Wirtschaft: Starker Bausektor in den USA

Der Bausektor hat in den USA nochmals an Dynamik gewonnen und kompensiert damit die Schwäche in der Industrie. In der Eurozone deuten die vorlaufenden Indikatoren an, dass mit keiner weiteren Verschlechterung des Wachstums gerechnet werden muss. In China bestätigen sich die positiven Zeichen aus der Industrie.

  • Aus der Industrie erreichten uns für den Dezember widersprüchliche Signale. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie, der noch im September auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren lag, notierte im Dezember wieder über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Der von der KOF erhobene Industrieindikator sank dagegen erneut. Eindeutiger waren die Zahlen zum Einzelhandel. Die Umsätze im Dezember verharrten auf dem selben Niveau wie noch im Dezember 2018. Damit zeigten die Zahlen einmal mehr die schwache Dynamik der Schweizer Konsumausgaben.

    Das 2019 erneut gesunkene Zinsniveau konnte dem hiesigen Bausektor keinen zusätzlichen Schub mehr verleihen. Der Bausektor läuft in der Schweiz schon seit Längerem auf Hochtouren und eine nochmalige Steigerung erscheint aufgrund stagnierender Zuwanderung und steigender Leerstandsquoten unwahrscheinlich. Insgesamt bleiben die Aussichten für das Wachstum der Schweizer Wirtschaft damit verhalten.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Die Schweizer Wirtschaft wächst aktuell leicht unterhalb des langfristigen Trends. Die vorlaufenden Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die Wachstumsraten vorläufig weiterhin auf ähnlichem Niveau bewegen werden.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance
  • Die verarbeitende Industrie bleibt das Sorgenkind der amerikanischen Wirtschaft. Die Zahlen der Industrieproduktion fielen auch im Dezember negativ aus und der Stimmungsindikator notierte erneut tiefer. Insgesamt präsentiert sich die amerikanische Wirtschaft aber nach wie vor in robuster Verfassung. Dies gilt sowohl für den Arbeitsmarkt, der im Dezember erneut mit positiven Zahlen aufwarten konnte, als auch für die Konsumausgaben, die weiterhin solide wachsen.

    Besonders zulegen konnte im Dezember jedoch der Immobiliensektor. Die Anzahl der neu gestarteten Eigenheimbauprojekte lag fast 17% höher als noch im November. Dies ist der stärkste Anstieg der Bauprojekte seit 13 Jahren.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP, dessen langfristigen Trend, und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre dar. Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft bewegt sich im Rahmen des langfristig nachhaltigen Wachstums, dem Trendwachstum. In den nächsten Monaten kann mit Wachstumsraten auf vergleichbarem Niveau gerechnet werden.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance
  • Nachdem die Industrieproduktion im November noch enttäuscht hatte, konnte sie im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,2% leicht zulegen. Die Stimmungsindikatoren für die europäische Industrie verharren gemäss Zahlen der Europäischen Komission seit September auf einem tiefen, aber konstanten Niveau. Damit scheint eine Bodenbildung in der europäischen Industrie schon eher stattgefunden zu haben als in den USA. Hierbei geholfen haben dürfte, dass die Eurozone von Handelskonflikten bisher grossteils verschont wurde.

    Der Bausektor entwickelt sich in der Eurozone ebenfalls erfreulich. Dies gilt sowohl für die Bauproduktion in den vergangenen Monaten als auch für die vorlaufenden Stimmungsindikatoren. Der Bausektor trägt damit, neben dem gut laufenden Konsum, auch in der Eurozone entscheidend dazu bei, das Wachstum zu stabilisieren.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung bildet das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator für die Eurozone seit 1995 ab. Unser Konjunkturindikator deutet seit Jahresbeginn eine leicht anziehende Dynamik an. Diese kommt dank besserer Aussichten im Bau- und Dienstleistungssektor und keiner weiteren Verschlechterung der Aussichten in der Industrie zustande.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance
  • Unsere Einschätzung für China, die seit Längerem positiv ist, bestätigte sich durch kürzlich veröffentlichte Zahlen. Die Industrieproduktion konnte überraschend stark auf 6.9% im Jahresvergleich zulegen. Noch im August verzeichnete die Industrieproduktion den geringsten Anstieg seit mehr als 17 Jahren. Auch die Importe und Exporte nahmen im Dezember markant zu. Die offizielle Schätzung für das vierte Quartal fiel mit 6% so stabil aus, wie es erwartet werden konnte.

    Grössere Sorgen bereitet die Wirtschaftsentwicklung in Indien. Dort betrug das Wachstum zuletzt nur noch gerade 4,50%. Indien bräuchte eigentlich ein Wachstum von mindestens 6%, um für die stark wachsende Arbeitsbevölkerung genügend neue Stellen zu schaffen. Ursache für das tiefe Wachstum sind Verwerfungen aufgrund schlecht geplanter politischer Reformen und eine seit Längerem bestehende Krise im Bankensektor, die die Kreditvergabe hemmt.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit 1995. Aggregiert haben sich die Wirtschaftsaussichten in den Schwellenländern in den letzten Monaten wieder etwas verbessert. Dies liegt zu einem grossen Teil an China.
    Quelle: Refinitiv, PostFinance

Globale Konjunkturdaten

Indikatoren Schweiz USA Eurozone GB Japan Indien Brasilien China   
Indikatoren
BIP J/J 2019Q2
Schweiz
0,2%
USA
2,3%
Eurozone
1,2%
GB
1,2%
Japan
0,8%
Indien
5,0%
Brasilien
1,1%
China   
6,2%
Indikatoren
BIP J/J 2019Q3
Schweiz
1,1%
USA
2,1%
Eurozone
1,2%
GB
1,1%
Japan
1,9%
Indien
4,5%
Brasilien
1,2%
China   
6,0%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
=
USA
=
Eurozone
=
GB

Japan
Indien
+
Brasilien
+
China   
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,5%
USA
1,7%
Eurozone
1,0%
GB
1,6%
Japan
1,0%
Indien
5,6%
Brasilien
0,9%
China   
6,1%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,2%
USA
2,3%
Eurozone
1,3%
GB
1,3%
Japan
0,5%
Indien
7,3%
Brasilien
4,3%
China   
4,5%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
1,55%
Eurozone
0,0%
GB
0,75%
Japan
-0,10%
Indien
5,15%
Brasilien
4,50%
China   
4,35%

Quelle: Refinitiv, PostFinance

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