25.07.2018

Wie kann ich in Rohstoffe investieren?

Sie haben bestimmt schon von der Möglichkeit gehört, in Rohstoffe zu investieren. Doch was sind überhaupt «Rohstoffe»? Und wie genau funktioniert die Investition? Wir erklären die Grundlagen.

Die Welt der Rohstoffe (auch Commodities genannt) ist gross – von Getreide, Lebendvieh, Soja und Kaffee über Holz, Kautschuk und Baumwolle bis zu Gold, Silber, Kupfer, Erdöl, Erdgas und Kohle stehen Anlegern eine riesige Auswahl an Möglichkeiten offen, in Rohstoffe zu investieren. Während wir unter «Rohstoffe» meist natürliche Ressourcen wie Edelmetalle oder eben Erdöl und Erdgas verstehen, geht das Verständnis von Rohstoffen an der Börse noch weiter – denn schliesslich werden an der Börse auch Strom oder Orangensaft gehandelt, die nicht der umgangssprachlichen Definition von Rohstoffen entsprechen. Was im Endeffekt als Rohstoff gilt, darüber scheiden sich die Geister. In der nachfolgenden Grafik finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Rohstoffe, in die Sie investieren können, aufgeteilt nach «Soft Commodities» und «Hard Commodities».

Grafische Übersicht der verschiedenen Rohstoff-Kategorien, in die Sie investieren können. Es wird unterteilt in Soft Commodities und Hard Commodities. Die Soft Commodities beinhalten Ackerbau und Tiere. Tierische Rohstoffe sind Rinder, Mastrinder, Schweine und Schweinebäuche. Im Ackerbau unterscheidet die Grafik zwischen Softs und Getreide. Als Softs werden Baumwolle, Kaffee, Kakao, Orangensaft, Kautschuk, Zucker, Holz und Wolle bezeichnet. Zu den Getreide-Rohstoffen gehören Weizen, Mais, Soja, Reis, Hafer, Roggen, Gerste, Hirse und Raps. Bei den Hard Commodities unterscheidet die Grafik zwischen Metallen und Energie. Rohstoffe im Bereich Energie sind Erdöl, Benzin, Gasöl, Erdgas, Heizöl, Kohle und Strom. Bei den Metallen wird zwischen Industriemetallen und Edelmetallen unterschieden: Industriemetalle beinhalten Aluminium, Kupfer, Blei, Quecksilber, Nickel, Zinn, Zink und Titan. Edelmetalle sind Gold, Silber, Platin, Iridium, Palladium, Osmium und Ruthenium.

Investitionen in Rohstoffe ermöglichen es Anlegern, ihre Anlagen zu diversifizieren und ihre Vermögenslage gegen eine steigende Inflation zu sichern.

Rohstoffpreise fallen und steigen nämlich in anderen Zyklen als zum Beispiel Aktien an den Finanzmärkten. Wenn die Wirtschaft schwächelt, steigt oft die Nachfrage nach Rohstoffen, zum Beispiel nach Sachwerten wie Gold. Dies führt zu einem automatischen Inflationsausgleich, wenn es an den Finanzmärkten turbulent zugeht. Aber: Einige Rohstoffe wiederum sind von Klimafaktoren wie dem Wetter oder Naturkatastrophen abhängig – gibt es z.B. lange Dürrephasen, hat dies Auswirkungen auf das Angebot an pflanzlichen Rohstoffen. Währungen sind an einen möglichen Kaufkraftverlust des Geldes gebunden, also an die Kapitalmärkte. Rohstoffe sind dies nicht.

Wie investiert man denn nun konkret in Rohstoffe?

Rohstoffe werden oftmals mit «Futures» gehandelt. Futures sind Termingeschäfte, also Vereinbarungen, eine bestimmte Menge eines Rohstoffs zu einem bestimmten Termin in der Zukunft gegen einen heute festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Gehandelt werden Futures an spezialisierten Warenterminbörsen. Bei Ablauf eines Futures erfolgt häufig die physische Lieferung der Ware, z.B. von Schweinebäuchen. Das dies für die allermeisten privaten Anleger keinen Sinn macht, gibt es auch im Bereich Rohstoffe Anlagefonds und ETFs.

Mit Rohstoff-Fonds können Anleger ebenfalls über den Terminmarkt in Rohstoffe investieren. Diese Fonds legen über Derivate Geld in Rohstoff-Futures an und ermöglichen eine einfache Art der Diversifikation in unterschiedliche Rohstoffe und -segmente.

Edelmetalle (z.B. Gold und Silber) sind Rohstoffe, die direkt physisch gekauft werden können. Sie sind meist in relativ kleinen Mengen, etwa in Form von Münzen oder Barren, erhältlich. Als Alternative bieten sich auch Edelmetall-Konten oder Goldfonds an, mit denen Sie in Silber und Gold investieren können, ohne das Metall physisch kaufen zu müssen.

Zu guter Letzt können Anleger auch in Aktien von Rohstofffirmen investieren. In diesem Fall «wetten» Anleger aber nur indirekt auf die Rohstoffe, etwa darauf, dass sich ein Preisanstieg oder -verfall des Rohstoffs auch auf das jeweilige Unternehmen auswirkt.

Rohstoffanlagen sind komplex

Bei all diesen Optionen muss man im Auge behalten, dass Investitionen in Rohstoffe eine komplexe Sache sind. Rohstoffe sind von völlig unterschiedlichen Einflüssen abhängig: Energie und (Industrie-)Metalle hängen von der globalen Konjunktur ab, Agrarrohstoffe hingegen vom Wetter beziehungsweise von guten und schlechten Erntejahren. Es gilt auch hier der Grundsatz: Investieren Sie nur, wenn Sie die Chancen und Risiken gut einschätzen können. Eine Rohstoffinvestition wirft auch keine Dividenden oder Zinsen ab. Sie ist und bleibt eine Wette auf eine Preisentwicklung. Das ist immer mehr oder weniger spekulativ.

Ethische Gründe nicht ausser Acht lassen

Zu all dem kommt der für viele Anleger vielleicht wichtigste Aspekt: Es gibt ethische Bedenken bei Investments in Agrarrohstoffe. Auch Grundnahrungsmittel werden als Rohstoffe gehandelt. Obwohl nicht abschliessend geklärt ist, ob und wie stark Rohstoffspekulationen zum Beispiel Preise in die Höhe treiben und damit Grundnahrungsmittel für Menschen in Entwicklungsländern unerschwinglich machen, sind diese Bedenken nicht aus dem Weg zu räumen.

An Möglichkeiten, in Rohstoffe zu investieren, herrscht kein Mangel. Überlegen Sie sich aber gut, ob und welche Rohstoffe zu Ihrer Anlagestrategie und Ihrem Anlagehorizont passen sowie welche Instrumente Sie verstehen und einsetzen möchten.

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