise hohe Dividendenrendite von Immobilienfonds scheint aber immer noch genügend attraktiv, um der starken Nachfrage keinen Abbruch zu tun.

    Leerstandsquote und Immobilienpreise

    Diese Grafik beinhaltet die Leerstandsquote von Schweizer Wohnimmobilien und die Preisentwicklung für Einfamilienhäuser, Mietobjekte und Wohnungen. Während die Immobilienpreise in den letzten fünf Jahren einen rückläufigen Trend aufzeigen, steigen die Leerstandquoten unvermindert an.
    Quelle: Refinitiv

    Am 9. Februar steht die Abstimmung zur Volksinitiative für «Mehr bezahlbare Wohnungen» an. Die Initiative verlangt, dass der Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus an den neu gebauten Wohnungen gesamtschweizerisch bei mindestens 10 Prozent liegt. Befürworter erhoffen sich dadurch, dass mehr Mieter von reduzierten Mieten profitieren können. Gegner argumentieren, dass aufgrund der relativ strikten Vorgaben der Initiative auch in Gebieten Wohnungen zusätzlich gebaut werden, in denen bereits hohe Leerstandquoten vorhanden sind.

  • Währungen

    Die geopolitischen Unsicherheiten zum Jahreswechsel zeigten sich an den Währungsmärkten: Die Nachfrage nach als sicher geltenden Währungen nahm zu. Das Pfund verliert bereits wieder.

    Währungspaar Kurs KKP Neutraler Bereich Bewertung
    Währungspaar
    EUR/CHF
    Kurs
    1,07
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,18
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,10 – 1,26
    Bewertung
    Euro unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CHF
    Kurs
    0,96
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    0,93
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,81 – 1,04
    Bewertung
    USD neutral
    Währungspaar
    GBP/CHF
    Kurs
    1,26
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,45
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,25 – 1,65
    Bewertung
    Pfund neutral
    Währungspaar
    JPY/CHF
    Kurs
    0,88
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,06
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    0,91 – 1,25
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    SEK/CHF
    Kurs
    10,17
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    12,08
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    10,93 – 13,23
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    NOK/CHF
    Kurs
    10,85
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    12,99
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    11,69 – 14,29
    Bewertung
    Krone unterbewertet
    Währungspaar
    EUR/USD
    Kurs
    1,11
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    1,27
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    1,11 – 1,44
    Bewertung
    Euro neutral
    Währungspaar
    USD/JPY
    Kurs
    110,17
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    87,87
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    72,31 – 103,42
    Bewertung
    Yen unterbewertet
    Währungspaar
    USD/CNY
    Kurs
    6,88
    KKP Kaufkraftparität. Dieses Mass bestimmt einen Wechselkurs anhand der relativen Preisentwicklung.
    6,30
    Neutraler Bereich Reichweite von historisch normalen Schwankungen.
    6,05 – 6,54
    Bewertung
    Renminbi unterbewertet

    Quelle: Bloomberg, Refinitiv

    Zum Jahresbeginn stand der US-Iran-Konflikt im Fokus. Vorbei war es mit der Ruhe an den Devisenmärkten. «Sichere Anlagen» waren kurzzeitig gefragt. Am meisten zeigte sich dies am Kursanstieg des Schweizer Franken, der allerdings schon seit Mitte Dezember an Wert gewann. Der US-Dollar musste seit Dezember Einbussen hinnehmen, konnte sich aber wieder stabilisieren. Das britische Pfund hat seit Mitte Dezember wieder an Wert verloren, da Boris Johnson betonte, weiterhin einen Hard Brexit in Kauf zu nehmen. Bemerkenswert ist ausserdem die Aufwertung des Renminbi im Vorlauf zur Einigung im US-chinesischen Handelskonflikt.

    Gold

    Auch das Gold profitierte von den geopolitischen Unsicherheiten und konnte den im ersten Halbjahr 2019 begonnenen Aufstieg fortsetzen.

    Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

    100 = 01.01.2020

    Diese Darstellung zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Zeichneten sich die letzten beiden Quartale durch eine abnehmende Nachfrage nach «sicheren Anlagen» wie Gold aus, hat sich dies zuletzt abrupt wieder geändert.
    Quelle: Refinitiv

    Hatte der Goldkurs im vierten Quartal noch sichtbar ein Nachlassen der Rezessionsangst reflektiert, erreichte dieser zum Jahreswechsel sprunghaft neue Höchststände. Auch das Gold profitierte damit von der Nachfrage nach «sicheren Anlagen». Ein Kilo Gold kostete kurzzeitig 49'000 Franken. Auch wenn sich die Preise von den Höchstständen wieder etwas erholt haben, ist bei Gold ein positives Preismomentum zu beobachten.

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