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Erstellt am 19.07.2019

Wirtschaft: Der Welthandel stagniert

Die globalen Exporte wachsen kaum noch. Die Exportschwäche betrifft sowohl Industrie- als auch Schwellenländer und zieht jeweils die Industrie in Mitleidenschaft. Deren Stimmungsindikatoren sind in den letzten Monaten markant gesunken. Die Binnensektoren entwickeln sich hingegen nach wie vor robust, angetrieben durch die tiefe Arbeitslosigkeit und vielerorts steigenden Löhne.

  • Die hiesige Arbeitslosigkeit erreichte im Juni mit 2,1% ein neues 17-Jahrestief. Die exzellente Verfassung des Arbeitsmarktes täuscht aber darüber hinweg, dass die Industrie seit Monaten mit einer sich abkühlenden Konjunktur und sinkendem Exportwachstum zu kämpfen hat. Das Exportwachstum von 5% im Mai gegenüber dem Vorjahr ist hauptsächlich dem mit Abstand grössten Exportsektor, der Pharmaindustrie, zu verdanken. Deren Exporte sind nur schwach von konjunkturellen Zyklen abhängig. Ohne pharmazeutische Produkte sind die Exporte seit Jahresbeginn kaum mehr gewachsen. Hinzu kommt, dass die Auftragsbücher der Schweizer Industrieunternehmen dünner werden – der KOF-Indikator für den Auftragsbestand erreichte jüngst seinen tiefsten Wert seit September 2012. Positiv bleibt zu vermerken, dass sich der Bau- und der Dienstleistungssektor nach wie vor sehr gut entwickeln. Diese sorgen aktuell dafür, dass sich die Schweizer Konjunktur nicht noch stärker abkühlt.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Grafik zeigt das Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) im Zeitverlauf, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Sowohl der vorlaufende Konjunkturklimaindikator als auch das reale BIP-Wachstum deuten auf eine abnehmende Konjunkturdynamik hin.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream, PostFinance

    Sowohl unser vorlaufender Konjunkturklimaindikator als auch das reale BIP-Wachstum deuten auf eine abnehmende Konjunkturdynamik hin.

  • Beobachter wurden im vergangenen Monat von starken Zahlen des US-Arbeitsmarktes überrascht. Ausserhalb des Landwirtschaftssektors wurden im Juni netto 224’000 neue Stellen geschaffen, was deutlich über der im Vorfeld erwarteten Zahl von 160’000 lag. Dieser hohe Wert spricht für weiterhin kauffreudige Konsumenten, was auch die jüngsten Zahlen bei der Konsumentenstimmung bestätigen. Demgegenüber blicken Industrieunternehmen gemäss Umfragebarometer deutlich pessimistischer in die Zukunft als noch vor sechs Monaten. Die divergierende Entwicklung bei den Konsumenten und Unternehmen erschwert aktuell den kurzfristigen Wirtschaftsausblick zur USA. Allerdings hätte die amerikanische Notenbank dank des verglichen mit Europa höheren Zinsniveaus eher Spielraum, einer konjunkturellen Abkühlung mit Zinssenkungen zuvorzukommen. Gemäss jüngsten Signalen könnte die Notenbank bereits im kommenden Juli-Meeting davon Gebrauch machen und die US-Zinsen erstmals wieder nach unten anpassen.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Abbildung stellt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie ein vorlaufendes Konjunkturklima dar. Die Abbildung zeigt, dass die US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich stark gewachsen ist. Das aktuelle Konjunkturklima lässt jedoch erwarten, dass sich das BIP-Wachstum in naher Zukunft wieder der langfristigen Trendwachstumsrate von 2 Prozent nähert.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream, PostFinance

    Der Indikator zum Konjunkturklima deutet an, dass sich das starke Wirtschaftswachstum der vergangenen Quartale 2019 nicht mehr wiederholen wird. Für die kommenden Quartale ist eher mit einem Wachstum nahe dem langfristigen Trend von 2% zu erwarten.

  • Seit der Finanzkrise von 2008 wuchs die deutsche Wirtschaft in den meisten Quartalen schneller als die Französische. In den vergangenen drei Quartalen scheint sich dieser Trend jedoch gedreht zu haben. Die stark von der Industrie abhängige deutsche Wirtschaft leidet unter der schlechten Stimmung im verarbeitenden Gewerbe und der schwachen globalen Exportdynamik. Dies gilt insbesondere für die deutsche Automobilindustrie, deren PKW-Produktion im ersten Quartal 13% tiefer lag als im Vorjahresquartal. Noch sind die Arbeitsmärkte in Europa gut ausgelastet und damit einhergehend bleibt auch der Privatkonsum nach wie vor robust. Sollte die Absatzschwäche in der Industrie jedoch anhalten und sich auf den Arbeitsmarkt ausweiten, muss mit einer deutlichen Konjunkturverlangsamung gerechnet werden.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone. Die Stimmungsindikatoren überschätzen momentan die tatsächlichen Wachstumsraten der Wirtschaft. Kurzfristig ist mit Wachstum unterhalb des Trends zu rechnen.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream, PostFinance

    Die Stimmungsindikatoren überschätzen derzeit die tatsächlichen Wachstumsraten der Wirtschaft. Kurzfristig ist mit Wachstum unterhalb des Trends zu rechnen.

  • Ähnlich wie in entwickelten Märkten leiden die Schwellenländer zurzeit unter der schlechten globalen Exportdynamik. Im ersten Quartal verzeichneten die Schwellenländer sogar rückläufige Exporte, die Unternehmensgewinne gingen ebenfalls zurück. Unterstützend wirkt hingegen der jüngst etwas schwächere Dollar. Da sich in Schwellenländern Staat und Firmen oftmals in Dollar verschulden, sinkt durch den schwächeren Dollar die Schuldenlast. In Brasilien ist der positive Stimmungseffekt aus der Wahl von Jair Bolsonaro unterdessen verflogen. Aktuelle Stimmungszahlen versprechen wenig Wachstumsimpulse für die kommenden Monate. Auch Chinas Konjunktur bleibt auf wackeligen Beinen. Das Wachstum hat sich im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahr auf 6,2% abgeschwächt, wobei neben dem Aussenhandel auch der Konsum zwischen April und Juni Mühe bekundete.

    Wachstum, Stimmung und Trend

    In Prozent

    Diese Grafik zeigt für einen Durchschnitt von Schwellenländern das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima. Das aktuelle Niveau des Konjunkturklimas lässt vonseiten der Schwellenländer insgesamt wenig Wachstumsimpulse für die globale Konjunktur erwarten.
    Quelle: Thomson Reuters Datastream, PostFinance

    In den Schwellenländern hat sich die Stimmung im vergangenen Monat abgeschwächt. Für die kommenden Monate ist mit Wachstumsraten unterhalb des langfristigen Trends zu rechnen.

Globale Konjunkturdaten

Indikatoren Schweiz USA Eurozone GB Japan Indien Brasilien China   
Indikatoren
BIP J/J 2018Q4
Schweiz
1,5%
USA
3,0%
Eurozone
1,2%
GB
1,4%
Japan
0,3%
Indien
6,6%
Brasilien
1,1%
China   
6,4%
Indikatoren
BIP J/J 2019Q1
Schweiz
1,7%
USA
3,2%
Eurozone
1,2%
GB
1,8%
Japan
0,9%
Indien
5,8%
Brasilien
0,4%
China   
6,4%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz

USA

Eurozone
GB

Japan
+
Indien
+
Brasilien
+
China   

Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,5%
USA
2,0%
Eurozone
1,2%
GB
1,8%
Japan
0,8%
Indien
6,9%
Brasilien
0,6%
China   
5,9%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,6%
USA
1,6%
Eurozone
1,2%
GB
2,0%
Japan
0,8%
Indien
3,2%
Brasilien
3,4%
China   
2,7%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
-0,75%
USA
2,38%
Eurozone
0,00%
GB
0,75%
Japan
-0,10%
Indien
5,75%
Brasilien
6,50%
China   
4,35%

Quelle: Thomson Reuters Datastream, PostFinance

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